Reilly | Mister Einsteins Sekretärin | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 496 Seiten

Reilly Mister Einsteins Sekretärin

Thriller
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-98676-200-1
Verlag: Festa Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Thriller

E-Book, Deutsch, 496 Seiten

ISBN: 978-3-98676-200-1
Verlag: Festa Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



1919 wird das Leben der jungen Studentin Hanna Fischer plötzlich auf den Kopf gestellt. Als Sekretärin und Spionin von Albert Einstein muss sie um ihr Leben kämpfen.In den gefährlichsten Zeiten des letzten Jahrhunderts wird sie einigen der berühmtesten und berüchtigtsten Menschen der Geschichte begegnen: Hitler, Nazis, Gangsterbossen in New York City …Aber Vorsicht: Vielleicht ist nicht alles so, wie es scheint!Ein Action-Epos von Matthew Reilly, das uns durch 40 brutale Jahre der Geschichte katapultiert. Guardian: »Ein spannendes, actiongeladenes Abenteuer von der ersten bis zur letzten Seite.« Sydney Morning Herald: »Action, die einem Lee Child würdig ist.«
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Bevor er weltweiten Ruhm erlangte, ging Albert Einstein seiner Arbeit in einer bescheidenen Wohnung in einem sehr bescheidenen Viertel von Berlin nach.

Aus Einstein von Thomas McMahon

HABERLANDSTRASSE NR. 7

BERLIN, DEUTSCHLAND

1. JANUAR 1912

Zu meinem zehnten Geburtstag bekam ich eine Puppe von meiner Tante, einen Armreif von meinem Vater und ein Modell des Sonnensystems von unserem Nachbarn Mr. Einstein.

Ich hasste die Puppe genauso sehr, wie ich meine Tante Olga hasste.

Ich vergötterte den Armreif so sehr, wie ich meinen Vater vergötterte.

Und was das Modell von Einstein betraf, so fand ich, dass es einfach atemberaubend war.

Mein Vater sah voller Stolz zu, als ich das riesige Ding aus seiner Schachtel holte und vor Staunen große Augen machte.

Das waren die guten Jahre: vor dem ersten Krieg, vor den Demütigungen, die wir währenddessen erlitten, vor Deutschlands Schmach an seinem Ende und bevor mein Vater an ihm zugrunde ging.

1912 war Deutschland eine aufsteigende Nation, das bevölkerungsreichste Land in Europa, ein vor Kraft strotzender Industriestandort, von einem Stolz erfüllt, der an Arroganz grenzte, ein frischgebackenes Reich, das von dem pompösen, kriegslustigen Kaiser Wilhelm II. regiert wurde.

Natürlich wusste ich mit zehn Jahren noch nichts von internationalen Angelegenheiten oder Einsteins intellektueller Reputation, auch wenn er fairerweise gesagt zu jener Zeit noch nicht weltberühmt war.

Sein Ruhm beschränkte sich im Jahre 1912 auf die Subkultur der deutschsprachigen Physiker an den europäischen Universitäten.

Britische Physiker – die immer noch empört über seinen Angriff auf die Newton’schen Gesetze von vor sieben Jahren waren – taten ihr Bestes, um ihn zu ignorieren und als »Prüfer am Patentamt« abzutun.

Ich wusste schon, dass er ein bemerkenswerter Gelehrter war, doch für mich war er in erster Linie nur der schrullige kleine Mann, der mit seiner freundlichen Frau im Haus nebenan lebte.

Schon damals war sein Haar ein wild zerzaustes Durcheinander, auch wenn es kürzer und noch nicht so grau war, wie es in seinen späteren Jahren sein sollte. Sein Schnurrbart jedoch war genau derselbe. Er hing herab wie bei einer Zeichentrickfigur und sah aus wie ein süßes, buschiges Tierchen, das es sich auf seiner Oberlippe gemütlich gemacht hatte.

Doch es waren seine Augen, die einen packten.

Die einen vereinnahmten.

Und nicht mehr losließen.

Funkelnd, aber sanft, mit schweren Lidern, aber hellwach, stechend, aber freundlich und von einer einzigartigen Gastlichkeit beseelt, die einem das Gefühl gab, seine völlige, ungeteilte Aufmerksamkeit zu haben.

Albert Einstein war der beste Zuhörer, den ich je kannte.

Doch zurück zu seinem Geburtstagsgeschenk.

Ganz entfaltet maß Einsteins Nachbildung des Sonnensystems gewaltige ein Meter 20. Es war fast größer als ich.

Was es besonders entzückend machte, war die Tatsache, dass Herr Einstein es selbst gebaut hatte. Die Vorstellung, dass er gütig und sanft und mit seinem albernen Schnurrbart in einer kleinen Holzwerkstatt schuftete und wie ein echter Geppetto Spielzeug anfertigte, war eine, die zu ihm passte.

Heute würde man es ein Mobile nennen: Die Planeten – vom kleinen Merkur bis zum gigantischen Jupiter – waren Holzkugeln, die mit Fäden an einer Reihe von konzentrischen Messingringen hingen und um eine Sonne in ihrer Mitte kreisten.

Für die Augen einer Zehnjährigen war es einfach überwältigend.

Einstein hatte jede der kleinen Kugeln in der Farbe bemalt, die dem tatsächlichen Farbton des jeweiligen Planeten entsprach: ein Rot für den Merkur, ein blasses Blau für die Venus, ein dunkles Orange für den Mars. Der Saturn – eine viel größere Kugel – war von dramatischen, aus lichtdurchlässigen Mullbinden gemachten Ringen umgeben.

Ich drehte mich zu meinem Vater um. »Papa, wird Ooma auch Geschenke bekommen, obwohl sie im Krankenhaus ist? Es ist auch ihr Geburtstag.«

Ooma war meine Zwillingsschwester. Ihr eigentlicher Name lautete Norma, doch als ich noch sehr klein gewesen war, hatte ich ihn immer als »Ooma« ausgesprochen, und dieser Spitzname war hängen geblieben.

»Aber natürlich«, antwortete Papa. »Doch fürs Erste braucht deine Schwester ein wenig Ruhe.«

Ich kannte nicht alle Einzelheiten, die den neuerlichen Aufenthalt meiner Schwester im Krankenhaus betrafen. Ich wusste nur, dass es etwas mit dem Vorfall aus der Woche zuvor zu tun hatte, als Papa sie im Garten mit der Ratte gefunden hatte.

Einstein, vom Unbehagen meines Vaters alarmiert, wechselte das Thema.

»Und, kleines Fräulein?«, sagte er zu mir. »Wie kommst du mit dem Physikunterricht voran?«

Er sprach mit einem ausgesprochen deutschen Rhythmus: flink, gestutzt, effizient.

Ich antwortete nicht. Ich war zu sehr in mein neues Spielzeug vertieft.

»Hanna?«, sagte Papa. »Was sagst du?«

»Was? Oh, danke, Herr Einstein. Vielen lieben Dank.«

»Nein«, sagte Papa. »Was sagst du zu Herrn Einsteins Frage?«

Ich blinzelte und versuchte mich zu erinnern, was er gesagt hatte.

Physik …

»Nun, vielen Dank, Herr Einstein«, sagte ich. »Wissen Sie, ich beabsichtige, die größte Physikerin aller Zeiten zu werden.«

Ja, das war es, was ich zum größten Physiker aller Zeiten sagte. Ich war in der fünften Klasse und nur mit den einfachsten Grundlagen der Naturwissenschaften vertraut.

»Und die größte Ballerina, Ärztin und Fußballspielerin«, fügte ich hinzu.

Einstein kicherte.

Ich runzelte mürrisch die Stirn. »Aber ich bin in Fräulein Zoellers Physikklasse, und sie ist ja so pingelig. Und sie verteilt viele Hausaufgaben. Mein Freund Wolfgang, er ist in der Klasse von Herrn Stuber, gleich auf der anderen Seite vom Flur, Wolfgang sagt, dass Herr Stuber immer Späße mit seinen Schülern macht und mit ihnen Spiele spielt. Und er gibt ihnen so gut wie gar keine Hausaufgaben auf.«

»Ich verstehe«, sagte Einstein. »Du hast also eine strenge Lehrerin, wie?«

»Ja.«

Er beugte sich vor und sah mir geradewegs in die Augen. »Kleine Hanna, vertraue mir: Es ist immer besser, den strengen Lehrer zu haben. Denn bei einem strengen Lehrer lernt man etwas. Ich bin mir sicher, dass Herr Stubers Schüler eine Menge Spaß haben, doch es werden Fräulein Zoellers Schüler sein, die die Welt verändern. Halte dich an die strengen Lehrer, ganz egal ob in der Wissenschaft, der Literatur oder sogar beim Ballett. Genau genommen solltest du dir bei jeder Art des Studiums einen strengen Lehrer suchen. Es wird dir zum Vorteil gereichen.«

Ich nickte, sagte aber nichts. Das war etwas, über das mein zehn Jahre alter Kopf erst noch nachdenken musste.

Einstein lächelte. »Dein Vater sagt, dass du dich in der Schule sehr gut machst. Es freut mich, das zu hören. Lerne fleißig, lese fleißig, und du wirst Erfolg haben, in der Wissenschaft, als Ballerina oder wofür auch immer du dich entscheidest.«

»Das will ich tun, Herr Einstein«, sagte ich. »Darf ich Sie etwas fragen?«

»Gewiss.«

»Ich habe neulich von Madame Marie Curie und ihrer Arbeit gelesen. Sie hat soeben einen zweiten Nobelpreis gewonnen, wussten Sie das?«

»Ja, das wusste ich«, antwortete Einstein sanft.

»Sie ist der erste Mensch, der jemals zwei Nobelpreise gewonnen hat, wussten Sie das?«

»Das stimmt tatsächlich.«

»Haben Sie einen Nobelpreis gewonnen, Herr Einstein?«, fragte ich.

Einstein räusperte sich ein wenig. »Äh, nein, habe ich nicht.«

»Ist Madame Curie klüger als Sie?«

Mein Vater unterdrückte ein Lachen. Er warf Einstein einen Blick zu und grinste. »Oh, das geht auf Sie, Albert.«

Einstein wandte sich mir zu. »Ohne den geringsten Zweifel ist Marie viel klüger als ich. Sie ist eine brillante Frau mit einem außergewöhnlichen Geist.«

Ich runzelte die Stirn. »Aber Herr Einstein, Fräulein Schmidt, meine Klassenlehrerin, sagt, dass Männer viel klüger als Frauen sind. Sie sagt, dass das männliche Gehirn größer als das weibliche ist und sich deshalb besser für die Wissenschaft, die Politik und das Geschäft eignet. Sie sagt, Gott hat Frauen dazu gemacht, Kinder zu bekommen und ihren Ehemännern zu huldigen. Wenn sie arbeiten wollen, dann nur als Krankenschwestern oder Grundschullehrerinnen. Und sobald eine Frau heiratet, muss sie ihre Anstellung aufgeben.«

Als ich zu reden aufhörte, sah ich, dass mich mein Vater und Einstein mit offenem Mund anstarrten.

»Das hat deine Lehrerin gesagt?«, fragte Einstein.

Das Gesicht meines Vaters hatte sich verfinstert, was mich ein wenig verstörte, da er sonst fast immer ein unbeschwertes Lächeln auf den Lippen trug.

»Das hat Fräulein Schmidt wirklich gesagt?«, sagte er leise.

»Ja, Papa.«

»Ich schätze, ich werde am Montag deiner Schule einen Besuch abstatten müssen, um mich ganz in Ruhe mit Fräulein Schmidt zu unterhalten.«

Ich wusste nicht, warum das notwendig war, nickte aber trotzdem.

»Meine liebe Hanna«, sagte Einstein und beugte sich vor. »Ich bin mir sicher, dass deine Lehrerin mit vielen Dingen recht hat, aber was diese Sache betrifft, könnte sie nicht mehr im Unrecht sein. Frauen sind Männern...


Reilly, Matthew
Der Australier Matthew Reilly wurde 1974 in Sydney geboren. Seine Eltern waren Theaterschauspieler. Seinen ersten Roman schrieb er mit 19 Jahren. Da er von den Verlagen nur Absagen erhielt, ließ er 1000 Hardcover drucken und klapperte die Buchläden ab. So wurde der Verlag Pan Macmillan auf den jungen Autor aufmerksam und nahm ihn unter Vertrag. Schon mit seinem nächsten Roman ›Ice Station‹ gelang ihm ein weltweiter Bestseller. Inzwischen sind seine Thriller in 20 Sprachen übersetzt und über 7 Millionen Mal verkauft worden.

Reilly schreibt Action-Thriller mit fantastischen Elementen. Dazu Wikipedia: »Reilly ist bekannt für seinen Schreibstil, der sich, wie kaum ein anderer zuvor, auf Actionszenen im Stil von Hollywood konzentriert und dadurch Dramatik und die Entwicklung der Charaktere erst als zweite Priorität behandelt. Seine Kritiker verurteilen dies und verweisen darauf, dass er Bücher schreibt, die wie Filme zu lesen sind oder gar an die Beschreibung eines Action-Videospiels erinnern. Seine Fans sind der Meinung, dass dies der Grund ist, der seine Bücher so einzigartig und aufregend macht.«



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