Reid | A Theory of Dreaming (A Study in Drowning, Band 2) | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2, 448 Seiten

Reihe: A Study in Drowning

Reid A Theory of Dreaming (A Study in Drowning, Band 2)

Träume aus Schatten und Sehnsucht - Historische Fantasy über die Macht der Mythen, Träume und Literatur
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7320-2630-2
Verlag: Loewe Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Träume aus Schatten und Sehnsucht - Historische Fantasy über die Macht der Mythen, Träume und Literatur

E-Book, Deutsch, Band 2, 448 Seiten

Reihe: A Study in Drowning

ISBN: 978-3-7320-2630-2
Verlag: Loewe Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Jeder Traum hat ein Ende Effy hat es geschafft: Endlich darf sie als erste Frau in Llyr Literatur studieren! Doch die Ereignisse der letzten Zeit lasten schwer auf ihr. Zumal ihre männlichen Kommilitonen sie alles andere als herzlich willkommen heißen. Einzig Preston gibt ihr Halt - der jedoch selbst zu kämpfen hat. Vor allem als seine Träume ihn plötzlich in eine versunkene Stadt entführen. Was hat das zu bedeuten? Und wieso verfolgen ihn die Visionen sogar in der Realität? Die berührende Fortsetzung des SPIEGEL-Bestsellers A Study in Drowning Ava Reid zeigt, welche Macht Mythen, Träume und Literatur haben. Dabei behandelt sie wichtige Themen wie Mental Health, Feminismus und Nationalismus und verwebt sie gekonnt mit einer berührenden Liebesgeschichte. - Der sehnsüchtig erwartete Band 2 der atmosphärischen Romantasy-Dilogie, in der historische Fantasy auf Dark Academia, Romance und Literatur trifft. - Tiefgehende Themen, die zum Nachdenken anregen: Mental Health (Depressionen, Traumata), Feminismus, Krieg, Nationalismus, Rassismus und Propaganda - Über die Macht von Mythen, Geschichten und Träumen - Neben Liebe und Romantik spielt auch Freundschaft eine wichtige Rolle. - Erzählt aus zwei Perspektiven: Effys & Prestons - Wunderschöne Sprache: New York Times-Bestsellerautorin Ava Reid bewegt mit ihrem poetischen Stil. - Erstauflage mit opulentem Farbschnitt und Charakterpostkarte

Ava Reid wurde in Manhattan geboren und wuchs auf der anderen Seite des Hudson Rivers in Hoboken auf. Auch heute lebt die SPIEGEL-Bestsellerautorin im Großraum New Yorks. Sie hat am Barnard College Politikwissenschaften studiert, mit Fokus auf Religion und Ethnonationalismus. Mit A Study in Drowning und Fable for the End of the World ist sie direkt auf der New York Times-Bestsellerliste eingestiegen.
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Der Geschichtenerzähler ist ein Lügner, doch die Geschichte, die er erzählt, ist wahr.

Aus den Tagebüchern der Angharad Myrddin, 194 n.G.F.

Sie haben mir nicht gesagt, dass Sie mit der Zeitung gesprochen haben.«

Master Gosses Kopf verschwand in einer Schwade wie im aufsteigenden Dampf eines Kessels. Er stieß den Rauch seiner Zigarette so kraftvoll aus, dass kaum noch etwas von seinem Gesicht zu erkennen war. Hastig wich Preston zurück und unterdrückte ein Husten, als die Wolke bedrohlich auf ihn zuwaberte.

»Wovon reden Sie, Héloury?«, fragte Gosse gedämpft.

Angeekelt drückte Preston seine eigene Zigarette aus. »Von der Titelstory des Llyrischen Boten. Man hat Sie für den Artikel über Myrddin interviewt.«

Als der Rauch sich lichtete, kam Gosses Gesicht allmählich wieder zum Vorschein. Seine prallen Wangen waren wie immer gerötet, als wäre er geradewegs aus der Kälte gekommen. Unterstrichen wurde dieser Eindruck von seinem wirren schwarzen Haar, das permanent vom Wind zerzaust schien, und seinem überschwänglich eingedrehten Schnurrbart, der niemals gewachst oder gekämmt wirkte. Seine Augen waren blau, gleichzeitig aber auch irgendwie trübe, sodass sie mitunter sehr dunkel erschienen, wie Splitter von Rauchglas.

»Das würde ich so nicht sagen«, antwortete Gosse schließlich, bevor er den nächsten tiefen Zug von seiner Zigarette nahm.

»Was würden Sie so nicht sagen?«

»Sie sprachen von einem Artikel über Myrddin«, erläuterte Gosse. »Ich finde, es war vielmehr ein Artikel über Sie.«

Preston versteifte sich und beugte sich dann vor. »Haben Sie es gewusst? Dass Dekan Fogg der Zeitung unsere Namen preisgeben würde?«

Master Gosse stippte seine Zigarette am Rand des Aschenbechers ab, bevor er nachsichtig lächelte.

»Es mit Ihrer Forschung auf die Titelseite des Llyrischen Boten zu schaffen, ist eine respektable Leistung«, sagte er. »Wie alt sind Sie, Héloury? Neunzehn?«

»Zwanzig.« Preston zwang sich, den Kiefer zu lockern. »Und ein Artikel über meine Forschung ist es wohl kaum.«

»Nun, ich hoffe, Sie werden Ihren guten alten Betreuer nicht vergessen, wenn Sie erst Politikern die Hand schütteln und für die Titelblätter der Magazine posieren.« Gosses Augen funkelten. »Das Gesicht Ihrer Kommilitonin würde sich hervorragend für eine Fotoreihe eignen, finden Sie nicht auch? Es könnte die breite Masse Llyrs für Ihre Zwecke erwärmen.«

Allein der Gedanke, in einer Boulevardzeitschrift zu erscheinen, erweckte in Preston Übelkeit. »Effy und ich wollen, dass die Angelegenheit mit dem Anstand behandelt wird, den sie verdient. Es geht um die Wahrheit, objektive Wahrheit, nicht um Klatsch und Ruhm –«

Gosse gluckste. »Daran hätten Sie denken sollen, bevor Sie den berühmtesten Schriftsteller Llyrs des Betrugs bezichtigt haben.« Preston wollte widersprechen, doch Gosse ließ ihn nicht zu Wort kommen. »Und ja, mir ist bewusst, dass ich Sie darauf angesetzt hatte. Doch Gegenwind hat noch keinem Akademiker geschadet, ganz im Gegenteil. Es ist erfrischend – wie ein Eisbad.«

»Danke für den Zuspruch«, meinte Preston tonlos. »Wollten Sie mich deshalb sehen?«

»Nein.« Schlagartig wich die Amüsiertheit aus Gosses Augen. Sein Gesicht verhärtete sich zu einer ernsten Maske und auch sein Tonfall wurde nachdenklich. »Ganz und gar nicht.«

Er erhob sich von seinem Stuhl und trat vom Schreibtisch ans Fenster. Winterregen tüpfelte das Glas und verwandelte es in durchscheinenden Marmor. Preston dachte an Effy. Hoffentlich hatte sie es zum Unterricht geschafft, bevor das Unwetter so richtig losgebrochen war, und würde später auf dem Weg in ihr Wohnheim vorsichtig sein. An den Straßenecken hatte sich Schneematsch gesammelt und die Gehwege waren tückisch glatt.

Wann immer er an Effy dachte, folgten seine Gedanken demselben Schema: Ein Schwall von Zuneigung wurde abgelöst von plötzlicher Angst. Diese Panik sparten Liebesgedichte in der Regel aus. War er so einzigartig anfällig für dieses Gefühl, war er zu beklommen, zu besorgt, um ohne Vorbehalte lieben zu können? Oder lag es daran, dass der Gegenstand seiner Liebe so einzigartig verletzlich war?

Als Effy sich an diesem Morgen von ihm verabschiedet hatte und über den Campus davongeeilt war, bis Schneeregen und trüber Nebel sie verschluckten, hatte Preston mit sich selbst gerungen. Der Drang, sie zu beschützen, hatte erbittert mit dem Wunsch gekämpft, dass sie endlich ihre Freiheit genießen konnte. Wenn er sie durch seine eigenen Ängste einengte, wäre er auch nicht besser als Ianto. Nicht besser als Myrddin.

Gosse starrte lange aus dem Fenster, obwohl er mit Sicherheit nichts anderes sehen konnte als das sich ausbreitende Eis auf den Scheiben und das schmutzig gelbe Licht der Straßenlaternen, die früher als sonst eingeschaltet worden waren, um eine Schneise in das neblige Graupeln zu brennen. Die Stille war gespenstisch, durchbrochen allein vom Klopfen des Regens auf dem Glas und dem zischenden Bollern der Heizung. Wie ein Mantel aus Kälte legte sich eine düstere Ahnung auf Preston. Er griff nach einer neuen Zigarette.

In diesem Augenblick drehte Gosse sich um. »Glauben Sie an Geister, Héloury?«

Preston war froh, dass die Zigarette ihren Weg noch nicht zu seinem Mund gefunden hatte, denn gewiss hätte er sich daran verschluckt. Gosse machte gerne Scherze, das wusste er, doch jetzt lag nicht das kleinste bisschen Humor im Blick des Professors. Stattdessen musterte er Preston so eindringlich wie ein Raubtier seine Beute.

»Nein«, antwortete Preston, als er sich von seinem Schrecken erholt hatte. »Nicht im buchstäblichen Sinn. Nein.«

»Hm. Und wie steht es mit Elfen?«

Eine plötzliche Anspannung erfasste Preston. »Nein.«

»Interessant.« Gosse trat langsam auf ihn zu. »Dann haben Sie also keinen Blick für die betörenden Mysterien dieser Welt übrig? Was etwa halten Sie von unseren Schläfern? Werden ihre Körper wie Blumen im Treibhaus von Chemikalien erhalten – wie es das Ministerium für Kultur behauptet – oder aber von Magie, so wie es der Aberglaube des Südens erklärt?«

Die Art, wie Gosse unseren betonte, gab Preston das unangenehme Gefühl, in diesem Pronomen nicht mit inbegriffen zu sein. Ein frostiges Schaudern lief über seine Haut, als hätte sich die kalte Winterluft durch das Fenster hineingestohlen. Oder machte er aus einer Mücke einen Elefanten? Vielleicht war ihm in diesem Moment einfach zu bewusst, dass er Argantier war.

»Ich glaube, es gibt nichts, was die Wissenschaft nicht erklären könnte«, antwortete er ausweichend, konnte aber nicht verhindern, dass seine Stimme leicht zitterte. Effy hatte recht: Er war ein grauenhafter Lügner.

In Hiraeth, wenn ich in Myrddins Arbeitszimmer geschlafen habe, bin ich an manchen Tagen von Glockengeläut geweckt worden. Hast du sie auch gehört?

Selbst jetzt noch hallte er in seinen Ohren nach, volltönend und klar: der tiefe, uralte Glockenschlag einer Stadt, die von den Wellen verschluckt worden war.

Nein, hatte Effy geantwortet, und in ihrem Gesicht hatte sich eine solche Trauer gespiegelt, dass Preston seine Frage bereut hatte. Ich habe sie nicht gehört.

Also trug Preston dieses Wissen allein mit sich herum, was ihm manchmal das Gefühl gab, grundsätzlich allein zu sein – denn er hatte, unfreiwillig und gegen enorme Widrigkeiten, ein Reich betreten, das nicht von der Vernunft regiert wurde, das die Grenzen von Wahrheit und Wissen sprengte und bloßer Finsternis Platz machte.

»Dann muss Ihnen Angharad Myrddins Tagebuch wie das geistesgestörte Gefasel einer Wahnsinnigen vorgekommen sein«, sagte Gosse. Sein Tonfall war unbeschwert, geradezu heiter.

Preston grub die Finger ins Leder des Lehnsessels. Natürlich hatte er gewusst, dass dieser Moment kommen würde. Mehr als einmal hatte er darüber nachgedacht, ob es klüger gewesen wäre, Teile des Tagebuchs zu zensieren. Damit nicht die Magie, von der Angharad schrieb, als wäre sie real, die Glaubwürdigkeit ihrer restlichen Geschichte untergrub. Die Wahrheit war etwas ungeheuer Verletzliches, ein mageres Bollwerk gegen jene, die aus böswilliger Absicht alles übertrieben peinlich hinterfragten.

Doch diese Überlegungen hatte er für sich behalten. Er wusste, dass Effy ein solches Vorgehen niemals erlaubt und dass es Angharads Vertrauen missbraucht hätte. War es feige von ihm, an dieser Vorstellung von Wahrheit festzuhalten, sich daran zu klammern wie an eine Boje in der wütenden Flut, statt sich den Wellen hinzugeben und zu sehen, ob er überleben könnte? Effy hatte ihr Leben lang nichts anderes getan, als einsam auf erbarmungslosem Wasser zu treiben. Er sollte es zumindest versuchen.

Hast du sie auch gehört?

So viel er in den vergangenen Wochen auch über das Thema nachgegrübelt hatte, geriet Preston nun doch ins Schwimmen.

»Sie ist Schriftstellerin«, sagte er eigenartig starr, was seinen Worten jede Überzeugungskraft raubte. »Eine sehr talentierte. Sie hat eine metaphorische Welt erschaffen, um ihren Hoffnungen und Ängsten Ausdruck zu verleihen.«

»Aber«, erwiderte Gosse, »würde man ihre Geschichten für bare Münze nehmen – die sicheren Gefilde der Allegorie verlassen –, müsste man zwangsweise an Magie glauben.«

Preston begegnete Gosses Blick. Worte fielen ihm reichlich ein, eine ganze Flut sogar, doch kein einziger vernünftiger Satz wollte sich daraus ergeben. Eine quälend lange Zeit schien das Zimmer wie in Schweigen getaucht.

»Sie sind Ihrem Begriff von Wahrheit wirklich...



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