E-Book, Deutsch, Band 2574, 144 Seiten
Reihe: Julia
Rice Wie zähmt man einen Wolfe?
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7515-1013-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, Band 2574, 144 Seiten
Reihe: Julia
ISBN: 978-3-7515-1013-4
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Seidiges Haar auf seinem Kissen, verlockende Kurven unter rotem Samt ... Als Selfmade-Milliardär Jack Wolfe im Morgengrauen nach Hause kommt, wähnt er sich in einem erotischen Traum: Eine sexy Fremde im Rotkäppchenkostüm liegt in seinem Bett. Kinderanimateurin Katie ist beim Warten auf ihn eingenickt; jetzt teilt sie ihm mit, dass ihre Schwester die Zweckverlobung mit ihm löst. Jacks Erregung verwandelt sich in Wut: Er braucht dringend eine Braut, und Katie muss einspringen! Ein gefährlich sinnlicher Plan mit märchenhaft süßen Folgen ...
Heidi Rice wurde in London geboren, wo sie auch heute lebt - mit ihren beiden Söhnen, die sich gern mal streiten, und ihrem glücklicherweise sehr geduldigen Ehemann, der sie unterstützt, wo er kann. Heidi liebt zwar England, verbringt aber auch alle zwei Jahre ein paar Wochen in den Staaten: Sie und ihre beste Freundin lassen dann Männer und Kinder zu Hause und fahren quer durch die nordamerikanische Landschaft. Besonders oft haben sie schon das Monument Valley, den Nantahala Forest, einen riesigen Nationalpark in North Carolina, die Hafenstadt St. Michaels in Maryland und New Orleans besucht. Heidi sieht gerne Filme (am liebsten isst sie dabei Schokolade); sie war auch zehn Jahre lang Filmkritikerin. Vor zwei Jahren beschloss sie allerdings, Romances zu schreiben und dadurch noch mehr Spannung in ihr Leben zu bringen. Irgendwann möchte sie noch lernen, wirklich gut französisch zu sprechen, immerhin hat die Familie ihres Ehemanns französische Wurzeln.
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PROLOG
Katie, ich brauche deine Hilfe! Das hier ist ein Notfall!
Katherine Medford trat aus der U-Bahnstation am Leicester Square in den Regen und wickelte ihren schwarzen Trenchcoat enger um das rote Cape, das sie darunter trug, um es vor dem Regen zu schützen. Dabei las sie die Nachricht, die ihre Schwester Beatrice ihr geschickt hatte. Es war schon die achte heute.
Worum mochte es wohl gehen? Welches Problem sollte sie diesmal für Bea lösen? Sie hatte jetzt keine Zeit dafür, denn sie war ohnehin schon spät dran. Und anders als Bea, die sich wegen des ansehnlichen Vermögens ihres gemeinsamen Vaters, Lord Henry Medford, keine finanziellen Sorgen machen musste, konnte Katie es sich nicht leisten, auf diesen Auftrag und die zwanzig Pfund Stundenhonorar zu verzichten. Ihr Telefon begann zu summen. Sie war versucht, das Gespräch wegzudrücken, während sie den Fußgängern auf dem Weg zum Kinderbuchladen auswich. In weniger als zehn Minuten sollte sie dort Vier- und Fünfjährigen Märchen vorlesen.
Doch dann sah sie Bea vor sich und die Tränen, die der damals Vierzehnjährigen übers Gesicht liefen. Verwirrt und ängstlich hatte Bea sich an Katie geklammert, als ihr Vater Katie aus Medford Hall, dem Familiensitz, geworfen hatte. Seufzend nahm sie das Gespräch an und fiel in einen leichten Laufschritt.
„Bea, was gibt’s?“, fragte Katie atemlos. Das enge Korsett des Kostüms schnürte ihr fast die Luft ab. „Ich bin spät dran und habe überhaupt keine Zeit, es sei denn, es ist wirklich wichtig …“
„Es geht um Jack Wolfe“, kam Bea sofort zur Sache. Katie war dem milliardenschweren Unternehmer nie persönlich begegnet. Wie auch, sie bewegten sich nicht in denselben Kreisen. Doch ihre Schwester hatte sich vor einer Woche mit Wolfe verlobt, und das Internet war voll von Bildern der beiden.
Auf den Fotos sah Wolfe auf eine wilde, ungezähmte Art und Weise unglaublich sexy aus. Auf seiner Wange prangte eine rätselhafte Narbe, die in scharfem Kontrast zu seinen perfekten, wie gemeißelten Zügen stand. An seinem Hals ragte eine Tätowierung knapp über den Hemdkragen. Neben der blonden, strahlend schönen Bea wirkte er unwiderstehlich düster. Fast war Katie auf ihre Schwester neidisch, doch sie musste Jack Wolfe nicht persönlich kennenlernen, um zu wissen, dass er derselbe Schlag Mann war wie ihr Vater.
Vielen Dank, aber ein Tyrann im Leben reicht mir.
„Er hat mich für heute Abend in sein Penthouse am Hyde Park Corner zum Essen eingeladen. Nur wir beide. Und ich habe Angst, dass er mehr will.“
Katie blieb wie angewurzelt stehen, als sie die Panik aus Beas Stimme heraushörte.
„Wie meinst du das, du hast Angst?“ Sie bemühte sich, ruhig zu klingen. „Hat Wolfe dir irgendetwas getan?“
Wolf stand in dem Ruf, ein ungeschliffener Diamant zu sein mit dem Aussehen eines gefallenen Engels. Aufgewachsen in einer Sozialwohnung in East London, hatte er einen sagenhaften Aufstieg in der Sphäre der reichsten Geschäftsleute, in der auch ihr Vater verkehrte, hinter sich. Er war groß gewachsen und stark und hatte eine athletische Statur, an der die Smokings, die er auf den Fotos trug, perfekt saßen.
Woher stammte wohl die Narbe in seinem Gesicht, über die die Klatschpresse seit Jahren Spekulationen anstellte? War Wolfe gewalttätig, aggressiv und gefährlich?
„Nein, Katie, jetzt sei nicht albern. So ist Jack nicht. Er würde mir niemals etwas antun.“
„Wieso hast du dann Angst davor, mit ihm allein zu sein?“
Bea stieß die Luft aus. „Weil er wahrscheinlich Sex haben will und ich nicht weiß, ob ich dazu bereit bin. Eigentlich bin ich mir ziemlich sicher, dass ich es nicht bin. Er ist mir irgendwie zu viel. Beinahe lachhaft intelligent, manchmal sehr, sehr witzig, und es ist aufregend, mit ihm zusammen zu sein. Aber alles an ihm ist so intensiv. Ich habe keine Ahnung, was wirklich in ihm vorgeht. Er ist so furchtbar selbstbeherrscht, viel zu tiefgründig für mich. Du weißt ja, wie oberflächlich ich bin.“
Bea hatte so viel erzählt, dass Katie gar nicht wusste, wo sie anfangen sollte – auch weil sie mehr Informationen über Jack Wolfe erhalten hatte, als ihr lieb war. Am interessantesten war, dass die beiden noch nicht miteinander geschlafen hatte. Bea hatte durchaus schon einen Freund gehabt, obwohl sie ein wenig eigen war. Und Jack Wolfe erschien Katie nicht wie ein Mann, der sich lange zurückhielt, wenn er mit einer Frau zusammen war – zumal wenn er um ihre Hand angehalten hatte. Der Mann strotzte nur so vor Sexappeal. Vermutlich konnte er einer Frau sogar aus dreißig Schritten Entfernung zu einem Höhepunkt verhelfen.
„Du bist nicht oberflächlich, Bea“, widersprach Katie ihrer Schwester. Sie hasste es, wenn Bea sich schlechtmachte, denn dahinter steckte niemand anders als ihr Vater.
„Ist ja auch egal.“ Bea klang noch immer panisch. „Jedenfalls finde ich, dass wir nicht zueinander passen. Ganz und gar nicht sogar.“ Sie schniefte. „Ich habe Angst, mich in ihn zu verlieben und dass er meine Gefühle nicht erwidert.“
Wie bitte?
„Wieso hast du dann eingewilligt, seine Frau zu werden?“ Hastig setzte Katie sich wieder in Bewegung. In der Buchhandlung warteten die Kinder bestimmt schon ungeduldig darauf, dass sie ihnen als Rotkäppchen verkleidet vorlas. Sie war zwar erleichtert, dass Beas Beziehung nicht gewalttätig war, hatte jetzt aber absolut keine Zeit, das Liebesleben ihrer Schwester zu diskutieren.
„Weil Daddy darauf bestand“, gab Bea kläglich zu. „Jack hat ihm einen Kredit zu äußerst großzügigen Konditionen bewilligt. Wenn Daddy herausfindet, dass ich die Verlobung gelöst habe und Jack die Bedingungen ändert, flippt er aus.“
Katie verlangsamte ihre Schritte. Sie hätte sich denken können, dass ihr Vater dahintersteckte. Warum wehrte Bea sich nicht gegen ihn? Dabei kannte sie den Grund genau. Bea hatte Angst vor seinen Wutausbrüchen, und das aus gutem Grund … „Aber du weißt, dass du Jack Wolfe nicht heiraten musst, wenn du nicht willst, oder, Bea?“, sagte sie weich.
„Ich weiß, dass ich die Beziehung beenden muss, aber, Katie, der Druck ist so groß. Jack ist absolut sexy, und ich habe Angst, dass er vorhat, mich heute ins Bett zu bekommen. Ich weiß nicht, ob ich ihm widerstehen kann. Und wenn wir erst einmal miteinander geschlafen haben, wird die Trennung viel schwerer. Ich möchte seine Gefühle nicht verletzen.“
Wie bitte? Was zum …?
„Bea, das kann nicht dein Ernst sein. Jack Wolfe ist so reich geworden, weil er absolut skrupellos ist. Seine Geschäftsstrategie ist es, Firmen zu kaufen, auszusaugen und wieder auszuspucken. Du hast selber gesagt, du glaubst nicht, dass er sich jemals in dich verliebt. Mich würde wundern, wenn dieser Mann überhaupt Gefühle hat.“
„Jeder Mensch hat Gefühle, Katie“, widersprach Bea ihr sanft. „Sogar Jack.“
„Glaubst du denn, dass er etwas für dich empfindet?“
„Nein“, seufzte Bea. „Er ist zwar sehr aufmerksam, aber kein bisschen romantisch. Er hat mir mehr oder weniger gesagt, dass er mich heiraten will, weil ich eine gute Vorzeigefrau darstelle.“
„Bea, er klingt ja noch schlimmer als Vater“, stöhnte Katie entsetzt. Henry Medford hatte vor langer Zeit wenigstens so getan, als hätte er ihre Mutter geliebt. „Du hättest dich nicht in diese Situation drängen lassen sollen.“
„Ich weiß“, schniefte Bea noch einmal laut. „Deshalb habe ich dich ja angerufen.“ Den verzweifelten Tonfall kannte Katie nur zu gut. Bea legte ihn immer dann an den Tag, wenn sie ihre ältere Schwester um einen Gefallen bat. „Könntest du heute Abend um sieben in Jacks Penthouse gehen, das im Übrigen absolut spektakulär ist“, bat Bea, deren Tonfall nahtlos von verzweifelt in beschwörend übergegangen war. „Wenn er nach Hause kommt, könntest du ihm sagen, dass ich ihn nicht heiraten werde, und ich wäre aus allem heraus. Dann könnte ich Daddy erzählen, dass Jack die Verlobung gelöst hat.“
Wieder blieb Katie wie angewurzelt stehen. Sie war so schockiert, dass sie nicht wusste, was sie sagen sollte. Bea hatte sie schon früher um die absurdesten Gefallen gebeten. Katie war ihren Bitten immer nachgekommen, weil sie wollte, dass Bea glücklich war, und weil sie wusste, dass Bea ein massives Problem hatte, für sich selbst einzustehen. Dank ihrer beider gestörten Kindheit.
Katie war immer für ihre Schwester da, wenn es Bea an Mut und Entschlossenheit fehlte. Aber das hier …
„Das kann nicht dein Ernst sein“, sagte sie laut. „Ich kann nicht unangekündigt bei ihm auftauchen, um eure Beziehung in deinem Namen zu beenden. Ich bin dem Mann schließlich noch nie begegnet!“ Doch noch während sie diese Worte aussprach, verspürte sie ein erregtes Prickeln, etwas Elektrisierendes, das ihren viel zu eng umschnürten Brustkorb durchlief. Dasselbe Knistern, das sie verspürte, wenn sie die Fotos von ihrer Schwester und Jack Wolfe etwas zu genau betrachtete. „Außerdem habe ich keine Zeit, mich vorher umzuziehen und nicht als Rotkäppchen bei ihm aufzutauchen“, fügte sie leicht verzweifelt hinzu. Sie lebte im Norden Londons und sollte bis achtzehn Uhr Märchen vorlesen. Vorausgesetzt, man hatte sie noch nicht gefeuert, weil sie zu spät dran war. „Ich werde es nicht tun, Bea. Auf gar keinen Fall.“
Doch noch während sie die Worte aussprach, spürte sie, wie das Herz ihr gegen die Rippen schlug, und ihre Entschlossenheit, sich nicht zu einer Idiotin machen zu lassen, schwand.
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