Rehfeld | Dorian Hunter 42 - Fürsten der Finsternis | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 42, 284 Seiten

Reihe: Dorian Hunter

Rehfeld Dorian Hunter 42 - Fürsten der Finsternis


1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-95572-042-1
Verlag: Zaubermond Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

E-Book, Deutsch, Band 42, 284 Seiten

Reihe: Dorian Hunter

ISBN: 978-3-95572-042-1
Verlag: Zaubermond Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Als Dorian Hunter in die Jugendstilvilla nach London zurückkehrt, erfährt er, dass sein Sohn Martin Zamis von den Dämonen entführt wurde. Der Dämonenkiller folgt einer Spur, die nach Siebenbürgen, in das Land der Vampire führt. Dorian will das Leben seines Sohnes retten - und herausfinden, was die Entführer bezwecken, die mit ihm ein Katz-und-Maus-Spiel veranstalten ... Der 42. Band der legendären Serie um den 'Dämonenkiller' Dorian Hunter. - 'Okkultismus, Historie und B-Movie-Charme - ?Dorian Hunter? und sein Spin-Off ?Das Haus Zamis? vermischen all das so schamlos ambitioniert wie kein anderer Vertreter deutschsprachiger pulp fiction.' Kai Meyer enthält die Romane: 187: 'Isbrant' 188: 'Das Dorf des Hexers' 189: 'Eine dunkle Prophezeiung'

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Isbrant

1. Kapitel


In der Nähe von London, vor einigen Monaten

Es herrschte ein Wetter, bei dem man keinen Hund vor die Tür jagte, wie der Volksmund sagte. Selbst der Weltuntergang konnte kaum schlimmer sein.

Mit Einbruch der Dämmerung hatte der den ganzen Tag über nur leicht wehende Wind aufgefrischt und sich schließlich zum Sturm gesteigert. Er hatte dunkle, schwere Wolken herangetrieben, und wenig später war ein Gewitter losgebrochen, wie man es hier selten erlebt hatte. Im Sekundenabstand zerrissen grelle, vielfach verästelte Blitze die Dunkelheit und erfüllten die Nacht mit einem beängstigenden Feuerwerk. Der Donner grollte ununterbrochen, und der Regen rauschte wie ein Wasserfall herab, als hätte der Himmel alle seine Schleusen geöffnet.

Der Mann, der sich dem abgelegenen Anwesen einige Meilen außerhalb von London näherte, kümmerte sich nicht darum. Er trug einen dunklen Mantel und einen Hut, doch trotz des sintflutartigen Regens war seine Kleidung völlig trocken.

Vor dem schmiedeeisernen Tor in der Mauer, die das Grundstück umgab, blieb er stehen und blickte zu dem Gebäude hinüber. Genau wie der völlig verwilderte Garten hatte auch dieses schon bessere Zeiten erlebt. Einst musste es ein prachtvolles viktorianisches Herrenhaus gewesen sein, doch im Laufe der vergangenen Jahrzehnte war es dem Verfall anheimgefallen, und der Zahn der Zeit hatte kräftig zugebissen. In vielen Fenstern fehlten die Scheiben, aus der Fassade waren stellenweise Steine herausgebrochen, und ein Teil des Daches, aus dem unzählige Stürme bereits einen Großteil der Ziegel fortgerissen hatten, war eingesackt. Einer der Seitenflügel war sogar völlig in sich zusammengefallen. Es sah aus, als ob seit langer Zeit niemand mehr das Haus betreten hätte, geschweige denn, dass jemand darin wohnte – sah man einmal von Landstreichern ab, die von Zeit zu Zeit darin Unterschlupf gefunden haben mochten.

Der dunkel gekleidete Mann ließ sich davon jedoch nicht täuschen. Er kannte die Wahrheit und wusste, dass das heruntergekommene Bauwerk seit einigen Tagen wieder neue Bewohner hatte.

Er zögerte noch einen Moment, dann schob er das verrostete, erbärmlich in den Angeln quietschende Tor auf und trat über die Schwelle. Er fühlte ein kurzes Prickeln, und im gleichen Moment erlosch die magische Aura, die ihn bislang vor dem Unwetter geschützt hatte. Dass der Regen nun auch auf ihn niederströmte und seinen Mantel in Sekundenschnelle durchnässte, war jedoch noch die geringste Unannehmlichkeit. Ein starkes Schutzfeld umgab das Anwesen, das die Magie des Mannes völlig neutralisierte, doch er erschrak nicht. Er hatte gewusst, was ihn erwartete, und er wusste auch, dass er ein hohes Risiko einging. Solange er sich im Wirkungsbereich des Schutzzaubers befand, besaß er keine besonderen Kräfte mehr und war so machtlos wie ein ganz normaler Mensch.

Dennoch fürchtete er sich nicht, denn er war von der unerschütterlichen Gewissheit erfüllt, dass ihm nichts passieren und seine Mission Erfolg haben würde. In dieser Hinsicht lag die Zukunft wie ein offenes Buch vor ihm. Alles würde genau so geschehen, wie es geschehen musste, deshalb konnte er gar nicht scheitern.

Um dem Unwetter so schnell wie möglich zu entkommen, hastete er über einen von Unkraut überwucherten Weg auf das Haus zu. Orkanböen peitschten auf ihn ein und ließen die Kronen der mächtigen alten Bäume wild hin und her schwanken. Er musste seinen Hut mit einer Hand festhalten, damit er ihm nicht davongeweht wurde. Seine Schuhe versanken fast in dem Morast, in den der Regen den Weg verwandelt hatte. Erst das von zwei Säulen getragene Vordach vor dem Eingang bot ihm ein wenig Schutz. Er griff nach dem Türklopfer, doch noch bevor er ihn berühren konnte, glitt einer der beiden Flügel des Portals wie von Geisterhand bewegt vor ihm auf.

Das Innere des Hauses war ebenso heruntergekommen, wie es das Äußere vermuten ließ. Der durch die Fensteröffnungen hereinfallende Widerschein der Blitze reichte aus, dass der Mann seine Umgebung erkennen konnte. Eine große, von Schutt übersäte Eingangshalle erstreckte sich vor ihm. Ein Teil der Decke war heruntergebrochen, die völlig vergilbten Tapeten hatten sich an einigen Stellen von den Wänden gelöst und hingen in Fetzen herab.

Ohne zu zögern, trat der Mann ein. Hinter ihm schloss sich die Tür wieder. Er trat zwei Schritte vor, dann gelang es ihm plötzlich nicht mehr, seine Füße vom Boden zu heben, als klebten sie daran fest. Gleich darauf erkannte er, dass sein ganzer Körper wie gelähmt war. Er konnte kein Glied mehr rühren, lediglich sein Kopf war von der Starre nicht betroffen. Es gab keinen Zweifel, was das zu bedeuten hatte. Er war in eine magische Falle geraten, doch auch das erschreckte ihn nicht, denn damit hatte er ebenfalls gerechnet. Die Falle war recht simpel, und unter normalen Umständen hätte es ihm keinerlei Schwierigkeiten bereitet, sich daraus zu befreien, doch jetzt war er hilflos.

Es dauerte nur wenige Sekunden, dann entstand im Hintergrund der Halle, der weitgehend im Dunkeln lag, Bewegung. Eine verhutzelte, alte Frau, die in bunte Lumpen gehüllt war, löste sich aus den dort herrschenden Schatten. Sie war mindestens achtzig Jahre alt, ging gebückt und musste sich auf einen Krückstock stützen, während sie langsam näher kam. Ihr Gesicht sah aus wie eine Kraterlandschaft mit tief eingekerbten Falten, Runzeln, Pusteln und mehreren hässlichen Geschwüren. Spärliches graues Haar hing ihr strähnig vom Kopf. Eines ihrer Augen war milchig trüb geworden. Alles in allem bot sie einen zwar mitleiderregenden, zugleich aber auch überaus abstoßenden Anblick. Der Mann ließ sich von ihrem Aussehen jedoch keinen Augenblick täuschen. Er wusste, wen er vor sich hatte.

»Besuch in meiner bescheidenen Behausung«, stieß sie mit krächzender Stimme hervor und entblößte beim Sprechen einige dunkle, verfaulte Zahnstümpfe in ihrem Mund. Humpelnd kam sie näher. »So etwas kommt selten vor. Warum zeigst du mir nicht dein Gesicht, Fremder?«

Ein Windstoß fauchte durch die Halle und wehte seinen Hut davon.

»Oh, und was für ein gut aussehender Jüngling. Es gibt wirklich keinen Grund, dein Gesicht zu verbergen, Fremder«, krächzte die Greisin.

»Ganz im Gegensatz zu dir«, entgegnete der Mann und grinste spöttisch. »Mir scheint, dein Aussehen hat in den vergangenen Wochen ein wenig gelitten, Rebecca.«

Die alte Frau zuckte fast unmerklich zusammen.

»Wie kommst du darauf, dass ich so heiße?«, fragte sie. Ein lauernder Unterton hatte sich in ihre Stimme geschlichen, und es gelang ihr nicht, den misstrauischen Ausdruck in ihrem Gesicht zu verbergen. Als Schauspielerin war sie nicht annähernd so gut, wie sie es vielleicht selbst glauben mochte. »Mein Name ist Ela und ...«

»Lass den Unsinn, Rebecca«, sagte der Mann ärgerlich. »Ich weiß, wer du bist. Du hast deine Auferstehung zwar geheim gehalten und dich bemüht, alle Spuren hinter dir zu verwischen, aber du warst dabei nicht gründlich genug, denn wie du siehst, habe ich dich gefunden.«

»Ich weiß nicht, was du für einen Unsinn faselst«, beharrte die Alte.

Der Mann seufzte.

»Nun, dann werde ich deinem Gedächtnis ein wenig auf die Sprünge helfen. Ich habe deinen Kampf gegen Luguri mit großem Interesse aus der Ferne verfolgt. Es gelang dir, den Fürsten der Finsternis zu töten, aber bevor du seinen Thron einnehmen konntest, wurdest du selbst von Zakum ermordet. Dein zweites Leben verdankst du deinen Fledermäusen, die dir jede ein Jahr ihres eigenen Lebens schenkten. Wie du siehst, ist mir kein Detail der Geschichte entgangen, sodass du die Maske jetzt wohl getrost fallen lassen kannst.«

Einige Sekunden lang musterte die Alte ihn schweigend, dann ging eine jähe Veränderung mit ihr vor, als sie die magische Illusion in sich zusammenfallen ließ. Wo sich gerade noch die verhutzelte Greisin befunden hatte, stand nun eine bildschöne junge Frau mit langen schwarzen Haaren.

»Also gut«, sagte die Vampirin kühl. »Du hast mein Geheimnis also durchschaut und weißt, wer ich bin. Damit bist du mir einen Schritt voraus, aber das wird sich sicher gleich ändern. Wer bist du, und was willst du?«

»Mein Name tut nichts zur Sache. Er würde dir ohnehin nichts sagen.«

»Das zu entscheiden, kannst du ruhig mir überlassen. Mir scheint, du verkennst deine Situation«, entgegnete Rebecca drohend. »Da du dich ja für so schlau hältst, dürftest du schon bemerkt haben, dass du einer magischen Falle gefangen bist und innerhalb dieses Hauses über keinerlei magische Kräfte verfügst, während ich noch meine volle Macht besitze. Ich könnte dich mit einem Fingerschnippen töten, also solltest du mir besser gehorchen und mir rasch einen guten Grund nennen, aus dem ich dich am Leben lassen sollte. Meine Maskerade hat dich nicht beeindruckt? Nun, vielleicht beeindruckt dich das. Kommt her, meine Lieblinge!«

Ein Rauschen und Flattern erfüllte die Luft, übertönte sogar noch den Donner. Mehrere Dutzend mannsgroßer Vampirfledermäuse kamen aus ihren Verstecken hervor und kreisten flügelschlagend unter der Decke der Halle.

»Ein Wort von mir, und sie reißen dich in Stücke«, erklärte Rebecca. »Also sag mir endlich, was ich wissen will.«

»Mein Name würde dir nichts sagen«, wiederholte der Mann ungerührt. »Ich habe mich innerhalb der Schwarzen Familie ... nun sagen wir es so, ich habe mich ziemlich zurückgehalten und jedes Aufsehen vermieden. Wenden wir uns lieber dem Grund meines Kommens zu. Ich bin hier, um dir zu helfen.«

»Mir...



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