Rice | Schenk mir 1001 Liebesnacht! | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 092020, 144 Seiten

Reihe: Julia

Rice Schenk mir 1001 Liebesnacht!


1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-7337-1412-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

E-Book, Deutsch, Band 092020, 144 Seiten

Reihe: Julia

ISBN: 978-3-7337-1412-3
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Gerade noch rechtzeitig wird Kasia von Raif, dem Sohn des Scheichs, aus einem Sandsturm gerettet. Die erotische Anziehungskraft zwischen ihnen ist stärker als jede Vernunft. Willenlos vor Erregung schenkt Kasia dem Wüstenprinzen unter tausend Sternen ihre Unschuld. Ihr Schicksal scheint besiegelt. Nach Landestradition bedeutet das Heirat. Aber das ist für Kasia undenkbar! Überstürzt flieht sie nach England, wo Raif sie einige Monate später aufspürt. Sie wappnet sich gegen seinen Zorn, weil sie ihn verlassen hat. Aber er will nur eins: eine zweite Nacht ...



Heidi Rice wurde in London geboren, wo sie auch heute lebt - mit ihren beiden Söhnen, die sich gern mal streiten, und ihrem glücklicherweise sehr geduldigen Ehemann, der sie unterstützt, wo er kann. Heidi liebt zwar England, verbringt aber auch alle zwei Jahre ein paar Wochen in den Staaten: Sie und ihre beste Freundin lassen dann Männer und Kinder zu Hause und fahren quer durch die nordamerikanische Landschaft. Besonders oft haben sie schon das Monument Valley, den Nantahala Forest, einen riesigen Nationalpark in North Carolina, die Hafenstadt St. Michaels in Maryland und New Orleans besucht. Heidi sieht gerne Filme (am liebsten isst sie dabei Schokolade); sie war auch zehn Jahre lang Filmkritikerin. Vor zwei Jahren beschloss sie allerdings, Romances zu schreiben und dadurch noch mehr Spannung in ihr Leben zu bringen. Irgendwann möchte sie noch lernen, wirklich gut französisch zu sprechen, immerhin hat die Familie ihres Ehemanns französische Wurzeln.

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1. KAPITEL

Kasia Salah blinzelte in den Hitzedunst am Horizont und die darüber schimmernde ominöse Staubwolke. Dann sah sie wütend auf ihr Smartphone.

Kein Empfang.

Leise stieß sie einen Kraftausdruck aus, den sie während ihrer Jahre an der Universität von Cambridge aufgeschnappt hatte. Schweiß sammelte sich über ihrer Oberlippe und rann ihr unter dem T-Shirt und dem weiten Gewand, das sie gegen Hitze und Staub der Wüste trug, den Rücken hinunter. Sie schob das Smartphone in die Gesäßtasche ihrer Shorts unter den voluminösen Stoffbahnen. Frustriert starrte sie auf den Motor des schwarzen SUVs und fluchte noch einmal, dieses Mal lauter. Schließlich hielt sich im Umkreis von fünfzig Meilen kein Mensch auf, der sie hätte hören können, und Fluchen vermittelte ihr ein Gefühl der Stärke, auch wenn es nichts nützte.

Warum hatte sie nicht daran gedacht, das Satellitenhandy einzustecken, als sie aus dem Palast zu dieser Erkundungsfahrt aufgebrochen war? Oder einen Begleiter mitzunehmen? Vorzugsweise einen, der etwas mehr von Motoren verstand als sie? Kasia seufzte und trat gegen den Reifen des fahruntauglichen Jeeps.

Es war ein Fall von Leichtsinn, überhöhtem Selbstvertrauen und übertriebenem Optimismus – ihre drei liebsten Fehler.

Scheich Zane Ali Nawri Khan, der Mann ihrer besten Freundin Catherine, Herrscher von Narabia und nominell ihr Chef, hatte große Anstrengung darauf verwendet, weiten Teilen des Königreichs Internet und Mobilfunknetz zugänglich zu machen. Kasia vermutete, dass sie zu dicht an die Grenzgebiete geraten war, unerschlossene Wüste, im Süden flankiert vom Bergland, bevölkert von den Kholadi-Nomaden. Soweit sie informiert war, verfügten die Kholadi nicht einmal über fließendes Wasser. Entsprechend gering waren die Chancen, dass sie ein Handysignal brauchten.

Sie zog den Stoff ihres Gewands über ihre Hände, um sich beim Schließen der Kühlerhaube nicht am heißen Metall zu verbrennen. Zum Glück hatte sie Cat und ihrer Sekretärin Nadia einen detaillierten Routenplan ihres Tagesausflugs geschickt. Wenn sie abends nicht zurück war, würden sie einen Suchtrupp schicken.

Das bedeutete aber trotzdem, dass sie die Nacht im Jeep verbringen musste.

Das konnte ein Heidenspaß werden, zumal die Temperatur massiv sank, sobald die Sonne untergegangen war.

Der heiße, trockene Wind trieb ihr Sand ins Gesicht. Kasia zog die Kopfbedeckung des Gewands über Mund und Nase, um den körnigen Staub nicht einzuatmen, und spähte in Richtung Horizont. Die Wolke war größer geworden, breitete sich rasch nach links und rechts aus und verdeckte den flimmernden Hitzeschleier.

Adrenalin schoss durch ihren Körper. Und die Angst, die sie gezügelt hatte, trieb ihr ein Schaudern über den Rücken.

Ist das ein Sandsturm?

Kommt er auf mich zu?

Sie hatte noch nie einen Sandsturm erlebt, so abgeschieden, wie sie den größten Teil ihres Lebens im luxuriösen Schutz der Frauenquartiere im Goldenen Palast verbracht hatte.

Doch sie hatte von Sandstürmen gehört. Die Verheerungen, die sie anrichteten, konnten erwachsene Männer und Frauen vor Angst erblassen lassen. Ihre Großmutter hatte ehrfürchtig im Flüsterton von Sandstürmen erzählt: wie die schlimmsten von ihnen das Königreich verwüstet, Ackerland zurück in Wüste verwandelt und zahlreiche Tote gefordert hatten.

Sie wehrte sich gegen die aufkommende Panik.

Sei nicht so eine Drama-Queen.

Noch einer ihrer Fehler. Sie stellte sich alles viel zu lebhaft vor.

Ihre Großmutter war trotz all ihrer angeborenen Weisheit ebenfalls eine Drama-Queen gewesen. Kasia war erst vier gewesen, als ihre Großmutter sie zu sich genommen hatte. Als der alte Scheich gestorben war und sein Nachfolger Scheich Zane die Wissenschaftlerin Catherine Smith von der Cambridge Universität einstellte, um ein Buch über das Königreich zu schreiben, war sie selbst Teil des Palastpersonals geworden.

Mit neunzehn Jahren Catherines persönliche Assistentin zu werden hatte Kasias Leben verändert. Ganz besonders, als Catherine den Scheich heiratete, Königin von Narabia wurde und Kasia die Augen für die aufregende Welt jenseits der Palastmauern öffnete. Jetzt war sie nicht mehr der übereifrige, übertrieben fantasievolle und romantische Teenager, der alle Unsicherheiten hinter einem Schleier unerfüllbarer Träume verbarg. Heute war sie eine erwachsene Frau mit dem Traum, Umweltwissenschaftlerin zu werden und Narabias Kulturlandschaften vor der Wüste zu retten, die diese zu vernichten drohte.

Ein bisschen Sand und eine Nacht im Jeep konnten Kasia nicht aus der Fassung bringen … Nicht sehr. Eine Nacht in der Wüste brachte ihr womöglich sogar nützliche Forschungsdaten ein.

Und wer sagte überhaupt, dass es ein Sandsturm war? Der Wetterbericht hatte nichts dergleichen angekündigt, und sie hatte vor ihrem Aufbruch sowohl den lokalen als auch den Satellitendienst befragt. Denn sie mochte waghalsig sein, aber blöd war sie nicht.

Kasia redete sich beruhigend zu, löste den Blick jedoch nicht vom Horizont.

Die dunkle, undurchdringliche Wolke wuchs und verdeckte die Sonne. Sie war mindestens dreißig, vierzig Meter breit, sicher noch eine Meile entfernt, näherte sich aber rasch. Lärm zerriss die Wüstenstille. Kleine Lebewesen – eine Eidechse, eine Schlange, ein Nagetier – huschten und glitten an ihren Stiefeln vorbei, um sich eiligst in den Boden zu graben. Der helle, wolkenlose Himmel verdunkelte sich.

Angst schnürte Kasia die Kehle zu. Sollte sie in den SUV steigen? Oder lieber darunterkriechen?

Dann sah sie, wie etwas Kugelartiges – ein Fleck am Horizont – aus der Wolke hervorschoss. Es dauerte eine Weile, bis der schimmernde Fleck sich zu einem Umriss verdichtete. Es war ein Mensch, auf einem Pferd, in vollem Galopp.

Angst und Panik packten sie.

Schwarze fließende Gewänder flatterten hinter der reitenden Gestalt im Wind wie die Flügel eines riesigen Raubvogels. Über das Brüllen des Sandsturms hinweg wurde der Hufschlag des Pferdes hörbar.

Der Reiter war ein Mann. Ein sehr großer Mann. Seine Silhouette war breit und kräftig, seine elegante Erscheinung kraftvoll und überwältigend. Er schien eins zu sein mit seinem galoppierenden Hengst. Sein Gesicht war weitgehend unter seiner Kopfbedeckung verborgen.

Panik krampfte Kasias Herz zusammen, das im Takt der sich nähernden Hufe hämmerte, als Pferd und Reiter den Kurs änderten und direkt auf sie zuhielten.

Dann bemerkte sie den Büchsengurt über seiner breiten Brust.

Ein Rebell. Was sonst konnte er sein, so fern der Zivilisation?

Lauf, Kasia, lauf.

Der stumme Schrei hallte in ihrem Kopf nach. Der heulende Wind wirbelte den Sand um sie herum auf. Die Stimme ihrer Großmutter – eine Stimme, die sie immer mit Rettung in Verbindung brachte – ermahnte sie: Bleib ruhig. Keine Panik. Er ist nur ein Mann.

Aber noch während sie ihre Angst zu bändigen versuchte, breitete sich ein merkwürdig schmelzendes Gefühl in ihrem Inneren aus.

Von seinem Halstuch gedämpft und in einem Dialekt, den sie nicht erkannte, ertönte ein Ruf.

Er hatte sie fast erreicht.

Um Himmels willen, Kasia, steh nicht dumm herum! Beweg dich!

Der eigene Aufruf zum Handeln half ihr über die Angst hinweg, allein und schutzlos zu sein, eine Angst, gegen die sie als Kind lange Jahre gekämpft hatte.

Du bist nicht mehr das kleine Mädchen, das nicht gut genug war. Du bist klug und mutig und tüchtig.

Sie drückte sich um den Jeep herum, riss die Beifahrertür auf und stürzte sich ins stickige Wageninnere. Das Prasseln des Sands gegen die Scheiben klang wie Gewehrsalven. Kasia griff nach der Pistole auf dem Beifahrersitz.

Zane hatte darauf bestanden, dass sie schießen lernte, bevor er ihr erlaubte, allein hinaus in die Wüste zu fahren. Doch als sich ihre Finger nun um das Metall schlossen, schlug ihr das Herz bis zum Hals.

Eine Zielscheibe traf sie sehr sicher, doch sie hatte noch nie auf ein Lebewesen geschossen.

Das heranstürmende Pferd hielt abrupt vor der Stoßstange des SUVs. Kasia stieg aus. Der Sand peitschte ihre Wangen, als sie mit beiden Händen die Pistole hob und mit zitterndem Finger den Abzug fand.

„Stehen bleiben oder ich schieße!“, rief sie auf Englisch.

Schokoladenbraune Augen verengten sich über dem Gesichtsschutz und glommen vor Zorn und Entschlossenheit. Das warme Gefühl in Kasias Unterleib wurde heiß und schwer. Und noch beängstigender.

Der Rebell schwang ein Bein über den Pferdehals und sprang elegant herab, ohne etwas zu sagen. Seine dunklen Augen brannten sich in ihre Seele ein.

Kasia fuhr einen Schritt zurück, und ein Schuss löste sich aus der Pistole. Im Brausen des Sturms war der Knall kaum zu hören, doch der Rückschlag ließ Kasia hart auf dem Hinterteil landen. Sie sah, wie der Mann zurückzuckte.

Habe ich ihn getroffen?

Bevor der Gedanke richtig greifen konnte, stieg der Hengst und schwang über ihrem Kopf die Hufe. Der Mann fing die Zügel des Pferdes ein, bevor es Kasia in den Wüstenboden trampeln konnte, und eine Welle der Erleichterung überrollte sie. Doch binnen Sekunden stand der Mann drohend über ihr, und die Erleichterung darüber, dass sie ihn nicht getötet hatte, wich einer neuerlichen Panik. Sie trat mit den Füßen aus.

„Lass mich in Ruhe.“

Wo war die Waffe?

...



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