E-Book, Deutsch, Band 1, 263 Seiten
Reihe: Tick, Tock ... tot.
Reinhardt Fünf, Vier ... gleich sterben wir
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-96714-240-2
Verlag: Zeilenfluss
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Thriller
E-Book, Deutsch, Band 1, 263 Seiten
Reihe: Tick, Tock ... tot.
ISBN: 978-3-96714-240-2
Verlag: Zeilenfluss
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Zehn Augen, die sehen. Fünf Herzen, die schlagen. Fünf Leben, die spielen.
Nach einer Party wacht der siebzehnjährige Jonas orientierungslos in einem heruntergekommenen Bau auf, der einem Gefängnis gleicht. Nach und nach kommen weitere Jugendliche dazu: Julia, ein Mädchen mit Narben im Gesicht, das Jonas nur Stunden zuvor auf der Party kennengelernt hat, Jenny, ein Emo-Girl, die selbstbewusste Nadine und Leon, der erst zehn Jahre alt ist. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein, doch in der Zelle sind sie alle gleich; sie sind Opfer.
Was darauf folgt, ist ein einziger Albtraum. Gesteuert von seiner Besessenheit verfolgt der unbekannte Entführer einen perfiden Plan und spielt mit den Teenagern ein grausames Psychospiel, das nur die Gewinner überleben.
Als sich im Internet ein Film der entführten Jugendlichen verbreitet, steigt die Sorge des Kriminalkommissars Mathias Kron. Sein Team der Kripo Koblenz ermittelt mit Hochdruck, um die Teenager zu finden. Doch die Uhr tickt, und schon bald wird jegliche Hilfe zu spät kommen. Fünf, vier, drei, …
Der neue Psychothriller von Erfolgsautorin Andrea Reinhardt ist ein absoluter Pageturner und spannend bis zur letzten Seite.
Bist du bereit, ein Spiel zu spielen?
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1 10. MAI 2022
Jonas trank seinen letzten Schluck Bier und schaute auf die Uhr. Es war bald Mitternacht, er musste unbedingt gehen, sonst würde er am nächsten Tag die Schule nicht überleben. Wieder einmal ärgerte er sich, dass er nicht schon älter war. Dann wäre es egal, wann er eine Party verließ, und es gäbe auch keine nervigen Kontrollen seiner Eltern mehr. Er wollte frei sein, in Australien surfen, keine Schule und keine Regeln. Aber sein Vater sah ihn in der Zukunft als Anwalt in einer langweiligen Kanzlei sitzen. Jonas würde sich mit Händen und Füßen dagegen wehren. Hau einfach ab und sei frei. Wie oft hatte er schon mit diesem Gedanken gehadert, und schlussendlich blieb alles beim Alten. »Hey. Warum sitzt du so allein herum und starrst in die Ferne?« Luna setzte sich ungefragt auf seinen Schoß und legte ihren Arm um seine Schultern. »Du bist siebzehn und kein alter Mann. Hab doch Spaß.« Sie klimperte ihn mit den falschen Wimpern an. Ihre Lippen leuchteten knallrot. Jonas hasste solche aufgetakelten Mädchen, die ihre natürliche Schönheit mit Mengen an Make-up überkleisterten. »Geh von mir runter.« Er gab ihr einen leichten Schubs. »Meine Güte, was muss man eigentlich tun, um bei dir zu landen?«, lallte Luna und grinste ihn mit verführerischem Blick an. »Gefühlt jedes Weib der Schule steht auf dich, doch du ignorierst alle.« »Ich suche mir meine Freundin selbst aus. Derzeit mag ich keine haben.« »Du musst mich ja nicht gleich heiraten.« Wieder versuchte sie sich auf seinen Schoß zu setzen, doch Jonas blockte sie ab. »Wir können auch einfach nur ein bisschen Spaß haben.« »So jemand bin ich nicht.« Er erhob sich, lief ins Haus, stellte seine leere Bierflasche in den Kasten und ging ins Wohnzimmer. Die Party fand im Haus eines Zwanzigjährigen statt. An der Einrichtung erkannte Jonas, dass der Typ ziemlich reich aufgewachsen sein musste. Ihm selbst ging es nicht anders. Sein Vater war ein Anwalt, der jegliche Stars und Sternchen vertrat, und seine Mutter eine erfolgreiche Managerin. An Geld fehlte es Jonas nicht, aber an Aufmerksamkeit. Schon sein ganzes Leben lang. Er betrachtete die feiernde Meute, die laut grölend einen Drink nach dem anderen in sich hineinschüttete. Sie tanzten auf Tischen, Stühlen und dem weißen übergroßen Sofa, auf dem schon Essensreste klebten. Meine Mutter würde mich killen. »Hey Kumpel, was stehst du hier so rum. Feier ein bisschen.« Ein Junge aus der Neunten, der um diese Uhrzeit noch weniger auf der Party zu suchen hatte als er selbst, wankte an ihm vorbei und verschüttete dabei Bier. Jonas hatte genug, es war nichts für ihn. Solche ausufernden Partys, bei denen es darum ging, wer schneller trank und mehr Alkohol vertragen konnte, waren nicht sein Ding. Lieber genoss er am See ein kleines Lagerfeuer mit seinen Freunden, seiner Gitarre und ein paar leckeren Cocktails. Jonas hielt nach seinem Kumpel Ausschau, den er schon seit einigen Stunden nicht mehr gesehen hatte. Er blickte auf sein Handy. Obwohl er ihm bereits drei Nachrichten geschrieben hatte, reagierte Hannes nicht. Mittlerweile sorgte sich Jonas, denn es war nicht die Art seines Freundes. Vor allem nicht, wenn er ihn auf dem Roller mit nach Hause nehmen sollte. Er rief ihn an, doch Hannes nahm nicht ab. »Hast du Hannes gesehen?«, fragte er eine Klassenkameradin. Doch sie war so betrunken, dass sie Jonas nicht wahrnahm. Er lief durch jedes Zimmer, um nach Hannes zu suchen. Dieser blieb verschwunden. War er etwa schon allein los? Aber warum meldete er sich dann nicht? Einen Augenblick würde er noch warten, doch wenn sich Hannes in der nächsten halben Stunde nicht meldete, würde er ohne ihn fahren. Er ging wieder nach draußen auf die Terrasse, um der unerträglichen Lautstärke zu entkommen. Jonas setzte sich auf einen der riesigen Blumenkübel, die mittlerweile als Aschenbecher dienten. Er scrollte durch TikTok, um sich die Zeit während des Wartens zu vertreiben. Ein Mädchen, das sich neben ihn setzte, lenkte seine Aufmerksamkeit auf sich. Sie weinte und rieb sich die Oberarme. Obwohl es tagsüber schon sehr warm war, herrschten nachts noch einstellige Temperaturen, da war es für ein Trägertop schlichtweg zu kalt. Jonas zog sein Hemd aus und legte es über ihre nackten Schultern. »Ist alles okay?« Das Mädchen schaute auf das Hemd. »Ähm, danke. Ja, alles in Ordnung. Hatte nur etwas Streit mit meiner Freundin. Sie ist stinkbesoffen und will noch feiern. Ich würde aber gern nach Hause, ehe meine Mutter herausfindet, dass ich mich aus dem Haus geschlichen habe.« »Verstehe«, antwortete Jonas. »Ich suche auch meinen Kumpel, weil ich heim will. Ist mir etwas zu wild hier.« »Die benehmen sich wie Tiere.« Das Mädchen grinste. »Sind wir zu spießig?« Es irritierte Jonas, dass sie ihm nicht in die Augen sah, wenn sie sprach. Sie hielt ihren Blick stur geradeaus. »Für die bestimmt schon.« Er reichte ihr die Hand. »Ich bin Jonas.« »Julia. Danke noch mal für das Hemd.« Noch immer drehte sie sich nicht ganz zu ihm. »Ich hab dich noch nie gesehen, gehst du auf das Steiner-Gymnasium?« »Ja, aber erst seit Kurzem. Ich gehe in die zehnte Klasse.« »Ich bin in der zwölften. Schön dich kennenzulernen, vielleicht läuft man sich mal über den Weg.« Julia nickte und lächelte. »Vielleicht.« Das lange schwarze Haar flatterte ihr im Gesicht herum. Sie nahm es und band es zusammen. »Also, wenn du magst, kann ich dich mit dem Roller nach Hause fahren. Mein Freund scheint schon weg zu sein.« Nun schaute sie ihn an, und Jonas begriff, warum sie sich die ganze Zeit nicht zu ihm gedreht hatte. Ihre rechte Gesichtshälfte war vernarbt, es sah aus, als wären es alte Brandwunden. »Danke, das ist nett. Aber ich will meine Freundin nicht allein lassen. Obwohl sie wahrscheinlich gar nicht mehr heim will. Und meine Eltern werden mich umbringen.« Jonas strengte sich an, nicht auf die Narben zu starren. »Du könntest sie noch einmal fragen, und wenn sie Nein sagt, nehm ich dich mit. Sie ist alt genug.« Julia schwieg, nickte dann aber. Sein Handy piepste. Er zog es aus der Hosentasche und sah eine Nachricht von einer unbekannten Nummer. Stirnrunzelnd öffnete er sie. Sein Herz setzte aus. Jonas starrte auf seinen Kumpel Hannes, der auf einem Stuhl gefesselt saß. Das Bild war etwas klein und unscharf, aber Jonas glaubte Blut an Hannes‘ Stirn zu erkennen. »Ach du Scheiße.« Er sprang auf. »Alles okay?«, fragte Julia. Jonas antwortete nicht. Eine zweite Nachricht ging ein. Ich habe Hannes. Wenn du ihn lebend wiedersehen willst, musst du ihn holen. Keine Polizei, du kommst allein. Sonst stirbt er. Jonas wankte. Es fühlte sich an, als drehte sich um ihn alles. Fassungslos starrte er auf die Nachricht, öffnete dann das Bild erneut. Bei dem Anblick seines Freundes erbrach er. Bierdunst stieg ihm in die Nase, der wiederum einen weiteren Würgereiz in ihm auslöste. »Kann ich dir irgendwie helfen?« Julia stellte sich neben ihn. Sein Handy piepste noch einmal. Schnell wischte er sich den Speichel ab und schaute auf sein Smartphone. Komm zum Sportplatz. Allein! Sonst ist Hannes tot! Jonas richtete sich auf. »Es tut mir leid, Julia. Ich muss weg. Mein bester Freund braucht dringend meine Hilfe.« Er wartete keine Antwort ab und eilte los. »Dein Hemd«, rief Julia ihm hinterher. Doch Jonas war das Hemd scheißegal. Er rannte von der Terrasse durch das Wohnzimmer zur Haustür, rempelte dabei einige der Leute an, ignorierte aber die lauten Proteste. Seine Gedanken waren bei seinem besten Freund, den er seit der Grundschule kannte. Immer wieder spukten ihm die schrecklichen Bilder des gefesselten Hannes im Kopf herum. Wer hatte das getan? Und warum? Jonas‘ Verstand alarmierte ihn, dass es nicht clever war, allein, und ohne jemandem Bescheid zu sagen, dort hinzufahren. Aber er würde es sich niemals verzeihen, wenn Hannes ermordet würde, weil er die Polizei hinzugezogen hatte. Er setzte den Helm auf, startete seinen Roller und raste los. Sein Herz klopfte so wild, dass er sich nur wenig konzentrieren konnte. Als eine Ampel auf Gelb sprang, war er geneigt, Gas zu geben, besann sich jedoch rechtzeitig. Würde er Aufsehen erregen, weil er sich wie ein verrückter Straßenraudi benahm, würde er einen großen Fehler begehen. Es wäre eine Katastrophe, wenn ihn die Polizei anhalten würde. Also riss er sich trotz seiner Ungeduld zusammen. Nervös wippte er mit den Beinen, bis die Ampel endlich auf Grün sprang. Beim Anfahren quietschten die Räder. Als er in dem abgelegenen Bezirk außerhalb der Stadt ankam, wurde ihm flau im Magen. Er stellte seinen Roller am Sportplatz ab und lief auf den Rasen. Jonas war mulmig zumute, weil er niemanden sehen konnte. Das Gelände war weitläufig und bot viele Möglichkeiten, sich zu verstecken. Er rechnete damit, dass gleich jemand aus einer Ecke heraussprang und ihn überfiel. Und genau in diesem Moment hätte er sich dafür ohrfeigen können, dass er allein dorthin gefahren war. Er wartete eine Weile, doch niemand kam....




