Reisz | Das Locken der Sirene | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1, 448 Seiten

Reihe: Nora Sutherlin

Reisz Das Locken der Sirene


1. Auflage 2012
ISBN: 978-3-86278-592-6
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 1, 448 Seiten

Reihe: Nora Sutherlin

ISBN: 978-3-86278-592-6
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



'Søren nennt mich seine Sirene. Er sagt, was ich mit meinem Mund mache, kann jeden Mann vom Kurs abbringen. Sind sie nicht neugierig, was er damit meint?'
Erotikautorin Nora Sutherlin muss nicht lange recherchieren, um Stoff für ihren neuen Roman zu finden. Denn sinnliche Erfüllung ist ihr Leben. Das weiß nicht nur ihr gefährlicher Ex, von dem Nora einfach nicht die Finger lassen kann. Auch ihr verführerisch jungfräulicher Mitbewohner soll die Freuden der Lust mit ihr erfahren. Ob die berühmte Domina aber ihren Lektor fesseln kann? Vielleicht nicht nur mit Worten...



Tiffany Reisz ist DIE Newcomerin der erotischen Literatur und begeistert mit ihrer Serie rund um die Erotikautorin Nora Sutherlin Leser auf der ganzen Welt. Reisz lebt zusammen mitihrem Lebensgefährten und zwei Katzen in Lexington, Kentucky. Ihr Studium der Anglistik absolvierte sie am Centre College Danville und veröffentlicht seitdem unter ihrem richtigen Namen Bondage- und SM-Romane - und das sogar zum Stolz ihrer Eltern und Professoren.

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1. KAPITEL

Es gab nichts, das sich mit dem Londoner Nebel vergleichen ließ – hatte es nie gegeben. Und dennoch gehörte der berühmte Londoner Nebel in das Reich der Legenden. In der Realität bestand er nämlich vor allem aus Smog, und auf dem Höhepunkt der industriellen Revolution hatte er Tausende getötet. Er hatte die Stadt mit seinen giftigen Händen erstickt. Zach Easton wusste, dass man ihn in den Büros von Royal House Publishing nannte. Der abfällige Spitzname stammte von einem Lektorenkollegen, dem Zachs mürrische Art missfiel. Zach hatte nicht viel übrig für diesen Spitznamen und schon gar nicht für den Kollegen, der ihn geprägt hatte. Aber heute war er durchaus bereit, sich diesen Beinamen zu verdienen.

Es war schon nach Feierabend, aber er wusste, er würde John Paul Bonner, den Cheflektor von Royal House Publishing, noch hart arbeitend in seinem Büro antreffen. Und tatsächlich saß J. P. auf dem Fußboden, um ihn herum lauter Manuskriptstapel aufgetürmt wie ein Miniatur-Stonehenge aus Papier.

Zach blieb in der Tür zum Büro stehen und lehnte sich in den Rahmen. Er starrte seinen Cheflektor an und sagte kein Wort. Das brauchte er auch nicht, denn J. P. wusste, warum er hier war. Das wussten sie beide.

„Der Tod reitet zu mir auf dem Easton-Nebel“, sagte J. P. vom Boden, während er sich durch den nächsten Stapel Manuskripte wühlte. „Eine sehr poetische Art zu sterben. Du bist hier, um mich umzubringen, nehme ich an.“

Mit vierundsechzig Jahren, grauem Bart und Nickelbrille war J. P. die fleischgewordene Literatur. Gewöhnlich genoss Zach es, sich mit ihm auf Geplänkel und Wortspiele einzulassen. Heute war er aber nicht in der Stimmung, sich eine Retourkutsche auszudenken. Deswegen war seine Antwort auch nicht lyrisch, sondern beschränkte sich auf ein lakonisches „Ja.“

„Ja?“, wiederholte J. P. „Nur ‚ja‘? Nun, in der Kürze liegt die Würze. Sei so gut und hilf einem alten Mann vom Boden auf, ja, Easton? Wenn ich sterben soll, möchte ich dem Tod aufrecht ins Gesicht blicken.“

Seufzend betrat Zach das Büro, streckte die Hand aus und half J. P. aufzustehen. J. P. tätschelte ihm dankbar die Schulter und sank erschöpft in den Stuhl hinter seinem Schreibtisch.

„Ich bin ohnehin ein toter Mann. Kann ums Verrecken nicht diese verfluchte Druckfahne von für John Warren finden. Die hätte ich ihm schon gestern per Post zuschicken müssen. Aber wie sagt man so schön? Glücklich ist, wer eine gute Gesundheit und ein schlechtes Gedächtnis hat. So gesehen bin ich ein sehr, sehr glücklicher Mann.“

Zach betrachtete J. P. einen Augenblick und verfluchte ihn im Stillen, weil er so ein netter Kerl war. Seine Bewunderung für seinen Chef würde dieses Gespräch sicher noch viel unangenehmer machen. Er trat an eines der Bücherregale, die die Wände säumten, und fuhr mit der Hand über das oberste Regalbrett. Er kannte J. P.s Angewohnheit, wichtige Papiere immer dort zu lagern, wo er sie nicht finden konnte. Zachs Finger stießen gegen ein Manuskript. Er holte es herunter und warf es auf J. P.s Schreibtisch, wo sich eine kleine Staubwolke daraus erhob.

„Ich danke dir.“ J. P. hustete und legte eine Hand aufs Herz. „Du hast mein Leben gerettet.“

„Und jetzt werde ich derjenige sein, der dich umbringt.“

J. P. betrachtete Zach nachdenklich. Dann zeigte er einladend auf den Stuhl vor seinem Schreibtisch. Nur widerstrebend setzte Zach sich und zog seinen grauen Mantel enger um die Schultern, als handle es sich um seine Rüstung.

„Easton, schau“, begann J. P., aber weiter ließ Zach ihn nicht kommen.

„Nora ?“ Zach sprach den Namen so verächtlich aus, wie er nur konnte. Und im Moment empfand er eine Menge Verachtung. „Das soll wohl ein Scherz sein.“

„Ja, Nora Sutherlin. Ich habe lange darüber nachgedacht. Habe mir ausgiebig ihre Verkaufszahlen angeschaut. Ich finde, wir sollten sie abwerben. Und ich will, dass du mit ihr arbeitest.“

„Das werde ich auf keinen Fall tun. Sie schreibt Pornografie.“

„Es ist keine Pornografie.“ J. P. blickte Zach streng über das Halbrund seiner Brillengläser an. „Es ist Erotik. Sehr gute Erotik.“

„Ich hatte ja keine Ahnung, dass es so etwas gibt.“

„Ich sage dazu nur zwei Worte: Anaïs Nin“, konterte J. P.

„Dann sage ich zwei weitere Worte: Booker Prize.“

J. P. atmete hörbar aus und lehnte sich in seinem Stuhl zurück.

„Easton, ich kenne deine Erfolgsgeschichte. Du bist eines der größten Talente, die es derzeit in der Verlagsbranche gibt. Wenn dem nicht so wäre, hätte ich nicht so viel Geld bezahlt, um dich nach New York zu holen. Und ja, es stimmt. Deine Autoren haben den Booker Prize gewonnen.“

„Und Whitbreads, Silver Daggers …“

„Aber der Erfolg von Sutherlins letztem Buch hat den von deinem Whitbread-Autor und deinem Silver-Dagger-Autor zusammen übertroffen. Wir stecken gerade in einer Rezession, falls dir das noch nicht aufgefallen ist. Bücher sind ein Luxusgut. Was man nicht essen kann, kauft im Moment kaum jemand.“

„Und Nora Sutherlin soll die Antwort sein?“, wollte Zach wissen.

J. P. grinste. „Janie Burke von der hat ihr letztes Buch als ‚höchsten Genuss‘ bezeichnet.“

Zach schüttelte den Kopf und blickte verärgert zur Decke. „Sie ist allenfalls eine Gossenschreiberin“, sagte er. „Ihr Verstand kommt aus der Gosse, ihre Bücher gehören in die Gosse. Ich wäre nicht überrascht, wenn ihr letztes Verlagshaus seine Büros in der Gosse hätte.“

„Sie ist vielleicht ein Gossenkind. Aber jetzt ist sie unser Gossenkind. Nun ja, Gossenkind.“

„Wir sind hier nicht bei . Ich bin nicht Professor Henry Higgins, und sie ist keine verfluchte Eliza Doolittle.“

„Wer sie auch ist, eines steht fest: Sie ist eine verflixt gute Autorin. Das würdest du wissen, wenn du dir die Mühe gemacht hättest, eines ihrer Bücher zu lesen.“

„Ich habe für diesen Job England verlassen“, erinnerte Zach ihn. „Ich habe einen der angesehensten Verlage Europas hinter mir gelassen, weil ich hier mit den besten jungen Autoren Amerikas arbeiten wollte.“

„Sie ist jung. Und Amerikanerin.“

„Ich habe doch nicht England und mein Leben …“ Zach hielt inne, ehe er sagen konnte: . Schließlich hatte seine Frau ihn zuerst verlassen.

„Dieses Buch hat echtes Potenzial. Sie hat es uns vorgelegt, weil sie bereit für einen Wechsel ist.“

„Gib ihr zwei Zehner für ’nen Zwanziger, wenn sie was wechseln will. Ich gehe in sechs Wochen nach L. A. Ich kann einfach nicht glauben, dass ich alles stehen und liegen lassen soll, um meine letzten sechs Wochen an Nora Sutherlin zu verschenken. Keine Chance!“

„Ich habe deinen Posteingang gesehen, Easton. Der ist nicht so voll, als dass du nicht mit Sutherlin arbeiten kannst, während du deine anderen Sachen hier abwickelst. Also erzähl mir nicht, du hättest keine Zeit dafür. Wir wissen beide, dass es nicht an Zeit fehlt, sondern an der Lust.“

„Also gut. Ich habe weder Zeit noch Lust, Erotik zu lektorieren. Nicht einmal gute Erotik, wenn es so etwas überhaupt gibt. Ich bin nicht der einzige Lektor hier. Gib das Manuskript doch Thomas Finley“, sagte Zach. Thomas Finley war der Kollege, den er am wenigsten mochte und dem er seinen Spitznamen zu verdanken hatte. „Oder meinetwegen Angie Clark.“

„Finley? Diesem Weichei? Er wird versuchen, sich an Sutherlin ranzumachen, und sie wird ihn bei lebendigem Leib verspeisen. Wenn man ihm ins Gesicht schlagen würde, wüsste er nicht einmal, wie man anständig blutet.“

Zach hätte fast zustimmend gelacht, ehe ihm wieder einfiel, dass er sich gerade mit J. P. stritt. „Und was ist mit Angie Clark?“

„Sie ist im Moment zu beschäftigt. Außerdem …“

„Was außerdem?“, wollte Zach wissen.

„Clark fürchtet sich vor ihr.“

„Kann ich ihr kaum verdenken“, erklärte Zach. „Ich habe gehört, sogar erwachsene Männer flüstern ihren Namen auf gewissen Partys nur, statt ihn laut auszusprechen. Es gibt das Gerücht, sie habe sich ihren ersten Buchvertrag durch Sex erkauft.“

„Das Gerücht habe ich auch gehört. Aber für diesen Buchvertrag hat sie sich nicht hochgeschlafen. Leider“, fügte J. P. verschmitzt grinsend hinzu.

„In Rachel Bells Blog habe ich gelesen, sie trägt außerhalb ihres Hauses immer nur Rot. Sie sagt, Sutherlin hat einen sechzehnjährigen Jungen bei sich wohnen, der als ihr persönlicher Assistent arbeitet.“

J. P. lächelte ihn an. „Ich glaube, sie nennt ihn lieber ihren ‚Praktikanten‘ als ihren ‚persönlichen Assistenten‘.“

Zach wäre beinahe an seiner eigenen Enttäuschung erstickt. Er war eigentlich schon auf dem Weg nach Hause gewesen und hatte bereits den Mantel angezogen, als ihm ein Teufelchen einflüsterte, er solle lieber noch mal seine E-Mails checken. Darin hatte sich eine Nachricht von J. P. befunden, in der er schrieb, er denke darüber nach, die Erotikautorin Nora Sutherlin und ihr letztes Buch als Spitzentitel für den Herbst unter Vertrag zu nehmen. Und da Zach in den paar Wochen, bevor er nach L. A. ginge, nicht mehr allzu viel zu tun habe …

„Ich brauche dich für diese Aufgabe. Dich und keinen anderen“, erklärte J. P.

„Warum bin ich der Einzige, der mit ihr auskommt?“

„Mit ihr auskommt?“ J. P. gluckste, ehe er plötzlich sehr...


Reisz, Tiffany
Tiffany Reisz lebt in Lexington, Kentucky mit zwei Mitbewohnern, zwei Hunden und zwei Katzen. Sie hat Englisch am College studiert und veröffentlicht erotische Literatur unter ihrem richtigen Namen - zum Stolz ihrer Eltern und Professoren. Tiffany hat fünf Piercings, ein Tatoo und wurde zweimal festgenommen. Wenn sie nicht in Haft ist, schreibt sie erotische Liebesromane und widmet sich gewissenhaft ihrer persönlichen Recherche. Sie würde sterben, wenn sie nicht schreiben könnte.



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