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Rauenstein | Die Welt der Hedwig Courths-Mahler 529 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 64 Seiten

Reihe: Bastei Lübbe

Rauenstein Die Welt der Hedwig Courths-Mahler 529

Die unerwünschte Braut
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7517-0599-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die unerwünschte Braut

E-Book, Deutsch, 64 Seiten

Reihe: Bastei Lübbe

ISBN: 978-3-7517-0599-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Nach dem bestandenen Examen besucht Nina Ritter Verwandte in Schottland. Im Haus der Tante lernt sie Hanno kennen, und für die beiden jungen Menschen ist es Liebe auf den ersten Blick. Gegen den erbitterten Widerstand der adelsstolzen Baronin Breitner verloben sie sich, doch schon bald begreift Nina, dass Hanno dem Kampf mit seiner Mutter nicht gewachsen ist, die eine bürgerliche Braut nie und nimmer in der Familie dulden wird. Geschickt versteht es die alte Baronin, dem charakterschwachen Sohn Vivian von Stracken zuzuführen, die sie gern als Schwiegertochter haben möchte.
Bestürzt muss Nina einsehen, dass sie den geliebten Mann nicht halten kann und dass selbst sein Kind, das sie unter dem Herzen trägt, daran nichts ändern wird ...

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Die unerwünschte Braut

Das ergreifende Schicksal eines liebenden Mädchens

Nach dem bestandenen Examen besucht Nina Ritter Verwandte in Schottland. Im Haus der Tante lernt sie Hanno kennen, und für die beiden jungen Menschen ist es Liebe auf den ersten Blick. Gegen den erbitterten Widerstand der adelsstolzen Baronin Breitner verloben sie sich, doch schon bald begreift Nina, dass Hanno dem Kampf mit seiner Mutter nicht gewachsen ist, die eine bürgerliche Braut nie und nimmer in der Familie dulden wird. Geschickt versteht es die alte Baronin, dem charakterschwachen Sohn Vivian von Stracken zuzuführen, die sie gern als Schwiegertochter haben möchte.

Bestürzt muss Nina einsehen, dass sie den geliebten Mann nicht halten kann und dass selbst sein Kind, das sie unter dem Herzen trägt, daran nichts ändern wird ...

Es war eine übermütige Gesellschaft, die sich an diesem Abend in der kleinen Stammkneipe zusammengefunden hatte, um ihr bestandenes Examen zu feiern. Aber je weiter die Stunden vorrückten, umso stiller wurde es. Leise Wehmut schlich sich ein und dämpfte die Fröhlichkeit.

Plötzlich schien es allen klar zu werden, dass sich ihr ganzes zukünftiges Leben nun schlagartig ändern würde. Einige von ihnen würden noch weitere Semester belegen, aber die meisten fuhren morgen schon zu ihren Familien zurück oder traten in einigen Tagen ihre neue Stellung an.

An einem Tisch saßen vier junge Mädchen zusammen. Seit Jahren galten sie als unzertrennlich. Man hatte ihnen den Spitznamen »das Viermädelhaus« gegeben.

Nina, Ina, Daggy und Mona hatten sich während ihres Studiums eine Wohnung geteilt und wie Pech und Schwefel zusammengehalten. Zwar waren sie sich auch hin und wieder in die Haare geraten, aber kein Streit war je so ernst gewesen, dass er sie auseinandergebracht hätte.

Nun war der Augenblick der Trennung gekommen. Morgen begann für jede von ihnen ein neues Leben.

»Auf unsere Zukunft, und dass sich unsere Träume erfüllen mögen«, sagte Ina mit traurigem Blick und hob das Glas.

Hell klangen die Gläser aneinander.

»Auf dass wir immer Freunde bleiben und uns nie aus den Augen verlieren, was auch geschieht«, erwiderte Nina Ritter in ernstem Ton. »Es war eine wunderschöne Gemeinschaft, die uns verbunden hat. Ihr werdet mir alle sehr fehlen.«

»Ich werde euch auch vermissen«, erklärte Daggy, ein hübsches braunhaariges Mädchen.

»Ich glaube, es war unsere schönste Zeit«, stieß nun Mona mit einem wehmütigen Seufzer hervor. »Nun heißt es, sich dem Leben zu stellen. Ob wir es schaffen werden?«

In diesem Augenblick trat ein junger Mann an den Tisch und legte Nina die Hand auf den Arm.

»Sagt mal, wollt ihr den ganzen Abend nur Trübsal blasen? Ich denke, ihr habt allen Grund, fröhlich zu sein, denn nun habt ihr es doch geschafft.« Munter zog er Nina hinter sich her zur Tanzfläche. Fest legte er den Arm um die Mädchengestalt und drückte sie an sich. Etwas zu fest, wie es Nina schien, die unwillkürlich von ihm fortstrebte.

»Lass das, Nick«, sagte sie unwillig. »Ich mag es nicht, wenn man mich so festhält.«

Nick Silvester war ein junger gut aussehender Mann, der sein Studium bereits beendet hatte und im Anwaltsbüro seines Vaters tätig war. Er hatte nie ein Hehl daraus gemacht, dass ihm die Freundin seiner Schwester Ina sehr gut gefiel.

Ein paarmal hatte Ina die Freundin zu einem kurzen Besuch mitgebracht, und der junge Mann hatte auf den ersten Blick sein Herz an das hübsche blonde Mädchen verloren, das sich seiner aparten Schönheit nicht einmal bewusst war. Die warmen braunen Augen, die Herzensgüte und Wärme verrieten, hatten sich in sein Herz gestohlen, und seitdem wusste Nick, wie die Frau aussehen musste, die er einmal heiraten würde.

Leider schien Nina seine Gefühle nicht zu erwidern. Sie mochte ihn, sah aber nichts weiter in ihm als einen guten Freund. Aber Nick gab so leicht nicht auf. Geduldig umwarb er sie und war fest davon überzeugt, dass seine Liebe zu ihr auf die Dauer nicht unerwidert bleiben konnte.

Er lockerte seinen Griff und sah sie lächelnd an.

»Nun hast du es geschafft, Nina. Wie stellst du dir deine Zukunft vor? Hast du schon Pläne?«

Nachdenklich sah das Mädchen an ihm vorbei.

»Zuerst einmal werde ich Urlaub in Schottland machen. Meine Verwandten haben mich eingeladen. Danach werde ich weitersehen.«

Diese Antwort hatte Nick nicht erwartet. Er hatte damit gerechnet, dass Nina sich sofort in die Arbeit stürzen würde.

Das Mädchen schien seine Gedanken zu erraten, denn sie lachte leise auf.

»Du bist verwundert, nicht wahr, Nick? Hast du gedacht, dass ich direkt von der Universität mit beiden Beinen in meinen neuen Beruf hineinspringe?«

»Wenn ich ehrlich sein soll, ja, Nina. Bei dir ist man es gewohnt, dass du alles ganz genau überlegst und planst. Hattest du nicht vor, in die Fußstapfen deines Vaters zu treten?«

»Das war immer mein Wunschtraum, Nick«, gab Nina nachdenklich zu. »Mein Vater war ein hervorragender Staatsanwalt, eigentlich mehr gefürchtet als geliebt, denn er kannte nur seine Pflicht. Als Kind wollte ich so werden wie er, aber später wurde mir klar, wie unerbittlich und unnachsichtig er war, wie gnadenlos und besessen von dem Gedanken, die Schuldigen zu strafen.«

Unwillkürlich schauerte das Mädchen zusammen. Vor ihren inneren Augen stand plötzlich das harte kantige Gesicht des Vaters, der immer nur seinen geraden Weg der Pflicht gegangen war und der kein menschliches Versagen hatte gelten lassen.

Als Kind hatte sie ihn geliebt. Doch eines Tages hatte sie schmerzlich erkannt, dass der Vater ihr in seinem Wesen fremd geworden war. Erst während seiner langen schweren Krankheit, die fast ein Jahr gedauert hatte, bis er endlich von seinem Leiden erlöst worden war, waren sie sich menschlich wieder nähergekommen. In dieser Zeit hatte sie zugleich gesehen, dass ihr Vater ein einsamer Mensch geworden war, der keine wirklichen Freunde besessen hatte.

Nein, ein solches Leben wollte sie nicht führen. Nina hatte den Wunsch, Verzweifelten zu helfen und ihnen neue Hoffnung zu geben. Hilflosen beizustehen, damit sie zu ihrem Recht kamen. und Unrecht zu verhindern. Sie wollte nicht anklagen und nicht verdammen, sondern verstehen und helfen.

»Nein, Nick«, sagte sie mit einem tiefen Seufzen. »Ich werde nicht in seine Fußstapfen treten. Ich wäre keine gute Staatsanwältin.«

»So bist du dir also noch nicht völlig klar, welchen Weg du einschlagen wirst, Nina?«

»Vielleicht nehme ich das Angebot an, das ein Freund meines Vaters mir gemacht hat. Er hat ein großes Anwaltsbüro, und ich kann mir unter seiner Leitung die ersten Sporen verdienen. Vielleicht aber entschließe ich mich, noch weiterzustudieren. Wie gesagt, ich habe mich noch nicht entschieden.«

In Nicks grauen Augen lag ein zärtlicher Ausdruck, der ihr eine feine Röte in die Wangen trieb.

»Es gibt noch eine Möglichkeit, Nina«, sagte er verhalten.

»Und die wäre, Nick?« Ahnungslos lächelte sie zu ihm auf.

Er neigte seinen Kopf tiefer zu ihr hinunter.

»Heirate mich, Nina. Wir beide bauen uns eine gemeinsame Zukunft auf. Ich kann mit Stolz sagen, dass ich mir schon einen guten Start geschaffen habe. Meine Klientenzahl wächst mit jedem Tag. Wenn es so weitergeht, werde ich mich schon sehr bald nach einer Hilfe umsehen müssen. Könnte es dich nicht reizen, Nina?«

»Du weißt, wie gern ich dich habe, Nick, aber zum Heiraten reicht es nicht aus. Bitte, sei nicht traurig, aber ohne Liebe kann und werde ich niemals heiraten.«

»Und du glaubst nicht, dass du mich eines Tages lieben kannst, Nina?«, fragte er traurig.

Sie sah an ihm vorbei.

»Was wissen wir, was uns die Zukunft bringt, Nick. Wir wollen uns beide Zeit lassen und nichts überstürzen. Vielleicht begegnet dir eines Tages die Frau, die dich wirklich glücklich macht. Lass uns Freunde bleiben, Nick. Ich möchte dich als Freund nicht verlieren.«

Es lag so viel ehrliches Bitten in ihrer Stimme, dass er ihr nur stumm die Hand drücken konnte.

»Ich werde immer dein Freund sein, Nina, und immer für dich da sein, wenn du mich einmal brauchst.«

Der Tanz war zu Ende. Nick legte den Arm um die schlanke Gestalt und führte sie zum Tisch zurück. Anschließend besuchten die Mädchen mit einigen jungen Männern noch eine Bar, und es wurde eine unvergesslich schöne Nacht.

???

Seit acht Tagen weilte Nina nun schon bei ihren Verwandten in Schottland.

Die Familie Macalpine besaß im Hochland ein fast schlossartiges Haus. Tante Morag verwöhnte die Nichte nach Strich und Faden. Aber die wortkarge, verschlossene Art der Hochländer blieb dem jungen Mädchen fremd.

Schon nach Tagen begann Nina, sich nach den fröhlichen, unbekümmerten Freundinnen aus der Studentenzeit zu sehnen, die ihr immer zur Seite gestanden hatten.

Oft fühlte sie sich schrecklich allein. Onkel Donald war ein von Gicht gequälter Mann, der meist lustlos herumhumpelte. Tante Morag...



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