Reeve | Demons Hell MC: Shadow | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 230 Seiten

Reeve Demons Hell MC: Shadow


1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-96204-464-0
Verlag: Written Dreams Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: PC/MAC/eReader/Tablet/DL/kein Kopierschutz

E-Book, Deutsch, 230 Seiten

ISBN: 978-3-96204-464-0
Verlag: Written Dreams Verlag
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Kapitel 1
Minni Hustend wand ich mich auf dem Badezimmerboden, traute mich nicht, mich auch nur einen Millimeter zu bewegen. Wie konnte es nur soweit kommen? Warum hatte Jimmy mir das angetan? Nach allem, was ich wegen ihm ohnehin bereits durchgemacht hatte. Irgendetwas musste in den letzten vierundzwanzig Stunden geschehen sein, das meinen Freund dazu veranlasst hatte, seinen gesamten Zorn auf mich zu verlagern. Was genau das war, konnte ich nicht mit Bestimmtheit sagen. Wenn ich schätzen müsste, dann hatte das etwas mit seiner Spielsucht zu tun. Vielleicht hatte er wieder Schulden gemacht? Es wäre nicht das erste Mal und ich betete, dass ich mich irrte, denn ich wollte nie wieder das erleben, was ich vor fast drei Jahren, im Alter von neunzehn, durchmachen musste. Nie wieder! Der Boden, auf dem ich lag, wurde zunehmend kälter, in dem Top und der kurzen Shorts fing ich allmählich an zu frieren. Mit zusammengebissenen Zähnen setzte ich mich aufrecht hin, weshalb ich vor Schmerzen aufstöhnen musste. Nichtsdestotrotz musste ich von den Fliesen runter, weshalb ich mich auf den Badteppich zog. Mit dem Rücken lehnte ich mich an die Kommode und ließ meinen Tränen freien Lauf. Es war Wochen her, als Jimmy das letzte Mal Hand an mich gelegt hatte. Anschließend hatte er sich, wie die Male zuvor, bei mir entschuldigt, mich angefleht, ihn nicht zu verlassen. Er hatte mir versprochen, sich Hilfe zu suchen, um von seiner Spielsucht und dem Alkohol wegzukommen. Ich war so naiv gewesen zu glauben, dass er es ernst meinte. Wenn ich schlau gewesen wäre, hätte ich schon vor langer Zeit meine sieben Sachen packen und gehen müssen. Doch ich hatte in seinen Augen den Schmerz, die Furcht, die Trauer erkannt, die ihn aufzufressen drohten. Eigentlich hätte es mir egal sein müssen, was aus ihm wurde, nur verhielt es sich nicht entsprechend. Schließlich waren wir schon lange zusammen, außerdem war Jimmy krank. Irgendwie hatte ich gehofft, ihn bei der Genesung unterstützen zu können, allerdings wurde mir gerade schmerzhaft klar, dass ich dazu nicht imstande war. Wenn ich nicht langsam den Absprung von ihm schaffte, würde bald gar nichts mehr von mir übrig sein. Viel war nämlich jetzt schon von meiner Seele nicht mehr vorhanden. Jimmy Mason und ich kannten uns bereits seit der Vorschule, wir beide wuchsen in der selben Pflegefamilie auf. Wir waren im gleichen Alter und es gab keinen Moment, in denen wir nicht zusammen gespielt hatten. In der High School bemerkten wir, dass wir Gefühle füreinander hegten, und gingen eine Beziehung ein. Da waren wir gerade mal fünfzehn gewesen. Gott, am Anfang war ich so sehr in ihn verliebt gewesen, dass mein größter Wunsch war, mit ihm zusammenzuziehen, ihn eines Tages zu heiraten und die Mutter seiner Kinder zu werden. Mittlerweile war ich der Meinung, dass man mit seinen Wünschen ganz vorsichtig sein sollte. Damals, kurz nach meinem achtzehnten Geburtstag, waren wir zusammengezogen. Raus aus der Pflegefamilie, wir waren frei. Jedenfalls hatte es sich für mich so angefühlt. Jimmy war immer mein Anker gewesen, ständig hatte er mich vor unserem Pflegevater beschützt, kassierte die Schläge und noch vieles mehr, was ich hätte abbekommen müssen. Aber nicht nur unser Pflegevater war ein brutales Schwein, auch sein Sohn Ronald. Jimmy war mein Held, mein Herz hatte nur ihm gehört und ich war davon überzeugt, dass es bis zu meinem letzten Atemzug, ihm gehören würde. Doch dann kam der Tag, der mein ganzes Dasein erschüttert hatte … Der Tag, an dem ich gebrochen wurde … Der Tag, an dem ich aufhörte zu träumen und zu wünschen. Bis heute konnte ich die Stunden, die Tage des Grauens nicht vergessen … konnte nicht vergessen, was mir angetan worden war … konnte nicht vergessen, was Jimmy zugelassen hatte. Bis zu meinem achtzehnten Lebensjahr hatte ich nichts von der Spiel- und Alkoholsucht meines Freundes gewusst, hatte nicht geahnt, dass er mich über die ganzen Jahre belogen hatte. Alles, was ich an Geld besaß, die Ersparnisse, die ich über die gesamten Jahre zurückgelegt hatte, der Kredit, den ich für mein Studium aufnehmen konnte … jeden Cent hatte er verzockt. Nichts war mehr übrig. Das hieß im Umkehrschluss, dass ich mein Studium abbrechen und mir Arbeit suchen musste, damit ich unsere Fixkosten, meine und seine Schulden bezahlen konnte. Seit vier Jahren war ich nun für den Motorradclub der Demons Hell als Bardame tätig und seit knapp drei Jahren schob ich sieben Tage in der Woche Doppelschichten. Wenn es nach Jimmy ging, hätte ich mir ruhig noch einen zweiten Job suchen können, da er der Meinung war, nicht arbeiten gehen zu können, schließlich war er ja krank. Ich verdiente nicht schlecht bei den Demons Hell, beschweren konnte ich mich wirklich nicht. Doch es reichte eben nicht für ein luxuriöses Leben, eines, das Jimmy aber gerne wollte, ohne dafür etwas tun zu müssen. Immer und immer wieder fragte ich mich, warum ich ihn nicht einfach verließ? Die Frage konnte ich mir nicht beantworten. Liebte ich ihn noch? Nein, das konnte ich definitiv sagen. Was war es dann, was mich bei ihm hielt? Gewohnheit? Angst? Letzteres konnte ich bestätigen. Schließlich wurde Jimmy nicht müde mir zu drohen, sich selbst etwas anzutun, sollte ich jemals auf den Gedanken kommen, ihn zu verlassen. Genauso hatte er mich damals beschworen, mich angefleht, nichts davon den Bikern zu erzählen, was sich vor drei Jahren in unserer Wohnung abgespielt hatte. Sie würden ihn umlegen, hatte er gemeint und außerdem sei ich ihm etwas schuldig. Immerhin hatte er mich damals in unserer Pflegefamilie beschützt und alles, was mich hätte treffen müssen, kassiert. Also war es die Schuld, die mich bei ihm bleiben ließ. Jene Schuld, die er nicht müde wurde, mir unter die Nase zu reiben. Jimmy wusste ganz genau, welche Knöpfe er bei mir drücken musste, wusste, wie sehr ich darunter litt, was ihm in der Kindheit zugestoßen war. Andauernd, fast täglich und das nur, weil er sich wie ein Löwe vor mich gestellt hatte. Hinzu kam, dass ich ihm zu hundert Prozent abnahm, dass er sich selbst etwas antun würde. Wenn ich nur darüber nachdachte, er würde Suizid begehen, wurde mir schlecht, denn das wäre im Grunde auch noch meine Schuld. Damit könnte ich nicht leben. Soweit wollte ich es einfach nicht kommen lassen. Aber sollte ich mein restliches Leben auf diese Weise verbringen? Nein, das würde ich nicht durchstehen. Es gab Momente, in denen ich mich Death, dem ehemaligen Präsidenten der Demons Hell anvertrauen wollte. Er war ein guter Mann gewesen, ein großartiger Präsident. Doch, bevor ich den Mut dazu aufbringen konnte, wurde er in einem Bikerkrieg tödlich verletzt. Sicher, ich hätte mich auch an seinen Sohn Devil, dem neuen Präsidenten wenden können, doch vor ihm hatte ich irgendwie Furcht, was auch auf den Vize Steel und Shadow, einem hohen Mitglied der Gruppe zutraf. Nicht weniger Respekt hatte ich vor Thunder, Ice, Hellboy, Doc und Angel. Sie waren alle für sich angsteinflößend, wobei ich sagen musste, dass Devil, Steel und Shadow in mir einen ungeahnten Fluchtinstinkt weckten, obwohl ich annahm, dass sie mir niemals etwas antun würden. Jedenfalls hoffte ich, dass mein Gefühl mich dahingehend nicht täuschte. Nichtsdestotrotz mochte ich diese starke Einheit, auch wenn ich mich noch nie mit einem von ihnen ausgiebig unterhalten hatte. Wahrscheinlich würden die Jungs Jimmy tatsächlich kaltmachen, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken. Wobei? Würden sie sich überhaupt für meine Probleme interessieren? Ich arbeitete dort nur, war eine Angestellte, die regelmäßig ihren Scheck bekam. Noch nie hatte sich einer der Männer bei mir erkundigt, warum ich so viel arbeitete, warum ich immer dort war. Überwiegend hatte ich sogar das Gefühl, dass sie mich gar nicht sahen. Langsam hob ich meinen Arm, schaute auf die Uhr und erkannte, dass es Zeit wurde, mich zu erheben, um mich fertig zu machen. Wie ich den Tag überstehen sollte, war mir bislang noch ein Rätsel, dennoch hatte ich keine andere Wahl, als zum Club zu fahren, um Geld zu verdienen. Einen Ausfall konnte ich mir nicht erlauben, somit würde mir die Kohle für die Rate fehlen, die ich für Jimmys und meinen Kredit abzahlen musste. Auf eine weitere Auseinandersetzung mit ihm konnte ich verzichten. Tief durchatmend erhob ich mich und stöhnte abermals. Nach wie vor rannen mir Tränen über die Wange, die ich mir aber mit den Fingern wegwischte, als ich mich im Spiegel betrachtete. Scheiße, Jimmy hatte mir ein Veilchen verpasst. Das konnte ich nur mit einer Menge Make-up abdecken, aber trotzdem würde man es noch erkennen, wenn man mich genau ansah. Ich hoffte einfach, dass es keinem auffiel, dass mich wirklich niemand sah. *** Pünktlich um sieben traf ich vor dem Clubhaus ein. Bevor ich Jimmys Auto verlassen konnte, packte er mich am Arm und zog mich zurück. »Komm ja nicht auf die Idee, dich bei einem von den Schwanzlutschern da drin auszuheulen«, drohte Jimmy mir mit scharfer Stimme. »Mach keinen Fehler. Ich hole dich um Mitternacht ab.« Völlig perplex riss ich die Lider auf und betrachtete Jimmy, der mich hasserfüllt beäugte. Was war nur los mit ihm? Noch nie zuvor hatte er so mit mir gesprochen. Normalerweise war das der Moment, in dem er mich um Verzeihung bat, mich anflehte, bei ihm zu bleiben, weil er sich ansonsten vor einen Zug werfen würde. Dieses Mal verhielt es sich nicht so, er drohte mir anders, er beschimpfte die Demons Hell, was einem Todesurteil gleichkam, wenn einer von den Bikern davon Wind bekam. War er lebensmüde? Eigentlich hätte ich mutig sein und ihm all...



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