E-Book, Deutsch, 276 Seiten
Reinhardt / Knüwer Crime Between the Pages
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-8192-3508-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Anthologie. 18 Crime-Geschichten
E-Book, Deutsch, 276 Seiten
ISBN: 978-3-8192-3508-5
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Andrea Reinhardt ist freiberufliche Autorin mit einer Schwäche für spannungsgeladene Literatur. Ihre Begeisterung für Horrorfilme führte die gelernte Fachkinderkrankenschwester zu ihrer neuen Berufung als Schriftstellerin. Anders wie die meisten ihrer Kollegen hatte sie weder den Wunsch geäußert, je Schriftstellerin zu werden, noch hatte sie schon immer Interesse am Schreiben. Es war eine Mischung aus Neugier, Skepsis, Wunsch nach Veränderung und Belächeln von anderen, die sie schlussendlich zum Bücher schreiben gebracht hatten. Sie verfasst erfolgreich seit 2017 Thriller und setzt dabei auf Dramatik, Emotionen, Spannung und greift Themen auf, die wütend, fassungslos und traurig machen. Dabei profitiert sie von ihrer mehrjährigen Arbeit als Kinderkrankenschwester in verschiedenen Bereichen. Seit 2020 lebt sie vom Schreiben und veröffentlicht regelmäßig Bücher im Selfpublishing und für Verlage.
Autoren/Hrsg.
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MONIKA HUHN
COPY
KILL
Schreiben ist eine einsame Tätigkeit. Seit vier Wochen verkrieche ich mich schon in einem malerischen Dorf im Schwarzwald in einer kleinen, unscheinbaren Pension. Ein letztes Mal überarbeite ich hier meinen Kriminalroman, bevor er an den Verlag geht.
Mit einem zufriedenen Lächeln schließe ich die Datei und klappe den Laptop zu. Euphorisch klopfe ich mir selbst auf die Schulter. Dieses Mal wird er auf Platz eins der Spiegel-Bestsellerliste landen, davon bin ich überzeugt. Die Verbesserungsvorschläge meiner drei Testleser sind eingearbeitet, gerade noch rechtzeitig vor der Deadline.
Kurz rufe ich meine Frau Klara an, damit sie weiß, dass ich noch zwei Tage hierbleibe.
Heute werde ich eine kleine Wanderung rund um den Titisee machen. Laufen hat mich schon immer beruhigt und mir die besten Ideen eingebracht. Vielleicht fällt mir ein neuer Plot für mein nächstes Buch ein. Jetzt, in den letzten Herbstwochen, ist hier kaum was los, selbst in der Pension bin ich seit zwei Wochen der einzige Gast, vorher hat außer mir nur noch ein junger Mann kurz hier gewohnt.
Ich setze mich ins Auto, um die kurze Strecke zum See zu fahren. Im Radio läuft gerade Bonnie und Clyde von den Toten Hosen und ich schmunzle. Mein Roman handelt zwar nicht von einem Gaunerpärchen, dennoch passt das Lied zu meiner Gemütslage. Ich drehe das Radio lauter und singe, mehr schlecht als recht, lauthals mit.
Danach ertönt eine sonore Stimme, wie immer zur vollen Stunde kommen Nachrichten. Ich reduziere die Lautstärke wieder, setze den Blinker und fahre auf den Parkplatz.
»Und nun eine wichtige Mitteilung der Polizei, die sich insbesondere an junge Frauen im Großraum Freiburg wendet: Bitte vermeiden Sie unbedingt, per Anhalter zu reisen. Steigen Sie auf keinen Fall zu fremden Personen ins Auto, auch nicht zu Frauen. Denken Sie an Ihre eigene Sicherheit.«
Ich mache den Motor aus und greife mir mit der Hand an die Stirn. Was war das denn für eine Durchsage? Meine gute Laune ist mit einem Mal wie weggefegt. Ein ungutes Gefühl beschleicht mich. Den Gedanken, der mich blitzartig durchfährt, kann ich nicht festhalten.
Kopfschüttelnd steige ich aus dem Auto, hole meinen Rucksack aus dem Kofferraum und laufe los. Trockenes Laub raschelt unter meinen Sohlen, am Himmel wechseln Sonne und Wolken einander ab. Die Bewegung in der Natur um den tiefb lauen See bei herrlichem Herbstwetter entspannt mich. Aber dann steigen Zweifel in mir auf. Ob mein Roman diesmal wirklich die Spitze der Bestsellerliste erklimmen wird? Ich wünsche es mir so sehr. Meine Fangemeinde ist riesig, auf meinen Social-Media-Seiten habe ich bereits über 18.000 Follower. Bisher haben es meine Romane maximal unter die Top Ten der meistverkauften Bücher geschafft, wofür mein Verlag fleißig die Werbetrommel gerührt und Lesereisen organisiert hat. Das Werk ist in sämtlichen Buchhandlungen von Flensburg bis Sonthofen vertreten. Aber die Konkurrenz ist enorm.
Dieses Mal habe ich besonders perfide Folterideen zu Papier gebracht. Mein Kontakt bei der Polizei, der versucht, mir alle Abläufe und Vorgänge näherzubringen, hat nach der Lektüre nur den Kopf geschüttelt.
»So was ist mir in all meinen Dienstjahren nicht untergekommen. Sehr weit hergeholt, aber ich bin überzeugt, deine Leser werden es lieben.« Ich sehe sein grinsendes Gesicht vor mir, als er mir die Hand zum High five hinhielt. Ich grinste zurück und schlug meine Finger gegen seine. Seit Jahren unterstützt er mich bei meinen Recherchen mit seinem Know-how der Polizeiarbeit und hat immer ein offenes Ohr für mich.
In Erinnerungen versunken kehre ich zurück zum Auto, als mein Handy klingelt. Ich lächle, Wilo hat anscheinend meine Gedanken gelesen.
Obwohl der Kommissar das krasse Gegenteil von mir ist, sind wir inzwischen Freunde geworden. Für einen Mann bin ich eher klein, aber drahtig und – außer wenn ich schreibe – immer hippelig. Mein Haaransatz hat sich nach hinten verflüchtigt, meine blauen Augen strahlen vor purer Lebensfreude. Außerdem bin ich eher der biedere Typ, mein Leben grenzt schon an Spießigkeit mit Reihenhaus, Frau und zwei Kindern. Richtig aufregend geht es bei mir nur in meinen Büchern zu.
Wilo hingegen ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Bär von einem Mann. Fast zwei Meter groß, stämmig, aber nicht dick, mit langen, lockigen Haaren und einem gepflegten Vollbart, in den sich langsam graue Strähnen einschleichen. Ihn kann so schnell nichts aus der Fassung bringen.
»Hi, Wilo, hast du gespürt, dass ich gerade an dich gedacht habe?«
»Na, hoffentlich nur Gutes«, erwidert er. Wilo räuspert sich. »Sag mal, wie weit bist du eigentlich mit deinem Thriller? Ist er schon veröffentlicht?«
Meine Augenbrauen heben sich. Warum fragt er das? Er weiß doch, dass er immer einer der Ersten ist, die ein Exemplar bekommen. »Nein, heute habe ich die letzten Änderungen eingearbeitet. Bevor das Manuskript an den Verlag geht, bleibe ich noch ein, zwei Tage hier im Schwarzwald und genieße das Nichtstun.«
»Und wer hat deinen Text bisher gelesen?«
Wilos Fragen werden immer dubioser.
»Na, meine drei Testleser, die kennst du ja, Bella, Konstantin und Linda.«
»Sonst niemand?«
»Sag mal, was soll diese Fragerei? Du weißt doch, dass sonst keiner den Roman zu lesen bekommt. Die Verlagsbranche ist ein Haifischbecken, da muss man seine Ideen gut unter Verschluss halten.«
»Und du hast wirklich niemandem von deiner Tötungsmethode erzählt?«
»Also, wenn ich so überlege … Außer dir und den drei Testlesern kennt nur Klara den genauen Plot. Jetzt sag schon, was ist los?«
»Eigentlich darf ich dir das ja nicht erzählen, aber in diesem besonderen Fall mache ich eine Ausnahme. Das bleibt aber unter uns, verstanden?«
Erst als mir einfällt, dass er mein Nicken nicht sehen kann, stimme ich ihm mit einem heiseren »Ja, natürlich« zu.
»In den letzten Tagen haben wir drei junge Frauen tot aufgefunden, alle blond, hübsch, mit Modelqualitäten. Ihre Körper waren übersät mit tiefen Messerstichen, jede einzelne Stichwunde war mit Salzlake bestrichen. Die Leichen wurden mitten in der Stadt an verschiedenen Brunnen aufgebahrt, mit gefalteten Händen und Vergissmeinnicht ins Haar geflochten. Dir ist klar, was das bedeutet?«
»Das … das darf doch nicht wahr sein!« Mir bleibt beinahe das Herz stehen. Wer hat meine fiktiven Foltermethoden in die Realität umgesetzt?
»Ich muss dich das jetzt fragen: Wo warst du zwischen Sonntag und Donnerstag? Und gibt es Zeugen dafür?«
Mein Mund ist wie ausgetrocknet, ich zittere am ganzen Körper. Kann das sein, dass ich unter Mordverdacht stehe, nur weil ich perfide Tötungsmethoden ersinne? Und dass ausgerechnet mein Freund Wilo mich für einen Mörder hält? Es verschlägt mir den Atem, ich zerre mit den Fingern am Kragen meines Hemdes.
»Ich … ich war die letzten Tage nur hier in der Pension, bin kaum vor die Tür gegangen. Gesehen hat mich außer der Wirtin beim Frühstück nur der Pizzalieferdienst. In dieser Phase des Überarbeitens bin ich sozusagen am Laptop festgeklebt.«
»Kennt dein Verlag oder die Agentur die Vorgehensweise bei deinen Morden?«
»Nein, die haben nur ein Exposé erhalten, das den Plot kurz in drei Seiten zusammenfasst. Solche Details werden nicht aufgeführt. Glaubst du wirklich, die Morde hängen mit meinem Roman zusammen? Und dass ich etwas damit zu tun habe?« Schweißperlen bedecken meine Stirn, mein Herz wummert so schnell wie ein Maschinengewehr im Dauerfeuer.
»Ausschließen kann ich es nicht. Denn wer kommt schon auf solche Ideen, außer Thrillerautoren? Denk doch nur mal an deinen berühmten Kollegen aus Berlin, dessen Einfälle sind noch einen Tick krasser als deine.«
»Aber wer kann der Täter sein? Für meine Frau und meine Testleser lege ich die Hand ins Feuer. Und für dich natürlich auch«, entgegne ich und lache, obwohl mir das Lachen inzwischen vergangen sein müsste.
»Dann gib mir doch mal die Kontaktdaten von den dreien, damit ich sie befragen kann. Ich kenne zwar ihre Namen, aber die Nummern und Adressen habe ich nicht. Und wo kann ich dich in den nächsten Tagen erreichen?«
Die Frage gefällt mir nicht, es scheint so, als sei ich in seinen Augen weiterhin verdächtig.
»Ich hatte geplant, noch zwei Nächte hierzubleiben, aber in Anbetracht der Umstände fahre ich heute noch nach Hause. Du weißt ja, wo das ist«, kann ich mir eine kleine Spitze nicht verkneifen. Mit einem trockenen Lachen beendet Wilo das Telefonat.
Nacheinander rufe ich meine Testleser an, um ihnen von den Verdächtigungen zu erzählen und sie auf Wilos Fragen vorzubereiten. Ihre Versicherungen, nichts mit den Morden zu tun zu haben, nehme ich ihnen ab. Schließlich kenne ich meine Freunde schon ewig. Erst danach schicke ich Wilo die Daten von Bella, Konstantin und Linda.
Zurück in der Pension packe ich...




