Reska | Die Todesfahrt der "Advance" im ewigen Eise | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, 486 Seiten

Reska Die Todesfahrt der "Advance" im ewigen Eise

Illustrierte Ausgabe von E. K. Kane's berühmte Grinnell-Nordpolexpedition (RMS Titanic Vorgänger)
Verbesserte Ausgabe
ISBN: 978-80-7484-168-2
Verlag: e-artnow
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Illustrierte Ausgabe von E. K. Kane's berühmte Grinnell-Nordpolexpedition (RMS Titanic Vorgänger)

E-Book, Deutsch, 486 Seiten

ISBN: 978-80-7484-168-2
Verlag: e-artnow
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Dieses eBook: 'Die Todesfahrt der 'Advance' im ewigen Eise' ist mit einem detaillierten und dynamischen Inhaltsverzeichnis versehen und wurde sorgfältig korrekturgelesen. Es handelt sich um eine überarbeitete Fassung der Schilderung der sog. 2. Grinnell-Expedition (1853-1855) mit der Brigg 'Advance' unter Leitung des amerikanischen Wissenschaftlers und Arztes Elisha Kent Kane (begleitet u.a. von Isaac Hayes); Ziel der Unternehmung war u.a. die Klärung des Schicksals der Franklin-Expedition. Inhalt: Vorwort Dem eisigen Norden entgegen Glückliche Fahrt Ins Eis verschlagen Die verlorene Hoffnung Die Winternacht kommt Not und Krankheit Besuch von Eskimos Zwischen Tod und Leben Dr. Hayes Expedition Eine Bärenjagd Die Expedition trennt sich Unsere Freunde - die Eskimos Die Rückkehr der Abtrünnigen Not und Verzweiflung Letzter Versuch Wir verlassen das Schiff Abschied von den Eskimos Heimkehr Müdemannsruh Nachwort Elisha Kent Kane (1820 - 1857) war ein US-amerikanischer Forscher, Entdecker und Arzt. Von 1853 bis 1855 leitete er die von Henry Grinnell finanzierte Expedition zur Auffindung des verschollenen John Franklin (sogenannte '2. Grinnell-Expedition'), nachdem er schon die erste erfolglose Grinnell-Expedition als Oberarzt begleitet hatte. Die Suchaktion verlief - wie sämtliche andere der zahlreichen zur Rettung Franklins gestarteten Expeditionen Mitte des 19. Jahrhunderts - erfolglos, trug aber wesentlich zur Erforschung der kanadischen und grönländischen Arktis bei.

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Ins Eis verschlagen



Am Vormittag des 5. August passierten wir die von John Roß so getauften Karmoisinklippen, benannt nach dem auf ihnen lagernden roten Schnee, der aus der Ferne deutlich zu erkennen war. Alle mit Schnee bedeckten Stellen zeigten eine tiefe Rosafarbe, die vielleicht in Karmoisin übergeht, wenn die Schneelager sich weiter ausbreiten. In der Nacht passierten wir die Wolftenholm-und Saundersinseln. Wir hatten einen prächtigen Tag; das Schiff mit Segeln dicht besetzt, offenes Wasser vor uns, näherten wir uns schnell dem Schauplatz unserer Arbeiten. Am nächsten Tage erreichten wir die Insel Hakluyt mit ihrer merkwürdigen schlanken Felsenspitzsäule, die sich 600 Fuß über den Wasserspiegel erhebt und auf viele Meilen in der Runde eine ausgezeichnete Landmarke abgibt. Es war uns bestimmt, noch sehr vertraut mit ihr zu werden, bevor wir die Regionen des hohen Nordens verlassen konnten.

Kap Alexander und Kap Isabella, die Torsäulen von Smithssund, lagen nun vor uns. Die Gegend ist nicht sehr einladend: im Westen schwerer Schnee, gleichförmig bis zum Wasserspiegel herab, rechts eine Reihe von Klippen, die vermöge ihrer Großartigkeit als Eingangspforte für den stolzesten Hafen des Südens passen würden. Einige ihrer steilen Abstürze mögen 800 Fuß Höhe haben; selbst die Seeleute waren ergriffen, während wir in ihrem schwarzen Schatten dahinfuhren.

Am 7. August ließen wir Kap Alexander südlich und erreichten die Littletoninsel, hinter der sich Kap Hatherton verbirgt, der äußerste vor uns genau bestimmte Punkt dieses Sundes.

Während wir an der Littletoninsel vorüberkamen, sah ich vom Mastkorb aus leider den ominösen Eisblink im Norden. Der Wind war seit ein paar Tagen aus Norden gekommen; und wenn er anhielt, mußte er uns die Eisfelder über den Hals bringen. Es wurde nun wichtig, daß wir uns einen Rückzugspunkt sicherten, um im unglücklichen Falle nicht völlig hilflos dazustehen. Zudem hatten wir einen Punkt erreicht, wo die, welche uns etwa folgen sollten, anfangen würden, sich nach deutlichen Spuren umzusehen. Ich beschloß, auf der Littletoninsel einen Steinkegel zu errichten und an einem passenden Platz in der Nähe ein Vorratsdepot anzulegen. Entbehren allerdings konnten wir nur das metallene Rettungsboot, das nicht über 20 Fuß lang war, so daß wir zwanzig Mann kaum mit einigen Tagesrationen darin Platz gefunden hätten; doch vermöge seiner Luftkammern war es wenigstens sehr tragfähig. Wir trafen eine Auswahl von Lebensmitteln und anderen Dingen, die wir günstigsten Falles glaubten entbehren zu können. Der Platz für diese Niederlage mußte notwendig auf dem Festlande gesucht werden, da die Insel durch Strömungen und Eis für eine Expeditionstruppe leicht unzugänglich werden konnte. Wir fanden einen solchen in Südsüdost vor Kap Hatherton, das sich in der Ferne aus dem Nebel reckte. Hier begruben wir unser kleines Boot mit seinem Inhalt; umgaben es mit den schwersten Felsblöcken, die wir bewältigen konnten; füllten die Zwischenräume mit kleineren Brocken, mit Stubben von Moos und Heidekraut, und schütteten Sand und Wasser dazwischen, Das Ganze fror sofort in eine feste Masse zusammen, die, wie wir hofften, den Klauen der Eisbären würde widerstehen können.

Zu unserer Verblüffung stellten wir fest, daß wir nicht die ersten menschlichen Wesen waren, die in dieser grauenhaft trostlosen Gegend eine Zuflucht gesucht hatten. Denn einige zerstreute Ueberreste von Gemäuer bewiesen, daß hier einst eine rohe Ansiedlung bestanden hatte; und unter einem kleinen Steinhügel, den wir zur Ueberbauung unserer Vorratskammer mit verwandten, fanden wir die sterblichen Ueberreste der früheren Bewohner. Nichts kann trauriger und unheimlicher sein als solche Denkmäler erloschenen Lebens. Kaum eine Spur von Pflanzenleben war an den nackten, vom Eis gescheuerten Felsen zu erkennen, und die Hütten glichen so vollkommen den übrigen Felsbruchstücken, daß kaum eins vom andern zu unterscheiden war.

Dennysons Denkmal

Walroßknochen lagen in allen Richtungen umher, so daß dies Tier das hauptsächlichste Subsistenzmittel geliefert haben mußte. Auch einige Ueberbleibsel vom Fuchs und Narwal zeigten sich; aber keine Spur von Seehund und Renntier.

Von einem Grabe nahm ich verschiedene roh bearbeitete und durchlöcherte Stücke von Walroßzahn, augenscheinlich Teile von Schlitten und Speeren. Holz muß bei ihnen eine große Seltenheit gewesen sein. Wir fanden z. B. einen Kinderspeer, der, obwohl sauber gespitzt mit Walroßzahn, nur einen aus vier Stückchen zusammengeflickten Holzschaft hatte. Die Verbindung war sehr sorgfältig durch Riemen bewirkt. In der Umgegend trafen wir noch auf andere Spuren von Eskimos: Hütten, Gräber, Vorratsräume mit Fuchsfallen aus Felsstücken. Sie waren augenscheinlich sehr alt, aber so wohl erhalten, daß sich nicht sagen ließ, ob sie vor fünfzig oder hundert Jahren verlassen worden.

Nach Bergung unserer Vorräte gingen wir daran, ein Signal zu errichten und an ihm Nachrichten von uns niederzulegen. Wir wählten hierzu die westliche Spitze der Littletoninsel, da diese mehr in die Augen springt als Kap Hatherton. Es wurde ein Steinkegel errichtet, ein Flaggenstock in eine Felsspalte getrieben und mit dreimaligem Hurra die amerikanische Flagge gegrüßt, wie sie sich im eisigen Hauch des Nordens entfaltete. Erleichterteren Herzens bestiegen wir am frühen Morgen des 7. August die Brigg wieder und kreuzten gegen Winde und Strömungen gen Norden.

Das am Himmel als Reflex gesehene Eis zeigte sich bald leibhaftig: noch nicht zwei Stunden später stießen wir westlich auf schweres, mehrere Winter altes Packeis. Anfangs drangen wir noch durch loses Stromeis vor; doch bald, etwa vierzig englische Meilen von unserm heutigen Ausgangspunkt, wurde das Weiterkommen unmöglich: ein dichter Nebel lagerte sich um uns, und hilflos wurden wir gegen Osten getrieben. Es schien sicher, daß wir auf die grönländische Küste getrieben würden; doch eine zurückschlagende Brandung erlöste uns für den Augenblick von einem unmittelbaren Zusammenstoß. Es gelang, ein Tau nach dem Felsen zu bringen und uns in eine schützende Nische zu bugsieren. Am Abend wagte ich mich bei veränderter Strömung wieder hinaus, und wir bestanden einen erneuten, jedoch nutzlosen Kampf. Die Flut drängte jetzt den südwärts treibenden Eisflarden entgegen und warf sie mit solcher Wucht an die Küste, daß selbst kleine Eisberge mitgerissen wurden. Wir waren froh, nach mehrstündigem Kampf ein neues Asyl zu finden: eine schöne Bucht mit dem Eingang nach Norden, wo wir unser Schiff an den Felsen festankerten und ein Tau nach dem schmalen Ausgang hinzogen. Wir nannten diesen Ort anfangs Nebelinsel, später in dankbarer Rückerinnerung Zufluchtshafen.

Eisbarrikade

Zu unsern kleinen Leiden gehörte, daß wir mehr als fünfzig Hunde an Bord hatten, von denen die Mehrzahl reißende Wölfe genannt werden könnte. Diese Gesellschaft, von deren Ausdauer unsere Erfolge abhingen, mit Futter zu versorgen, war keine leichte Aufgabe. Der Mangel an Küsteneis in der Baffinsbai war Ursache, daß wir mit unseren Gewehren nichts schaffen konnten; unsere zwei Bären vermochten das Leben der Vielfraße nur acht Tage zu fristen. Ich wußte sie, mit zwei Pfund Fleisch jeden andern Tag, auf das Aeußerste setzen. Salzfleisch nämlich hätte sie umgebracht. Wir zogen daher an jenem Morgen aus, um Walrosse zu jagen, von denen die Bucht wimmelte. Wirklich trafen wir auf mindestens fünfzig dieser unheimlichen Ungeheuer und kamen manchen Gruppen bis auf zwanzig Schritt nahe. Doch unsere Kugeln prallten von ihrer dicken Haut völlig wirkungslos ab, und auf Harpunenweite konnten wir keinem einzigen nahekommen. Im Laufe des Tages jedoch entdeckte einer meiner Leute, als er einen Hügel erstieg, um nach der See auszuschauen, einen toten Narwal. Dieser Fund verschaffte uns für die Hunde wenigstens 600 Pfund gutes gesundes Stinkfleisch. Das Tier war vierzehn Fuß, sein Horn vier Fuß lang. Wir machten Feuer und brieten den Speck aus, der reichlich zwei Fässer Tran gab.

Während wir unsern Narwal an Bord hißten, sprang der Wind nach Südwest um, und das Eis begann rasch wieder dem Norden zuzutreiben. Dies deutete wenigstens darauf hin, daß nördlich kein großes Hindernis, sondern eher weite Flächen offenen Wassers oder loses Eis zu erwarten sein dürfte. Doch die Stellungen der Eisfelder an unserer Ostseite waren derart, daß an kein Herauskommen zu denken war. An der Küste schoben sich Eisbarrikaden zusammen, deren eine höher als 60 Fuß emporstieg. Dabei war der ganze Sund, soweit das Auge reichte, in wilder Aufregung.

Am folgenden Morgen kam wieder frischer Wind aus Südwest und bewirkte eine so deutliche Erschlaffung in dem Kampfe zwischen Eis und Wasser, daß ich einen Fluchtversuch aus unserer Bucht zu wagen beschloß. Wir schleppten das Schiff heraus, bedeckten es mit Segeln und bohrten uns in das Treibeis ein.

Ich beschreibe nicht im Einzelnen unsere Anstrengungen, durch die Eisfelder hindurch die See zu gewinnen. Jedes Manöver hatte seine besonderen Zufälle, doch alle waren gleicherweise erfolglos. Am Abend dieses Tages voll Kampf und Gefahren lagen wir dicht an der Landspitze, welcher ich den Namen »Cornelius Grinnells Kap« gegeben; doch getrennt vom Lande durch eine Eisbarriere, unser Schiff an einem Eisberg verankert.

Das Wasser um uns ist so flach, daß wir bei Ebbe nur zwölf Fuß Tiefe haben. Große, vom Eis abgeschliffene Felsmassen ragen überall heraus, und...



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