Reeve | Demons Hell MC: Ice | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 285 Seiten

Reeve Demons Hell MC: Ice


1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-96204-466-4
Verlag: Written Dreams Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: PC/MAC/eReader/Tablet/DL/kein Kopierschutz

E-Book, Deutsch, 285 Seiten

ISBN: 978-3-96204-466-4
Verlag: Written Dreams Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: PC/MAC/eReader/Tablet/DL/kein Kopierschutz



Die fünfundzwanzigjährige Faith Montgomery hat es in ihrem Leben nicht leicht. Um ihrem bösartigen Ex-Freund zu entkommen, flieht sie mit ihrer besten Freundin von Chicago nach Oregon, wo sie auf einen Neuanfang hofft. Doch genau dort trifft sie ausgerechnet auf Ice, den Jungen aus ihrer Kindheit, der sie und ihren Bruder ohne ein Wort im Stich gelassen hat. Sie will ihm nicht verzeihen und möchte daher unter keinen Umständen Kontakt zu ihm haben. Aber wie es der Zufall will, kreuzen sich ihre Wege immer wieder und auch die stetig steigende Spannung zwischen ihnen können sie nicht ignorieren. Bevor sich die beiden jedoch überhaupt mit ihren aufkeimenden Gefühlen auseinandersetzen können, schlägt Faiths Vergangenheit wie ein Tsunami ein und zieht Ice mit in den Abgrund. Und als wäre all das noch nicht genug, gibt es auch noch weitere Geheimnisse, die nach und nach gelüftet werden und beide mit ihren inneren Dämonen konfrontieren.

Kimmy Reeve schreibt erotisch-düstere Geschichten. Seit einigen Jahren begeistert Kimmy nun ihre stetig wachsende Leserschaft mit romantischen Thrillern und Liebesromanen die sinnlich und spannend unter die Haut gehen.

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Kapitel 2
Faith Er stand vor mir und ich wusste nicht, wie ich mit dieser Erkenntnis … mit seiner Anwesenheit umgehen sollte. Einerseits wollte ich ihn schlagen oder mit Nichtachtung strafen, andererseits in den Arm nehmen und nie wieder loslassen. Vor mir stand kein anderer als Ice … Der Junge, der immer bei uns zuhause gewesen war … Der Junge, der mit meinem großen Bruder ständig um die Häuser gezogen war … Der Junge, der andauernd mit zerschlagenem Gesicht bei uns aufgetaucht war und den Shane und ich andauernd verarzten mussten. Heimlich, ohne, dass unsere Eltern davon etwas mitbekamen. Was keine Schwierigkeit war, denn Mom war grundsätzlich arbeiten und Dad schwer krank gewesen. »Faith«, hauchte Ice, der mehrmals hintereinander blinzeln musste. Anscheinend konnte er es nicht ganz glauben, dass ich gerade vor ihm stand. Nun, es war auch schon eine Weile her, als wir uns das letzte Mal gesehen hatten. Wenn ich mich recht erinnerte, waren bereits zehn Jahre vergangen. An dem Tag, als wir meinen großen Bruder beerdigen mussten. Damals war ich fünfzehn und Ice zwanzig gewesen. Das hieß, dass Ice nun dreißig war, schließlich war ich fünfundzwanzig. »Es ist lange her«, sagte ich. Nach wie vor standen wir dicht voreinander. Um ihn in diese vertrauten blauen Augen sehen zu können – die anscheinend noch heller als früher geworden waren – musste ich meinen Kopf etwas in den Nacken legen. Immerhin war er deutlich größer als ich. Mit meinen High Heels maß ich circa ein Meter zweiundsiebzig. Ohne die Absätze konnte man getrost sechs bis sieben Zentimeter abziehen. Und dennoch war Ice noch deutlich hünenhafter als ich. »Du hast dich verändert«, meinte er. »Kein Kind mehr, sondern erwachsen. Es tut gut, dich zu sehen.« Nun ja, zehn Jahre machten eine Menge aus. »Dagegen hast du dich kaum verändert«, erwiderte ich. »Immer noch dieser durchdringende Blick. Wie damals.« »Ice, wie sieht es aus, Alter?«, vernahm ich eine raue Stimme hinter ihm und erblickte eine Horde von Bikern, die mir bislang noch gar nicht aufgefallen waren. Wahrscheinlich, weil ich noch immer leicht geschockt war. Immerhin stand ich vor jemandem, der mir mal sehr viel bedeutet, mich und meinen Bruder jedoch im Stich gelassen hatte. »Übernimm du meinen Part, Bruder, ich setze dieses Spiel aus«, meinte Ice, ohne mich aus dem Blick zu lassen. »Wenn du Zeit und Lust hast, würde ich dich gerne auf ein Bier einladen.« »Eigentlich …« »Bitte …«, unterbrach er mich, woraufhin ich mich zu meinen Freundinnen drehte. »Ist es okay für euch, wenn ich kurz mit einem alten Fr … Bekannten rede?«, erkundigte ich mich. Wir waren keine Freunde mehr, vielleicht waren wir das nie gewesen. Er war der beste Freund meines Bruders, ich war immer nur das kleine nervige Anhängsel gewesen. Als Kind hatte ich für ihn geschwärmt, aber für Ice war ich nur eine Art Schwester gewesen. »Geh ruhig«, meinte Gabby. »Dann können wir wenigstens das Spiel beenden.« Grinsend nickte ich, stellte meinen Queue beiseite und folgte Ice zur Bar. Dort angekommen, deutete er mir, mich auf den freien Hocker zu setzen, was ich auch tat. »Rhonda, zwei Bier bitte«, bestellte er bei der Kellnerin, bevor er sich mir zuwandte. »Ich besorge mir eben eine Sitzgelegenheit, bin sofort wieder bei dir.« Ich nickte und schaute ihm hinterher. Dabei entging mir natürlich nicht die Weste, auf der Demons Hell MC, Ice eingenäht worden war. Ice, der in seinem früheren Leben noch Kyle geheißen hatte, lebte bis zu seinem vierzehnten Lebensjahr mit seiner Mutter in einer der Sozialbauten Chicagos. Auch meine Familie und ich mussten in diesen heruntergekommenen Wohnungen hausen. Meine Mutter war Krankenschwester, mein Vater berufsunfähig, da er an Multiple Sklerose – kurz MS – erkrankt war. Leider war das mit der Gesundheitsreform in den USA nicht ganz so einfach, wenn man nicht genügend Geld besaß. Meine Eltern hatten keine Krankenversicherung besessen, was bedeutete, dass wir überhaupt keine andere Wahl hatten, als in so einem verseuchten Appartement zu leben. Dennoch: Auch wenn wir nicht viel Materielles besaßen, so hatten wir uns gehabt. Und zu uns zählte ich auch Ice. Jedenfalls hatte ich das früher getan. Ice und Shane waren vom ersten Tag an zusammen in der Schule gewesen, so hatten die beiden sich kennengelernt. Seitdem waren sie unzertrennlich gewesen, wie mein Bruder mir immer erzählt hatte. Tja und somit wuchs ich nicht nur mit meinem Bruder Shane auf, sondern auch mit Ice. Ich konnte mich noch genau daran erinnern, dass Ice beinahe täglich vor unserer Wohnungstür gestanden hatte, das Shirt sowie die Hose blutig und das Gesicht erst recht. Es gab kaum Momente, in denen er keine blauen Flecke, Verbrennungen oder anderweitige Wunden vorzuweisen hatte. Bis heute wusste ich nicht, was genau ihm zugestoßen war, wer ihm das angetan hatte, nicht mal Shane hatte je ein Wort darüber verloren gehabt. Jetzt, wo ich erwachsen war, nahm ich an, dass es seine Mutter gewesen war. Wer würde sonst in Betracht kommen? Schließlich hatte er nur mit ihr zusammengelebt. Einen Vater hatte es nicht gegeben. Jedenfalls keinen, den er kannte. Zumindest nach meinem Stand der Dinge. Ein Umstand, der sicherlich nicht einfach für Ice gewesen war. Nichts schien damals einfach für den Jungen mit den weißblonden Haaren gewesen zu sein. Als ich neun war – mein Bruder und Ice waren bereits vierzehn – hatte sich etwas Tragisches in unserem Wohnhaus ereignet: Ice? Mutter war auf brutale Weise ermordet worden. Wenige Tage darauf hatte plötzlich die Jugendfürsorge vor unserer Tür gestanden, die auf der Suche nach Ice waren. Sie wollten ihn mitnehmen. Doch wir hatten die Mitarbeiter angelogen, indem wir behaupteten, keine Ahnung von seinem Aufenthalt zu haben, obwohl wir unseren Freund bei uns versteckt hielten. Mein Dad hatte davon sowieso nichts mitbekommen, meine Mom erst recht nicht. Und an dem Tag hatte Ice entschieden, Chicago den Rücken zu kehren. Ohne Weiteres hatte er seine sieben Sachen gepackt und war in einer Nacht- und Nebelaktion verschwunden. Wortlos, nicht mal eine Nachricht hatte er uns hinterlassen. Er war fort und es war mir damals so vorgekommen, als hätte er niemals existiert. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich sehr darunter gelitten, weil Ice ein Teil meiner Familie gewesen war. Doch Shane war daran zerbrochen. Es hatte nicht lange gedauert, bis mein Bruder sich von Grund auf veränderte. Irgendwann war nichts mehr von meinem einst so wundervollen Bruder übrig gewesen. Teilweise hatte ich ihn nicht wiedererkannt und gelegentlich jagte er mir sogar Angst ein. Es war schrecklich gewesen. Je älter ich wurde, desto mehr verstand ich seine Wesensveränderungen, denn er war in den falschen Freundeskreis geraten. Drogen, Diebstahl, Körperverletzung … Alles war dabei gewesen. Shane war in jenes Milieu abgedriftet. Helfen lassen wollte er sich von niemandem und bei meiner Seele, ich hatte alles versucht. Und zwar so lange, bis er zum ersten Mal Hand an mich gelegt hatte. Nachdem er endlich von mir abgelassen hatte und ich Blut spuckte, war er weinend neben mir zusammengebrochen. Obwohl er mich verflucht übel zugerichtet hatte, empfand ich auch in dieser Situation Mitleid für meinen Bruder. An jenem schrecklichen Tag war Shane innerlich gestorben. Das hatte ich ihm ansehen können. Gestorben war ich zwar nicht, allerdings musste ich schnell erwachsen werden, was ich mit dreizehn auch wurde. Eine andere Wahl hatte ich nicht besessen. Es hatte für mich kein Grund mehr für Träumereien existiert. Mein innerliches Kind war fort gewesen. Einfach weg! Es sollten Jahre vergehen, bis Ice nach Chicago zurückkehrte. Am Tag von Shanes achtzehnten Geburtstag – Ice war nur wenige Monate älter als mein Bruder – war er mit seiner Harley vor unserer Tür aufgetaucht. Muskulös, traumhaft schön und mit einer Lederweste eines Motorradclubs. Noch heute konnte ich die Wut in mir spüren, die ich seinerzeit empfunden hatte. Ice war es gut ergangen, während ich versuchte, ums nackte Überleben zu kämpfen. Immer waren wir für ihn da gewesen, hatten ihn gepflegt und aufgenommen, seine Tränen getrocknet und ihm Liebe geschenkt. Was hatte er getan? Er hatte uns zurückgelassen und vergessen. Einfach so, hatte er Shane und mich im Stich gelassen. Obwohl ich ihn zu diesem Zeitpunkt am liebsten angeschrien hätte, hatte ich vielmehr die Hoffnung gehegt, er könne mir mit Shane helfen. Er würde ihn aus Chicago bringen, mit zu sich nehmen, egal, wo das auch sein mochte. Doch so war es nicht gekommen. Zwischen Ice und Shane musste etwas Schwerwiegendes vorgefallen sein, denn lange war der Biker nicht bei uns geblieben, bevor er sich wortlos auf seine Maschine schwang und abermals sein altes Leben, somit auch uns, hinter sich ließ. Zwei weitere Jahre waren vergangen, bis Ice abermals in meinem Leben auftauchte. An dem Tag, an dem ich meinen Bruder beerdigt hatte. Kein einziges Wort hatten mir miteinander gewechselt gehabt. Was hätten wir auch sagen sollen?! Es gab nichts! Als es auf dem Friedhof bereits dunkel geworden war, hatte Ice mir behutsam seine Lippen auf die Stirn gedrückt und mir zugeflüstert, dass er sein Versprechen, welches er seinerzeit Shane gab, einhalten würde. Er würde sich um mich kümmern. Bevor ich darauf überhaupt etwas erwidern hätte können, war er auch schon wieder aus meinem Leben verschwunden gewesen. Ich wollte ihm sagen, dass er sich sein Versprechen sonst wohin stecken...



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