Rayne | Blutfrost | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 536 Seiten

Rayne Blutfrost

Thriller
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-96148-425-6
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Thriller

E-Book, Deutsch, 536 Seiten

ISBN: 978-3-96148-425-6
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Denn sie lassen dich nicht los - gefangen im Haus der Angst: Der eiskalte Psychothriller »Blutfrost« von Sarah Rayne jetzt als eBook bei dotbooks. Wenn in den Schatten der Vergangenheit das Böse lauert ... Als der Journalist Harry Fitzglen auf einer Ausstellung der schönen Simone begegnet, fühlt er sich auf unheimliche Weise zu ihr hingezogen. Unbedingt will er erfahren, welche Geheimnisse sich hinter ihrem dunklen, rastlosen Blick verbergen - umso mehr, als ihm Gerüchte über das rätselhafte Verschwinden ihrer Zwillingsschwester zu Ohren kommen. Die Suche nach der Wahrheit führt Harry zu den uralten Ruinen eines walisischen Waisenhauses, wo vor langer Zeit schon ein anderes Zwillingspaar ein grausames Schicksal erlitt. Dabei übersieht Harry die Gefahr, die er mit seinen Nachforschungen heraufbeschworen hat ... »Hypnotisierend!« Bookseller Jetzt als eBook kaufen und genießen: Der packende Thriller »Blutfrost« mit Gänsehaut-Garantie von Sarah Rayne. Wer liest, hat mehr vom Leben: dotbooks - der eBook-Verlag.

Sarah Rayne ist das Pseudonym von Bridget Wood, einer erfolgreichen britischen Autorin von Horror- und Fantasyromanen. Unter den Namen Sarah Rayne schreibt sie eiskalte Psychothriller, denen ihre Leidenschaft für alte Gebäude, deren Atmosphäre und Geschichte deutlich anzumerken ist. Bei dotbooks erscheinen folgende Thriller von Sarah Rayne: »Blutfrost« »Rachestunde« »Todeskammer«
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Kapitel 1


Einen Artikel über die Eröffnung einer neuen Kunstgalerie in Bloomsbury zu schreiben war das Allerletzte. Genau die Art von Auftrag, die Harry Fitzglen am allerwenigsten mochte.

In Gesellschaft einer Schar schnatternder frustrierter Schnepfen, die in Geld schwammen und sich nicht ausgefüllt fühlten, viel zu kalten Wein und Schmirgelpapier-Häppchen zu vertilgen? Nein danke! Harry stellte mit einer gewissen Schärfe fest, dass die Teilnahme an derartigen Veranstaltungen der kunstbeflissenen Schickeria Frauensache sei. Diese bissige Schlussfolgerung befriedigte ihn in einem solchen Maße, dass er sie nochmals mit lauterer Stimme wiederholte, um sich zu vergewissern, dass keiner in der Redaktion sie überhören konnte.

»Sei doch mal ehrlich, in deinem tiefsten Innern bist du nichts weiter als ein unverbesserlicher, altmodischer Romantiker«, bemerkte einer der Redakteure, woraufhin Harry ein Nachschlagewerk nach ihm warf und schnurstracks in das Büro seines Chefredakteurs marschierte, um darauf hinzuweisen, dass er dem Redaktionsstab des Bellman nicht beigetreten sei, um über Protzpartys in Bloomsbury zu berichten.

»Die Eröffnung ist erst nächsten Monat«, antwortete Clifford Markovitch ungerührt, den Einspruch ignorierend. »Am Zweiundzwanzigsten. Von sechs bis acht, wie üblich. Die Galerie heißt ›Thorne's‹ und ist Angelica Thornes neueste Marotte.«

»Oh Gott, auch das noch!« Harry verlangte zu wissen, wie Angelica Thorne an das Kapital herangekommen war, um eine Nobelgalerie in Bloomsbury zu eröffnen.

»Keine Ahnung, aber das ist eine der Fragen, denen du auf den Grund gehen sollst«, meinte Markovitch.

»Wahrscheinlich handelt es sich um Schweigegeld von irgendeinem Ex Lover.«

»Wenn er Parlamentsmitglied aus der ersten Riege ist, gleich ob Regierung oder Opposition, mit Frau und Kindern in den Home Counties, will heißen in sicherer Entfernung, interessiert uns sein Name«, erwiderte Markovitch schlagfertig. »Die Sache ist die, dass sich Angelica ein neues Image als Stilikone und Kunstmäzenin zugelegt hat und die Eröffnung der Galerie allein deshalb ein paar Zeilen wert ist. Ich brauche –«

»Namen«, unterbrach ihn Harry mürrisch. »Die Namen von Prominenten. Je höher der Promi-Faktor, desto höher die Auflage.«

»Du kennst sie ja, unsere goldene Regel.«

»Klar. Ein ehernes Gesetz, in deine Bürotür gemeißelt wie die Willkommen-in-der-Hölle-Inschrift aus Dantes Göttlicher Komödie

»Harry, manchmal frage ich mich, ob du bei uns am richtigen Platz bist«, sagte Markovitch zweifelnd.

»Geht mir genauso. Bringen wir es also hinter uns. Ich nehme an, dass bei der Eröffnung dieser Galerie alles anwesend sein wird, was Rang und Namen hat. Angelica Thorne kennt den halben Debrett, oder besser gesagt, sie dürfte in den Betten so einiger der Blaublütigen aufgewacht sein, die in diesem Adelsregister verzeichnet sind.«

»Ja, aber Finger weg von jeder Anspielung, die als Rufmordkampagne ausgelegt werden könnte«, warf Markovitch rasch ein. »Klatsch ja, aber keine Verleumdung. Und vergiss nicht, einen Blick auf die Exponate zu werfen, wenn du schon mal dort bist. Avantgarde-Bilder zum einen und futuristische Fotografie zum anderen, wie es scheint. Der Fotografie-Bereich gehört übrigens in das Metier der Geschäftspartnerin.«

»Falls sich herausstellen sollte, dass die beiden in Formaldehyd eingelegte verstümmelte Schafe zur Schau stellen, kannst du den Artikel selber schreiben.«

»Bist du Angelica Thorne überhaupt schon mal persönlich begegnet? Nein? Hätte ich mir denken können. Verstümmelte Schafe und Angelica Thorne sind Worte, die niemand im selben Atemzug nennen würde, der Angelica kennt.« Markovitch überlegte kurz, dann beugte er sich plötzlich über den Schreibtisch und fuhr mit völlig veränderter Stimme fort: »Was mich interessiert, Harry, ist Angelicas Geschäftspartnerin. Laut PR-Broschüre handelt es sich dabei um eine Simone Marriott, aber ich habe ein paar Nachforschungen angestellt.« Markovitch stellte für sein Leben gerne Nachforschungen an. »Ihr richtiger Name lautet Simone Anderson.«

Schweigen. Markovitch lehnte sich in seinem Stuhl zurück und musterte Harry. »Ist dir jetzt klar, worum es bei dieser Story in Wirklichkeit geht? Und warum ich dich bereits lange vor dem Eröffnungstermin der Galerie darauf ansetze?«

»Simone Anderson«, wiederholte Harry bedächtig. »Aber das war vor mehr als zwanzig Jahren. Bist du sicher, dass ein Irrtum ausgeschlossen ist und es sich um ein und dieselbe Person handelt?«

Doch bei Markovitch war jeder Irrtum ausgeschlossen. Er hatte ein kompliziertes Karteikartensystem mit erinnerungswürdigen Ereignissen angelegt, die er archivierte, um sie zehn oder zwanzig Jahre später wieder auszugraben. Harry hätte die Miete für den nächsten Monat darauf verwettet, dass sich der gerissene alte Fuchs seit mindestens einem Jahrzehnt diebisch über seine Notizen zu diesem spezifischen Fall freute. Die Kritiker des Bellman erklärten, die Lektüre des Blättchens ließe sich mit dem Verzehr aufgewärmter Essensreste vergleichen, doch das störte Markovitch nicht im Geringsten. Er fand, dass der Bellman die Regeln des guten Geschmacks wahrte, und schenkte den bösen Zungen keine Beachtung, die behaupteten, in puncto Geschmack sei Markovitch mit Blindheit geschlagen.

»Simone Anderson«, wiederholte Harry nachdenklich.

»Kommt dir der Name bekannt vor?«

»Ja«, erwiderte Harry so beiläufig wie möglich. Lass niemals Begeisterung erkennen, wenn es um einen Auftrag geht. Immer schön dem Bild des abgebrühten Fleet-Street-Zeitungsmannes entsprechen. Ein Reporter, der sich durchgebissen hat und mit allen Wassern gewaschen ist.

»Wir bringen vordergründig die Story von der Thorne-Galerie, was sonst«, erklärte Markovitch. »Aber ich möchte, dass du dich hinter den Kulissen noch einmal mit dieser Anderson-Geschichte befasst. Gründlich befasst. Kein zusammengeschusterter, wieder aufgewärmter Bericht.«

Harry warf ein, das sei für den Bellman mal was ganz Neues.

»Kein zusammengeschusterter, wieder aufgewärmter Bericht, der sich auf die ursprünglich ermittelten Fakten stützt«, wiederholte Markovitch mit Nachdruck. »Was wir brauchen, sind brandneue Aspekte des Falls. Da Simone Anderson wieder aus der Versenkung aufgetaucht ist, sollten wir in Erfahrung bringen, wie sie ihre Kindheit und Jugend verbrachte – Schule, College, Universität, falls sie studiert hat. Freunde, Freundinnen, Liebesbeziehungen zu Angehörigen beiderlei Geschlechts, was auch immer. Wie kam sie zur Fotografie? Wie gut beherrscht sie ihr Metier? Wieso hat sie sich mit Angelica Thorne zusammengetan? Geh der Sache auf den Grund! Das schaffst du doch, oder?«

»Möglich.« Niemals Begeisterung oder auch übertriebenen Optimismus erkennen lassen. Sich stets den Anschein geben, als hätte man eine Flasche Chivas Regal gebunkert, wie dieser kaltschnäuzige amerikanische Privatdetektiv. »Falls ich mich bereit erkläre, den Auftrag zu übernehmen, könnte es durchaus sein, dass ich den einen oder anderen neuen Aspekt zutage fördere«, sagte Harry betont leidenschaftslos. »Aber eines sage ich dir gleich. Ich bin kein blutiger Anfänger, dem du bequem nur die Recherchen aufs Auge drücken kannst. Mit solchen Handlangerdiensten habe ich nichts am Hut.«

»Weiß ich doch. In Simones Familie ist einiges nicht mit rechten Dingen zugegangen, Harry. Ich erinnere mich noch an die Gerüchte, und dass drei Viertel der Fleet Street versuchten, Licht ins Dunkel zu bringen. Der Fall liegt zwanzig Jahre zurück, aber er ist mir noch in allen Einzelheiten gegenwärtig. Einige Mitglieder dieser Familie starben oder verschwanden spurlos, Harry, und obwohl die meisten von uns vermuteten, dass an der Sache etwas faul war, kam die Wahrheit nie ans Tageslicht. Es hieß, man habe einen Mord vertuscht, ein abgekartetes Spiel, an dem auch Ärzte beteiligt gewesen sein sollen.«

»Ein abgekartetes Spiel? Zu welchem Zweck?«

»Keine Ahnung. Das wurde nie geklärt.«

»Und du glaubst, mir soll es gelingen, den Fall aufzuklären, nach zwanzig Jahren?«

»Durchaus möglich. Und wenn nicht, wäre auch die Aktualisierung des Lebenslaufs von Simone Anderson – Simone Marriott – eine Story, die sich gut verkauft, weil sie das Interesse auf der menschlichen Schiene bedient.«

Der Bellman hatte sich auf Geschichten spezialisiert, die das Interesse auf der menschlichen Schiene bedienten. Das Blatt war darauf abonniert, die Herz-Schmerz-Saite anklingen zu lassen, und veröffentlichte mit Vorliebe dreiseitige Ergüsse über prominente Paare und Mitglieder des Königshauses, die durch Paparazzi-Fotos in ihrer Bedeutung aufgewertet wurden. Bisweilen prangerte es Ungerechtigkeiten an und rief einen Kreuzzug ins Leben, um der Gerechtigkeit zum Sieg zu verhelfen. Oder man verfasste Bittschriften für die Freilassung eines verurteilten Straftäters, der offensichtlich einem Justizirrtum zum Opfer gefallen war.

Harry argwöhnte, dass Markovitch die Ungerechtigkeiten und die zu Unrecht verurteilten Straftäter mehr oder weniger auf gut Glück herauspickte, aber er hatte nie ein Wort darüber verlauten lassen, weil er seinen Job brauchte. Bisher war es ihm gelungen, der Formulierung von Anträgen auf Berufungsverfahren aus dem Wege zu gehen, bloß um den Namen irgendeines alten Galgenvogels reinzuwaschen. Was ein wahrer Segen war.

»Oh, und mach dir Notizen zu all deinen Kontaktpersonen. Ich möchte sie im Computer sowie im Karteikasten haben.« Markovitch traute Computern nicht. »Könnte durchaus sein, dass der Fall in zehn Jahren noch einmal...



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