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Ihr Team von Sack Fachmedien
E-Book, Deutsch, Band 1, 208 Seiten
Reihe: Die Pia & Poppy-Reihe
Reschke Pia & Poppy und der verschwundene Professor
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-641-24561-0
Verlag: cbj
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 1, 208 Seiten
Reihe: Die Pia & Poppy-Reihe
ISBN: 978-3-641-24561-0
Verlag: cbj
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Als Pia Blau erfährt, dass es diesen Sommer statt an ihre geliebte Ostsee nach San Francisco geht, fällt sie aus allen Wolken. Pia ist entschlossen, die fremde Stadt doof zu finden, doch die bunte Metropole am Meer gefällt ihr viel besser als erwartet. Das liegt sowohl an Oma Maples tollem Keksladen als auch an der verrückten Villa Futura, in der sie mit ihren Eltern wohnt. Die größte Überraschung aber ist Poppy Williams – dieses außergewöhnliche Mädchen, das plötzlich barfuß in ihrem Zimmer auftaucht und Pia in null Komma nichts in das Abenteuer ihres Lebens zieht.
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1
Hey Leute, noch sechs Mal schlafen. Juhu!, schrieb eine der Sandmöven in die Gruppe, und Pia schickte Smileys und eine Funken sprühende Wundertüte zurück.
Ihre Vorfreude war kaum noch auszuhalten.
In sechs Tagen stiegen die Blaus in ihr klappriges Auto und düsten los. Von Leipzig bis ans Meer dauerte es ohne Stau viereinhalb Stunden. Da Pias Vater Karsten stets um kurz vor vier Uhr morgens losfuhr, gab es das erste Ferienfrühstück bereits am Meer.
Pias Koffer lag seit gestern gepackt unter ihrem Bett und enthielt alles, was auch in den letzten Jahren gebraucht wurde – nur eine Nummer größer. Badeanzug, Taucherbrille, Flossen und Luftmatratze lagen zuunterst. Darauf fünf Sommerkleider, jede Menge T-Shirts, Unterhosen und drei Shorts. Ein Paar Leggings und Pullover rollten sich am Rand, falls es mal kühler wurde. Zuoberst thronten ihre Lieblingssandalen neben dem Kulturbeutel. Die Sneakers trug sie auf der Fahrt.
Aus Pias Sicht wäre das Gepäck damit komplett gewesen. Aber ihre Eltern bestanden jedes Jahr auf einem Paar Wanderschuhe. Karsten und Allison Blau liebten Ausflüge ins Grüne – am besten zu Fuß mit Picknickkorb und allem Pipapo. Pia nervte das. Nicht nur, weil Wanderungen total langweilig waren. Es stahl ihr einen kompletten Tag mit ihren Freundinnen und Freunden, den Sandmöven. Kostbare Zeit, in der sie Sandburgen bauen, Schlammschlachten veranstalten, durch die Wellen springen, Wolkentiere am Himmel zählen und gemeinsam auf der Mauer unterhalb vom Strandkiosk sitzen konnten, um Pommes oder Eis zu futtern. Aber Pia blieb nichts anderes übrig. Zumindest ein Ausflug gehörte jeden Sommer dazu. Und zwar ohne Murren – ansonsten wurden es mehr.
Wie immer um 12 vorm Supermarkt?, schrieb Anna aus Klein Röbitz.
Klaro. Und dann zum Strand! , kam es aus allen Richtungen zurück. Gefolgt von mehreren Daumen-hoch-Zeichen
Pia lehnte sich mit einem Grinsen auf ihrem Schreibtischstuhl zurück und schloss die Augen. Es gab nichts Schöneres als Wiederholungen, fand sie. Denn, wenn sich etwas wiederholte, konnte sie es erst so richtig genießen. Da gab es nichts Ungewisses, das ihr einen Schreck einjagte oder plötzlich aus dem Nichts überrumpelte. Im Gegenteil. Wenn man im Vorhinein wusste, was kam, gelang es umso besser, sich über das Lustige, Schöne und Spannende zu freuen. Urlaub an einem bekannten Ort war wie einen Lieblingsfilm noch einmal anschauen. Pia brauchte sich nur einen Moment zu konzentrieren und sie sah den strahlend blauen Himmel über sich, hörte die Wellen rauschen, spürte die Sonne auf ihrer Haut und den Geruch von Meer und Algen, Fisch und Salz in ihrer Nase …
»Pia!«, riss es sie aus ihren Träumen. »Komm doch mal runter. Ich muss was mit dir besprechen!«
Wie immer rief ihre Ma auf Englisch, denn das war Allison Blaus Muttersprache. Obwohl sie seit zwölf Jahren in Deutschland lebte, redete sie mit ihrer Familie ausschließlich englisch. Pia war das oft unangenehm. Denn es zog die Aufmerksamkeit von anderen auf sie. Besonders schlimm war es, wenn Allison glaubte, dass niemand sie verstand: »Hast du dir heute auch eine frische Unterhose angezogen, Sweetie?« Oder: »Schau mal, die feine Dame da drüben hat einen Schnauzbart!« In solchen Situationen wollte Pia jedes Mal kilometerweit im Boden versinken. Ihre Mutter hingegen kicherte nur umso vergnügter, weil sie es mal wieder geschafft hatte, dass ihre Tochter so niedlich rot wurde.
»Halloooo!«, rief es erneut von unten. »Bitte komm doch mal. Es ist wirklich wichtig!«
»Jaaa«, jaulte Pia und begab sich widerwillig auf den Weg. Sie befürchtete, dass es wieder irgendeine Aufgabe war, die sie von ihrem Chat mit den Sandmöven abhielt.
Die Blaus bewohnten seit einem halben Jahr ein kleines Reihenhaus im Süden Leipzigs. Ihre Schlafzimmer befanden sich mit einem Bad im ersten Stock, und eine Etage darüber lag Karsten Blaus Arbeitszimmer. Für Pia war der Zugang strengstens verboten, denn ihr Vater hatte den Raum mit unzähligen Computern und Geräten verkabelt, an denen er als Programmierer und Computerfachmann arbeitete.
Unten im Erdgeschoss befanden sich Küche und Wohnzimmer, die ineinander übergingen, sowie eine Gästetoilette. Es war kein großes Haus, aber für Pias Eltern absoluter Luxus, da beide mit ihren Berufen nicht viel und nur unregelmäßig verdienten.
Dass es den Blaus Anfang des Jahres möglich war, von der kleinen Altbauwohnung im Stadtzentrum in ihr eigenes Heim zu ziehen, verdankten sie Pias Großmutter Maple. Die lebte in Amerika und hatte ihrer Tochter im letzten Jahr etwas Geld geschenkt.
»Hör mal, Pia …«, empfing ihre Mutter sie in der Küche und schob sich dabei eine ihrer dunklen Korkenzieherlocken hinters Ohr.
Anstatt Allisons dichter Mähne hatte Pia das glatte, blonde Haar ihres Vaters geerbt. Es war ihr gar nicht unlieb, denn so fiel sie deutlich weniger auf.
»Du, Sweetie, es hat sich kurzfristig etwas ergeben.« Allison wies ihr einen der Barhocker an der Küchentheke zu, was Pia in sofortige Alarmbereitschaft versetzte. Sonst zeigte ihre Mutter eher in Richtung Spülmaschine oder Wohnzimmertisch, wo seit Stunden Pias Aufgaben warteten. Zudem deuteten das Wort kurzfristig und Allisons gerunzelte Stirn auf unerwünschte Überraschungen hin.
»Granny hat heute Nacht angerufen.«
Granny bedeutete auf Englisch Großmutter und bezeichnete damit Allisons Mutter, die 9168 Kilometer weit weg im Westen von Amerika wohnte. Die Stadt hieß San Francisco und es führte eine gigantische, rote Brücke zu ihr. Pia besaß mehrere Postkarten davon.
Oma Maple betrieb in San Francisco einen Keksladen, der Tasty Cookies hieß. Köstliche Kekse also. Jedes Jahr zu Weihnachten brachte sie kiloweise davon nach Leipzig mit, und Pia schlug sich den Bauch so voll, dass sie am Ende nur noch in der Gegend herumkugelte. Überhaupt liebte Pia ihre amerikanische Oma. Denn es gab nichts, über das man mit ihr nicht sprechen konnte. Einzige Bedingung war, dass stets ein leckerer Keks und eine Tasse heiße Schokolade dazu gereicht werden mussten. Und natürlich unterhielten sie sich nur auf Englisch, da es die einzige Sprache war, die ihre Großmutter verstand.
»Granny hat für Papa einen unglaublichen Job an Land gezogen. Er soll ein supermodernes Haus mit seiner elektronischen Einrichtung fertigstellen. Sie brauchen dringend einen Fachmann und bezahlen richtig gut.«
»Was? Wann denn? Wo?«, fragte Pia.
»In San Francisco. Granny kennt den Inhaber des Hauses. Er hat Karsten gerade einen Vertrag geschickt.«
»Und?« Pia verstand nicht, was ihre Mutter damit sagen wollte. Das waren doch lauter gute Nachrichten und kein Grund, die Stirn in ein Wellenmeer zu verwandeln.
»Na ja, also …«, stammelte Allison und lehnte sich zu Pia vor, um ihre Hände zu streicheln. »Das heißt, dass wir dieses Jahr nicht an die Ostsee können, Sweetie, sondern nach San Francisco zu Granny fliegen.«
»Waaaas???« Pia sprang von ihrem Hocker. »Das ist jetzt nicht euer Ernst, oder?«
Aber das war es. Ihre Eltern hatten – wie sich herausstellte –, ohne lange nachzudenken, sofort zugesagt.
»Es ist eine unglaubliche Chance für Papa. Und auch für uns. Du weißt doch, dass wir mit dem Geld immer superknapp sind. Außerdem würden wir damit endlich alle zusammen zu Granny kommen. Du warst doch noch nie da!«
Was ihre Mutter darüber hinaus sagte, hörte Pia nicht mehr, denn sie rannte, so schnell sie konnte, die Treppe hoch und schlug aufgebracht ihre Zimmertür zu. So laut, dass es garantiert die Nachbarn drei Häuser weiter hörten. Verzweifelt warf sie sich aufs Bett und schrie ihre ganze Empörung hinein, gefolgt von Verwünschungen gegen ihre Eltern.
»Ich hasse euch! Ihr kriegt mich nicht da hin! Ich fahre an die Ostsee! Das sind meine Ferien!«
Das Abendessen fiel an diesem Abend aus. Dafür verbrachten Karsten und Allison die Zeit vor Pias Zimmer und redeten durch die verschlossene Tür auf sie ein: »Jede Wette, es wird dir dort gefallen?«
»In einer Stadt kann man keinen Urlaub machen!«, widersprach Pia.
»Du lernst da bestimmt schnell jemand Nettes kennen. Außerdem hast du doch noch uns und Granny.«
»Das reicht nicht.«
»Wir bleiben doch nur vier Wochen. Danach können wir immer noch vierzehn Tage an die Ostsee«, gab ihr Vater zu bedenken. »Du musst dann auch keine Wanderung mitmachen. Versprochen!«
»Ja, du kriegst die ganze Zeit rund um die Uhr nur für dich und deine Sandmöven«, bestätigte ihre Mutter.
Dieses Versprechen ließ Pia sich schriftlich geben. Unter der Zimmertür hindurch kam es mit den Unterschriften ihrer Eltern zurück und Pia sandte auf der Stelle ein Foto davon an ihre Freunde.
Kein Wunder, dass die Reaktionen der Sandmöven ebenso fassungslos ausfielen wie ihre eigene.
Was? Das können die doch nicht machen!
Oh nein, ohne dich geht nicht!
Versuch früher zu kommen. Bitte, ja?!
Pia versprach es, wenngleich sie keine wirkliche Chance für eine vorgezogene Rückkehr sah. Stattdessen erwartete sie das Ungewisse. Eine fremde Stadt auf der anderen Seite der Weltkugel, in der sie niemanden kannte.
Es machte ihr...




