E-Book, Deutsch, Band 092013, 144 Seiten
Reihe: Julia
Rice Heiße Nacht, süßes Geständnis
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-95446-515-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 092013, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-95446-515-6
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Tess ist fassungslos. In der einen Minute wird sie von ihrem Ex verlassen, weil er behauptet, sie sei kalt und leidenschaftslos. Und in der anderen hat sie den heißesten Sex ihres Lebens. Mit einem Fremden! In einer Abstellkammer! Im Grunde könnte sie die Sache ad acta legen, wenn da nicht dieser eine Umstand wäre, den sie spätestens in neun Monaten nicht mehr verheimlichen kann. Wie wird der arrogante Unternehmer Nate Greystone wohl reagieren, wenn er davon erfährt?
Heidi Rice wurde in London geboren, wo sie auch heute lebt - mit ihren beiden Söhnen, die sich gern mal streiten, und ihrem glücklicherweise sehr geduldigen Ehemann, der sie unterstützt, wo er kann. Heidi liebt zwar England, verbringt aber auch alle zwei Jahre ein paar Wochen in den Staaten: Sie und ihre beste Freundin lassen dann Männer und Kinder zu Hause und fahren quer durch die nordamerikanische Landschaft. Besonders oft haben sie schon das Monument Valley, den Nantahala Forest, einen riesigen Nationalpark in North Carolina, die Hafenstadt St. Michaels in Maryland und New Orleans besucht. Heidi sieht gerne Filme (am liebsten isst sie dabei Schokolade); sie war auch zehn Jahre lang Filmkritikerin. Vor zwei Jahren beschloss sie allerdings, Romances zu schreiben und dadurch noch mehr Spannung in ihr Leben zu bringen. Irgendwann möchte sie noch lernen, wirklich gut französisch zu sprechen, immerhin hat die Familie ihres Ehemanns französische Wurzeln.
Autoren/Hrsg.
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1. KAPITEL
Tess Tremaine tippte zum Refrain von Like A Virgin mit der Fußspitze auf den glänzenden Granitboden im Empfangsbereich von Graystone Enterprises. Sie saß im achtunddreißigsten Stock eines beeindruckenden Wolkenkratzers im Zentrum von San Francisco und starrte auf die Milchglastür zu Nathaniel Graystones heiligen Hallen.
Die Anspannung lag ihr schwer wie Blei im Magen. Ähnlich wie an dem Tag vor mehr als zehn Jahren, als sie im Alter von nur fünfzehn mit grell lila gefärbten Haaren und Nasenring vor ihrem Vater stand, während dieser vor Wut kochte.
Zumindest waren inzwischen die purpurnen Dreadlocks und auch der Nasenring verschwunden. Ihre Haare glänzten in einem honigblonden Farbton und waren zu einem eleganten Knoten hochgesteckt. Allerdings hatte sich der wilde Kern von Tess Tremaines Persönlichkeit nicht so einfach in Luft aufgelöst.
Sie hatte sich zwar von schlechten Angewohnheiten und einer fragwürdigen Mode verabschiedet, aber im Innersten lauerte noch immer ein kleiner Wildfang auf der permanenten Suche nach Aufmerksamkeit. Eine radikal veränderte Garderobe und ein souveränes, seriöses Auftreten machten noch lange keinen vollkommen neuen Menschen aus ihr. Allerdings half es, wenn man eine Karriere als international gefragte freiberufliche Eventplanerin anstrebte.
Tess schlug die Beine übereinander und glättete nervös den Saum ihres schwarzen Bleistiftrocks. Dann klopfte sie wieder mit einem der hohen Absätze auf den Granitboden, was ihr einen strengen Blick aus den Augen der perfekt gestylten Empfangsdame einbrachte.
Das bleierne Gewicht in ihrer Magengegend wurde immer schwerer, während sie durch die Glaswand zu ihrer Rechten hinaus starrte, die einen schwindelerregenden Ausblick auf die berühmte Bay Bridge bot.
Zum ersten Mal seit dem denkwürdigen Tag im Arbeitszimmer ihres Vaters hatte sie keinen Schimmer, was sie als Nächstes tun sollte. Eine scharfe Zunge, harte Arbeit, ein völlig neues Erscheinungsbild … dieses Mal konnte nichts von alledem wiedergutmachen, was vor sechs Wochen bei der Galloway-Feier passiert war. Sicher, sie war emotional ziemlich aufgewühlt gewesen, sonst hätte sie sich von Graystones Annäherungsversuchen nicht so leicht beeindrucken lassen.
Unter normalen Umständen wäre sie von seinem offenkundigen Interesse zwar auch geschmeichelt gewesen, das hätte aber nichts an der kühlen, selbstbewussten Haltung geändert, mit der sie bei Anlässen wie diesem auftrat. Doch in jener Nacht war nichts normal gewesen.
Dan hatte ihr nach nur dreizehn Monaten den Laufpass gegeben, womit Tess überhaupt nicht gerechnet hatte. Er warf ihr vor, frigide zu sein. Das war nicht weit hergeholt, denn Sex mit Dan war ungefähr so aufregend, wie Farbe beim Trocknen zuzusehen. Trotzdem war Tess verwirrt, gekränkt und wütend gewesen. Es ging doch wohl nicht ausschließlich um Sex? Zählten Freundschaft und Gemeinsamkeiten denn gar nichts mehr?
Außerdem war Dans Timing denkbar ungünstig. Gleich, nachdem er die Bombe hatte platzen lassen, musste Tess abreisen, um eine der größten Bay Area-Veranstaltungen des Jahres mitzuorganisieren.
Aber ihr desolater seelischer Zustand entschuldigte auf keinen Fall, dass sie sich gleich nach ihrer Ankunft ein paar Gläser Champagner auf nüchternen Magen gegönnt hatte. Am meisten war sie jedoch von Graystones Testosteron berauscht gewesen, das aus jeder Pore seines Körpers zu strömen schien.
Sie hätte ihre Finger bei sich lassen und auf den anregenden Flirt mit ihm verzichten sollen, sie hätte ihn nicht noch ermutigen dürfen …
Seit er in seinem makellosen Smoking auf der Bildfläche erschienen war, zusammen mit seiner Entourage – bestehend aus männlichen und weiblichen Bewunderern –, strahlte er Macht, Autorität und eine unübersehbare potenzielle Gefahr aus. Es war sofort klar, dass er vermeintlich frigide kleine Partyplanerinnen wie Tess zum Frühstück verspeiste!
Leider hatte ihr rebellisches Ich zu schnell die Oberhand gewonnen. Sie hatte sich geradewegs herausgefordert gefühlt. Die wilde Seite ihrer Persönlichkeit, die sie seit ihrer Jugend mühsam unter Verschluss hielt, war plötzlich wieder zum Leben erwacht.
Tess’ Absatz stockte abrupt auf dem glatten Granitboden, als sie sich in Erinnerung rief, wie Graystone sie im Vorratsraum der Skyline-Küche von innen gegen die Tür gedrückt hatte. Dann hatte er sie mit beiden Händen hochgehoben, als würde sie nichts wiegen und …
Eine heiße Welle rauschte durch ihren Körper.
Jetzt nicht daran denken! ermahnte sie sich. Du steckst tief genug in Schwierigkeiten!
Zugegeben, dieser One-Night-Stand, wenn man es überhaupt so nennen konnte, war kurz, heiß und unfassbar sexy gewesen. So sexy, dass Tess anschließend erschöpft, müde und befriedigt den Raum verlassen hatte – und dabei sogar vergaß, ihren Slip mitzunehmen.
Dieser Umstand war ihr heute noch extrem unangenehm! Unglücklicherweise ließ sich diese kurze Episode mit Graystone nicht einfach ad acta legen. Kleine Schweißtropfen rannen ihren Hals entlang und verschwanden im Kragen ihrer Bluse, wenn sie an die bevorstehende Begegnung mit Nathaniel Graystone dachte – nachdem sie ihn wortlos hatte stehen lassen.
Mach dich jetzt nicht verrückt! sagte sie sich energisch und begann wieder, mit dem Schuh auf den Boden zu tippen. Den vielsagenden Blick der Empfangssekretärin ignorierte sie geflissentlich.
Vielleicht erinnert er sich gar nicht an mich? überlegte Tess. Er konnte bestimmt auf eine endlose Liste kurzfristiger Eroberungen zurückblicken, wahrscheinlich allein nach der Feier von Galloway. So viel Erotik, wie dieser Mann ausstrahlte …
Wer so viel Energie und Temperament besaß – und ein so vorzüglicher Liebhaber war –, konnte kein Amateur sein. Aber das durfte Tess jetzt nicht weiter beeindrucken. Sie hatte zwar Panik, ihn wiederzutreffen, aber eines hatte sie an dem Tag im Arbeitszimmer ihres alten Herrn gelernt, als dieser sie für immer aus seinem Leben verbannte. Vor seinen Fehlern konnte man nicht davonlaufen, man wurde irgendwann immer wieder von ihnen eingeholt.
Und wie auch immer Graystone reagieren würde, sie würde damit umgehen können. Hier ging es nicht um sie, jedenfalls nicht ausschließlich. Nicht mehr.
Die Sprechanlage auf dem Empfangstisch knisterte und erinnerte Tess an das bleierne Gefühl in ihrem Magen.
Mit spitzen Fingern drückte die unsympathische Sekretärin auf ein paar Knöpfe und wandte sich dann Tess zu. „Ich kann Mr Graystone nun fragen, ob er Zeit für Sie hat, Miss Tremaine“, verkündete sie in neutralem Ton. „Wenn Sie mir bitte mehr Details über Ihr Anliegen verraten würden?“
„Gut.“ Tess machte eine Pause und starrte angestrengt auf die Milchglasscheibe vor sich. Dann zwang sie sich zu einem Lächeln und sah die andere Frau direkt an. „Sagen Sie ihm, ich gehöre zu den Veranstaltern der Galloway-Feier am zwanzigsten Juli.“ Hoffentlich weckte das seine Erinnerung. „Ich muss ihn wegen einer persönlichen Angelegenheit sprechen.“
Die Sekretärin nickte kurz und gab diese Information pflichtbewusst weiter. Scheinbar ließ die Antwort auf sich warten, und Tess begann wieder zu schwitzen. Was, wenn er sie nicht sehen wollte? Was sollte sie dann tun?
Aber dann hörte sie, wie eine tiefe Männerstimme durch den Lautsprecher der Anlage dröhnte. Mit einem vertrauten amerikanischen Akzent. „Schicken Sie die Dame herein, Jenny! Und stellen Sie keine Anrufe durch!“
„Hi, Tess, was für eine Überraschung!“
Mit einem breiten Lächeln auf dem Gesicht kam Nathaniel Graystone über den dunkelblauen Teppich seines Büros auf sie zu.
Ihr klopfte das Herz bis zum Hals … und nicht nur dort!
„Eine große Überraschung“, fuhr er fort und wies mit einer Hand auf eine elegante Ledersitzgruppe in der Ecke des Raums.
Tess nahm Platz und rutschte umständlich auf dem weichen Leder hin und her. Dabei versuchte sie, ihren unruhigen Atem unter Kontrolle zu bringen. Sie war doch nicht darauf vorbereitet gewesen, ihn in Fleisch und Blut vor sich zu haben. Anstelle des schwarzen Smokings trug er nun ein blaues Seidenhemd und eine stahlgraue Anzughose, die seine schlanke Taille und den flachen Bauch betonte. Das schwarze Haar, von dem Tess wusste, wie weich es sich zwischen ihren Fingern anfühlte, stand in starkem Kontrast zu den leuchtend blauen Augen – die in diesem Moment spöttisch funkelten.
Er tat so, als würden Tess und er ein Geheimnis teilen. Zu Recht.
„Wem oder was habe ich dieses Vergnügen zu verdanken?“, fragte er und blickte sie herausfordernd an.
Sie dachte daran, wie sie sich zum ersten Mal an der überfüllten Bar des Skyline angesehen hatten. Schon nach der ersten Sekunde hatte Tess sich nicht mehr von ihm losreißen können.
Heute ging es ihr ähnlich. „Ich muss dich sprechen.“
Die angebliche Überraschung war ihm nicht mehr anzumerken, und sein Lächeln wurde noch selbstsicherer.
Ihre Nackenhaare stellten sich auf. Warum sollte er auch verwundert sein? Zweifellos liefen ihm die Frauen scharenweise hinterher und warfen sich ihm zu Füßen. Seine Überheblichkeit war eines der Dinge gewesen, die sie an ihm so unwiderstehlich gefunden hatte. Auch wenn sie selbst seit zehn Jahren hart daran arbeitete, ihr Schicksal in den eigenen Händen zu halten, hatte sie sich doch von Graystones Dominanz, seiner...




