E-Book, Deutsch, Band 1, 288 Seiten
Reihe: Lake Starlight
Rayne The Problem With Second Chances
24001. Auflage 2024
ISBN: 978-3-95818-827-3
Verlag: Forever
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman | Der Auftakt der Small-Town-Romance-Serie
E-Book, Deutsch, Band 1, 288 Seiten
Reihe: Lake Starlight
ISBN: 978-3-95818-827-3
Verlag: Forever
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
PIPER RAYNE ist das Pseudonym zweier USA Today-Bestsellerautorinnen. Mehr als alles andere lieben sie sexy Helden, unkonventionelle Protagonistinnen, die sie zum Lachen bringen, und viel heiße Action. Und sie hoffen, du liebst das auch!
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Eins
Calista
Frühling
Ein Klopfen gegen die Scheibe des Cafés lässt mich zusammenzucken, gerade, als ich an meinem Kaffee nippen will, und ein paar Tropfen landen auf meiner Hose. Ich schaue aus dem Fenster und erblicke Aubrey, die mir mit einem breiten Lächeln im Gesicht zuwinkt.
Am frühen Morgen hat meine beste Freundin mich angerufen und mich regelrecht dazu genötigt, mich hier mit ihr zu treffen, weil sie mir unbedingt etwas erzählen muss. Und da die meisten meiner Klienten hier in unserem kleinen Städtchen in Alaska Verwandte von mir sind, konnte ich meine Termine ohne Weiteres verschieben.
Sie kommt durch die Eingangstür gestürmt, winkt und begrüßt alle anderen Gäste, die sich heute Morgen ebenfalls für das Brewed Awakenings entschieden haben. Man könnte meinen, sie kandidiere als Bürgermeisterin.
Aber das tut sie nicht. Ich weiß genau, warum ich hier sitze, und seit fast zehn Jahren nun graut es mir schon vor diesem Tag, obwohl es mit jedem weiteren Jahr, das verstrich, nur noch unausweichlicher wurde, dass er kommen würde.
Sie schlüpft aus ihrem Mantel, setzt sich mir gegenüber und schnappt sich mit ihrer rechten Hand den Latte, den ich bereits für sie bestellt habe. Aubrey ist Linkshänderin. »Danke dir. Den habe ich dringend nötig.«
»Also … was gibt’s?« Ich spiele die Dumme, um ihr die Überraschung nicht zu verderben.
Aubrey strahlt und beißt sich auf die Unterlippe, ihre blauen Augen leuchten auf vor unterdrückter Freude. Sie stellt ihren Kaffee ab, legt eine dramaturgische Pause ein und hebt dann die linke Hand, an der nun ein Verlobungsring funkelt. »Ich werde heiraten!«, kreischt sie.
Und ich tue es ihr gleich, denn das ist es doch, was eine beste Freundin tut, wenn ihre BFF ihre Verlobung verkündet.
Ich springe von meinem Platz auf, und sie erhebt sich von ihrem. Wir schlingen die Arme umeinander, ohne auf die anderen Leute im Café zu achten.
»Lass mich mal sehen.« Ich halte ihre Hand fest, um mir den Ring genauer anzusehen. Ihr Verlobter ist geschäftlich ziemlich erfolgreich, und so hat die Glückliche einen Drei-Karat-Diamanten ergattert. »Der ist ja wunderschön.«
Sie ist ganz aus dem Häuschen, sodass ihre Hand nur für einen kurzen Augenblick in meiner liegen bleibt, bevor Aubrey sie auch schon wieder hebt, um den Ring im schummrigen Licht des Cafés selbst noch einmal zu bewundern. Wir fallen uns erneut in die Arme. Ich freue mich für meine beste Freundin, das tue ich wirklich. Ich mache mir nur Sorgen darüber, was das alles wohl für mich bedeutet.
Wir setzen uns zurück auf die Holzstühle, und sie nippt an ihrem Latte. »OMG, Calista, kannst du glauben, dass er mir endlich einen Antrag gemacht hat?«
Declan hat sich bloß fünf Jahre zu viel Zeit gelassen, aber er musste sich zunächst durch sein Jurastudium kämpfen, um anschließend die Kanzlei seines Dads in der nahe gelegenen Nachbarstadt Anchorage übernehmen zu können. Erst wollte er seine eigenen Ziele erreichen, um dann Aubrey all ihre Wünsche erfüllen zu können.
»Und du wolltest ihm schon ein Ultimatum stellen.« Das war vor zwei Jahren. Viele unserer gemeinsamen Freundinnen haben damals geheiratet, und Aubrey hatte immer weniger Verständnis dafür, dass er ihr noch keinen Antrag gemacht hatte.
»Ich weiß. Ich musste ihm einfach nur vertrauen.«
Sicher, jetzt ist alles vergeben und vergessen. Wo war diese Lässigkeit nach all den Ausflügen, von denen sie immer ganz niedergeschlagen nach Hause kam, weil sie sich so sicher gewesen war, dass er sie diesmal fragen würde, oder nach den unzähligen Jahrestagen, an denen sie sich abends dann Unmengen von Eiscreme reingestopft und ein Glas Champagner nach dem anderen gekippt hat?
»Also, ich will alle Details«, sage ich grinsend.
Sie plappert los und erzählt mir, wie sie übers Wochenende in das Ferienhaus seiner Eltern gefahren sind und erst spät am Freitagabend dort ankamen. Mit der Ausrede, dass er drinnen noch irgendetwas überprüfen müsse, hat er sie dann einfach auf der Veranda stehen lassen. Bis jetzt bin ich nicht gerade begeistert, sondern würde Declan am liebsten den Hals umdrehen, weil sie seinetwegen fast als Bärenfutter geendet wäre.
»Irgendwann schrieb er mir, dass ich reinkommen soll. Ich bin also durch die Haustür, und da war eine Spur aus Kerzen und Rosenblättern, die mich zu ihm hinaus auf die Terrasse geführt hat. Ich öffnete die Tür, und überall hingen weiße Lichterketten. Er hat ›Adore You‹ von Harry Styles laufen lassen und stand inmitten eines riesigen Herzens aus Blütenblättern und Kerzen. Dann hat er sich hingekniet und auf einmal den Ring in der Hand gehalten. Oh, Calista, ich dachte, ich würde in Ohnmacht fallen. Nach all den Jahren …«
Ich lächle, weil ich weiß, wie glücklich sie ist.
, ermahne ich mich selbst.
»Ich bin auf ihn zugegangen.«
»Ich bin überrascht, dass du ihn nicht zu Boden getackelt, ihm den Ring aus den Fingern gerissen und immer wieder Ja gebrüllt hast.«
Aubrey kichert. »Das hätte ich auch fast getan, aber …« Sie rutscht auf ihrem Stuhl umher und setzt sich ein wenig aufrechter hin. »Ich hatte jahrelang Zeit, mir zu überlegen, was ich sagen und wie ich mich verhalten würde.«
Als wir mit dem Lachen wieder aufgehört haben, sage ich: »Erzähl weiter.«
»Declan hatte eine ganze Rede vorbereitet, die …« Sie verzieht das Gesicht. »Ich weiß nicht mehr ganz genau, was er alles gesagt hat, aber es ging darum, wie sehr er mich liebt und dass er mit mir zusammen alt werden will.« Sie winkt ab. »Du weißt schon, der übliche Kram, von wegen für immer an meiner Seite sein. Und dann hat er gefragt: ›Willst du mich heiraten?‹ Und ich hab Ja gesagt. Er hat mir den Ring angesteckt, ich habe mich auf ihn gestürzt, und wir sind zusammen hingefallen.«
Ich muss lachen – genau so ist Aubrey und genau deshalb liebe ich sie auch so sehr. Sie hält sich kein bisschen zurück, wenn sie sich über etwas freut.
Sie fährt fort und verrät mir, dass sie so viel Sex hatten, bis sie ganz wund war. Und dass sie nicht lange warten wollen, sondern die Hochzeit schon im Oktober stattfinden wird.
Oktober … mir wird ganz anders zumute.
»Das ist aber schon ziemlich bald. Wie wär’s mit nächstem Frühjahr? Der Frühling ist so schön. Und dann hast du ein ganzes Jahr Zeit, deine Traumhochzeit zu planen.«
Sie sieht mich über den Rand ihrer Kaffeetasse hinweg an.
Wie ich diesen Blick hasse.
Diesen mitleidigen Blick.
Den »Es ist in Ordnung, sauer zu sein, aber du wirst es überleben«-Blick.
Sie setzt die Tasse ab und drückt meine Hand. »Du bist doch meine Trauzeugin, oder?« Ich nicke und versuche, die Tränen wegzublinzeln, ehe ich hier mitten im Café zu weinen anfange.
»Auch wenn …«
Ich nicke erneut.
»Ich wusste, dass du Ja sagen würdest, und deshalb habe ich dich auch so lieb. Das wird schon nicht allzu schlimm. Na ja … ganz schmerzlos wird es nicht sein, aber ich habe Declan bereits klargemacht, dass es keinen Trauzeugen-Tanz geben wird. Und du wirst allein zum Altar gehen – er wird schon neben Declan am Ende des Ganges stehen.«
»Na prima, da komme ich mir ja glatt vor, als würde ich auf unserer eigenen Hochzeit zu ihm zum Altar schreiten.«
Sie legt den Kopf schief und runzelt die Stirn.
»Vergiss, dass ich das gesagt habe. Sorry.« Mit einem Wedeln der Hand wische ich meine kleinlichen Worte weg.
»Das Einzige, was ihr zusammen tun müsst, ist, nach der Zeremonie Arm in Arm den Gang zurückzugehen. Und während des Empfangs neben ihm zu stehen. Aber das war’s.«
Ich drücke Aubreys Hand. »Mach dir keine Sorgen um mich. Ich bin ein großes Mädchen. Er ist ein großer Junge. Das wird schon alles gut gehen. Als deine Treuzeugin werde ich dafür sorgen.«
Sie lächelt, sieht aber noch nicht ganz überzeugt aus. »Danke.«
»Hat Declan ihn schon gefragt?«
Wenn ich ganz viel Glück habe, hat er vielleicht gar keine Zeit. Vielleicht gibt es irgendeine große und wichtige Profifußballersache, zu der er unbedingt hinmuss. Aber im Grunde meines Herzens weiß ich ganz genau, dass ihn nichts von der Hochzeit seines besten Freundes wird fernhalten können, genauso, wie mich nichts davon abhalten könnte, an Aubreys Seite zu stehen.
Verdammt seien wir und unsere Treuherzigkeit.
»Er hat ihn heute Morgen angerufen, noch bevor ich hierhergefahren bin.«
»Und?«
»Er wird Declans Trauzeuge sein.«
Ich seufze.
Rylan Greene.
Allein schon, wenn ich seinen Namen denke, fühlt es sich an wie ein Messer, das mir in den Bauch gerammt wird, und in sechs Monaten soll ich meinen Arm auf seinen legen.
Gott, seit ich sechs Jahre alt war, hat sich mein ganzes Leben...




