E-Book, Deutsch, 400 Seiten
Renk Die Frau des Seidenwebers
2. Auflage 2010
ISBN: 978-3-8412-0065-5
Verlag: Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Historischer Roman
E-Book, Deutsch, 400 Seiten
ISBN: 978-3-8412-0065-5
Verlag: Aufbau Digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Von Liebe und Seide ...
Im Jahr 1753 reist die 25-jährige Mennonitin Anna von Radevormwald nach Krefeld. Sie soll ihrem Onkel den Haushalt führen. Unterwegs lernt sie Claes kennen, der sich bei einem Überfall schützend vor sie stellt. Anna verliebt sich in ihn, doch fühlt er sich schon einer anderen versprochen. Die Geschichte einer Frau, die ihren eigenen Weg geht, bis sie endlich den Mann findet, der sie liebt.
Eine opulente Familiensaga über die Seidenweberei im 18. Jahrhundert, die auf authentischen Quellen beruht.
Ulrike Renk, Jahrgang 1967, studierte Literatur und Medienwissenschaften und lebt mit ihrer Familie in Krefeld. Familiengeschichten haben sie schon immer fasziniert, und so verwebt sie in ihren erfolgreichen Romanen Realität mit Fiktion.
Im Aufbau Taschenbuch liegen ihre Australien-Saga, die Ostpreußen-Saga, die Seidenstadt-Saga, die große Berlin-Saga um die Dichterfamilie Dehmel und zahlreiche historische Romane vor.
Alle lieferbaren Titel der Autorin sehen Sie unter aufbau-verlage.de und mehr zur Autorin unter ulrikerenk.de.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
1;Kapitel 1;8
2;Kapitel 2;20
3;Kapitel 3;27
4;Kapitel 4;34
5;Kapitel 5;39
6;Kapitel 6;46
7;Kapitel 7;55
8;Kapitel 8;63
9;Kapitel 9;71
10;Kapitel 10;78
11;Kapitel 11;87
12;Kapitel 12;97
13;Kapitel 13;108
14;Kapitel 14;116
15;Kapitel 15;126
16;Kapitel 16;139
17;Kapitel 17;147
18;Kapitel 18;159
19;Kapitel 19;169
20;Kapitel 20;179
21;Kapitel 21;188
22;Kapitel 22;202
23;Kapitel 23;212
24;Kapitel 24;221
25;Kapitel 25;232
26;Kapitel 26;243
27;Kapitel 27;252
28;Kapitel 28;261
29;Kapitel 29;271
30;Kapitel 30;283
31;Kapitel 31;290
32;Kapitel 32;301
33;Kapitel 33;310
34;Kapitel 34;319
35;Kapitel 35;330
36;Kapitel 36;339
37;Kapitel 37;349
38;Kapitel 38;363
39;Kapitel 39;374
40;Kapitel 40;384
41;Kapitel 41;395
42;Kapitel 42;405
43;Kapitel 43;412
44;Kapitel 44;421
45;Kapitel 45;432
46;Danksagung;442
(S. 158-159)
In den nächsten Tagen gab es für Anna allerlei zu tun. Sie putzte die Mansarde gründlich, ein kleiner Ofen wurde besorgt, ein Bett und ein Kasten, für die Sachen des Jungen. Zuerst schauten die Kinder zweifelnd zu, doch Anna erklärte ihnen geduldig, dass der Junge keine Konkurrenz sein würde, sondern dass sie ihm ein Zuhause geben wollten.
Elisabeth nickte, dann holte sie einen Eimer mit Seifenlauge und half Anna, den staubigen Raum zu reinigen. Aaron half, die einfachen Möbel in das Zimmer zu bringen. Joseph beobachtete alles ganz genau, sagte aber nichts. Eines Abends klopfte es zaghaft an Annas Zimmertür. Sie lag schon im Bett, es war spät, und sie war müde. »Anna?« Es war die hohe Stimme des kleinen Joseph. »Komm rein, mein Herz. Ist etwas mit dir? Geht es dir nicht gut?« Anna setzte sich auf. »Du, Anna.« Verlegen trat er von einem Fuß auf den anderen. Die Hände hielt er hinter seinem Rücken. »Der Junge kommt doch morgen?«
»Fritz, ja. Morgen zieht er ein. Bis du deswegen aufgeregt?« Anna lächelte. »Nein, es ist nur so, du hast doch gesagt, dass er ganz, ganz arm ist. Er hat weder Mutter noch Vater und auch keine Geschwister mehr. Unsere Mutter ist ja auch tot, aber den Va - ter, den haben wir noch. Und dich. Und wir sind nicht ganz arm.« »Das ist richtig, und deshalb wollen wir etwas mit ihm teilen. Damit er nicht mehr so alleine und so unglücklich sein muss. Das verstehst du doch?«
»Ja.« Langsam kam er auf sie zu, immer noch hielt er die Hände hinter dem Rücken. »Ich habe nachgedacht. Ich konnte nicht helfen, so wie die anderen.« »Das ist gar nicht schlimm, Spatz.« »Aber ich wollte doch so gerne auch etwas dazu tun, damit er sich wohlfühlt und willkommen.« Nun streckte er die Arme aus, öffnete die Hände. Er hielt ein kleines Holzpferd auf Rädern und zwei Holzfiguren in der Hand. »Ich möchte ihm das schenken.« Anna wusste, dass das Pferd sein Lieblingsspielzeug war.
Er konnte sich stundenlang damit beschäftigen, lag auf dem Boden, redete mit den Figuren, erfand kleine Abenteuer. Es musste sehr schwer für ihn sein, sich davon zu trennen. Anna überlegte, ob sie sein Geschenk ablehnen sollte. Doch dann nahm sie das Spielzeug und legte es auf ihren Nachtkasten. Joseph wollte etwas geben, von ganzem Herzen wollte er ein Geschenk machen, und das konnte sie ihm nicht abschlagen.




