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Ihr Team von Sack Fachmedien
E-Book, Deutsch, 179 Seiten
Reisner / Dihlmann [Wahl]Arzt in Österreich
1. Auflage 2007
ISBN: 978-3-211-33659-5
Verlag: Springer-Verlag
Format: PDF
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Überlebensstrategien im Gesundheitssystem von morgen
E-Book, Deutsch, 179 Seiten
ISBN: 978-3-211-33659-5
Verlag: Springer-Verlag
Format: PDF
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Gesundheitswesen im Umbruch: Steigende Ansprüche der Patienten stehen restriktiver Ausgabebereitschaft der öffentlichen medizinischen Versorgung gegenüber. Kurzfristige budgetorientierte 'Gesundheitspolitik' macht vernünftige Reformen beinahe unmöglich. Der Mut zu notwendigen Veränderungen fehlt. Die 'Zweiklassenmedizin' hat sich bereits etabliert. Der niedergelassene Arzt von morgen braucht Strategien, um sich in diesem Umfeld zu behaupten.
Dr. Christoph Reisner, Facharzt für Orthopädie und orthopädische Chirurgie, Vizepräsident der Ärztekammer für Niederösterreich, Präsident 'Wahlärzte Österreich', Obmann 'Wahlärzte und Mittelbau Niederösterreich'Michael Dihlmann, Ressortleiter 'Praxis und Wirtschaft' Ärztewoche Zeitungsverlag
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1;Vorwort und Einleitung;5
2;Die Autoren;6
3;Inhalt;9
4;Grundlagen;11
4.1;Defi nitionen;12
4.1.1;Kassenarzt;12
4.1.2;Wahlarzt;12
4.1.3;Privatarzt;13
4.1.4;Wohnsitzarzt;13
4.2;Historische Entwicklung;14
4.2.1;Kassensystem;14
4.2.2;Wahlarztsystem;15
4.3;Krankenkassendorado Österreich;15
4.4;Dutzende Krankenkassen – dutzende Abrechnungssysteme;15
4.4.1;Das Wirtschaftlichkeitsgebot bei Kassenärzten;22
4.4.2;Kurzfristige Budgetsanierung oder gesundheitspolitischer Weitblick?;25
4.4.3;Ausgewählte Lebenslügen der modernen Gesundheitspolitik;27
4.5;Ärztekammern in der Sackgasse?;36
4.5.1;Kammerstruktur;36
4.5.2;Wettbewerb innerhalb der Ärztekammer – Jeder gegen Jeden;41
4.5.3;Spaltpilz im Vormarsch – Die Zähne sind gezogen;36
4.6;Der Mythos vom Gott in Weiß;44
4.6.1;Die Mär von den goldenen Türklinken;44
4.6.2;Helfersyndrom als Berufung;46
5;Situationsbeschreibung;49
5.1;Neun Bundesländer – Neun Wege zum Kassenvertrag;50
5.1.1;Niederlassungsrichtlinien, Übergabemodalitäten, Ordinationsbewertung;50
5.1.2;Was ist eine Ordination eigentlich wert?;50
5.1.3;Weitere Gedanken zur Ordinations bewertung;55
5.1.4;Übergabepraxis in Niederösterreich –ein schlechtes Beispiel;56
5.1.5;Aktuelle Situation der Kassenärzte in Österreich;61
5.1.6;Einbahnstraße Honorarsystem;65
5.2;Der Wahlarzt im Spannungsfeld zwischen Medizin und Ökonomie;69
5.2.1;Freier Beruf Wahlarzt!;69
5.2.2;Honorargestaltung nach wirtschaft lichenKriterien;70
5.2.3;Mathematik in der Gebietskrankenkasse;70
5.2.4;Wie viele Wahlärzte verträgt der Markt?;72
5.3;Standpunkte und Perspektiven;75
5.3.1;Österreich im Umbruch;75
5.3.2;Warum ich gerne Kassenarzt bin;75
5.3.3;Warum ich (gerne) Wahlarzt bin;78
5.3.4;Visionen als Zukunftsperspektiven;81
5.3.5;Sichtweise der Patienten;89
5.3.6;Qualität;89
5.3.7;Der Wahlarzt aus Sicht des fachkundigen Patienten –gelebte Patienten orientierung;92
5.3.8;Umsatz – Gewinn – Einkommen;95
6;Medizin zwischen Ethik und Monetik;99
6.1;Was ist Medizin wert?;100
6.2;Ökonomischer Zwang versus Ärzte gesetz – Dokumentation und Aufklärung;106
6.3;Von der (Ohn)Macht der Kammern im Zwiespalt unterschiedlicher Interessen;108
6.3.1;Der verordnete Solidarfonds;109
6.3.2;Chefarztpfl icht und Bürokratie;109
6.3.3;Erstattungskodex;110
6.3.4;Kammerbeschlüsse und Legislative;110
6.3.5;Hygieneverordnung;111
6.3.6;Zusammenschluss von Versicherungen;111
6.3.7;Qualitätssicherung;111
6.3.8;Vorsorgeuntersuchung neu;111
6.3.9;Ärztliche Hausapotheken;111
6.3.10;Arbeitszeitgesetz;112
6.4;Gesundheitspolitik auf dem Holzweg;112
7;Wahlarztaktivitäten im Spannungsfeld der Ärztekammer;115
7.1;Erfahrungen eines engagierten Wahlärztevertreters;116
7.1.1;Wahlarztreferat der Österreichischen Ärztekammer;116
7.1.2;Verein Wahlärzte Österreich;116
7.1.3;Pressekonferenz;117
7.1.4;Die Zeit der Vorwürfe;117
7.1.5;Software Wahlarzt;118
7.1.6;Der Gipfel der Kontroverse;118
7.1.7;Deutschland ruft;119
7.2;Aktivitäten des Wahlarztreferates der Ärztekammer für Niederösterreich;119
7.2.1;Patientenbefragung;119
7.2.2;Wahlarztratgeber;120
7.2.3;Niederlassungsseminare;121
7.2.4;Standortanalyse – Entscheidungshilfe für Praxisgründer;122
7.2.5;Wahlarztformulare;122
7.2.6;Ordinationsbörse;122
7.2.7;Niederlassungsberatung;122
7.2.8;Wahlarzt-CD;123
7.2.9;Kommunikationsseminare;123
7.2.10;Informationsveranstaltungen;123
7.2.11;Benchmarking in der Ordination;123
7.2.12;Zuweisungen – Überweisungen;123
7.2.13;e-Card für Wahlärzte;124
7.2.14;Wahlarztbefragung in Niederösterreich;125
8;Mögliche Gegenstrategien –Erfolgskriterien in der Wahlarztordination;127
8.1;Standortwahl;128
8.1.1;Bei der Standortwahl nichts dem Zufall überlassen;128
8.2;Partnerschaften;130
8.2.1;Lehrpraxis;130
8.2.2;Gruppenpraxen;132
8.2.3;Kassenverträge für Gruppenpraxen in Wien;132
8.2.4;Kassenverträge für Gruppenpraxen in Oberösterreich;134
8.2.5;Ärztliche Kooperationsformen jenseits der Gruppenpraxis;140
8.3;Praxismarketing;144
8.3.1;Die häufi gsten Irrtümer;145
8.3.2;Informationsbeschaff ung;145
8.3.3;Festlegen der Ziele;145
8.3.4;Strategien planen;145
8.3.5;Produktpolitik – Dienstleistungen sind Produkte;146
8.3.6;Preispolitik;146
8.3.7;Distributionspolitik – Absatzwege und Marketinglogistik;147
8.3.8;Kommunikationspolitik – Werbung und PR im Zentrum der Kommunikation;147
8.3.9;Professionelle Umsetzung;147
8.4;Anstellung oder Werkvertrag;147
8.4.1;Soziale Absicherung als Kriterium;147
8.4.2;Ärztekammerbeitrag berücksichtigen;148
8.4.3;Die wertfreie Berechnung;149
8.4.4;Alle Komponenten abwägen;149
8.5;Anstellung von Ärzten bei Ärzten;149
8.6;Honorarnoten und Honorargestaltung;150
8.6.1;Honorarnote;150
8.6.2;Zahlungsmodelle;152
8.6.3;Honorarmodelle;153
8.6.4;Kostenrückerstattung;157
8.6.5;Richtwerte;159
8.7;Persönlichkeit des Arztes;159
8.8;Organisation;159
8.8.1;Möglichkeiten der EDV nutzen;159
8.8.2;Terminmanagement;164
8.8.3;Serviceleistungen;165
8.9;Fachgebiet;165
8.10;Miete – Kauf, Investition in Praxisräumlichkeiten;167
8.11;Goldene Regeln für wirtschaftliche Praxisführung;170
9;Resümee;173
9.1;Wir stehen für;176
10;Epilog;179
10.1;Drei Jahre in der „Kammer des Schreckens“;180
10.2;Albträume von Gesprächen, die nie stattgefunden haben;182
Medizin zwischen Ethik und Monetik (S. 89-91)
Was ist Medizin wert?
Im benachbarten Deutschland gehen derzeit die Wogen hoch. Neben vielen anderen Missständen wird von den Ärzten vor allem die angeblich miserable Bezahlung angeführt. Im niedergelassenen Bereich gibt es schon Gebiete, für die sich kein Arzt finden lässt. Die angestellte Ärzteschaft ist zu Protesten auf der Straße, Einkommensanpassungen von 30 Prozent und mehr werden gefordert.
Wie aber ist die Einkommenssituation der Ärzte in Österreich? Das lässt sich, wie üblich, nicht generell sagen. Klinikärzte vom Oberarzt aufwärts kommen – abhängig vom Dienstgeber und von der Berufserfahrung, aber auch von der Anzahl der Dienste bzw. der Überstunden und vom Volumen der Klassegelder – auf durchschnittliche Einkommensbereiche zwischen 2.000 und 5.000 Euro netto 14-mal pro Jahr. Auffällig sind dabei massive Unterschiede in Abhängigkeit vom Bundesland.
Demgegenüber attestiert die Ermittlung eines großen österreichischen Wirtschaftsmagazins allen österreichischen Führungskräften im Schnitt ein Nettoeinkommen von immerhin 14-mal 5.900 Euro pro Jahr. Dieser Wert gilt auch für Nicht-Akademiker. Im Vergleich sind daher – aus unserer Sicht – für einen Arzt für Allgemeinmedizin mit Kassenpraxis 5.000 Euro pro Monat als Untergrenze für eine gerechte Bezahlung anzusetzen. Für dieses angenommene Beispiel lässt sich eine Berechnung der . - nanziellen Notwendigkeiten vornehmen. Somit geht es um ein Nettoeinkommen von 70.000 Euro pro Jahr.
Unsere Begründung: Die Ausbildung ist mit angestellten Ärzten vergleichbar, die Verantwortung für den Patienten ebenfalls. Beim Spitalsarzt fallen wirtschaftliche Verantwortung weg, die soziale Absicherung, etwa bei Krankheit oder Arbeitslosigkeit, ist deutlich besser. Auch die Bezeichnung als Führungskraft ist durchaus angemessen. Nachdem das Steuersystem in Österreich progressiv gestaltet ist, muss man in dieser Einkommenskategorie zwar den Spitzensteuersatz von 50 Prozent leisten, durch die niedrigeren Progressionsstufen spart man sich aber auf dem Weg dorthin etwa 8.000 Euro.
Die „Milchmädchenformel" für die Steuerberechnung lautet daher: Gewinn geteilt durch zwei minus 8.000 Euro. Das ergibt rein rechnerisch den Zusammenhang, dass bei einem Einkommen von 70.000 Euro netto jährlich 54.000 Euro an Steuer zu zahlen sind (70.000 minus 16.000). Der notwendige Gewinn ergibt sich aus 70.000 Euro Nettoeinkommen plus 54.000 Euro Steuer (124.000 Euro). Um ein mit einem Spitalsarzt vergleichbares Einkommen zu erzielen, muss von einem Arzt mit Praxis also ein steuerlicher Gewinn von 124.000 Euro erwirtschaftet werden. Dieser Gewinn ist jedoch nur jenes Ergebnis, das „ganz zum Schluss übrig bleibt".
Vom Umsatz (Überweisungen der Gebietskrankenkasse, der „kleinen Kassen" und Privatpatienten) müssen vorher noch die Betriebskosten bedient werden: Zinsen und Abschreibungen der Investitionskosten, Ärztekammer, Wohlfahrtsfonds und Sozialversicherung und etwa 20 Prozent (des Umsatzes) an Personalkosten. Dazu kommen noch Kosten für EDV, Wartung und Telekomprovider für die e-Card. Summa summarum kann man bei einem Allgemeinmediziner von einer „gut geführten Ordination" sprechen, wenn vom Umsatz die Hälfte als Gewinn übrig bleibt. So wäre bei unserem Rechenbeispiel ein bereits stolzer Umsatz von 248.000 Euro notwendig. Ein durchschnittlicher Kassenarzt bleibt hier deutlich darunter.
Wer bei einem Scheinschnitt von 45 Euro und 1.000 Scheinen pro Quartal hält, erreicht bei Zurechnung von etwa zehn Prozent Umsatz pauschal aus den „kleinen Kassen" und Privatpatienten eine Umsatzgrößenordnung von etwa 200.000 Euro. Das geht sich dann für knapp 4.100 Euro Nettoeinkommen aus (siehe Tabelle 7). Bleibt noch die Berechnung der Relation Umsatz bzw. Einkommen zu Arbeitszeit. Pro Jahr stehen 52 Arbeitswochen zur Verfügung. Bei „normaler" Gebarung in Sachen Urlaube, Fortbildung, Feiertage und Krankenstand bleiben 40 Arbeitswochen übrig.




