Recht | Aufstieg der Toten | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 448 Seiten

Recht Aufstieg der Toten

Roman
1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-641-09406-5
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Roman

E-Book, Deutsch, 448 Seiten

ISBN: 978-3-641-09406-5
Verlag: Heyne
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die Apokalypse ist nicht aufzuhalten

In drei Monaten kann sich verdammt viel ändern: Kriege werden entschieden, Regierungen werden abgesetzt … oder die Menschheit wird ausgelöscht! Zumindest fast: Ein unberechenbares Supervirus hat die Weltbevölkerung in Rekordgeschwindigkeit dahingerafft, nur um sie kurz darauf als lebende Tote wiederauferstehen zu lassen. Die wenigen Überlebenden halten sich versteckt, und nur die Gerüchte über ein möglicherweise wirksames Medikament spenden den Menschen Hoffnung. Doch zwischen den letzten Menschen auf Erden und dem rettenden Wirkstoff stehen Milliarden seelenlose Kreaturen, die Jagd auf die Lebenden machen …

Z. A. Recht, Schriftsteller und Amateurhistoriker, hat mit seines Romanen um den Morgenstern-Virus und die Untoten weltweit eine große Fangemeinde begeistert. Er starb 2009 im Alter von 26 Jahren.
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PROLOG

Hyattsburg, Oregon

22. Januar 2007

22.13 Uhr

Die Stadt war so gut wie tot.

Verlassene Fahrzeuge standen in den stillen Straßen. Loser Abfall flog in der winterlich kalten Brise umher. Die Leitungen, die über den Straßen verliefen, führten noch Strom. Die meisten Straßenlaternen funktionierten noch und schnitten Schneisen durch die Finsternis. Eine einsame Gestalt humpelte in einen Lichtkreis, warf einen schnellen Blick zurück und stützte sich dann schwer auf ein Winchester-Repetiergewehr. Das Bein des Mannes war in eine enge Bandage gehüllt, die allmählich von dunkelrotem Blut durchtränkt wurde.

»Hierher! Kommt her, ihr halb verwesten rattenfressenden Scheißhaufen! Hierher! Los, humpelt zu mir! Dalli, dalli!«

Der Gefreite Mark Stiles atmete schwer und keuchend. Er war an mehreren Häuserblocks vorbeigerannt und hatte einen ziemlich großen Abstand zwischen sich und die Verfolger gebracht, doch allmählich ließen seine Kräfte nach, und das verletzte Bein trug auch nicht gerade zur Verbesserung seiner Lage bei.

Stiles schaute nach links und rechts, um einen Ausweg aus seiner prekären Lage zu finden. Er erspähte eine schmale, von der Straße fortführende Gasse und hinkte, die Zähne vor Schmerzen fest aufeinandergebissen, darauf zu. Die Wirkung der Morphiumspritze, die Rebecca ihm verabreicht hatte, ließ allmählich nach. Hinter Stiles war die Dunkelheit von rasselndem Gestöhn erfüllt, aber er vernahm auch einzelne Wutschreie. Er riskierte einen erneuten Blick in Richtung der Verfolger.

Im Dunkeln nahm er eine Reihe von Umrissen wahr. Sie erstreckten sich von einem Bordstein zum anderen. Alle waren ständig in Bewegung, doch einige waren deutlich schneller als die anderen. Stiles schätzte, dass vierzig bis fünfzig Infizierte an seinen Fersen klebten. Es war die drittgrößte Meute, die er bisher gesehen hatte. Die Meuten eins und zwei waren ihm in Suez und Scharm El-Scheich begegnet.

Der erste Infizierte trat in den Lichtkreis und schwang die Arme in einer bizarren Parodie der Gesten, die zuvor Stiles gemacht hatte. Er hob die Nase witternd in die Luft, verzog das Gesicht zu einer Grimasse, schaute in die Gasse und knurrte leise und kehlig.

Gleich darauf warf er den Kopf in den Nacken. Ein lauter Knall ertönte, den die Ziegelbauten zurückwarfen. Der Infizierte fiel zu Boden. Eine Blutlache bildete sich um seinen Schädel. In der Gasse ließ Stiles eine leere Patronenhülse zu Boden fallen und ersetzte sie durch eine volle. Pulverdampf stieg vom Lauf seiner Waffe auf.

»Kommt her, ihr Drecksäcke!«, schrie er. Mit der ausgestreckten freien Hand stieß er einige Mülleimer um, die am Anfang der Gasse aufgestellt waren. Sie fielen scheppernd um. Alter Müll verstreute sich auf dem Asphalt. Stiles zog sich tiefer in die Gasse zurück und rümpfte die Nase, da der Müll gehörig stank.

Drei weitere Sprinter tauchten an der Mündung der Gasse auf. Ihre Gesichter waren verschwitzt und fleckig vom Blut früherer Opfer.

»Scheiße, Scheiße, Scheiße«, murmelte Stiles. Er schaute nach hinten und spähte nach Toreinfahrten oder Kanaldeckeln, durch die man entwischen konnte. Doch sein Blick traf auf nichts anderes als Ziegelmauern und festen Straßenbelag. Er verzog das Gesicht, hob die Winchester an die Schulter und ließ sein Gewicht auf dem verletzten Bein ruhen. Zwar fing es unter der Belastung an zu beben, knickte aber nicht ein. Stiles’ Blick fiel kurz nach unten. »Halt noch ’n bisschen durch, Alter«, murmelte er. »Bald liegt alles hinter uns.«

Er visierte den nächsten Sprinter an und schoss. Er erwischte die Gestalt etwas zu tief, im Brustkorb. Der Infizierte musterte das blutige Loch in seiner Brust, berührte es und ging in die Knie, wo er mit dem Gesicht voran tot aufs Straßenpflaster knallte – doch nicht für lange. Stiles wusste, dass das Ding sich in wenigen Minuten wieder erheben würde. Das in seiner Blutbahn kreisende Virus würde es als langsamen, tatterigen Überträger wiedererwecken, der nur von einem angetrieben wurde: der Gier nach weiteren Opfern. Der Morgenstern-Erreger gab seine Opfer nicht so leicht wieder frei.

Der Schuss hatte den restlichen Sprintern allerdings seine Position verraten. Nun wirbelten sie herum, schauten ihn an und stießen ein leises, provozierendes Knurren aus.

»Na los, ihr Wichser«, sagte Stiles. »Ich hau schon nicht ab.« Er wich einen Schritt zurück, feuerte erneut und machte sich davon, als sie die Verfolgung aufnahmen.

Ein Sprinter stieß mit einem Bein gegen die umgekippten Mülleimer. Er strauchelte, fiel zu Boden und stieß einen Grunzlaut aus, als er hätte er sich verletzt. Der andere sprang gewandt über die Tonnen hinweg und kam mit ausgestreckten Armen auf Stiles zu.

Stiles wartete, bis er nah genug heran war, dann drückte er ab. Die Kugel drang in den Mund des Infizierten ein, durchbohrte ihn und trat am Hinterkopf aus. Als der von seinem Gewicht nach vorn gerissene Leichnam Stiles entgegenfiel, trat dieser beiseite. Er spürte, dass sich sein Mund zu einem Grinsen verzog. Sein jüngstes Opfer würde nicht wieder aufstehen. Ein Kopfschuss beendete das Dasein jedes Untoten.

Der letzte Verfolger rappelte sich gerade auf. Stiles lud seine Waffe erneut durch, doch der Infizierte war schneller bei ihm, als er sie heben konnte.

Stiles fiel heftig auf den Rücken, als der Infizierte ihn ansprang. Das Gewehr wurde ihm aus den Händen gerissen und landete klappernd hinter ihm auf dem Asphalt.

Der Untote griff nach Stiles, der sich plötzlich in der bösen Situation wiederfand, sich knirschende Zähne und Fingernägel vom Leib halten zu müssen. Beide rangen eine Weile miteinander, doch keiner gewann die Oberhand. Von seinem widerborstigen Opfer in Rage versetzt, beugte sich der Infizierte vor und brüllte den Soldaten aus nächster Nähe an.

Stiles’ Hand zuckte zu seinem Pistolengurt hinab, dann grinste er und präsentierte seinem Gegner ein Bajonett.

»Fahr zur Hölle, Mistvieh!«

Stiles rammte die Klinge von unten durch das Kinn des Infizierten. Er nagelte Unter- und Oberkiefer zusammen und machte Gulasch aus seinem Hirn. Die Arme des Überträgers erschlafften. Er verdrehte die Augen. Stiles stieß den Leichnam grunzend von sich, stand zähneknirschend auf und belastete sein Bein. Dann nahm er seine Winchester und hinkte, das Bajonett noch in der Hand, zum Ende der Gasse.

Die Gasse mündete in eine Straße, die ebenso von Trümmern übersät war wie die vorherige, aber hier war zumindest keine Meute von Infizierten zu sehen.

Für Stiles erübrigte sich ein weiterer Blick zurück, um zu erfahren, wie nahe ihm die Verfolgerhorde inzwischen gekommen war: Der erste Watschler kam nämlich bereits grinsend um die ins Gässchen führende Ecke gehinkt. Auch hier gab es Geschäfte – die Innenstadt Hyattsburgs bestand nur aus wenigen Häuserblocks. Keiner der Läden erschien ihm jedoch so nützlich zu sein wie das Sportgeschäft, das er vor einigen Stunden geplündert hatte. Stiles sah einen Brautausstatter, einen ATV-Händler und einen Comicladen. Der Rest lag zu sehr im Dunkeln, um Genaueres erkennen zu können.

Stiles versuchte es an der ersten Haustür, an der er vorbeikam, doch sie war verschlossen. Sie schien in ein Wohnhaus zu führen. Stiles runzelte die Stirn und hinkte über den Gehsteig zum Brautausstatter. Er versuchte den Knauf zu drehen, doch auch diese Tür blieb ihm verschlossen. Die Fenster waren vergittert. Aus der Gasse herüber drang nun Gestöhn an seine Ohren.

Stiles verdoppelte seine Anstrengungen. Das nächste Geschäftslokal war der Comicshop. Stiles hielt an und kniff leicht die Augen zusammen. Die Eingangstür stand einen Spalt auf.

Er schaute sich ein weiteres Mal um. Er wollte sicher sein, dass kein Infizierter an ihm klebte. Dann hob er die Winchester. Sie sollte schussbereit sein. Er schob die Tür mit dem Lauf auf.

»Wer arm ist, darf nicht wählerisch sein«, murmelte er und trat ins Innere des Ladens. Die Tür schob er hinter sich mit dem verletzten Bein ins Schloss. Ohne den Blick vom dunklen Rauminneren abzuwenden, griff er hinter sich und tastete nach dem Riegel. Er fand ihn und drehte ihn, dann zog er noch mal an der Tür, um ganz sicher zu sein, dass sie wirklich verschlossen war. Sie war fest zu. Er war nun eingeschlossen. Wichtiger war allerdings, dass die Infizierten ausgeschlossen waren.

»Na schön, Stiles«, murmelte er. »Bleib trotzdem wachsam, denn noch bist du aus dieser Scheiße nicht raus.« Er tastete sein Ledergeschirr nach der Taschenlampe ab, die er kürzlich ein paar Straßen weiter im Sportartikelgeschäft hatte mitgehen lassen. Nachdem er sie eingeschaltet hatte, ließ er den schmalen Lichtstrahl durch den Laden wandern.

Am anderen Ende des Raumes befand sich eine Theke. Auf ihr lagen Sammlerkärtchen und Snacks. Zwischen Stiles und der Theke ragten mehrere doppelseitige Regale voller Comics und Rollenspielbücher auf. Der Lichtstrahl wanderte über den Boden: Stiles wollte sicher sein, dass hier keine ausgeknipsten Überträger herumlagen, die vor der Verwandlung gestorben waren. Der Boden war sauber. Er war sogar rein. Das Sportartikelgeschäft war völlig heruntergekommen gewesen, die Regale umgeworfen, die Behälter geplündert. Doch die Randale, die dort das Unterste zuoberst gekehrt hatte, hatte den Comicladen...


Recht, Z. A.
Z. A. Recht, Schriftsteller und Amateurhistoriker, hat mit seines Romanen um den Morgenstern-Virus und die Untoten weltweit eine große Fangemeinde begeistert. Er starb 2009 im Alter von 26 Jahren.



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