E-Book, Deutsch, Band 7, 500 Seiten
Reihe: Green Valley
Reid Winston Brothers
20001. Auflage 2020
ISBN: 978-3-95818-462-6
Verlag: Ullstein Forever
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
When it's real
E-Book, Deutsch, Band 7, 500 Seiten
Reihe: Green Valley
ISBN: 978-3-95818-462-6
Verlag: Ullstein Forever
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Penny Reid ist USA Today Bestseller-Autorin der Winston-Brothers-Serie und der Knitting-in-the-city-Serie. Früher hat sie als Biochemikerin hauptsächlich Anträge für Stipendien geschrieben, heute schreibt sie nur noch Bücher. Sie ist Vollzeitmutter von drei Fasterwachsenen, Ehefrau, Strickfan, Bastelqueen und Wortninja.
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Prolog
Cletus
»Hat vielleicht irgendjemand Lust, mir zu erzählen, worum es geht?«
Ich tätschelte meinem jüngsten Bruder aufmunternd die auf der Decke seines Krankenbetts liegende Hand und sah verstohlen auf die Uhr. Wo steckte Jethro nur? Er hätte längst schon da sein sollen.
»Du wirst alles erfahren, Roscoe. Keine Angst«, versicherte ich ihm. Dem armen Jungen hatten sie den Bart abrasiert, und er sah deshalb trotz seiner sechsundzwanzig Jahre plötzlich wieder wie ein kleiner Junge aus.
»Schieß endlich los, Cletus«, schnauzte Duane, einer der Zwillinge und Nummer sechs unserer Familie, mich an. Der andere Zwilling, Beau, war vor ihm auf die Welt gekommen, und deshalb die Nummer fünf. Duane war immer schon der Knurrige gewesen, das war einfach seine Rolle. »Ich muss schließlich ein Flugzeug kriegen, wenn ich rechtzeitig nach Hause kommen will.«
»Wir wissen alle, dass dein Baby morgen kommen soll, Duane«, gab ich in ruhigem Ton zurück. »Wenn alle hier sind, fangen wir sofort an.«
Ich tauschte einen schnellen Blick mit Beau, der mir mal wieder keine große Hilfe war. Er schien sich köstlich über die Nervosität, die in der Stimme seines Zwillingsbruders schwang, zu amüsieren.
Außer mir wusste nur Beau, weshalb dieses besondere Treffen von mir einberufen worden war. Da ich einen Komplizen brauchte, hatte ich ihn letzte Woche eingeweiht. Vielleicht kam es überraschend, aber meine Sippe erkannte meine Genialität nicht immer an, obwohl ihnen bewusst sein sollte, dass die Pläne, die ich bisher ausgeklügelt hatte, ausnahmslos genial gewesen waren.
Vor allem war Beau bei allen beliebt und bot sich schon aus diesem Grund einfach als Mitverschwörer an.
Auch wenn Duane naturgemäß ein Griesgram war, war er in diesem Fall aus gutem Grund so reizbar und nervös. Seine Partnerin auf Reisen, in Ehe und Leben, Jessica James-Winston, war hochschwanger und bekäme jeden Augenblick ihr erstes Kind. Als Elefantenweibchen hätte sie noch fünfundvierzig Wochen Zeit gehabt, aber sie war nun einmal keine Elefantenkuh, sondern die Tochter unseres Sheriffs und wirklich nett, auch wenn sie mitunter ziemlich frech werden konnte. Duane war einzig deshalb hier bei uns, weil Roscoe fast gestorben wäre. (Aber keine Panik! Er ist längst über den Berg.)
Und Jessica wartete in Gesellschaft ihrer Eltern in Italien auf die Ankunft ihres oder ihrer Erstgeborenen.
»Hey, Duane.«
»Ja?«
»Wie soll das Baby heißen?«
Ashley, Nummer vier und das einzige Mädchen der Familie, bedachte mich mit einem bösen Blick: »Cletus Byron Winston, das hast du Duane schon hundertmal gefragt. Hör endlich auf und lass ihn, wenn er es noch nicht verraten will.«
Wir sahen uns an und zogen gleichzeitig die Brauen hoch. Wir waren ungefähr im selben Alter, denn sie war kaum ein Jahr, nachdem der Welt das Glück meiner Geburt zuteil geworden war, geboren worden. Das hieß, ich war die Nummer drei. Was, wie wir alle wissen, eine Glückszahl ist.
»Da bin ich!«
Wir fuhren alle gleichzeitig herum, als Jethro in der Tür erschien.
»Entschuldigt die Verspätung«, bat er uns und fuhr sich mit den Händen durch das wild zerzauste Har. »Ich musste mich noch umziehen. Andy hatte Durchfall und –«
Ich hob die Hand und hielt die Nummer eins von uns Geschwistern davon ab, sich in einer ausführlichen Beschreibung der Verdauung seines zweitgeborenen Sohnes zu ergehen.
»Ich glaube nicht, dass einem von uns irgendetwas fehlt, wenn du uns nicht ausführlicher erzählt, weshalb der Durchfall deines Sohnes schuld an deinem verspäteten Erscheinen ist.«
Er verschränkte seufzend seine Arme vor der Brust und bedachte mich mit einem, wie er sicher hoffte, missbilligenden Blick. Im Grunde aber schaffte er es nicht einmal die Stirn zu runzeln, wenn er wirklich sauer war.
»Moment. Was ist mit Billy? Wo ist Billy?«, sprach Duane uns auf den Einzigen der Winstonschen Geschwister, der bei der Versammlung fehlte, an. Er kratzte seinen sorgfältig gestutzten roten Bart und blickte zwischen mir und Jethro hin und her.
Ich machte einen Schritt nach vorn und alle wandten sich mir zu. Obwohl ich mit knapp ein Metern achtzig der mit Abstand Kleinste von uns Brüdern war, besaß ich aber die größte Präsenz in einem Raum, wenn ich es wollte.
»Gut, dass du fragst, Duane. Jethro.« Ich wies auf die Tür, durch die er kurz zuvor getreten war. »Kannst du die bitte zumachen? Die Informationen, die ihr gleich bekommt, sind sehr sensibel, deshalb wäre es mir lieb, wenn davon nichts nach außen dringt.«
Ashley sah mich aus zusammengekniffenen blauen Augen an, trat neben Roscoes Bett und fuhr ihm mit den Fingern durch das dunkle Haar. »Moment. Sensibel? Es ist doch wohl nichts, was Roscoe aufregt, oder?«
»Nein, Ash. Es ist nichts, was Roscoe aufregt«, sagte ich, dann aber lenkte ich den Blick auf eine Stelle über ihrem Kopf und schränkte ein: »Zumindest glaube ich das nicht.«
»Cletus«, mischte Beau sich wie aufs Stichwort ein. Seine Augen blitzten und auf seinen Lippen lag ein amüsiertes Lächeln, was bei ihm jedoch nicht weiter ungewöhnlich war. »Soll ich anfangen?«
Jetzt waren die anderen noch verwirrter als zuvor, was ich als höchst befriedigend empfand. Ich liebte, wenn die Dinge eine überraschende Wendung nahmen – auf der Tanzfläche und im Plot.
»Schieß los.« Mit einer ausladenden Geste überließ ich ihm die Bühne und trat wieder einen Schritt zurück.
Während der Probe hatten wir beschlossen, dass es besser wäre, wenn er mich zu Anfang meiner Rede unterbrach und ich ihn weitersprechen ließ. Denn wie bereits erwähnt, war Beau der ganz besondere Liebling sämtlicher Geschwister, während ich mit meinen Plänen oft auf Ablehnung bei ihnen stieß. Auch wenn ihr Misstrauen völlig unbegründet war.
Beau stieß sich von der Wand des Krankenzimmers ab und setzte ein noch breiteres, aber gleichzeitig auch nachdenkliches Lächeln auf. »Cletus und ich haben euch Billys wegen hergebeten. Mir ist klar, wir haben das Thema letzte Woche bereits angeschnitten, kurz, bevor die Paytons kamen, aber ich denke, dass wir uns zusammensetzen und uns überlegen müssen, wie in dieser Angelegenheit am besten vorzugehen ist. Wir brauchen einen Plan.«
»Was für einen Plan?«, mischte sich Roscoe ein.
»Nun, wir machen uns Sorgen um ihn«, erkläre Beau und legte eine Pause ein, damit die anderen die Gelegenheit bekamen, ihn zu fragen, was der Grund für unsere Sorge war. Doch keiner von den anderen wirkte sonderlich verwirrt.
Stattdessen griff sich Ashley an die Stirn und stellte fest: »Ich kann einfach nicht glauben, dass er das tatsächlich macht. Ich kann nicht glauben, dass er sich das noch mal antut, denn das erste Mal war schließlich schlimm genug.«
Sie sprach davon, dass Billy, unsere Nummer zwei, zum zweiten Mal freiwillig Knochenmark für unseren widerwärtigen Vater Darrell Winston spenden wollte. Als wir davon erfahren hatten, waren wir geschockt gewesen, doch vor allem zutiefst bestürzt. Einmal hatte Billy diese Prozedur schon hinter sich gebracht, und jetzt hatte er einen Termin für eine zweite Spende ausgemacht, denn ohne frisches und gesundes Knochenmark hätte der Alte keine Chance.
»Du weißt, warum er sich dazu entschlossen hat.« Roscoe legte eine Hand auf Ashleys Arm und lenkte dadurch ihren Blick auf sich.
Sie lachte leise auf. »Ehrlich gesagt nein, das weiß ich nicht. Oder auf jeden Fall verstehe ich es nicht. Ich kann es einfach nicht verstehen. Es kann ja wohl beim besten Willen niemand sagen, dass er Darrell irgendetwas schuldig ist.«
»Aber wenn Darrell stirbt, kann er nicht mehr gegen Razor Dennings aussagen. Und ohne seine Aussage wird Razor nur wegen versuchten Mordes an Simone und Roscoe vor Gericht gestellt«, erklärte Jethro und klang beinah so frustriert wie ich selber wegen dieser ganzen Sache war.
»Ich kann ihn verstehen.« Jetzt stieß auch Duane sich von der Wand des Krankenzimmers ab. »Ich hasse es, aber ich kann verstehen, warum Billy das macht. Schließlich hat Razor vierundzwanzig Menschen umgebracht, und wenn Darrell stirbt, bevor er ihn belasten kann, wird den Familien dieser Menschen nie Gerechtigkeit zuteil.«
Ash verschränkte ihre Arme vor der Brust und ihre Miene zeigte, dass sie spinnewütend war. »Aber wann wird es jemals enden? Hm? Wann wird Billy jemals aufhören, das Opferlamm für die Familie und für den gesamten Ort zu spielen? Er ist krank, total erschöpft, und hat, , viel mehr als jeder von uns anderen aufgegeben, und zwar ein ums andere Mal. Wir können nicht erwarten, dass er weiter jede Last, die uns befällt, auf seine Schultern lädt.«
»Das sehe ich genauso«, pflichtete ihr Roscoe leise bei und machte...




