Rathert | Herbert von Karajan | Buch | 978-3-96707-618-9 | www.sack.de

Buch, Deutsch, 320 Seiten, Format (B × H): 120 mm x 190 mm

Reihe: SOLO

Rathert

Herbert von Karajan

Macht - Ohnmacht - Vermächtnis
1. Auflage 2026
ISBN: 978-3-96707-618-9
Verlag: Edition Text + Kritik

Macht - Ohnmacht - Vermächtnis

Buch, Deutsch, 320 Seiten, Format (B × H): 120 mm x 190 mm

Reihe: SOLO

ISBN: 978-3-96707-618-9
Verlag: Edition Text + Kritik


Unter allen großen Dirigenten des 20. Jahrhunderts stellt Herbert von Karajan (1908–1989) wohl die weltweit berühmteste, zugleich aber am schwersten fassbare Erscheinung dar. Auch wenn eine solche Feststellung paradox erscheint, ist sie angesichts der tiefen Widersprüche in der persönlichen und künstlerischen Biografie der Ausnahmebegabung Karajans berechtigt.

Unter Berücksichtigung alter und neuer Dokumente entwirft das Buch von Wolfgang Rathert ein differenziertes und zeitgemäßes Bild der komplexen Persönlichkeit Karajans und fasst diese Widersprüche unter der Dialektik von Macht und Ohnmacht.

Im Nationalsozialismus begann Karajans Aufstieg; als Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, Nachfolger Furtwänglers und in strategischer Allianz mit der prosperierenden Tonträger-Industrie konnte der "Generalmusikdirektor Europas" seine Karriere ab der Mitte der 1950er Jahre in beispielloser Weise entfalten. Auf der anderen Seite führte sein Anspruch, eine objektivierende, in jedem Detail von ihm kontrollierte Interpretation zu realisieren, zu unausweichlichen Konflikten – mit Personen und Institutionen (am Ende als Bruch mit den Berliner Philharmonikern), als hybride, übermenschlich anmutende Personalunion von Dirigent, Regisseur, Intendant und Unternehmer sowie schließlich als resignatives Abarbeiten an der technologischen Utopie der perfekten Aufführung. Ob Karajans Vermächtnis das eines Interpreten, eines Technik-Visionärs oder vielleicht sogar das eines Musikpolitikers ist, bleibt daher diskussionswürdig.

Die Reihe "SOLO – Porträts und Profile" lädt dazu ein, die Künstlerinnen und Künstler der "klassischen" Musik kennenzulernen. Erstmals auf dem deutschsprachigen Buchmarkt stehen hier internationale Interpretinnen und Interpreten des 20. und 21. Jahrhunderts im Mittelpunkt. Jedes Buch porträtiert in gut zugänglicher und kompakter Form eine Musiker-Persönlichkeit: Dirigentinnen und Dirigenten, Solistinnen und Solisten, Sängerinnen und Sänger. Biografie und Karriere werden ebenso vorgestellt wie wesentliche Merkmale des individuellen Musizierens. Eine Einordnung des künstlerischen Profils rundet die fundierten Darstellungen ab.

Die Autorinnen und Autoren der Reihe sind auf ihrem jeweiligen Gebiet ausgewiesene Fachleute und kommen aus Forschung und Praxis.

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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Einleitung
1 Kunst – Macht – Politik
Phänomen und Phantom – Rätsel, Charisma und Entzauberung
2 1908–1934: Salzburg, Wien, Ulm
Salzburg und Wien – Faszination der Technik – Ulm – Exkurs I: Partei- oder Karteimitglied? – Karajans Mitgliedschaft in der NSDAP
3 1934–1942: Die erste Karrierestation Aachen
Aachen als Musikstadt – Karajans Start – Bekenntnis zum Nationalsozialismus – Die Grenzland-Ideologie – Einsatz für die Zeitgenossen – Deutsche Seele und Expansionsdrang – Künstlerische Partner in Aachen – Karajan als Opernregisseur – Aachener Nachklänge in Wien – Die erste Ehe
4 1938–1945: Aufstieg zur Macht
Die Eroberung Berlins – Heinz Tietjen – Gustaf Gründgens – Von der Nülls Karajan-Deutung – Die "Meistersinger"-Kontroverse – Erfolge in Rom und Paris – Die zweite Ehe – Der (angebliche) Parteiaustritt – Goebbels und Karajan – Verteidigungsstrategien I – Bruckner-Pflege in Linz – Kriegsende – Exkurs II: Das Entnazifizierungsverfahren
5 1946–1970: Zwischenstationen
Partnerschaft mit Walter Legge – Fantasie und Selbstzucht – Die Wiener Symphoniker – Karajan und Harnoncourt – Die Internationalen Musikfestwochen Luzern – Italien: Die Mailänder Scala und die RAI-Orchester – Exkurs III: Karajan und die zeitgenössische Musik – Ein kurzes Gastspiel auf dem Grünen Hügel – Coda: Ein zweites Mal Paris
6 1947–1989: Das Salzburger Imperium
Historische Kontexte – Ante portas – Vertragsverhandlungen – Am Ziel – Die Osterfestspiele – Die Kehrseite des Erfolgs – Kunstreligion und Kommerz
7 1957–1989: Ein moderner Renaissancefürst. Karajan und Wien
Krisen und Rücktritte – Kunstwirtschaft und Kartell – Jenseits und nach der Staatsoper
8 1955–1989: Triumph und Scheitern. Die zweite Berliner Ära
Eine schwierige Beziehung – "… für unbestimmte Zeit" – Ein fait accompli – Eine filmreife Szene – Proteste in den USA – Verteidigungsstrategien II – Das magische Plus – Ein unvergessliches Konzert – Diktator und Sisyphos – Exkurs IV: Karajans Musikfilme – Respekt vor dem Gesetz
9 Vermächtnis
Sachlichkeit und Metaphysik – Eine technokratische Ästhetik – In allen Sätteln gerecht sein – Domestizierte Wildheit oder rhythmische Differenziertheit – Vom Umgang mit der musikalischen Zeit – Karajans Wagner – Schicksal statt Politik – Perfektionierung der Aufnahmetechnik – Le roi est mort! Vive le roi?

Diskografie, Inszenierungen, Filmografie
Bibliografie
Zeittafel
Bildnachweis
Dank
Personenregister



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