E-Book, Deutsch, 298 Seiten
Reihe: LYX.digital
Renshaw Rixton Falls - Rules
1. Auflage 2021
ISBN: 978-3-7363-1465-8
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 298 Seiten
Reihe: LYX.digital
ISBN: 978-3-7363-1465-8
Verlag: LYX.digital
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Das zwischen ihnen darf nicht sein. Doch warum fühlt es sich dann so richtig an?
Wenn sich Anwalt Derek Rosewood eins geschworen hat, dann nie wieder eine Beziehung einzugehen. Seit der Trennung von seiner Jugendliebe gibt es nur noch drei Dinge in seinem Leben, die für ihn zählen: seine kleine Tochter, seine Karriere und seine Freiheit. Drama erlebt er allenfalls im Gerichtssaal und Frauen, die mehr als eine Nacht von ihm erwarten, hält er gekonnt auf Abstand. Es ist besser so - vor allem für sein Herz. Bis seine neue Klientin Serena Randall vom ersten Augenblick an all seine Regeln über Bord wirft, als hätte es sie nie gegeben ...
'Sexy und bittersüß! Ich liebe dieses Buch.' BAMBI UNBRIDLED
Band 2 der WALL-STREET-JOURNAL-Bestseller-Reihe von Winter Renshaw
Winter Renshaw ist eine amerikanische Liebesromanautorin, die es mit ihren Romanen regelmäßig an die Spitze der Bestseller-Listen schafft. Sie lebt im Mittleren Westen und ist eigentlich nie ohne Laptop anzutreffen. Wenn sie gerade nicht schreibt, lebt sie den American Dream mit ihrem Mann, ihren drei Kindern und dem faulsten Mops der Welt.
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3. KAPITEL
Derek
»Bleiben Sie nicht zu lange.« Gladys, meine Sekretärin, steht in der Tür, die gebeugte Schulter hängt tief unter der schweren Handtasche. »Soll ich Ihnen etwas zum Abendessen holen?«
Sie blickt prüfend auf ihre Uhr und ich auf meine.
Freitagabend, sieben Uhr.
Wäre es mein Wochenende mit Haven, wäre ich schon längst weg, würde mich mit meiner Lieblingsvierjährigen auf dem Wohnzimmerboden wälzen und mit ihr Barbies oder ihr Lieblingsmemory von Doc McStuffins spielen, während wir auf unsere Pizza, halb Käse, halb Supreme, warten. Das ist unsere Tradition am Freitagabend.
Also, jeden zweiten Freitagabend.
Ich lebe für meine Wochenenden mit Haven.
Wahrscheinlich arbeite ich deshalb so viel. Mich in der Kanzlei zu verkriechen und in meine Karriere zu vertiefen lässt mich den Klang der Stille vergessen, die an den meisten Abenden der Woche zu Hause auf mich wartet.
»Ich mache nur noch hier fertig.« Ich nicke ihr mit schmalen Lippen zu, und sie winkt kurz.
»Als hätte ich das nicht schon unzählige Male gehört.« Sie klimpert mit ihren Autoschlüsseln und schlendert über den Fliesenboden des Flurs davon. Einen Moment später hallen das Klappern der Tür und das Klicken des Schlosses durch das leere Gebäude.
Vor mir liegt Serena Randalls gerichtliche Anordnung, zusammen mit dem Rest ihrer Akte. Über den Details brüte ich schon, seit ich heute Nachmittag von Belcourt Manor zurückgekehrt bin.
Auf den ersten Blick wirkt sie gesund. Etwas müde. Ein wenig schnippisch. Aber das ist verständlich. Die meisten Fälle, in denen ein Finanzverwalter bestellt wird, sind etwas extremer als ihrer. So was brauchen im Allgemeinen Menschen, die mental oder physisch beeinträchtigt sind, nicht eine steife Erbin mit Hang zu dramatischem Augenbrauenhochziehen und schonungsloser Aufrichtigkeit.
Ich reibe mir die müden Augen und lasse die Papiere auf meinen Schreibtisch fallen, bevor ich meinen Laptop zu mir heranziehe. Bewaffnet mit nichts als Zeit und Google, plane ich, tief zu graben und diese ganze Sache zusammenzupuzzeln. Ich habe das Gefühl, Informationen von ihr zu bekommen wird wie Zähne ziehen. Aber das ist nichts, was sich nicht mit ein wenig gutem, altmodischem Cyberstalking beheben lässt.
Ich beginne mit einer Suche zu ihrer Stiefmutter, Veronica Kensington-Randall – und dann trifft mich die Erkenntnis. Ich habe schon einmal von ihr gehört. Sie spielte in irgendeiner Justizdramaserie in den Neunzigerjahren mit. Mein Vater war besessen von der Sendung. Er nahm sie immer auf Videokassetten auf, schaute sich die Episoden wieder und wieder an und zitierte die Figuren bei jeder Gelegenheit.
In ihren besten Jahren war sie eine Schönheit. Lange, wohlgeformte Beine. Kalifornische Sonnenbräune. Glänzende, blond gebleichte Locken. Ein Lächeln wie für einen Schönheitswettbewerb.
Laut Wikipedia war sie viermal verheiratet und ist dreimal geschieden. Anscheinend mag sie die Männer alt und kränkelnd.
Ich klicke auf »Bilder« und rufe eine Menge neuerer auf. Anscheinend kämpft sie derzeit mit Spachtelmasse und Shapewear von Spanx gegen ihren fünfzigsten Geburtstag an. Und es sieht so aus, als sei sie – bis vor Kurzem – nur selten gesehen worden ohne ihren liebenden Ehemann, Harold Randall, der locker alt genug ist, um ihr Vater zu sein.
Der Klassiker.
Das ist nicht ungewöhnlich, vor allem nicht entlang der blaublütigen Küste des Geldadels der Neu-England-Staaten.
Älterer Mann heiratet jüngere Trophy-Wife. Kinder fühlen sich bedroht. Ehefrau will ihren Anteil am Familienvermögen sichern. Und schon folgt das Justizdrama.
Ich grinse.
Das wird leicht.
Sobald Serena sich zu einhundert Prozent gut fühlt, müssen wir nur beweisen, dass sie bei klarem Verstand ist, und dann werde ich persönlich dafür sorgen, dass ihr Anteil am Familienvermögen intakt bleibt, all ihre finanziellen Mittel wieder vollständig unter ihre Kontrolle gestellt werden, und dann bin ich wieder weg. Vermögensrecht ist sowieso ein kleines Hobby von mir. Nichts macht mir mehr Freude, als dafür zu sorgen, dass gierige, egoistische Ärsche am Ende nicht am längeren Hebel sitzen.
Geld – oder die Angst, keines zu haben – kann schlimme Dinge mit guten Menschen anstellen. Das konnte ich schon bei vielen Gelegenheiten aus erster Hand mitansehen.
Mein Handy in der Tasche pingt, und ich hole es heraus und lese eine Nachricht von einer meiner Schwestern.
DEMI: Hey, komm doch heute Abend rüber zu uns. Royal will dich in Schiffe versenken schlagen. Er sagt, du schuldest ihm noch ein Spiel.
ICH: Ja, das war vor fünfzehn Jahren. Sag ihm, er soll es gut sein lassen. Das ist Vergangenheit.
DEMI: Er sagt, du hast nur Angst zu verlieren.
ICH: Ich verliere nie.
DEMI: Er will wissen, ob du aufgibst.
ICH: Niemals. Gib mir eine Stunde.
Ich lege das Handy weg und klicke mich durch die Fülle an Bildern von Veronica, die meinen Bildschirm überfluten. Sie sind alle gleich – aufreizende Körperhaltung, die Hand an einer knochigen Hüfte und die Lippen zu einem durchtriebenen Lächeln verzogen.
Als ich davon genug habe, schließe ich diesen Tab und starte eine Googlesuche nach Serena. Aber auf die Schlagzeilen, die auf meinem Bildschirm erscheinen, bin ich nicht vorbereitet.
SALONLÖWIN FÄLLT IN UNGNADE
DIE WAHRHEIT ÜBER ERBIN
SERENA RANDALL
WAS HAT SERENA RANDALLS NERVENZUSAMMENBRUCH VERURSACHT?
CHRONIK VON SERENA RANDALLS ÖFFENTLICHEM ZUSAMMENBRUCH
IN UNGNADE GEFALLENE ERBIN IN BITTERE TRENNUNG INVOLVIERT – GEFAHR FÜR EIGENES LEBEN
»Scheiße, Serena.« Ich brumme die Worte in meine Handfläche, mit der ich über meinen Bartschatten reibe. Ich klicke sofort alles an, öffne mindestens ein halbes Dutzend Tabs und mache mich bereit, alles zu inhalieren.
Laut diesen Artikeln von vor etwa zehn Wochen hat Serena ihren Verlobten mit nicht nur einer, sondern gleich zwei anderen Frauen im Bett erwischt. Freundinnen von ihr, auch das noch. Später in jener Woche nahm sie eine Handvoll Tabletten, schluckte sie mit einer Flasche Rotwein und ließ sich von ihrem Chauffeur am Flughafen JFK absetzen. Dort wollte sie ein Erste-Klasse-Ticket für den nächsten Flug nach London, Heathrow, bekam aber keines, da sie sich nicht ausweisen konnte. Und offensichtlich betrunken war.
Die Flughafensecurity wurde gerufen, und Serena leistete körperlichen Widerstand. Sie schrie Obszönitäten, machte eine Riesenszene und riss sich ihre Extensions aus. Kurz danach wurde sie verhaftet und gegen ihren Willen in psychiatrische Haft genommen, nachdem sie gedroht hatte, sich selbst und ihre Stiefmutter, die offenbar an ihre Seite geeilt war, zu verletzen.
Ein Gutachten über ihren Geisteszustand wurde angeordnet, und Serena wurde für acht Tage eingewiesen. Zwei Tage nach ihrer Entlassung fuhr sie mit ihrem Wagen in einer kleinen Stadt nördlich des Anwesens Belcourt von einer jahrhundertealten Brücke. Offenbar war das Wasser unter der Brücke nicht tief genug, um sie mitzureißen, aber der Aufprall war doch so heftig, dass sie sich den Kopf ans Lenkrad schlug und das Bewusstsein verlor.
Ein einheimischer Farmer, der gerade vorbeikam, fand und rettete sie.
Nach einem einwöchigen Aufenthalt in einer geheim gehaltenen privaten psychiatrischen Einrichtung in einem entlegenen Teil des Staates New York wurde sie entlassen und zum Familienanwesen Belcourt geschickt, um dort zu leben. Sie tätigte fortlaufend eine Menge teure Einkäufe. Italienische Luxusautos. Diamanten. Mode. Angebote für unbesehene Immobilienkäufe. Innerhalb von vier Tagen gab sie über elf Millionen Dollar aus.
Ihre Stiefmutter beantragte eine Notfallvormundschaft. Sie wollte Serenas Vormund werden, wurde aber abgelehnt, aufgrund nicht näher bezeichneter Anschuldigungen, die in Serenas Namen von ihrem damaligen Anwalt ausgesprochen wurden.
Der Richter bestimmte, dass ein Finanzverwalter für Serenas Vermögen ihren Treuhandfonds und die Zuweisung von Geldern für die Instandsetzung und Pflege von Belcourt Manor während ihres Aufenthalts dort verwalten solle. Rosewood & Rosewood LLP wurde von einem Richter empfohlen, der mit meinem Vater Jura studiert hatte, und die Randalls stimmten zu.
Ich klappe meinen Laptop zu und blättere den Stapel Dokumente auf meinem Schreibtisch durch, auf der Suche nach dem Gutachten über ihren Geisteszustand. Die Notizen des Arztes erwähnen ihre Selbstmordgedanken und beziehen sich auf ihr »manisches und leichtsinniges« Verhalten, aber eine Diagnose bipolarer Störung wird nicht erwähnt. Es gibt eine Notiz, die sich auf akute Angstzustände und die Möglichkeit einer kurzzeitigen, situationsbedingten Depression bezieht, aber die besagt eindeutig, dass Serena keine Vergangenheit mit Problemen geistiger Gesundheit hat. Es sieht auch so aus, als hätte der Arzt ihr ein paar Allerwelts-Antidepressiva, verschreibungspflichtige Schlafmittel und Benzos nach Bedarf verschrieben.
Kein Wunder, dass sie sich derzeit nicht wie sie selbst fühlt.
Mein Handy in der Tasche pingt wieder, und ich sehe noch eine Nachricht von Demi.
DEMI: Kommst du jetzt oder was? Eine Stunde ist schon lange vorbei.
Ich hole tief Luft, atme wieder aus und schaue auf die Uhr. Mist. Sie hat recht. Es ist schon über eine Stunde vergangen, und ich war so in diese Artikel über Serena vertieft,...




