Liebe Besucherinnen und Besucher,
aufgrund unseres Sommerfestes sind wir am 03. September 2026 bis 14 Uhr erreichbar. Am 04. September 2026 sind wir wieder wie gewohnt für Sie da. Vielen Dank für Ihr Verständnis.
Ihr Team von Sack Fachmedien
E-Book, Deutsch, 160 Seiten
Reimuth / FrauAndrea Club der Macher:innen
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-96933-949-7
Verlag: Silberschnur
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Überwinde deine Grenzen für ein geiles Leben
E-Book, Deutsch, 160 Seiten
ISBN: 978-3-96933-949-7
Verlag: Silberschnur
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Als Buchautorin, TV- und Radiomoderatorin sowie Dozentin ist Anja Reimuth im deutschsprachigen Raum bekannt geworden. Ihr Motto lautet: Jede Widrigkeit des Schicksals verbirgt den Keim eines noch größeren Vorteils. Sie hat schon viele Grenzen in ihrem Leben überwunden. Lass dich mitreißen von ihren ganz persönlichen Geschichten. Andrea ist eine Comedienne mit Leib und Seele. Elegant, einzigartig und energiegeladen fesselt sie ihr Publikum mit lustigen Geschichten aus dem Alltag. Sie entführt ihre Gäste charmant in ihre Welt aus Mann, Kindern, Mutter, Hund und Katze. FrauAndrea, wie sie mit Künstlernamen heißt, nimmt sich selbst auf die Schippe ohne sich dabei einen Bruch zu heben. Oft wird sie mit Helga Hahnemann verglichen, was sie sehr ehrt. Ihr bislang schönster Bühnenmoment war, als Ilka Bessin sie als 'Schwester im Geiste' ankündigte. Aus all ihrem Bühnenwissen hat sie ihr Mentoringprogramm entwickelt und hilft dir damit selbst auf der Bühne zu stehen. Egal ob Dortmunder Westfalenhalle oder das nächste Teammeeting. Mit FrauAndrea bist du bestens vorbereitet.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
AUS DEM LEBEN VON ANJA
Mein Leben ist perfekt, alles läuft.
Beruflich bin ich, Anja Reimuth, auf dem Höhepunkt meiner Karriere. Ich habe für 5 verschiedene TV-Sender gearbeitet. Ich bin unterwegs in ganz Deutschland und in der Schweiz.
Ich lebe mit meinem Mann zusammen, den ich von Herzen liebe. Wir haben uns ein wunderschönes Haus gebaut. Wenn ich auf unser Grundstück fahre, schlägt mein Herz Purzelbäume. Da steht es: UNSER Haus. Wir haben es gelb streichen lassen. Es ist alles so, wie ich es mir immer vorgestellt habe.
Doch das Schicksal kommt auf mich zu und hat eine Lernaufgabe für mich. Meine Seele/das Universum möchte, dass ich mich weiterentwickle und wachse.
Es ein kalter Montag im Februar.
Ich bin schwanger. »Sie haben eine Risikoschwangerschaft und ihr Kind ist behindert.« Ich sehe den Arzt immer noch vor mir. Er ist groß gewachsen, schlanke Statur und hat einen Schnäuzer. Dr. Schmidt ist ein angesehener Gynäkologe und ich vertraue ihm. Ich bin schon seit vielen Jahren Patientin in seiner Praxis.
Ich höre seine Worte noch genau: »Ich habe schon im Krankenhaus angerufen und den OP-Saal für die Abtreibung vorbereiten lassen! Sie können gleich hin und das erledigen.«
NEIN!!!!!!!!!! Hier gibt es nichts zu »erledigen«. Was redet der da? Ich werde mein Kind bekommen. Seit vielen Jahren arbeite ich spirituell und habe gespürt, dass mein Kind auf die Welt kommen möchte, dass mein Sohn gesund ist. Diese kleine Seele will leben und sie soll leben. Ich wusste zu 300 %: Mein Kind ist gesund, mein Kind wird leben. Ich wusste es einfach!
Allein diese Erfahrung ist für viele Menschen schon genug. Sie zerbrechen oder verfallen in Depressionen. Absolut verständlich. Aber mein Schicksal wollte, dass ich mich noch weiterentwickle und noch mehr wachse.
So kam auch noch das Leben und klopfte an, mit aller Gewalt. Von jetzt auf gleich war alles anders. Mein Lebensplan wurde kräftig durcheinandergerüttelt. ›Anja wach auf! Was passiert hier gerade?‹ Es war der 24. August, ein warmer Tag. Warum stand plötzlich die Polizei vor der Tür … Was erzählten sie? Mein Mann ein Seriendieb, Gefängnis, Gerichtsvollzieher, Schwerverbrecher … Alles Worte, die ich nur aus schlechten Filmen kannte. Ich kam langsam im Hier und Jetzt an. Ich hatte meinen Sohn auf dem Arm, er war gerade wach geworden vom Mittagsschlaf und hatte noch seinen kuscheligen blauen Schlafanzug an. Er ist übrigens ein kerngesunder kleiner Bursche. Ich stand mit ihm in der Eingangstür, während ich mit der Polizei redete. Wir hatten ein paar Stufen, die zu unserem Haus führten. Da standen zwei Beamte. Drei andere Beamte rannten durch unseren Garten. Wir hatten dort einen kleinen Schuppen stehen und daneben hatte mein Mann einige Materialien gestapelt, er war Handwerker und hatte mir erklärt, dass er alles nur zwischenlagerte.
Irgendwas suchten sie. »Frau Reimuth, wo ist ihr Mann, was sind das hier alles für Teile in Ihrem Garten …?« Ich musste mich setzen. Auf die erste Stufe. Zum Glück war es ein sommerlicher Tag. Laslo fing an zu schreien, er war verängstigt von all dem Gewusel. Meine Mama, die sich im Wohnzimmer auf unsere große gemütliche Couch gelegt hatte, wurde von dem Geschrei alarmiert und kam zu uns geeilt. Sie nahm mir den Zwerg ab.
Langsam konnte ich einen klaren Gedanken fassen und begriff Satz für Satz, was gerade passierte. Wir sollten dringend das Haus verlassen. Wo könnten wir unterkommen? Ich selbst war nur mit einer leichten Sommerhose und einem Shirt bekleidet, es waren 25 Grad, aber mir war plötzlich bitterkalt. Mein Blut gefror mir in meinen Adern.
»Bitte packen Sie ein paar Sachen für sich und Ihren Sohn zusammen, wir bringen Sie in ein Frauenhaus. Hier können Sie nicht mehr bleiben, Ihre Mutter auch nicht, hier können wir für Ihre Sicherheit nicht garantieren!« Bäääähm. Was ist ein Mensch in der Lage, alles zu verkraften, zu ertragen?
»Packen Sie bitte schnell, wir bringen Sie hier weg.«
Ich stand von der Treppe auf, ging ins Haus, schloss die Tür und ließ alles draußen. ›Wenn ich mich jetzt schüttle, werde ich wohl erst einmal richtig wach und merke, dass ich nur geträumt habe.‹
Es klopfte und klingelte an der Tür. Immer und immer wieder. Wir hatten eine weiße Haustür mit kleinen Fensterscheiben, durch die ich sehen konnte, wer vor der Tür steht. Die Polizisten winkten und gestikulierten, ich solle die Tür wieder öffnen. Ich war so verzweifelt und durcheinander, dass ich einfach links in die Küche ging, um mir einen Kaffee zu machen. Ich lehnte mit meiner Tasse in den Händen am Herd und schaute meine Mama und meinen Sohn mit offenem Mund an.
Meine Mama lebte seit einigen Wochen bei uns. Nach einem schweren Gehirnbluten während meiner Schwangerschaft konnte sie nicht mehr alleine leben.
»Mama wir müssen hier weg … jetzt …« Mehr konnte ich nicht sagen. Ich stellte meine Tasse ab, ging ins Kinderzimmer im ersten Stock. Langsam kam Panik in mir auf. Die Worte der Polizisten kamen endlich bei mir an. Wie wild schmiss ich irgendwelche Klamotten und Spielzeug in einen Koffer. Meine Sachen packte ich dazu. Ich wusste in der Eile gar nicht, was ich einpacken sollte. Gab es noch Platz für Laslos Lieblingsteddy oder wurde das zu viel? Was war mit meiner Lieblingsdecke, die rote, mit der ich immer so gern auf dem Sofa lag? Nahm ich Bilder oder Andenken mit? Was war mit dem Schmuck, den mir mein Mann erst kürzlich zu unserem Jahrestag geschenkt hatte? Brauchte ich Papiere? Chaos in meinem Kopf. Für meine Mama schnappte ich nur ein paar Sachen, die noch im Wäschekorb vor ihrem Zimmer standen.
Mit zwei Koffern rannte ich die 14 Stufen unserer Treppe herunter, dabei stieß ich noch die Bodenvase um, die ich so sehr liebte. Ein Poltern, ein Klirren … 1000 Scherben, aber Scherben bringen Glück und das konnte ich gerade gut gebrauchen …
Meine Mutter stand immer noch mit Laslo auf dem Arm in der Küche. Ehe wir uns versahen, saßen wir im Auto und fuhren weg. Noch immer waren wir wie verzaubert. Wie im Märchen. In einem schlechten Märchen. Und dennoch in unserem Märchen. Wenn jetzt die »Versteckte Kamera« um die Ecke käme und alles auflöste – das wäre schön. »Bitte, bitte kommt doch endlich und erlöst uns aus diesem Albtraum.«
Es kam niemand. In meinem kleinen roten Auto saß meine Mutter auf dem Beifahrersitz, mein Sohn hinten in seinem Kindersitz, sein Teddy Bruno neben ihm und ich am Steuer. Es ist ein kleines Auto, viel passt nicht rein. Der Duftbaum baumelte am Spiegel hin und her. Unsere beiden Koffer waren im Kofferraum verstaut. Laslo war wieder eingeschlafen und meine Mama weinte leise.
Plötzlich war ich glasklar. Alles, was mein Mann mir in den letzten Wochen erzählt hatte, machte plötzlich Sinn. Es war kein Zwischenlager in unserem Garten, es war Diebesgut. Er war nicht auf Montage, er war auf Diebestour. Ich hatte ihm zu 300 % vertraut … Alles dahin. Mein Leben – eine Lüge …
Wir wurden freundlich und liebevoll im Frauenhaus aufgenommen. Mama, Laslo und ich teilten uns ein Zimmer. Wir hatten ein Doppelstockbett am Fenster. Das Babybettchen stellten sie dazu. Es stand noch ein Schrank im Zimmer und ein kleiner Tisch mit zwei Stühlen. Die Wände waren weiß gestrichen. Die aufgehängten Bilder sollten ein wenig Gemütlichkeit vermitteln. Die dunklen Vorhänge verbreiteten ein düsteres Gefühl. Es hatte etwas von einem Schullandheim, aber es war unser neues Zuhause. Unsere beiden Koffer waren schnell ausgepackt, lange würden wir bestimmt nicht bleiben.
Im Gruppenraum wurden wir herzlich empfangen. Endlich konnte ich reden und loswerden, was mich bedrückte. Da standen auch viele Spielsachen für die Kinder. Es war ein reges Treiben in dem Raum. Das genaue Gegenteil von der trostlosen Stille in unserem Zimmer.
Ich muss euch nicht erzählen, dass es auf Dauer beschwerlich war, immer von oben herunterzuklettern, wenn der Kleine schrie, aber Mama konnte ich beim besten Willen nicht oben schlafen lassen.
Über die Tage und Wochen hinweg fing ich an, mich zu öffnen und mich langsam sicher zu fühlen. Mama und Laslo waren wohlauf und genossen es, umsorgt zu werden. Meinen Mann hatte ich seit Wochen nicht gesehen, auch nichts von ihm gehört und es ging mir gut damit. In den letzten drei Wochen bekam ich viele Briefe, von der Staatsanwaltschaft, vom Gericht, vom Jugendamt oder vom Jobcenter. Ich konnte es nur schwer ertragen. Immer und immer wieder Briefe von meinem Mann, dass er das Kind sehen will. Ich habe auf keinen geantwortet. Die Briefe erreichten mich über meinen Anwalt. Er sollte nicht wissen, wo wir uns aufhielten. Ich wollte mit meiner Mutter und meinem Sohn von vorne anfangen. Alles hinter mir lassen. Es klang leider in meinen Vorstellungen...




