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Rauenstein | Die Welt der Hedwig Courths-Mahler 545 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 64 Seiten

Reihe: Bastei Lübbe

Rauenstein Die Welt der Hedwig Courths-Mahler 545

Seine Sehnsucht hieß Sandra
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7517-1419-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Seine Sehnsucht hieß Sandra

E-Book, Deutsch, 64 Seiten

Reihe: Bastei Lübbe

ISBN: 978-3-7517-1419-8
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Schon als Kinder waren sie unzertrennlich, und das ändert sich auch nicht, als Sandra von Thorwald zu einem bildhübschen jungen Mädchen heranwächst. Staunend nimmt Volker Graf von Osborne diese Veränderung wahr, und wie ein Blitz zuckt in ihm die Erkenntnis auf, dass es nicht mehr die Gefühle einer Kinderfreundschaft sind, die er gegenüber Sandra hegt. Er begreift, dass er das Mädchen mit jeder Faser seines Herzens liebt.
Doch Volker hat nicht mit seinem Vater gerechnet, dem diese Entwicklung ein Dorn im Auge ist, die er niemals akzeptieren wird. Und so schmiedet der adelsstolze alte Graf Osborne einen verhängnisvollen Plan, um das liebende Paar für immer zu trennen ...

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Seine Sehnsucht hieß Sandra

Berühmter Roman um ein viel zu kurzes Glück

Schon als Kinder waren sie unzertrennlich, und das ändert sich auch nicht, als Sandra von Thorwald zu einem bildhübschen jungen Mädchen heranwächst. Staunend nimmt Volker Graf von Osborne diese Veränderung wahr, und wie ein Blitz zuckt in ihm die Erkenntnis auf, dass es nicht mehr die Gefühle einer Kinderfreundschaft sind, die er gegenüber Sandra hegt. Er begreift, dass er das Mädchen mit jeder Faser seines Herzens liebt.

Doch Volker hat nicht mit seinem Vater gerechnet, dem diese Entwicklung ein Dorn im Auge ist, die er niemals akzeptieren wird. Und so schmiedet der adelsstolze alte Graf Osborne einen verhängnisvollen Plan, um das liebende Paar für immer zu trennen ...

Scheinbar führerlos tanzte das kleine weiße Boot über das Wasser, das in der Glut der untergehenden Sonne wie flüssiges Silber schimmerte. Es war, als ob eine unsichtbare Gewalt das Boot immer weiter aufs offene Meer hinauszog.

Schwere Wolken zogen auf und ließen die Dunkelheit schneller hereinbrechen, als es sonst um diese Jahreszeit üblich war. Kleine Schaumkronen begannen auf dem bisher ruhigen Wasser zu tanzen. Von Ferne grollte der Donner. Der erste Blitz zuckte fahl am Horizont auf.

Das junge Mädchen, das mit geschlossenen Augen im Boot lag, nahm die Veränderung um sich herum nicht wahr. Es schien sich der Gefahr, in der es schwebte, gar nicht bewusst zu werden.

Das hübsche gebräunte Gesicht wirkte gelöst. Um den roten Mund lag ein verträumtes Lächeln.

Der Wind wurde stärker, und das Boot schwankte immer unruhiger hin und her. Am Himmel jagten dunkle schwere Regenwolken dahin. Ein greller, durchdringender Pfiff klang auf, durchbrach die Stille, die plötzlich wie ein atemloses Erwarten über dem Wasser lag.

Jäh zuckte das Mädchen zusammen, öffnete die Augen und richtete sich dann so hastig auf, dass es für einen Moment fast so aussah, als wollte das Boot umstürzen.

Geistesgegenwärtig griff das Mädchen nach den Rudern, die lose im Riemen hingen. Nach einiger Anstrengung gelang es Sandra von Thorwald, das Boot wieder in die Gewalt zu bekommen.

Erst jetzt sah sie, wie weit sie schon hinausgetrieben war. Sandra wusste, wie gefährlich das war. Sie kannte das Meer, denn sie war hier aufgewachsen. Und sie wusste auch, was die dunklen Wolken am Himmel zu bedeuten hatten. Doch sie verlor keinen Augenblick die Fassung.

Kräftig stemmte sie sich in die Riemen und zwang das Boot, ihr zu gehorchen. Wie ein Pfeil schoss das Boot über die tosende See dahin.

Wieder klang der schrille Pfiff auf. Sandra wandte jäh den Kopf. Und da sah sie den Mann, der oben auf dem Felsen stand und ihr mit angstvollen Gesten zuwinkte. Wortfetzen trafen ihr Ohr, aber sie konnte nichts verstehen. Der Wind heulte zu stark.

Sandra hob die Hand, als wolle sie dem Mann da oben auf dem Felsen Mut zusprechen. Aber so gelassen, wie sie sich gab, war ihr bei Weitem nicht ums Herz. Sie wusste, dass sie in großer Gefahr schwebte.

Doch stärker als die Furcht war der Zorn auf sich selbst, weil sie sich in diese Situation gebracht hatte. Und dieser Zorn verlieh ihr ungeahnte Kräfte und weckte einen leidenschaftlichen Willen in ihr, der Gefahr zu entrinnen.

Verbissen nahm sie den Kampf mit den anrollenden hohen Wellen auf, die ihr Boot wie ein Spielzeug hochhoben und davontrugen.

Sandra hatte noch Glück im Unglück, denn der Wind drehte plötzlich, jagte auf die Bucht zu und trug das Boot wie eine Feder vor sich her.

Sie hatte schon fast jede Hoffnung aufgegeben, da erreichte Sandra endlich die schützende Bucht. Die hohen Felsen zu beiden Seiten boten Schutz gegen das schnell näher kommende Unwetter. Und selbst wenn das Boot jetzt noch kentern würde, so traute sich Sandra als geübte Schwimmerin schon zu, das rettende Ufer zu erreichen.

Eine riesige Welle rollte dumpf grollend heran, erfasste das kleine Boot wie einen Federball, trug es mit rasender Geschwindigkeit direkt auf einen Felsen zu. Im nächsten Augenblick würde es an der Klippe zerschellen.

Blitzschnell erkannte Sandra die Gefahr. Mit einem Satz sprang sie ins Wasser. Noch ehe die schäumende Gischt über ihr zusammenschlug, vernahm sie wie aus weiter Ferne einen gellenden Schrei.

Volker!, konnte sie nur noch denken, dann hatte Sandra Mühe, sich gegen das Wasser zu stemmen und sich in Sicherheit zu bringen.

Dem jungen Mann schien es eine Ewigkeit, bis er den dunklen Mädchenkopf aus dem Wasser auftauchen sah. Ein tiefer, befreiter Atemzug hob seine Brust.

In großen Sätzen jagte er der Stelle zu, an der das Mädchen ans Ufer kommen musste. Er streckte Sandra hilfreich die Hände entgegen und zog sie auf den schützenden Felsen hoch.

Schwer atmend stand sie vor ihm, nass wie eine Katze, und schüttelte sich. Mit großen Augen starrte Sandra auf die Reste ihres Bootes, das am Felsen zerschellt war.

Bei dem Gedanken, dass es ihr fast ebenso ergangen wäre, geriet sie kurz ins Taumeln. Schutzsuchend klammerte sie sich an den Mann, der seine Arme um ihren zitternden Körper legte.

»Bist du von allen guten Geistern verlassen?«, fauchte er wütend, um seinem Herzen Luft zu machen. »Nun sage nur noch, du hast wirklich geschlafen.«

»Ob du es nun für möglich hältst oder nicht, Volker, ich war wahrhaftig fest eingeschlafen«, gab Sandra mit einem kläglichen Lächeln zurück.

»Man sollte dich ... ach was, es hat doch keinen Sinn, sich noch nachträglich zu erhitzen.« Er fuhr sich mit der Hand über die Stirn. Langsam kehrte die Farbe in sein bleiches Gesicht zurück.

Auch Sandra hatte sich wieder gefangen.

»Reg dich wieder ab, Volker, es ist doch nichts geschehen. Konnte ich denn ahnen, dass ausgerechnet heute so plötzlich ein Unwetter losbricht?«

»Dein Leichtsinn hätte dich sehr leicht das Leben kosten können, Sandra«, kam es erbost zurück. »Du bist hier aufgewachsen und kennst die Gefahren.«

Schnell legte sie mit einem abbittenden Lächeln ihre Hand auf seinen Arm.

»Nicht böse sein, Volker, ich gebe ja zu, dass ich leichtsinnig war. Es tut mir leid.«

Volker von Osborne kannte Sandra schon seit ihrer Kindheit, und er wusste, dass sie mitunter zu Unbedachtsamkeit neigte.

Ihre Freundschaft war von den Eltern der Kinder immer geduldet worden. Aber je älter Sandra und Volker geworden waren, umso mehr missfiel Graf Osborne diese Kinderfreundschaft.

Seine Hoffnung, dass die beiden sich aus den Augen verlieren würden, als Sandra nach ihrem Internatsbesuch eine Haushaltsschule besuchte und Volker von Osborne sein Studium in Heidelberg begann, erfüllte sich nicht.

Zwar sahen sie sich eine Zeit lang nur selten, aber sobald sie sich gegenüberstanden, war es so, als wären sie niemals getrennt gewesen.

Der junge Graf, der in ein paar Tagen einundzwanzig Jahre alt wurde, ging auch heute noch im Hause Thorwald ein und aus. Er schien schon fast zur Familie zu zählen.

Sandras Vater sah es gerne. In Gedanken malte er sich schon eine gesicherte Zukunft für seine Tochter aus. Die Osbornes gehörten zur besten Gesellschaft. Ihr Reichtum war fast sprichwörtlich.

Eine solche Verbindung kam Thorwald sehr erstrebenswert vor, denn um das Thorwaldsche Anwesen stand es schon seit einigen Jahren schlecht. Nur eine reiche Heirat seiner Tochter konnte das Gut vor dem Schlimmsten bewahren.

Sandra ahnte nichts von den Plänen des Vaters, und sie wusste auch nichts von seinen finanziellen Schwierigkeiten.

Graf Osborne, Volkers Vater, dachte in dieser Beziehung ganz anders. Er mochte die junge Sandra Thorwald zwar, aber als seine Schwiegertochter konnte er sich dieses Mädchen nicht vorstellen. Seine ehrgeizigen Pläne, die er mit dem Sohn hatte, gingen in eine ganz andere Richtung.

Und um seine Pläne zu verwirklichen, hatte er bereits seine Fühler ausgestreckt. Er hoffte, die passende Gattin für den Sohn und für sein Haus die richtige Repräsentantin gefunden zu haben.

Die beiden jungen Menschen selbst hatten noch nie daran gedacht, dass aus ihrer Freundschaft einmal mehr werden könnte. Sie freuten sich riesig über jedes Wiedersehen, aber von Liebe war noch kein Wort zwischen ihnen gefallen.

Jetzt schüttelte Sandra sich das Wasser aus den langen dunklen Haaren. Der junge Graf sah ihr kopfschüttelnd zu.

»Du wirst dir einen gewaltigen Schnupfen holen«, prophezeite Volker ihr.

Er zog seine Jacke aus und legte sie ihr schützend um die Schultern.

»Komm, bringen wir uns in Sicherheit, ehe das Unwetter vollends losbricht.« Er reichte ihr die Hand und zog Sandra mit sich fort.

Schon fielen die ersten dicken Tropfen. Ein dumpfer Donner klang auf, ein helles Zucken am Himmel verriet, dass das Gewitter schon bedenklich nahe gekommen war.

Die beiden begannen zu laufen, um die kleine Schutzhütte zu erreichen, die auf der anderen Seite des Felsens, von hohen Bäumen verdeckt, lag. Sie diente den Holzfällern und Fischern als Unterschlupf, wenn ein Unwetter sie einmal überraschte.

???

Keuchend betraten sie die Hütte gerade in dem Augenblick, als der Himmel alle Schleusen öffnete.

Dumpf und...



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