Reichl / Schiessl | SPACE 2024 | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 21, 296 Seiten

Reihe: SPACE Raumfahrtjahrbücher

Reichl / Schiessl SPACE 2024

Das aktuelle Raumfahrt-Jahrbuch mit allen Starts
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-944819-55-6
Verlag: Verein zur Förderung der Raumfahrt
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Das aktuelle Raumfahrt-Jahrbuch mit allen Starts

E-Book, Deutsch, Band 21, 296 Seiten

Reihe: SPACE Raumfahrtjahrbücher

ISBN: 978-3-944819-55-6
Verlag: Verein zur Förderung der Raumfahrt
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Die 21. Ausgabe des Raumfahrt-Klassikers. In den SPACE-Jahrbüchern halten wir für Sie die aktuellen Entwicklungen in der Raumfahrt fest. Sachkundig, pointiert, aktuell und spannend Elon Almighty - Faktor X im Sonnensystem *** Starship: Erfolgreicher Fehlschlag Der Flug des weißen Hasen *** Das erste Rendezvous im Orbit *** Westbesuch von Sigmund Jähn: Erinnerung an eine deutsche Begegnung Europas *** Abschied vom Weltraum *** Geschäft im cislunaren Raum *** ARIS macht Träume wahr Seidenstraße in den Weltraum *** SF-Wettbewerb 2023 mit Mikro-SF Raumfahrtchronik, Raumfahrtstatistik, Raumfahrt-Panorama *** und vieles mehr...

Eugen Reichl ist Raumfahrt- und Astronomiefan seit den Grundschultagen. Er war langjähriger Mitarbeiter der ArianeGroup GmbH, dem Hersteller der Ariane 5- und 6-Raketen und einem der bedeutendsten Produzenten von Satellitenantriebssystemen weltweit. Seit Ende 2019 ist er freier Autor. Eugen Reichl ist der Verfasser von mehr als dutzenden Büchern und hunderten Artikeln zum Thema Raumfahrt. Er hielt zahlreiche Vorträge für technisch-/naturwissenschaftliche Institutionen, Schulen, Universitäten und das interessierte Publikum bei Veranstaltungen aller Art sowie Beiträge in sozialen Medien, Rundfunk und Fernsehen.
Reichl / Schiessl SPACE 2024 jetzt bestellen!

Weitere Infos & Material


Elon Almighty – Faktor X im Sonnensystem


„I want to die on Mars, just not on impact.“

Es gibt viele Zitate von Elon Musk, aber dieses ist möglicherweise das Bekannteste. Es entstand in einem Interview beim South by Southwest – Festival in Austin, Texas, im Jahr 2013. Damals sagte Elon Musk, er würde sehr gerne selber zum Mars fliegen und könne sich das vorstellen, wenn die Firma (SpaceX) während seiner Abwesenheit weiterlaufen könnte. Und dann: „I want to die on Mars, just not on impact“ (ich möchte auf dem Mars sterben, allerdings nicht bei einem Einschlag).

Ich weiß nicht mehr, wann der Starrummel um Elon Musk einsetzte. Ich meine, so RICHTIG einsetzte. In der Rückschau verorte ich das heute beim Internationalen Astronautischen Kongress in Guadalajara im Jahr 2016. Auch davor war Musk schon interessant für die Medien, aber da war es noch mehr das Daniel-Düsentriebige an ihm, das die Menschen faszinierte. Es gab da auch schon Tesla, aber der Laden lief mehr schlecht als recht, der Fertigungshochlauf machte Probleme, die Qualität war mies und es schien nur noch eine Frage der Zeit, bis der Laden wieder dicht machte. Auch Musks Raumfahrtfirma, SpaceX, musste sich strecken und recken, um nicht Pleite zu gehen. Es gab acht Starts der Falcon 9 in diesem Jahr 2016. Die Versuche, auf einem Bergungsschiff zu landen scheiterten gerade reihenweise und am 1. September dieses Jahres ereignete sich der spektakuläre Amos 6-Vorfall, den SpaceX bis heute als „Fehlstart“ registriert, obwohl er sich drei Tage vor einer geplanten Mission ereignete. Wer sich nicht mehr daran erinnert: Damals explodierte eine Falcon 9 bei einem Test auf der Rampe der Startanlage 40 in Cape Canaveral. Der Satellit war da schon an Bord und wurde zerstört, genauso wie die komplette Startanlage. Sie musste völlig neu aufgebaut werden, und konnte 15 Monate lang nicht mehr eingesetzt werden.

Das Jahr 2016 war das letzte, in dem Europa mehr Starts durchführte als SpaceX. Es war auch das letzte Jahr, in dem SpaceX einen „Fehlstart“ erlebte (der ja eigentlich gar keiner war, aber der Satellit des Kunden war dennoch zerstört). Es war auch das erste Jahr, in dem einer der unbeschadet zurückgekehrten Booster (es war die Nummer 1023) ein Jahr später für einen weiteren Start wiederverwendet wurde.

Dennoch, das Jahr 2016 lief für Musk eher mittelprächtig. Da verkündete er im September beim IAF-Kongress unter dem großen Jubel der Anwesenden seine Vision von der „Spacefaring Civilisation“ und dass er zur Realisierung dieser Vision genau das richtige Transportmittel zu entwickeln gedenke, das „Mars Vehicle“. Aus dem wurde später die „BFR“, die „Big Falcon Rocket“. Die bezeichneten die Fans aber viel lieber als die „Big Fucking Rocket“, und bald danach wurde daraus das „Starship“.

An der Stelle sollte ich vielleicht eines sagen: Der Autor ist voreingenommen. Er verfolgt die Entwicklung von SpaceX seit dem Tag seiner Gründung, und auch die Entwicklung von Tesla verfolgt er, seit er sich eines Tages im Jahr 2017 entschloss, zu einer Zeit als sich Tesla noch keineswegs berappelt hatte, Aktien des Unternehmens im Wert eines Kleinwagens für einen Kurs von 14,50 Euro pro Aktie zu beschaffen. Der Autor machte das eigentlich nur, weil SpaceX, von dem er sich viel lieber Anteile gekauft hätte, nicht börsennotiert war (und nach wie vor nicht ist). Der Autor machte das mit schwitzigen Händen und mit dem unmittelbaren Gefühl, jetzt das ganze schöne Geld verzockt zu haben, denn für ihn war das seinerzeit eine richtig große Summe. Aber: Es war keine Dummheit. Seither ist der Kurs derart in die Höhe geschnellt, dass das Unternehmen schon zweimal einen Aktiensplit durchgeführt hat. 2020 im Verhältnis von 5:1 und noch einmal 2022 im Verhältnis von 3:1. Jede Aktie, die man sich Jahre 2017 gekauft hat, entsprechen somit 15 Aktien am heutigen Tag.

Elon Musk polarisiert. In manchen Gegenden der Welt mehr, in anderen weniger. Aber ganz besonders in Deutschland. Die Deutschen haben ein spezielles Problem damit, wenn jemand sehr erfolgreich und sehr, sehr reich ist. Und wenn sich jemand, und das auf privater und nicht staatlicher Ebene, mit technologischen Großprojekten beschäftigt, bei denen auch mal eine gewisse Infrastruktur in die Landschaft gestellt werden muss. So jemand kann nach landläufiger Meinung schon „per se“ kein guter Mensch sein. Irgendwie felsenfest verankert ist dabei immer die öffentliche Vorstellung, dass so jemand den lieben langen Tag mit seinen – wahrscheinlich in einem Geldspeicher wie bei Dagobert Duck gehorteten Dollars – nichts anderes anzufangen weiß, als in diesen aberwitzig vielen Fantastilliarden mit erigiertem Pürzel zu baden, anstatt damit gefälligst alle Probleme der Welt zu lösen.

Außerdem kann es doch unmöglich mit rechten Dingen zugegangen sein, denn wie bitte kann jemand in der Grünheide in Brandenburg, nahe Berlin, also in Deutschland, dem Mutterland der Bürokratie, in einem Zeitraum, in dem andere noch nicht einmal die notwendigen Formulare ausgefüllt hätten, eine riesige Fabrik für Elektroautos hochziehen. Das darf doch nicht sein, und so wird über Nacht aus dem Gelände, das Brandenburger Politiker zuvor vergeblich BMW angedient hatten, ein Naturparadies ohnegleichen, das dieser amerikanische Multimilliardär nun aus purer Böswilligkeit und Profitgier vernichten will.

Am 29. September 2023 war es 15 Jahre her, dass es SpaceX als erstem Unternehmen der Welt gelang, eine auf rein privater Basis entwickelte Rakete in eine Erdumlaufbahn zu bringen. Dieser Träger war die Falcon 1. Sie war in der Lage, eine Nutzlast von etwa 180 Kilogramm in einen niedrigen Orbit zu transportieren. Etwa ab dem Jahr 2005 habe ich bei meinem damaligen Arbeitgeber (einem großen europäischen Hersteller von Raumfahrt-Antrieben) fast jährlich einen Vortrag im Rahmen eines Weiterbildungsprogramms für Mitarbeiter gehalten. Häufiges Thema war SpaceX. Das erste Mal dürfte ich ihn wohl um das Jahr 2004 erwähnt haben, zu einer Zeit, als die ganze Musk’sche Infrastruktur aus noch kaum mehr bestand als aus einer leeren Garage im kalifornischen El Segundo.

Ich erinnere mich gut daran, denn bei Vorträgen in meiner Firma hatte ich mich weit aus dem Fenster gelehnt, als ich Jahr für Jahr behauptete, dass man dieses Unternehmen beachten müsse. Hier wachse eine Konkurrenz heran, erzählte ich, vor allem weil Musk auf Wiederverwendung setzte. Die wollte er im Übrigen bei der Falcon 1 noch mit einem Fallschirmsystem erreichen.

Das löste bei meinen Kollegen ein nachsichtiges Lächeln aus. Erstens, so setzten sie mir auseinander, hätte das mit der privaten Raumfahrt noch nie funktioniert (was zu diesem Zeitpunkt auch stimmte) und zweitens hätten sie die Sache mit der Wiederverwendbarkeit schon mal durchgerechnet und wüssten von daher genau: Auch das funktioniert nicht. Sehe man doch am Shuttle, bei dem jeder einzelne Flug teurer sei als der Einsatz einer „Verlustrakete“.

Tatsächlich schienen die Kollegen recht zu behalten. Der Erstflug der Falcon 1 scheiterte am 26. März 2006. Die Flüge 2 und 3 missglückten auch. Nach dem dritten Fehlschlag am 3. August 2008 war Elon Musk mehr oder weniger pleite. Wohlhabende Freunde boten ihm Geld an, doch er lehnte ab. Zu riskant erschien es im selbst, ihnen das Geld jemals wieder zurückzahlen zu können.

Immerhin: Es waren noch Teile für eine vierte Rakete vorhanden. Ein allerletzter Versuch war also drin. Nur sechs Wochen nach dem dritten Fehlschlag stand Falcon 1 Nummer 4 auf dem Startsockel am Omelek-Atoll auf den Marshall-Inseln.

Und dann war der Bann gebrochen. Der vierte Start gelang. An Bord war ein Nutzlast-Dummy von 170 Kilogramm Gewicht. Der kreist noch heute um die Erde. Noch einmal wenige Wochen später bekam SpaceX von der NASA einen Auftrag für die Entwicklung eines Versorgungssystems für die Internationale Raumstation, bestehend aus einer Trägerrakete, die später die Bezeichnung Falcon 9 bekam, und einer unbemannten Versorgungskapsel mit der Bezeichnung „Dragon“. 278 Millionen Dollar Anschubfinanzierung gab es damals. SpaceX war fürs Erste wieder flüssig und nun – mit einem staatlichen Auftrag im Rücken – konnten nun auch guten Gewissens private Investoren mit ins Boot genommen werden.

Diese meist ungenannten privaten Investoren sind es auch, die Elon Musk bis heute die Stange halten. Wann immer das Unternehmen eine neue Finanzierungsrunde auslobt, in der Regel etwa einmal alle 18 Monate, sind die erforderlichen Mittel in kürzester Zeit eingehoben. So manchen potentiellen Investor muss Musk sogar auf später vertrösten, weil sein Geld momentan gar nicht gebraucht wird.

Dazu kommt, dass Musk durch Verkäufe von Tesla-Anteilen zusätzliches Geld in das Unternehmen stecken kann. Man spricht von mindestens einer Milliarde Dollar. Pro Jahr. Möglicherweise ist es auch mehr. So genau weiß man es nicht. Die derzeit laufenden Vorhaben von SpaceX, also der Aufbau der Starlink-Konstellation und die Entwicklung des Starship verbrennen Geld in geradezu absurdem Tempo. Da sind Seitenfinanzierung wie die inzwischen insgesamt etwa vier Milliarden Dollar aus dem Artemis-Programm der NASA eher „Peanuts“.

Nach dem erfolgreichen...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.