Regnier | Hollywood Love - oder: Schauspieler küssen anders | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 356 Seiten

Regnier Hollywood Love - oder: Schauspieler küssen anders

Roman | Für Fans von Kathinka Engel und des gefühlvollen Film-Highlights »The Idea of You«
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-96655-662-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Roman | Für Fans von Kathinka Engel und des gefühlvollen Film-Highlights »The Idea of You«

E-Book, Deutsch, 356 Seiten

ISBN: 978-3-96655-662-0
Verlag: dotbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Können diese Gefühle echt sein? Als Restaurateurin antiker Möbel verleiht Lisa alten Schätzen wieder neuen Glanz - sie selbst hält sich allerdings am liebsten im Hintergrund: dort, wo sie sich sicher fühlt, wo niemand sie erneut enttäuschen oder verletzen kann. Doch ihr neuer Auftrag führt sie an ein großes Filmset ... und plötzlich scheint das Scheinwerferlicht ausgerechnet auf ihr zu liegen. Warum taucht Robert Faulkner, der ebenso charmante wie attraktive Star, immer rein zufällig dort auf, wo Lisa gerade arbeitet? Das kann nicht mehr als eine kleine Tagträumerei sein, sagt ihr Kopf ... und doch spürt ihr Herz, dass jede von Roberts flüchtigen Berührungen ihre Welt in allen Farben erstrahlen lässt. Hin- und hergerissen zwischen diesen zarten Gefühlen und den Geheimnissen ihrer Vergangenheit muss Lisa schon bald alles riskieren, wenn sie nach dem Glück greifen will ... Große Gefühle am Filmset: Der Roman ist vorab bereits unter den Titeln »Schauspieler küssen anders« sowie »Bis unsere Träume uns finden« erschienen und wird Fans des romantischen Film-Highlights »The Idea of You« und von Rebecca Yarros' emotionalen Romanen begeistern!

Sandra Regnier ist in der Vulkaneifel geboren und aufgewachsen. Nach der Schule und einer Ausbildung zur Beamtin wollte sie lange nach Frankreich auswandern - stattdessen heiratete sie einen Mann mit französischem Namen und blieb in der Heimat. Nach ihrer Arbeit im Tourismus übernahm sie die Leitung einer Schulbibliothek und konnte sich wieder ganz ihrer Leidenschaft widmen: den Büchern. Heute schreibt sie hauptberuflich und ist nebenher viel mit dem Fahrrad unterwegs, um Ideen zu sammeln, oder träumt beim Wandern von fantastischen Welten. Bei dotbooks veröffentlichte Sandra Regnier ihren Roman »Bis unsere Träume uns finden«.
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Eine Giraffe entbrennt ein Feuer


»Lisa, ich komme gleich um vor Hunger«, stöhnte Luis. Ich sah überrascht auf meine Armbanduhr. Wir hatten den ganzen Tag ohne wirkliche Pause durchgearbeitet. Das Zimmer sah allmählich bewohnbar aus. Nur der Tapetenkleister und der Geruch von neuen Möbeln störten den Eindruck. Wenn ich noch zwei Stunden durcharbeiten könnte, würde es vielleicht noch drehfertig werden und David konnte, falls der Wetterbericht stimmte und es morgen regnen sollte, dann statt der Außenaufnahmen hier weitermachen.

»Es ist nicht mehr viel«, versuchte ich Luis anzuspornen.

»Ich muss unbedingt etwas essen gehen«, sagte Luis wieder, »mir ist schon ganz flau im Magen.«

»Mir auch«, echote Anabel. Ich zog die Augenbrauen zusammen. Anabel war dünn wie ein Lineal und aß weniger als ein Vögelchen. Mir war klar, dass sie nur in Luis’ Nähe bleiben wollte.

»Außerdem sind die von den Dreharbeiten schon seit einer Viertelstunde im Feierabend und plündern die Reste vom Cateringstand«, quengelte Luis weiter. Aha, darum ging es.

»Macht Feierabend und geht essen«, sagte ich. »Ich mache weiter.«

»Bist du denn nicht hungrig?«, fragte Anabel überrascht.

»Nein. Ich möchte fertig werden«, antwortete ich und drehte eine Schraube an.

»Aber der Dreh findet doch erst Übermorgen statt. Wir haben noch reichlich Zeit.« Luis schien ein schlechtes Gewissen zu bekommen.

»Ich weiß, aber für morgen ist Regen angesagt. Und eigentlich sollte doch der Außendreh am Strand stattfinden. So könnte David hier weitermachen«, erklärte ich geduldig und setzte eine weitere Schraube an. Luis und Anabel schwiegen einen kleinen Moment und ich hatte das Gefühl, sie sahen sich schuldbewusst an.

»Wir können noch mal zurückkommen«, bot Luis halbherzig an. »Ich muss nur was essen, sonst bin ich gleich völlig unterzuckert.«

»Nein, lass nur. Das ist kein Problem«, sagte ich und war froh, endlich allein zu sein und das Geturtel nicht ständig mitanhören zu müssen. Eigentlich waren die Bauarbeiter für diese Arbeiten zuständig, aber ich liebte es, Schränke zusammenzubauen. Bei dieser Arbeit konnten meine Gedanken nicht abschweifen und das Ergebnis eines schönen Möbelstu¨cks hatte immer etwas Befriedigendes für mich. Die Arbeit hielt mich vom Gru¨beln ab. Ich hatte zwar auch Hunger, aber der eigentliche Grund, nicht zum Essen zu gehen, war ein anderer. Ich hatte keine Lust – oder eher keinen Mut –, Robert Faulkner noch einmal zu begegnen.

»Also ehrlich, Lisa, das ist doch absoluter Unsinn.«

Tracys Stimme troff vor unterdru¨ckter Genugtuung. »Du reibst dich jetzt schon auf, wo die Dreharbeiten gerade erst richtig begonnen haben. Ein Art Director baut niemals selber Schränke zusammen, hat dir das keiner erklärt?«

»Doch schon, aber die besten Ideen kommen mir bei solch einfachen Arbeiten«, sagte ich geduldig und schraubte einfach weiter.

»Ach wirklich? Und welche oscarverda¨chtige Ausstattung gedenkst du einem Jugendzimmer zukommen zu lassen?«

Ich legte den Akkuschrauber ab und lächelte sie aus zusammengekniffenen Augen an. »Tracy, wolltest du nicht Feierabend machen, um ein Bad zu nehmen und deine Na¨gel zu lackieren?«

»Was hat das denn mit dem Zimmer hier zu tun?« Tracy Coleman war immun gegen Sarkasmus.

»Nichts. Genauso wenig wie deine Einmischung in meine Arbeit.«

»Bitte, wie du willst. Wenn du auf meine professionelle Hilfe verzichten kannst.« Sie drehte sich um. »Ich dachte, ein Neueinsteiger wie du würde vielleicht von den Ratschla¨gen einer erfahrenen Ausstatterin profitieren. Dann schraub schön weiter. Womöglich tapezierst du auch selbst?«

Tracys spitze Bemerkungen konnten mich nicht treffen. Ich wusste, dass David sie nicht ausstehen konnte. Er hatte sie von dem Co-Produzenten vorgesetzt bekommen.

Eigentlich hatte sie sich für den Posten des Production Designers beworben. Doch meine Zeichnungen hatten der Produktionsfirma besser gefallen. Das war leider auch schon mein einziger Vorzug. Aber er hatte der Produktion gereicht, also musste er auch Tracy genu¨gen. Vom ersten Tag an war klar gewesen, dass Tracy mir das Leben schwer machen würde. Nur gut, dass David kompromisslos zu mir hielt.

Wir arbeiteten mehrere Stunden konzentriert weiter und kamen gut voran. Ich hatte mitbekommen, dass um mich herum alle anderen schon Feierabend gemacht hatten. Auch Luis und Anabel waren vor einer Stunde nach Hause gegangen. Eigentlich war das Zimmer fertig. Es sollte das Zimmer eines achtzehnja¨hrigen Teenagers darstellen. Doch mir fehlte noch etwas. Das Futontett, die unordentliche Bettwa¨sche, das abgewetzte Sofa mit den Klamotten, Wettkampfpokale auf dem Regal, das Motorradposter an der Wand, Schreibtisch mit PC und ein paar Bu¨cher in einer Ecke – alles wirkte so wie bei meinem siebzehnja¨hrigen Neffen oder dem neunzehnja¨hrigen Sohn meiner Nachbarin. Ein typisches Junggesellenzimmer für einen Highschool-Absolventen. Exakt wie auf meinen Vorlagen. Aber es passte nicht zu einem Robert Faulkner. Was fehlte? Ich ließ noch einmal meinen Blick über alles gleiten und dann wusste ich es.

Ich gestehe, ich war sehr auf die Reaktionen gespannt gewesen. Wie bereits vorausgesehen – oder dem Wetterbericht entnommen – wurden die Aufnahmen für die Schlafzimmerszene vorverlegt, weil es draußen in Strömen regnete und stu¨rmte. David war mir unendlich dankbar und beteuerte, wie froh er sei, mich zu diesem Projekt u¨berredet zu haben. Er hatte kurz gestutzt, als er meine Requisite gesehen hatte, dann aber anerkennend genickt. Auf Robert Faulkners Reaktion war ich allerdings nicht vorbereitet gewesen. Er wu¨nschte mir la¨chelnd einen guten Morgen, ehe er sich seinen heutigen Arbeitsplatz ansah. Ich hatte das riesige Motorradposter gegen ein Postkartenformat ausgetauscht und dafu¨r ein Poster von Dalís brennender Giraffe den größten Teil der Wand dominieren lassen. Als Robert Faulkner Dalís Werk sah, erstarrte er. Mindestens eine Minute starrte er unbeweglich auf die flirrenden Farben und Formen des Spaniers, dann wandte er sich zu mir. Einen kurzen Moment hatte ich Angst vor ihm, so flammend war sein Blick.

Als er abrupt eine Hand hob, zuckte ich zurück.

Ich konnte erkennen, wie sich seine Augen vergrößerten vor Unglauben. Erst jetzt wurde mir bewusst, dass er mich hatte umarmen wollen.

Peinlich beru¨hrt biss ich mir auf die Lippen und sah zu Boden.

Da fühlte ich seine Hand die meine ergreifen. Sie zitterte leicht. Oder war ich es?

»Sie sind unglaublich, Lisa«, sagte er. Jetzt hörte ich, dass seine Stimme bebte.

Ich hob meinen Blick und begegnete seinen blauen Augen. Mein Herz begann auf einmal schneller zu schlagen und die Hand, die er noch hielt, wurde heiß. Genau wie mein Gesicht.

»Gut, fangen wir an«, rief da David laut. Ich wäre am liebsten im Erdboden versunken.

Um Himmels Willen, was tat ich hier? Heiße Blicke mit einem Teenie-Schwarm austauschen, dessen Babysitter ich hätte sein können? Und dann auch noch mit einem Schauspieler! Mit einem, der wusste, wie man schmachtende Blicke auf Kommando gab und sich bei allen beliebt machte. Ich biss mir wieder auf die Lippe, wandte mich ab und verließ fluchtartig Halle Neun.

Den Rest des Tages verbrachte ich in meinem Büro, die letzten nötigen Requisiten pru¨fend, Bestellungen erledigend, mit Firmen und Handwerkern telefonierend. Alles Arbeiten, bei denen ich bloß nicht ans Nachdenken kam.

Es war bereits nach acht, als ich endlich zu Hause war. Ich duschte ausgiebig und machte mir einen Tee, als es an der Haustür klingelte.

Erstaunt warf ich einen Blick in den Spiegel. Nicht unbedingt vorzeigbar, mein ausgeleierter brauner Hausanzug, aber bequem. Meine Haare waren noch feucht und mein Gesicht bereits abgeschminkt. Aber wenn jemand um diese Uhrzeit mitten in der Woche klingelte, musste er damit rechnen, dass man eher aussah, als wolle man ins Bett statt auf eine Party.

Ich nahm den Hörer vom Haustelefon ab.

»Ja?«, fragte ich zögerlich.

»Hier ist Robert Faulkner.«

Sofort begann mein Herz zu rasen.

»Was tun Sie hier?«, fragte ich verblu¨fft.

»Ich möchte mich bedanken«, sagte Roberts Stimme.

Ich runzelte die Stirn. »Weshalb? David bezahlt mich für meine Arbeit.«

»Darf ich vielleicht reinkommen? Noch ist kein Reporter hier, aber man kann nie wissen, wo der nächste Paparazzo lauert.«

Ich zögerte einen Moment, dann beta¨tigte ich den Tu¨röffner. Ich hörte, wie die Haustür aufgedru¨ckt wurde, und schon stand Hugh Vincent in meinem Hausflur. Halt nein, es war Robert Faulkner, rief ich mir in Erinnerung. Allerdings sah er aus wie in seinen Blockbustern: groß, durchtrainiert, perfekt lässig gekleidet und unglaublich sexy. Luis wäre neidisch gewesen.

Ich wurde mir meiner ja¨mmerlichen Erscheinung extrem bewusst. Mit meinem schlabbrigen Anzug und jeder erkennbaren Falte in meinem abgeschminkten, farblosen Gesicht. Ich war nun mal keine Anfang zwanzig mehr sondern Mitte dreißig. Aber wie schon gesagt, wer so spät an der Tür klingelte ...

»Sie müssen sich mit meiner unvorteilhaften Erscheinung zufrieden geben. Ich hatte höchstens noch mit dem Sandmann gerechnet«, sagte ich und lächelte ihn freundlich an.

Er blieb direkt vor mir stehen und musterte schnell meinen flodderigen Aufzug. »Ich finde, Sie sehen großartig aus.«

Ich zog eine Grimasse. »Im Komplimente machen sind Sie ganz groß. Lernt man das für den Umgang mit der Presse?«

Er zog amu¨siert einen Mundwinkel hoch. Himmel, dieses Lächeln haute einen um.

Vielleicht war ich deshalb ein wenig grob. »Kommen Sie rein. Im...



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