E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Reihe: Julia Herzensbrecher
Rice Küssen erlaubt - Liebe verboten!
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7337-1504-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 144 Seiten
Reihe: Julia Herzensbrecher
ISBN: 978-3-7337-1504-5
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Nach seiner bitteren Scheidung lebt Jace nach dem Motto: Sex ja - Beziehung nein! Nur die Festtage will er mit der schönen Cassie verbringen, danach werden sie sich nicht wiedersehen. Aber der berühmte Regisseur hat die Rechnung ohne die Magie der Christnacht gemacht ...
Heidi Rice wurde in London geboren, wo sie auch heute lebt - mit ihren beiden Söhnen, die sich gern mal streiten, und ihrem glücklicherweise sehr geduldigen Ehemann, der sie unterstützt, wo er kann. Heidi liebt zwar England, verbringt aber auch alle zwei Jahre ein paar Wochen in den Staaten: Sie und ihre beste Freundin lassen dann Männer und Kinder zu Hause und fahren quer durch die nordamerikanische Landschaft. Besonders oft haben sie schon das Monument Valley, den Nantahala Forest, einen riesigen Nationalpark in North Carolina, die Hafenstadt St. Michaels in Maryland und New Orleans besucht. Heidi sieht gerne Filme (am liebsten isst sie dabei Schokolade); sie war auch zehn Jahre lang Filmkritikerin. Vor zwei Jahren beschloss sie allerdings, Romances zu schreiben und dadurch noch mehr Spannung in ihr Leben zu bringen. Irgendwann möchte sie noch lernen, wirklich gut französisch zu sprechen, immerhin hat die Familie ihres Ehemanns französische Wurzeln.
Autoren/Hrsg.
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1. KAPITEL
Wenn mein Liebesleben doch nur auch so perfekt wäre wie die Weihnachtsdekoration von Selfridges …
Cassie Fitzgerald betrachtete die überbordende Fülle von Weihnachtsglitzerzeug in der Auslage des berühmten Londoner Kaufhauses und seufzte sehnsuchtsvoll auf. Auf der Schulter einer gut gebauten männlichen Schaufensterpuppe im Smoking saß die Zuckerfee und war wie wild am Flirten. Ihre winzigen Flügel funkelten dabei im Licht der silbernen Schneeflockenlämpchen. Für einen Moment wurde es Cassie warm ums Herz. Wenigstens auf die Weihnachtsdekoration von Selfridges war noch Verlass. Hier zeigte sich das Fest der Liebe in seiner schönsten Pracht.
Sie riss sich zusammen. Okay, ihr Liebesleben war vielleicht nicht perfekt – genau genommen existierte es zurzeit gar nicht –, aber im Vergleich zum Vorjahr war das durchaus ein Fortschritt.
Beim Gedanken an das, was sie sich im Jahr zuvor an derselben Stelle zu Weihnachten gewünscht hatte, runzelte sie die Stirn. Ein Heiratsantrag von Lance, ihrem langjährigen Freund, war ihr sehnlichster Wunsch gewesen.
Cassie verzog angewidert das Gesicht, sodass ihre eiskalten Wangen schmerzten. Vor ihrem inneren Auge erschien wieder das Bild von Lance und Tracy. Auf dem Sofa in ihrer Wohnung. Als Nahaufnahme mit allen Details. Einen Monat nach dem Valentinstag, einen Monat nachdem er ihr den ersehnten Heiratsantrag gemacht und sie Ja gesagt hatte.
Der Schock von damals trieb ihr erneut die Röte ins Gesicht, gefolgt von Scham über ihre eigene Dummheit.
Welcher Teufel hatte sie damals eigentlich geritten, eine Niete wie Lance heiraten zu wollen?
Zweifelsohne war das einer der dümmsten Weihnachtswünsche gewesen, die sie je gehabt hatte. Dümmer noch als die Inlineskates, die sie sich mit acht gewünscht hatte – und die ein gebrochenes Handgelenk und vier Stunden in der Notaufnahme am ersten Weihnachtstag nach sich gezogen hatten. Die Ehe mit Lance wäre garantiert ein Fiasko geworden, aber romantisch veranlagt, wie sie nun einmal war, hatte sie über all seine Mängel hinweggesehen und sich eingeredet, dass er der Richtige sei.
Cassie zog die Schultern hoch, um sich vor dem eiskalten Wind zu schützen. Von nun an würde sie das Leben nicht mehr durch die rosa Brille sehen. Die machte sie nur blind für die Realität. Und auf einen Wunsch zu Weihnachten würde sie dieses Jahr auch verzichten – womöglich würde er sonst noch in Erfüllung gehen!
Das Dumme war nur, dass sie so am ersten Weihnachtstag allein aufwachen würde. Und davor graute ihr schon seit Tagen. Denn was gab es Schöneres, als aus dem Bett zu springen, sich eine Tasse Apfeltee mit Weihnachtsgewürzen aufzugießen und dann die Geschenke auszupacken, die liebevoll arrangiert unter dem Baum lagen? Allein machte das doch nur halb so viel Spaß.
Aber ihre beste Freundin Nessa hatte schon recht: besser allein als mit Lance dem Loser. Cassie wickelte den Mantel enger um sich und blickte verträumt auf die glitzernde Zuckerfee und ihren Schwarm. Nein, sie konnte sich wirklich glücklich schätzen, Lance noch einmal entwischt zu sein. Ihr Entschluss stand fest.
„Was du brauchst, ist ein Liebhaber. Ein richtiges Sahneschnittchen, nur so zum Spaßhaben. Damit du mal wieder merkst, dass du eine Frau bist. Dann würdest du dir auch nicht gleich wieder die nächste Null als Freund anlachen.“
Cassie musste lächeln, als sie an den Ratschlag dachte, den Nessa ihr morgens am Telefon mit auf den Weg gegeben hatte: „Vernaschen und verlassen.“ Was Sex betraf, beneidete Cassie ihre Freundin um ihre pragmatische Einstellung. Sie wünschte sich, dass auch sie es etwas lockerer damit nehmen könnte. Dann würde sie vielleicht einfach mal Spaß haben, ohne gleich mit einer Flasche wie Lance in einer Beziehung zu enden.
Cassie warf der Zuckerfee einen letzten Blick zu und schob sich durchs Gedränge zur U-Bahn-Station Bond Street. Hunderte Menschen strömten hektisch durch die Türen der Läden in der Oxford Street, wild entschlossen, schnell noch die letzten Weihnachtseinkäufe zu erledigen. An einer Querstraße blieb sie stehen. Während die Autos an ihr vorbeischossen, schloss sie fest die Augen und träumte für einen Moment von ihrem heißen Liebhaber. Muskulös und attraktiv musste er sein, und natürlich völlig verrückt nach ihr, bereit, alles für sie zu tun. Und nach Neujahr hätte er gefälligst wie von selbst aus ihrem Leben zu verschwinden. Sonst würde sie früher oder später nur wieder seine Socken im Badezimmer aufsammeln, das dreckige Geschirr abwaschen, das er stapelweise in der Spüle hinterlassen hatte, oder sich selbst davon zu überzeugen versuchen, dass sie ihn liebte.
Zum ersten Mal seit Monaten verspürte sie tief in sich wieder ein leichtes Prickeln der Erregung.
Doch ein dröhnender Automotor unterbrach den sinnlichen Genuss abrupt. Sie riss die Augen auf und kreischte erschrocken, als sie eine Flutwelle aus kaltem Wasser traf. Neben ihr zeterte ein älterer Herr: „So eine Frechheit!“, während eine Pfütze so groß wie der Atlantik zurück in die Gosse floss und ein schnittiger schwarzer Wagen an ihnen vorbeiglitt.
Cassie sog scharf die Luft ein. „Was zum …“
Dieser Mistkerl von Fahrer hatte nicht einmal angehalten!
Sie schulterte ihre Handtasche und starrte wütend auf den Wagen, der nur wenige Meter entfernt an der nächsten Kreuzung zum Stehen gekommen war. Ihre Hände ballten sich zu Fäusten.
Normalerweise hätte sie die Angelegenheit so auf sich beruhen lassen. Sie hätte es als Pech abgeschrieben und sich gesagt, dass der Fahrer es bestimmt nicht mit Absicht getan habe. Aber wie sie jetzt so dastand, inmitten von Menschen, die einen großen Bogen um sie machten und den riesigen nassen Fleck auf ihrem Lieblingsmantel anstarrten, als habe sie eine ansteckende Krankheit, fühlte sie, wie sich etwas in ihr Bahn brach. Etwas Neues. Etwas Befreiendes.
Egal, ob mit Absicht oder ohne – sie war völlig durchnässt! Ab jetzt würde sie nicht mehr einfach tatenlos zusehen, wenn das Leben mal wieder der Meinung war, sie ärgern zu müssen.
Sie bahnte sich einen Weg durchs Gewühl zu dem Wagen und klopfte energisch ans Beifahrerfenster. „Hey, Mister!“
Die getönte Scheibe glitt surrend nach unten. Schlagartig erwachte das warme Kribbeln in ihr zu neuem Leben, als sie den Fahrer erblickte. Er beugte sich zu ihr herüber und sah sie aus dem Halbdunkel des Wageninnern an. Sie blinzelte. Dunkles, nach hinten frisiertes Haar, darunter ein attraktives, geheimnisvolles Gesicht mit kräftigem Kinn und markanten Wangenknochen. Aus dem Wagen schlug ihr der Duft von Leder entgegen. Ein vages Gefühl durchzuckte sie – kannte sie diesen Mann?
„Was ist das Problem?“, fragte er leicht genervt.
Cassie spürte, wie ihr kaltes Wasser in die Stiefel lief. Ein unangenehmes Gefühl, das sie noch wütender machte und augenblicklich ihre Zunge löste.
„Sie sind das Problem! Sehen Sie nicht, was Sie mit mir gemacht haben?“ Sie breitete die Arme aus, um ihm das ganze Ausmaß der Katastrophe zu zeigen. Gleichzeitig kämpfte sie gegen das immer heißer werdende Kribbeln in sich an. Er mochte ein tolles Gesicht haben, aber seine Manieren waren unter aller Kanone.
Er fluchte leise. „Sind Sie sicher, dass ich das war?“
Hinter ihnen hupte es, und Cassie sah zur Ampel. Grün. „Klar bin ich sicher.“
Die Hupe ertönte erneut. Lauter und aggressiver dieses Mal.
„Ich kann hier nicht halten.“ Er lehnte sich zurück ins Dunkel und legte die Hand auf den Schaltknüppel.
Nicht mit mir, Freundchen! Du haust mir nicht einfach so ab und lässt mich hier in einer Pfütze stehen.
Sie riss die schwere Wagentür auf und setzte sich schwungvoll auf den Beifahrersitz.
„Hey!“, protestierte er, als sie die Tür hinter sich zuschlug. „Was zum …“
„Einfach weiterfahren, Sie Rosenkavalier.“ Sie funkelte ihn mit größtmöglicher Verachtung an. „Ihr mieses Benehmen diskutieren wir, wenn Sie irgendwo halten können.“
Seine dunklen Brauen zogen sich über dem durchdringenden Smaragdgrün seiner Augen zusammen. Ganz offensichtlich war er verärgert.
„Na toll.“ Er setzte den Blinker und schaltete in den ersten Gang. „Aber tropfen Sie mir nicht die Polster voll – das ist ein Mietwagen.“
Der Wagen fuhr an, und Cassie wurde plötzlich unerträglich heiß. Eine schwere Duftmischung aus Mann, Leder und feuchtem Samt umfing sie wie eine Wolke. Als sie aus dem Augenwinkel die glitzernden Lichterketten von Selfridges endgültig verschwinden sah, schlug ihr das Herz bis zum Hals. Das Adrenalin, das sie eben noch dazu getrieben hatte, mutig in das Auto zu springen, änderte nun seine Wirkung: Sämtliche Alarmglocken in ihr begannen zu schrillen.
Was tat sie hier eigentlich? Sie saß bei einem völlig Fremden im Auto, auf dem Weg nach wer weiß wohin. Eine glatte Zehn auf der Dämlichkeitsskala!
„Wissen Sie was? Vergessen Sie’s“, sagte sie und griff nach dem Türgriff.
Der Fahrer hielt in einer Haltebucht für Lieferfahrzeuge. „Dann war ich es also doch nicht.“
Der vorwurfsvolle Ton ließ Cassies Finger auf dem Griff erstarren. Unversehens verwandelte sich ihre rationale Abgeklärtheit in glühende Wut. „Natürlich waren Sie es!“ Sie starrte ihn an. „Wissen Sie eigentlich, dass Weihnachten ist? Wie wär’s, wenn Sie sich das ein bisschen zu Herzen nehmen und sich nicht so großkotzig aufführen würden?“
Das war wieder einmal...




