Reynolds | The Summer of Lost Letters | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 464 Seiten

Reynolds The Summer of Lost Letters

Wunderschöne Sommer-Liebesgeschichte
22001. Auflage 2022
ISBN: 978-3-646-93657-5
Verlag: Carlsen
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Wunderschöne Sommer-Liebesgeschichte

E-Book, Deutsch, 464 Seiten

ISBN: 978-3-646-93657-5
Verlag: Carlsen
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Abbys Sommerferien drohen eine echte Katastrophe zu werden: Ihr erster Freund hat mit ihr Schluss gemacht und ihre Freundinnen sind alle irgendwo in der Welt unterwegs. Doch dann stößt Abby auf eine Kiste mit alten Liebesbriefen an ihre gerade verstorbene Großmutter. Kurzentschlossen reist sie auf die Insel Nantucket, von wo die Briefe vor langer Zeit abgeschickt wurden - und erlebt den Sommer ihres Lebens. Denn schon bald trifft sie hier auf Noah, den charmanten Enkel des Briefeschreibers - und interessiert sich plötzlich für sehr viel mehr als nur für ihre Familiengeschichte ... 

Hannah Reynolds lebt in Cambridge, Massachusetts, wo sie auch aufgewachsen ist.?Unter dem Pseudonym Allison Parr?veröffentlichte?sie bereits?einige?Bücher?für Erwachsene.? »The Summer of Lost Letters« ist ihr erstes Buch, das in Deutschland erscheint. Neben der Literatur?hat?Hannah Reynolds?eine Schwäche für Desserts.
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2.


DIE FÄHRE durchschnitt den Atlantik mit Hochgeschwindigkeit. Ich legte den Kopf in den Nacken, genoss die Sonnenstrahlen, die sich über meine Haut ergossen und die Rückseite meiner Augenlider rot-golden färbten. Salziger Wind spielte mit meinem Haar und peitschte mir einzelne Strähnen in den Mund. Eine helle, azurblaue Welt umgab mich, nichts als endloser Ozean und wolkenloser Himmel.

Ein kleines Geständnis: Mom hatte recht. Ich lief vor Dingen davon.

Eine Gewohnheit, die schwer abzulegen war, wenn doch das Gefühl, unterwegs zu sein, mich glücklicher machte als alles andere. Ich hatte kein Problem damit, etwas hinter mir zu lassen – denn das bedeutete: keine Altlasten, aber auch keinerlei Erwartungen. Die Welt um mich herum war voller Potenzial, so vieles war möglich. Ich konnte neu anfangen. Alles konnte passieren. Irgendetwas würde passieren.

Im besten Fall etwas, das mich von Matt ablenken würde.

Rückblickend hätte mich seine Entscheidung, Schluss zu machen, nicht überrumpeln sollen. »Ich muss mich jetzt konzentrieren, verstehst du?«, hatte er am letzten Tag der Winterferien im Februar gesagt, als wir Burrito Bowls essen waren. »Harvard ist echt wählerisch, besonders bei Bewerbern, die aus demselben Bundesstaat kommen. Die Verantwortlichen wollen eine möglichst breit gefächerte Studentenschaft, nehmen also lieber Kandidaten aus Kansas oder so.«

»Aus Kansas.« Zwei Sekunden zuvor hatten wir noch überlegt, wann wir uns den neuesten Blockbuster im Kino ansehen sollten. Nun beobachtete ich Matt dabei, wie er sich Reis und Bohnen in den Mund schaufelte, während meine eigene Portion mir wie Blei im Magen lag. Er beendete unsere Beziehung – wegen irgendwelcher intellektueller Überflieger aus Kansas?

»Und ich muss mehr interessante Sachen machen, wie zum Beispiel das Praktikum bei diesem Start-up. Ich habe keine Zeit für Mädchen. Ich mag dich«, sagte er, der einzige Junge, der mich je oben ohne gesehen hatte. »Aber … du weißt schon.«

Ich hatte geglaubt, wir würden eines Tages heiraten. Auch wenn ich von der Ehe als Institution eher wenig hielt, hatte ich mir uns beide dennoch unter einem weißen Traubaldachin vorgestellt. »Na, du klingst entschieden.«

Er nickte und deutete dann auf die restlichen Chips auf meinem Teller. »Willst du die noch?«

»Nur zu.« Ich schob sie zu ihm hinüber. »Tja, prima, also dann – ähm, danke fürs Bescheidgeben. Wir sehen uns morgen in Psychologie.«

Er sprach mit vollem Mund: »Du musst nicht gehen. Wir können darüber reden, wenn du magst.«

»Worüber genau sollen wir reden?« Schweißperlen sammelten sich auf meiner Stirn. Mir war nicht einmal bewusst gewesen, dass ich dort schwitzen konnte. »Du hast eine Entscheidung getroffen. Schön für dich, ich bin froh, dass du dich selbst gut genug kennst, um dir sicher zu sein, dass du nicht mit mir zusammen sein möchtest. Großartig. Ich will auch nicht mit jemandem zusammen sein, der nicht mit mir zusammen sein will, von daher … sind wir nicht mehr zusammen. Ciao.« Ich rutschte linkisch aus der Sitznische und stolzierte so würdevoll davon, wie ich es nur zustande brachte.

Vielleicht war Stolz doch vererblich.

Ein Schiffshorn ertönte, und andere Leute gesellten sich eilig zu mir an die Reling. Am Horizont war ein Streifen Land in Sicht gekommen, und schon bald ließen sich verschwommene Details ausmachen: winzige graue Häuser, massenweise grüne Bäumen, die Spitzen von Kirchtürmen. Unsere Fähre umkurvte eine sandige Landzunge, auf der ein gedrungener Leuchtturm thronte, und lief dann in einen malerischen Hafen ein – so schön, dass es fast wehtat. Dutzende unterschiedlicher Boote schaukelten auf dem Wasser und Robben wärmten sich auf den hölzernen Stegen. Über uns schrien die Möwen, segelten durch den blauen Himmel, der inzwischen mit Wattebauschwölkchen getüpfelt war. Die ersten Passagiere machten sich zum Landgang bereit.

Nantucket. Sommerdomizil einiger der reichsten Bürger Amerikas. Mein Zuhause für die nächsten paar Monate.

Der Strom meiner Mitreisenden schwemmte mich auf den Kai, der nahtlos in die gepflasterten Straßen des Stadtzentrums überging. Laubbäume säumten die Bürgersteige und amerikanische Flaggen wehten rechts und links. Kleiderboutiquen und Eisdielen reihten sich aneinander, und die Menschen, die durch den idyllischen Stadtkern schlenderten, wirkten sonnenverwöhnt und glücklich.

Ich umklammerte fest den Griff meines Rollkoffers, während ich ihn an gut gekleideten Schaufensterpuppen und nautischem Nippes vorbeizog, unter handbemalten Schildern hindurch, die an Auslegern hin- und herschwangen. Nantucket erschien mir wie die EPCOT-Version Amerikas, großartig und grotesk zugleich. Ich war Alice im Kaninchenloch, Lucy auf der anderen Seite des Wandschranks, Dorothy nicht mehr in Kansas. Ich hatte die Insel gegoogelt, doch das hatte mich kaum wirklich auf all das hier vorbereitet.

Erfahren hatte ich allerdings einiges über die allgemeine Geschichte Nantuckets: Nachdem die Wampanoag hier zuerst gesiedelt hatten, war die Bevölkerung im frühen 17. Jahrhundert sprunghaft angewachsen, als die Einwohner Massachusetts’ vor Krankheiten und militärischen Übergriffen vom Festland auf die sichere Insel flohen. Die Briten folgten ihnen jedoch kurze Zeit später, und bis in die 1760er-Jahre rafften Seuchen den Großteil der Wampanoag auf der Insel dahin. Dann kamen die Quäker, danach die Walfangflotten, daraufhin die Reichen, die blieben und sich Nantucket zu eigen machten.

Geschichte hatte mich schon immer begeistert, doch mir war erst vor einem knappen Jahr klar geworden, dass man so etwas auch studieren konnte. Das schien mir zu einfach, es kam mir geradezu verboten vor. Im Sinne von: Ich konnte in die Uni gehen und dort einfach Geschichten lesen von Menschen aus der Vergangenheit? Das war irre. Ich tat buchstäblich nichts lieber, als mich in Wikipedia-Artikel über vergangene Hochkulturen und Herrscherinnen und die Belle Époque zu vergraben. Ich hatte sämtliche Werke von Stacy Schiff und Erik Larson gelesen. Die Vorstellung, einen Bewerbungsaufsatz zu schreiben, reizte mich allen Ernstes, sofern das bedeutete, dass ich meine Familiengeschichte zum Thema machen konnte.

Also – falls ich denn etwas herausfand, worüber es sich zu schreiben lohnte.

Mit einem Auge auf die Wegbeschreibung in meinem Handy bog ich an einem prächtigen Herrenhaus aus Backstein ab und ging immer schmalere Straßen entlang, bis ich eine enge Gasse erreichte. Entlang der einen Straßenseite drängten sich grau geschindelte Häuser aneinander, umgeben von kleinen Rasenflächen und Rosenbüschen. Eine urtümliche Küstenatmosphäre umwehte diese verwitterten Häuschen mit ihren amerikanischen Flaggen und den Schildern im Vorgarten, auf denen All You Need Is Love And The Beach oder Home Is Where The Beach Is stand.

Ich blieb an einem Haus mit einer Holzplakette stehen, auf der der Name Arrowwood Cottage prangte. Winzige weiße Blüten waren in die Ecke geschnitzt. Ich hievte meinen Koffer die drei Stufen zur Eingangstür hinauf, atmete tief durch und drückte auf den Klingelknopf.

Eine ältere Frau öffnete; sie trug eine weich fließende violette Tunika und das silbergraue Haar zu einem Bob geschnitten. Mundgeblasene runde Glasohrringe baumelten von ihren Ohrläppchen. »Hallo.«

»Hi. Mrs Henderson?« Ich hatte ihre Nichte – Moms Kollegin – einige Male getroffen, als Mom mich zu irgendwelchen Collegeveranstaltungen mitgeschleppt hatte. Die vage vertrauten Züge der Frau, die nun vor mir stand, nahmen mir ein wenig meine Befangenheit. »Ich bin Abby Schoenberg.«

»Aber natürlich. Bist du gerade angekommen?«

»Jep. Ja. Mit der Fähre aus Hyannis. Meine Eltern haben mich hingebracht.« Ich folgte ihr ins Haus. Links lag die Küche, offen und luftig; rechts erhaschte ich einen Blick auf ein Wohnzimmer mit Regalen voller Bücher. Ein Golden Retriever sprang vom Teppich auf, bellte scharf und stellte die Schlappohren. Die Hündin hatte ein Fell wie gebräunte Butter, und die langen, schlaksigen Beine verrieten mir, dass sie noch nicht ausgewachsen sein konnte.

»Das ist Ellie Mae«, sagte Mrs Henderson. »Komm schon, Ellie, das ist eine Freundin.«

Die Hündin bellte noch einmal, trottete dann auf mich zu und schob ihre Nase in meinen Schritt. Ich beugte mich schützend vornüber und umfasste ihren schmalen Kopf. Sie hatte sanfte Augen und weiche Fellbüschel hinter den Ohren und an den Achseln. »Hi, mein Mädchen.«

Ellie Mae leckte mir über das Gesicht und hauchte mir ihren fürchterlichen Hundeatem entgegen.

Mrs Henderson lachte. »Sie ist der miserabelste Wachhund der Welt.«

Ich hatte schon viele miserabelste Wachhunde der Welt getroffen und liebte sie alle. »Wie alt ist sie?«

»Achtzehn Monate. Magst du Hunde?«

»Ich liebe sie abgöttisch. Meine Großmutter hat einen Beagle.« Dads Mom überschüttete ihren Hund sogar mit noch mehr Zuneigung als mich und meinen Bruder.

»Ich habe schon immer Golden Retriever, aber eine gute Freundin von mir hält Jagdhunde. Die solltest du mal beim Vorstehen erleben.« Sie lächelte zärtlich und winkte mich dann weiter. »Ich führe dich herum.«

Ellie Mae trottete uns treu hinterher, während Mrs Henderson mir das Haus zeigte. Neben Küche und Wohnzimmer gab es im Erdgeschoss ein Esszimmer und ein Büro, das auf einen eingezäunten Garten hinausging. Im ersten Stock gewährte sie mir einen...



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