E-Book, Deutsch, 304 Seiten
Reihe: tredition GmbH
Ramaker Tödliche Inspiration
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-347-30011-8
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ein norddeutscher Thriller
E-Book, Deutsch, 304 Seiten
Reihe: tredition GmbH
ISBN: 978-3-347-30011-8
Verlag: tredition
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Stefan Ramaker wurde 1968 in Emden geboren und lebt seit fünfundzwanzig Jahren in Hamburg. Er war als Werbetexter tätig und ist Inhaber einer Internetagentur. Die Liebe zum Schreiben entstand bereits in frühester Jugend. Mit Real Life Games hat Stefan Ramaker seinen ersten Roman herausgebracht, einen norddeutschen Zukunftsroman, der seine Vorliebe für ungewöhnliche Geschichten beweist. Der zweite Roman "Tödliche Inspiration", ein norddeutscher Thriller, ist ebenfalls bei tredition erhältlich.
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Die Abfindung
Daniel war mehr als nur zufrieden, als er den Brief seines Anwaltes öffnete. Der Streit mit der Firma war zu seinen Gunsten ausgegangen. Sein ehemaliger Arbeitgeber hatte der außergerichtlichen Einigung zugestimmt. Daniel sollte sein Gehalt für ganze sechs Monate weiter beziehen und darüber hinaus eine Abfindung in Höhe von zwanzigtausend Euro erhalten. Dafür würde er im Gegenzug eine Verschwiegenheitserklärung unterzeichnen.
Der Rechtsverdreher hatte gute Arbeit geleistet, aber etwas anderes hatte Daniel auch nicht erwartet. Er besaß einige nette Fotos von der Geschäftsleitung, geschossen auf der letzten Weihnachtsfeier, die nicht nur den Geschäftsführer in Unterhosen zeigten, sondern auch einige der besten Kunden, volltrunken mit einem Joint in der Hand, einer Reihe leerer Bierflaschen auf dem Tisch, dazu leicht bekleidete Damen, die auf demselbigen tanzten. Diese Feier hatte der Firma am Ende langfristige Verträge gesichert. Daniel schickte seinem Chef diese Fotos, als er wegen der vielen Krankheitstage gefeuert worden war. Er hatte in seiner Mail unverbindlich gefragt, ob er die Bilder von seinem Computer löschen solle oder ob sie Abzüge möchten. Daniel musste immer noch schmunzeln beim Gedanken, wie der alte Schmitt wohl aus der Wäsche geschaut haben mochte, als er die Schnappschüsse gesehen hatte.
Dieses kleine Druckmittel in den Verhandlungen gab nur den letzten Ausschlag, denn die Kündigung wegen Krankheit wäre ohnehin nicht zulässig gewesen. Es lief insgesamt gut für Daniel, der von diesem beschissenen Laden, den ganzen Werbe-Tussis und aufgeblasenen Managern ohnehin bis obenhin die Schnauze voll hatte.
Ja, er hatte die Nase voll davon, Werbetexte für Produkte zu schreiben, die voll mit Gift waren, oder für Bankkredite, die für überschuldete Kunden sorgten. Er hatte keine Lust mehr, von überdimensionierten Geländewagen zu schwärmen, die reine Dreckschleudern waren und den Besitzern als Penisverlängerung im Straßenverkehr dienten, als Zeichen von angeblicher Macht und Wohlstand, gepaart mit einem absurden Outlaw- und Outdoor-Gefühl, das er mit seinen Slogans so blumig heraufbeschwor. Was für eine verdammte Verschwendung von Zeit und Talent.
Nein. Daniel hatte etwas anderes vor. Er hatte vor, einen Bestseller zu schreiben. Einen Krimi, der natürlich von einem renommierten Verlag verlegt und später verfilmt werden würde. Diesen Plan hatte er bereits vor Monaten gefasst. Seine Krankentage kamen zusammen, weil er es selbst auf eine Kündigung angelegt hatte. Die Vorfälle der Weihnachtsfeier passten dabei einfach nur perfekt in sein Buchkonzept, in seinen Exit-Plan.
Daniel wollte raus aus dem geistlosen Job und ein Jahr an dem Werk schreiben. Er hatte vor vier Wochen seine Lebensversicherung gekündigt, um weitere Mittel freizumachen. Er würde dadurch Geld verlieren, das war ihm klar. Die Versicherung hatte sich dann auch gefreut, einen alten Vertrag mit guten Zinskonditionen auflösen zu können.
Den Bescheid der Versicherung hatte Daniel heute ebenfalls mit der Post erhalten. Es war Zahltag!
Er rechnete emsig zusammen. Da waren die Lohnfortzahlung, die Abfindung und die Lebensversicherung, alles zusammen waren das gut fünfzigtausend Euro. Daniel hatte weitere fünfzehntausend auf seinem Sparkonto. Das sollte genügend Geld sein, um sein Buch in aller Ruhe schreiben zu können. Auch wenn es mehr als ein Jahr dauern würde und vielleicht ein weiteres halbes Jahr, bis die ersten Einnahmen hereinkommen würden. Was sollte ihm passieren? Er hatte sich befreit von der ganzen Last der letzten Jahre. Darauf wollte er jetzt anstoßen und sich alsbald an die Arbeit machen.
Daniel war auf alle Fälle nach einer Party zumute und er würde nicht allein feiern wollen. Nur, wen konnte er anrufen? Seine Ex-Freundin Maya, mit der seit vier Wochen Schluss war? Er würde gerne wieder eine Nacht mit ihr verbringen. Aber seit der letzten Auseinandersetzung war er skeptisch, ob Maya Lust darauf hätte, mit ihm zu feiern, geschweige denn mit ihm im Bett zu landen. Vielleicht hatte sie schon einen neuen Freund.
Daniel hatte nicht viele echte Freunde vorzuweisen, solche, die er häufiger traf, und keinen, mit dem er persönliche Dinge besprach. Auch so ein beschissener Effekt seiner Arbeit. Als Werbetexter hatte er in den letzten Jahren nie Zeit für andere Menschen gefunden. Daniel schlug das Adressbuch auf.
Sein Bruder Arne Alberts stand zuoberst im Adressbuch. Arne hatte bereits ein Kind und war längst bodenständig geworden. Nein, das würde keine Party werden, wenn Arne am Ende von Mama anfangen würde. Je mehr Namen Daniel in den Seiten nachschlug, umso mehr wurde ihm klar, dass er mit seinen dreißig Jahren ziemlich allein dastand, wenn es um eine durchzechte Nacht auf dem Kiez ging. Dann fiel ihm Peter ein. Peter war ein ehemaliger Schulfreund. Der Einzige, der von den alten Bekannten keine Beziehung hatte und keinen Beruf. Er war seit ewig schon arbeitslos und meldete sich immer mal, wenn er Geld brauchte. Peter war darüber hinaus ein lustiger Vogel. Der Richtige für eine großartige Nacht. Und es war Freitag.
Yippie-Ya-Yeah, Schweinebacke, das war es!
Daniel zögerte nicht lange und wählte die Nummer. Er hatte Peter das letzte Mal vor einem Jahr gesehen, aber er wusste, Peter war die passende Begleitung für eine Feier zum Start in ein neues Leben. Das Telefon klingelte am anderen Ende der Leitung und jemand hob tatsächlich ab.
»Hallo?«, kam es verschlafen von der anderen Seite.
»Peter? Ich bin es, Daniel. Alter Schwede, ist alles klar bei dir?«
Einen Moment herrschte Stille in der Leitung. Man konnte Peter regelrecht denken hören.
»Daniel Alberts?«, sagte Peter verwirrt.
»Ja klar, wer denn sonst, du alte Socke? Hör mal. Ich habe meinen Job geschmissen und wollte darauf anstoßen. Hast du Lust auf eine Party auf dem Kiez?«
Peter hustete. »Ich war gestern schon auf einem Konzert im Grünspan und bin heute ziemlich im Arsch.«
Daniel versuchte es mit Motivation. »Hey Kollege, so kenn ich dich ja gar nicht. Wir gehen was essen und dann schauen wir mal im Irish Pub vorbei. Ich bezahle den ganzen Abend.«
Peter dachte anscheinend wieder nach. Dann antwortete er: »Na okay, von mir aus.«
Daniel grinste. »Wir treffen uns um neun im Steakhaus auf der Reeperbahn, okay?«
»Alles klar, Mann!«, sagte Peter und beendete das Gespräch.
Daniel machte sich ein Bier auf und ging an den Schreibtisch. Er hatte noch ein paar Stunden und wollte die ersten Seiten seines Romans schreiben. Er erstellte ein Officedokument und speicherte es unter dem Namen bestseller_daniel.doc ab.
Nein, bescheiden war Daniel nicht. Er war jetzt frei.
Das weiße Dokument blickte ihn an. Wo sollte er anfangen? Es sollte ein Krimi werden, mit jeder Menge Action, so viel war klar. Über mehr hatte er sich keine Gedanken gemacht. Er hatte es als Arbeit angesehen, die er technisch und strategisch angehen würde. Er, der Texter, hatte das Handwerkszeug dafür.
Dann schrieb er den ersten Satz:
Maik war ein beinharter Typ, dem die Frauen zu Füßen lagen.
Hm, irgendwie hörte sich das zu pathetisch an. Er löschte den Satz und fing noch einmal an:
Es war Freitag und Maik wollte heute einen draufmachen.
Genau, das war es. Er würde mit einer Party anfangen, mit so einer, wie er sie heute selbst erleben würde. Also schrieb er von einem Abendessen und von Bars, in denen sein Protagonist herumhängt.
»Hey Baby, ich kann hellsehen … heute Nacht, da schläfst du bei mir!«
»Du bist so cool«, antwortete die Blondine mit der großen Oberweite.
Mist! Was war das für eine bescheuerte Konversation, die er dort niederschrieb. Die ganzen ersten vier Seiten waren viel zu gequält, konstruiert, an den Haaren herbeigezogen und einfach ohne Leben. Daniel ärgerte sich und löschte die Seiten bis auf den ersten Satz, der ihn verloren anstarrte. Was war mit ihm los? Sonst sprühte er über vor Geschichten. Als Werbetexter hatte er flotte Sprüche für Energiedrinks geschrieben, bei denen allein schon der Zuckergehalt für lang anhaltende Hyperaktivität sorgte. Ein Roman bestand aber nicht aus einer Aneinanderreihung von Sprüchen. Es brauchte eine plausible Handlung, die der Leser nachvollziehen konnte. Es musste lebendig werden.
»Bleib cool, entspann dich!«, sagte er laut zu sich selbst.
Daniel schaute auf die Uhr und merkte, dass es bereits nach acht Uhr war. Es war langsam an der Zeit zu gehen. Er würde morgen weiterschreiben und den heutigen Abend erst einmal genießen. Von seiner Altbauwohnung in Ottensen war es nicht weit bis zum Kiez. Er nahm die S-Bahn und fuhr eine Station von der Königsstraße zur Haltestelle Reeperbahn. Das Steakhaus lag auf der anderen Seite der Reeperbahn und so lief Daniel die komplette Meile hinunter. Er kam fast pünktlich an. Vor dem Gebäude stand schon Peter mit hochgeklapptem...




