Ray | Die Saat | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 587 Seiten

Ray Die Saat

Thriller: Wer die Wahrheit sucht, riskiert den Tod
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-98690-917-8
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Thriller: Wer die Wahrheit sucht, riskiert den Tod

E-Book, Deutsch, 587 Seiten

ISBN: 978-3-98690-917-8
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Wer ist für ihren Tod verantwortlich? Der packende Verschwörungsthriller »Die Saat« von Fran Ray jetzt als eBook bei dotbooks. Es ist ein Anblick, der einem das Blut in den Adern gefrieren lässt: In einem Labor in Paris findet man einen toten Wissenschaftler - gekreuzigt, geköpft und mit dem Kopf einer Ratte auf dem Halsstumpf. An der Wand prangt eine blutige Botschaft, die den Verdacht auf militante Umweltschützer lenkt. Zur gleichen Zeit findet der Schriftsteller Ethan Harris die Leiche seiner Frau: laut Polizei angeblich ein Selbstmord. Doch das kann und will Ethan nicht glauben. Er stellt Nachforschungen an, die umso dringender werden, als sich plötzlich immer mehr mysteriöse Todesfälle wie der seiner Frau rund um den Globus häufen. Dabei kommt Ethan einer großen Verschwörung auf die Spur, die das Leben auf der Erde für immer verändern könnte ... »Endlich mal wieder ein Thriller, wie ich ihn immer suche und viel zu selten finde: hervorragend geschrieben, gnadenlos spannend und mit einem Thema, bei dem man sich ständig fragt, ob das, was man liest, womöglich gerade tatsächlich irgendwo passiert.« Andreas Eschbach Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der fesselnde Thriller »Die Saat« von Fran Ray wird Fans von Fans von Frank Schätzing und Andreas Brandhorst begeistern. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Fran Ray (Pseudonym) wurde 1963 in Deutschland geboren und arbeitete nach dem Studium im Filmgeschäft. Mehrere Jahre lebte sie in München und Australien und schrieb unter dem Namen Manuela Martini mehrere Krimi-Reihen. Viele Jahre stand ihr Schreibtisch in einer Finca in Südspanien. Dort entstanden die Thriller »Die Saat« und »Das Syndikat«, sowie Jugendthriller und Kinderbücher. Inzwischen lebt sie mit ihrer Frau und zwei Hunden am Ammersee in der Nähe von München. Heute befasst sich weiter mit Menschen, ihren Schicksalen und Lebensläufen, indem sie hauptberuflich als Trauerrednerin tätig ist. Bei dotbooks veröffentlichte die Autorin ihre Thriller »Die Saat«, »Der Skandal« und »Das Syndikat«.
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Kapitel 5


Mein Gott! Als Inspecteur Irène Lejeune zusammen mit David Hazan vor knapp fünfzehn Minuten vom Commissariat Central in der Rue de la Montagne Sainte-Geneviève losgefahren ist, hat sie noch geglaubt, nach fünfundzwanzig Dienstjahren auf alles gefasst zu sein. Der Anführer der Putzkolonne in den Labors für Biogenetik hat ohne Zittern in der Stimme am Telefon gemeldet, in den Räumen der Universität sei ein Mann hingerichtet worden. Da schon hat sich Irènes Hoffnung auf einen ausnahmsweise ruhigen Wochenenddienst zerschlagen. Auf einen - wenn auch kalten und verregneten - Sonntagnachmittag und -abend mit Roland und den Kindern. Ein wenig Normalität. Doch was sie jetzt sieht, übersteigt jede Vorstellung.

Zuerst sind sie fast über den Wachmann mit der durchschnittenen Kehle gefallen, dann sind sie dem Iraker gefolgt, doch als Lejeune das Labor 1378 betreten hat, musste sie am Türrahmen Halt suchen, weil Schwindel und heftige Übelkeit sie überfielen. Nimm dich zusammen, oder willst du hier vor allen kotzen?

Seit Jahren ist sie an den Anblick von unterschiedlichsten Leichen in den unterschiedlichsten Verwesungsstadien gewöhnt, sogar an ihren Geruch, auch wenn er für sie immer noch grauenvoll ist und sie danach mindestens drei Tage lang Fleisch weder zubereiten noch essen kann. Sie war sicher, dass sie auch diesen Anblick einfach wegstecken könnte, aber sie hat sich geirrt. Hingerichtet. Dieser Ausdruck ist absolut korrekt für das, was sie jetzt sieht. David stürzt auf den Flur, sie hört, wie er sich übergibt. Sie hätte ihm einen verächtlichen Blick zuwerfen können, auch Maurice, der Fotograf, sonst immer angriffslustig, hätte ihn ein Weichei nennen und Paul, der Gerichtsmediziner, hätte ihn mit einem Kopfschütteln bedenken können, doch keiner von ihnen reagiert, alle sind damit beschäftigt, nicht selbst die Kontrolle zu verlieren.

Sie reißt sich zusammen, will nicht zulassen, dass das Böse sie in die Knie zwingt, steckt die Hände in die Taschen ihres kurzen Trenchcoats, ballt sie zu Fäusten, kämpft an gegen die eiskalten Schauer, als sie dem Grauen ins Gesicht blickt.

Was siehst du? Sie ist die Kommissarin, sie hat diesen Fall nun zu lösen. Sie greift zur Routine, scannt den Raum. Tu, was du gelernt hast. Los!

An die Wand links vom Fenster, vor dem die Rollos heruntergelassen sind, ist ein menschlicher Körper festgeschraubt worden. Er ist bekleidet mit Jeans und weißem Kittel. Metallbänder führen über Brust und Unterleib. Die Arme sind zur Seite gestreckt, ein Gekreuzigter. Etwas in Lejeune weigert sich, auch den Rest zu betrachten. Das Entsetzen treibt ihr kalten Schweiß aus allen Poren. Nein, so etwas hat sie noch nie gesehen.

Der Kopf fehlt. Auf dem blutigen Querschnitt durch den Hals sitzt stattdessen der Kopf einer weißen Ratte. Aus toten roten Rattenaugen starrt ihr der Horror entgegen. Der abscheuliche kleine Rattenkopf auf dem großen menschlichen Körper verhöhnt nicht nur diesen einen Menschen, nein, er verhöhnt alle Menschen, die ganze menschliche Rasse!

Sie überwindet sich, tritt näher an den Toten. Der Mörder hat den Kopf der Ratte mit ein paar Stichen auf den durchtrennten Menschenhals genäht, und zwar so, dass er auf der Luftröhre sitzt, aber nicht die durchtrennten Muskeln, die Wirbel und die Gefäße überdeckt. Prof Jérôme Frost steht auf dem Namensschild an der Brusttasche des Kittels.

Lejeune wendet den Blick ab, ignoriert das schwammige Gefühl in den Knien. In den dunklen Lachen aus getrocknetem Blut liegen geöffnete Käfige. Sie sind leer, genauso wie die Käfige am hinteren Ende des Raums. Sie sucht den Kopf. Den Kopf von Professor Frost, irgendwo muss er sein. Ein Räuspern lässt sie herumfahren. Der Iraker steht immer noch da, sie hat ihn völlig vergessen.

»So haben Sie ihn gefunden?«, fragt Lejeune ihn mit betont fester Stimme. Sie hat was gegen Iraker. Und gegen Farbige und gegen Asiaten und gegen arrogante Weiße und gegen Jugendliche und Ungebildete ... Sie hätte längst ihren Job aufgeben sollen. Er hat sie zum Menschenhasser gemacht.

»Ja. Das ist Professor Frost.« Unbeeindruckt betrachten seine dunklen Augen unter den buschigen grauen Augenbrauen die grausige Inszenierung.

»Was macht Sie so sicher?«

Jetzt erst sieht er Lejeune an. »Er hat gern in der Nacht gearbeitet, wir haben hin und wieder ein paar Worte gewechselt. Er war ein sehr ruhiger und belesener Mann.«

Lejeune ist beeindruckt vom präzisen Französisch des Irakers, dessen Namen sie sich nicht hat merken können. Der Mann zeigt zu den Händen der Leiche. »Seine langen Finger und der goldene Siegelring sind mir immer aufgefallen.« Er nickt, um seine Aussage zu bestätigen. Irène Lejeune betrachtet beides. Der Ring scheint fest zu sitzen, und die Hände sind tatsächlich außergewöhnlich schmal und schlank, genauso wie der ganze Körper.

»Danke erst mal, wenn wir weitere Fragen haben, wenden wir uns an Sie.«

Er lächelt und deutet eine knappe Verbeugung an.

»Ach«, fragt sie noch, »welchen Beruf hatten Sie eigentlich, ich meine, früher?«

Sein Lächeln verschwindet augenblicklich. »Ingenieur.« Er dreht sich um und geht. Mein Gott, denkt sie, ich an seiner Stelle würde dieses Land und diese Gesellschaft hassen, die mich nicht zu würdigen weiß.

Maurice tritt neben sie und richtet seinen Fotoapparat auf die Schrankwand neben der Leiche. In grüner Leuchtfarbe ist da aufgesprüht:

Schöne neue Welt der Genforscher

»Das wird die Ökos ganz schön Stimmen kosten«, bemerkt Lejeune trocken. Sie weiß, dass der Kommentar völlig daneben ist, aber er hilft ihr irgendwie, die Übelkeit lässt nach. Ökoterrorismus, das hat mir gerade noch gefehlt! Da schalten sich die von oben ein.

Paul dreht sich zu ihr um. Er hält einen Temperaturmesser in der Hand. »Ich weiß schon, warum ich die nie gewählt habe«, murmelt er.

Maurice lacht auf, verstummt aber sofort. David ist erschrocken zusammengefahren, er sieht Hilfe suchend zu Lejeune.

»Hat Professor Frost hier allein gearbeitet? David?« Lejeune lässt ihren Blick weiter durch den Raum wandern, keine Fotos, weder von Kindern noch von einer Frau. Nichts Persönliches.

»Ganz sicher nicht. Alle Profs haben Assistenten«, sagt David mit brüchiger Stimme, er weiß das, war selbst an der Uni. Jura. Er geht in den Nebenraum. Lejeune folgt ihm und beobachtet, wie er mit behandschuhten Händen in einem Kalender blättert, der auf dem Schreibtisch liegt.

»Hier steht ein Name. Nicolas Gombert«, sagt er. »Laut Kalender war er letzte Nacht hier.«

»Sein Assistent?«

»Könnte sein. Moment. Ich habe etwas über Professor Frost.« Er liest das Display seines Handys. »Er war neununddreißig, geboren in Lyon. Studium der Biologie und Medizin in Paris. Ist seit drei Jahren Dozent hier an der Université Pierre et Marie Curie. Beschäftigt sich mit«, er sieht auf und zuckt mit den Schultern, »Antibiotika- und Lebensmittelverträglichkeit.«

»Keine Genforschung?«, vergewissert sich Lejeune.

»Na ja, das eine muss das andere nicht ausschließen.«

Lejeune erspart sich eine Frage, das muss anders geklärt werden. Sie hat von diesen Dingen keine Ahnung. Sie weiß nur, dass Antibiotika Bakterien abtöten, keine Viren, das hat ihr der Arzt im November erklärt, als die Kinder die Grippe nicht mehr wegbekamen und sie auf Antibiotika bestand.

»Verheiratet?«, fragt sie weiter, während sie ins Labor zurückgeht.

»Nein, auch nicht geschieden, keine Kinder. Katholisch.« David klappt sein Handy zu und folgt ihr. »Sollen wir zu ihm nach Hause fahren?« Er ist bleich um die Nase, und seine Gesichtsfarbe geht ins Grünliche.

»Später. Ein Wissenschaftler ohne Privatleben hat jede Nacht und jede freie Minute mit seinen Ratten verbracht, und was hat er davon gehabt?«, spricht Lejeune ihre Gedanken aus. »Und was ist mit diesem Nicolas? War der am Abend da? Wann ist er weg? Okay, David, ich will wissen, woran Professor Frost gearbeitet hat, und mit wem. Besorgen Sie mir eine Liste seiner wissenschaftlichen Mitarbeiter, Sekretärinnen, Sie wissen schon, welche Berührungspunkte gibt es mit der Öko- oder der Tierschutzbewegung? Ist er da schon öfter angeeckt? Gab es Drohbriefe, anonyme Anrufe?« Lejeune spult ihr Routineprogramm ab, ist froh über jedes einzelne ihrer fünfundzwanzig Jahre bei der Polizei. David nickt, ohne sie anzusehen. Ihn mag sie auch nicht. Er sollte im Büro bleiben, denkt sie manchmal, die Straße ist zu gefährlich für ihn. Was für ein Quatsch, jeden kann es treffen. Und meist überleben die Zauderer. »Ach ja, und natürlich, wer war gestern Abend noch hier im Gebäude. Wann hat der Wachmann seinen letzten Rundgang gemacht.«

Als sie den ermordeten Wachmann sah, hat sie für Sekundenbruchteile gedacht, das hätte auch Roland sein können. Bei Hewlett Packard haben sie auch schon mal eingebrochen, seitdem Roland dort die Nachtdienste schiebt. Er kam mit einem Schlag auf den Kopf davon. Was soll aus den Kindern werden, ist es nicht überhaupt unverantwortlich von ihr und Roland, solche Berufe zu haben? Oder mit solchen Berufen Kinder zu haben? Hör auf damit, konzentrier dich auf diesen Fall hier. Was siehst du? Was fällt dir auf? Los, mach schon, streng dich an. »Es ist wirklich eine Hinrichtung. Eine künstlerische Inszenierung, könnte man sagen.« Lejeune spricht mehr zu sich selbst. Der Fotograf wendet sich den blutigen Fußabdrücken zu. Lejeune kennt diese Art von unscharfen Abdrücken. Der Mörder hat einen Plastikschutz über seine Schuhe gezogen und zusätzlich seine Sohlen...



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