E-Book, Deutsch, Band 95, 100 Seiten
Reihe: Greene Family
Rayne A Greene Family Christmas
24001. Auflage 2024
ISBN: 978-3-95818-778-8
Verlag: Forever
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Eine Greene-Family-Novella | Wiedersehen in Sunrise Bay: Weihnachten in der romantischen Smalltown-Familienserie in Alaska
E-Book, Deutsch, Band 95, 100 Seiten
Reihe: Greene Family
ISBN: 978-3-95818-778-8
Verlag: Forever
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
PIPER RAYNE ist das Pseudonym zweier USA Today-Bestsellerautorinnen. Mehr als alles andere lieben sie sexy Helden, unkonventionelle Protagonistinnen, die sie zum Lachen bringen, und viel heiße Action. Und sie hoffen, du liebst das auch!
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Kapitel 3
CALISTA
»Bereit für eine Pause?« Mein Dad steckt den Kopf zur Tür des Büros im hinteren Teil seines Restaurants herein, in dem ich sitze und seinen Monatsabschluss überprüfe. Eigentlich würde ich von zu Hause aus arbeiten, aber natürlich hatten die Nachbarn von oben ausgerechnet diese Woche einen Wasserrohrbruch, und das Wasser kommt bei mir durch die Decke. Jetzt muss ich mit meinen neunundzwanzig Jahren bei meinem kleinen Bruder übernachten. Großartig.
»Wofür?«
»Ich hole Rhea und Jason von der Bushaltestelle ab. Erinnerst du dich noch an früher, wenn du vom College nach Hause gekommen bist?«
Ich fummle an meinem Stift. Ich hasse es, mich daran zu erinnern, wie sie mich immer abgeholt haben, weil für gewöhnlich dabei war. Ich erinnere mich daran, wie wir uns noch einmal in die Augen gesehen haben, bevor jeder seiner Wege ging.
»Ich sehe sie ja dann heute Abend.«
»Komm schon. Tu mir den Gefallen. Ich sehe dich doch nur noch so selten.« Mein Dad setzt ein breites Grinsen auf. »Außerdem werden auch ein paar von deinen Tanten und Onkel da sein.«
Ich lasse den Stift fallen und rolle mit dem Stuhl nach hinten. »Erstens lebe ich in Lake Starlight. Und zweitens sehe ich sie alle ständig.«
Ich nehme meinen Mantel vom Haken an der Tür und schlüpfe hinein. Dann ziehe ich meine Mütze aus der Tasche und setze sie auf. Danach folgen noch die Fäustlinge.
»Ich weiß, aber manchmal tut ein wenig frische Luft ganz gut.« Mein Dad strahlt immer noch über beide Ohren.
Ich schüttle den Kopf. Er macht sich Sorgen um mich. Meine ganze Familie sorgt sich um mich. Ich werde bald dreißig, und bisher habe ich keins meiner Lebensziele erreicht. Ich bin unverheiratet, habe keine Kinder, und obwohl ich meine eigene Firma habe, bin ich die einzige Angestellte. Und zu allem Überfluss lebe ich auch noch in einer Kleinstadt, in der ich jede Menschenseele kenne. Die Chancen, die Liebe meines Lebens zu finden, gehen quasi gegen null.
Wir verlassen das Restaurant meines Dads in der Innenstadt von Lake Starlight. Es ist so eiskalt, dass wir sofort die Hände in unsere Jackentaschen stopfen.
»Erinnerst du dich noch daran, wie du von mir erfahren hast?«
Mein Dad wirft mir einen schiefen Blick zu. Der, der sagt, dass er nicht gern darüber spricht. Er und meine Mom hatten einen One-Night-Stand, und er hat erst von mir erfahren, als ich beinahe zwei Jahre alt war. Wäre meine Mom nicht aus medizinischen Gründen gezwungen gewesen, ihn zu finden, hätten sie vielleicht niemals zueinandergefunden und noch fünf weitere Kinder bekommen.
»Bist du schwanger?«, fragt er mich mit nach vorn gerichtetem Blick.
»Wie bitte?« Ich lache auf. »Von wem denn? Ich weiß, es ist bald Weihnachten, aber erwarte bitte keine unbefleckte Empfängnis.«
Er zuckt mit den Schultern. »Ich war auch mal jung. Du weißt, dass du bei einem One-Night-Stand entstanden bist und wir nicht mal wussten, wie der andere heißt. So etwas passiert nun mal.«
»Ja, leider. Manche Details hättet ihr wirklich für euch behalten können.«
Er grinst. »Dann bist du also nicht schwanger. Warum hast du dann gefragt?«
Lächelnd winken wir Greta zu, die gerade in ihr Auto steigt.
»Du wolltest eigentlich keine Kinder, richtig?«, frage ich.
»Nein.«
»Ja, das hat mir Mom auch schon gesagt.«
Er legt eine Hand auf meinen Arm und bleibt stehen. »Das hat sie gesagt? Ich meinte nein, im Sinne von, das stimmt so nicht.«
»Na ja …«
»Ich hatte gerade das Terra & Mare eröffnet. Um genauer zu sein, hatte ich noch keinen einzigen Gast bedient, als deine Mom mit dir auf dem Arm hereinkam. Ich habe in dem kleinen Apartment gelebt, in dem Dion jetzt wohnt. Es war nicht so, als wollte ich keine Kinder haben. Aber damals habe ich mich dafür noch nicht bereit gefühlt.« Er stupst mir sanft mit dem Zeigefinger auf die Nase. »Aber da habe ich mich geirrt.«
Lächelnd klimpere ich mit den Wimpern, denn ich weiß ja, dass er meinem Charme schon mit zwei Jahren nicht widerstehen konnte.
»Ich habe dich sofort über alles geliebt.« Er zwinkert, und wir setzen unseren Weg zur Bushaltestelle fort.
»Was ich eigentlich sagen wollte … So etwas kann sich auch ändern, richtig? Die eigene Einstellung?«
Er lacht und starrt mich eine Weile lang an. Wenn ich High Heels trage, bin ich fast so groß wie er, aber da ich heute sowieso nur im Büro bin, habe ich mich für Stiefel entschieden. »Wenn du wüsstest, wie oft ich es mir in meinem Leben schon anders überlegt habe. Aber worauf willst du hinaus?«
Ich atme tief ein und puste eine weiße Dampfwolke in die Luft. »Auf nichts Bestimmtes. Ich habe mich das nur gefragt.« Ich zucke mit den Schultern.
Sein Lächeln verschwindet. Ich kenne meinen Dad. Es gefällt ihm nicht, dass ich mich so vage ausdrücke. Er hatte gehofft, wir würden endlich offen und ehrlich über meine Probleme sprechen.
»Ich bin für dich da, falls du mich brauchst.« Das sagt er immer wieder, seit ich vor sieben Jahren von der UCLA zurückgekehrt bin.
»Ich weiß. Danke.« Ich lächle ihn dankbar an, und wir gehen weiter.
Wir haben die Bushaltestelle fast erreicht, als Marla Greene in ihrem schwarzen SUV an uns vorbeibrettert und sich einen der raren Parkplätze am Straßenrand schnappt. Ich muss wohl wie angewurzelt stehen geblieben sein, denn mein Dad legt einen Arm um meine Schultern und führt mich weiter. Es ist nur Marla, sage ich mir. Ich bin ihr schon oft begegnet, und noch nie hat sie mich auf Rylan angesprochen. Sie ist immer höflich genug, das Thema auf ihre Millionen Enkelkinder zu lenken und wie sie sie auf Trab halten.
»Scheiße. Das habe ich ganz vergessen, Schätzchen«, murmelt mein Dad.
»Ist schon okay.«
Es ist keine große Sache, denn ich rechne sowieso nicht damit, Rylan über den Weg zu laufen.
Nach all den Jahren kenne ich seine Routine: so schnell wie möglich rein und raus aus Sunrise Bay. Selbst wenn man ihn bitten würde, ein paar von den Greene-Kids abzuholen, würde er es nicht tun, weil er sonst Gefahr liefe, mir zu begegnen.
Nachdem wir die Bushaltestelle erreicht haben, stehen wir wartend herum. Da öffnet sich die Fahrertür von Marlas SUV – nur, dass es nicht Marla ist. Als der Fahrer aussteigt, entweicht meiner Lunge jegliche Luft. Rylan sieht mich über das Wagendach des SUV hinweg an, und unsere Blicke treffen sich sofort.
»Soll ich ihm in den Hintern treten?«, flüstert mein Dad.
»Was? Warum?«
»Ich wollte es nur angeboten haben. Nur für den Fall …«
»Nein, Dad.«
Rylan nimmt seine Jacke vom Rücksitz und schlüpft hinein. Er hat es noch nie gemocht, mit Jacke zu fahren. Dann schließt er den Reißverschluss und steuert auf uns zu. Er versucht, den riesigen Schlüsselbund, an dem von jedem Enkelkind ein Schulfoto hängt, in seiner Tasche zu verstauen, doch irgendwann gibt er auf.
»Mr. Bailey.« Mit ausgestreckter Hand kommt er auf meinen Dad zu.
»Hi, Rylan. Holst du ein paar von den Kids ab?«
»Ja.« Er verlagert das Gewicht auf die Fersen. »Calista«, wendet er sich dann mit sanfter Stimme an mich.
Eine Brise weht mir den Duft seines Parfüms in die Nase. Es ist das Gleiche, an dem ich in der Drogerie immer geschnuppert habe, um mich selbst zu quälen, weil es all die Erinnerungen an ihn zurückgebracht hat.
»Hi«, presse ich hervor.
In dem Moment kommt Onkel Denver auf uns zu, und mein Dad will ihm entgegengehen, doch ich packe ihn schnell am Arm. Dad starrt mich an.
»Wie geht’s?«, fragt Onkel Denver. Dann entdeckt er Rylan und richtet einen Zeigefinger auf ihn. »Heilige Scheiße, Rylan Greene. Der verdammte Mittelstürmer für New York.« Sein Tonfall klingt sarkastisch, denn das sagt er immer, wenn er Rylan sieht.
Bevor es noch unangenehmer wird, kommt zum Glück der Van angefahren. Doch darin sitzen statt Ethel, Dori und Midge mit Earl am Steuer die anderen vier Bewohner der Seniorenresidenz, von denen ich schwören könnte, dass sie von den anderen in der Kunst des Sicheinmischens ausgebildet wurden.
Alice öffnet die Fahrertür. »Wir haben eure wertvolle Fracht an Bord.«
Floyd steigt auf der Beifahrerseite aus, umrundet den Van und reicht den Collegekids eine helfende Hand, als sie aus dem Bus klettern.
»Seid vorsichtig, es ist glatt«, ermahnt er sie.
Meine kleine Schwester Rhea lächelt höflich und bedankt sich bei ihm, so, wie sie nun mal erzogen wurde. Zuerst steuert sie auf mich zu und drückt mich fest.
»Ich fasse es nicht, dass Rylan hier ist«, flüstert sie. Doch als ich Rylan einen verstohlenen Blick zuwerfe, muss ich leider feststellen, dass sie nicht leise genug war. Seine geröteten Wangen kommen mit Sicherheit nicht nur von der Eiseskälte.
Emilia steigt aus dem Van, ohne jemanden auch nur eines Blickes zu würdigen, und begrüßt Rylan mit einem knappen Hallo....




