E-Book, Deutsch, 168 Seiten, Format (B × H): 170 mm x 240 mm
Richartz Soziale Dienste in Langzeitpflegeeinrichtungen
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-8426-9181-0
Verlag: Schlütersche
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Richtig organisieren und fachlich perfekt umsetzen. Qualitätsmerkmal "Individuelle soziale Betreuung"
E-Book, Deutsch, 168 Seiten, Format (B × H): 170 mm x 240 mm
ISBN: 978-3-8426-9181-0
Verlag: Schlütersche
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Sabine Richartz ist Diplom-Pädagogin und arbeitet seit zehn Jahren als Leitung Sozialer Dienst in einer Senioreneinrichtung. Mehrere Jahre war sie als stellvertretende Einrichtungsleitung und Qualitätsmanagement-Beauftragte tätig. Sabine Richartz ist nebenberuflich als Dozentin aktiv und führt die Homepage demenz-dolmetscher.de.
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Gerne möchte ich ihnen vorab ein Märchen erzählen:
Lassen Sie das Märchen kurz auf sich wirken. Ist es bedrückend? Hoffnungsvoll? Vielleicht ergeht es Ihnen ähnlich und Sie möchten etwas ändern?
Werden Sie selbst zur Fee und zaubern Sie mit der richtigen Organisation Schritt für Schritt das Glück und die Zufriedenheit in die Gesichter aller im Seniorenheim beteiligten Akteure. Kurzum: Organisieren und strukturieren Sie Ihren Sozialen Dienst.
Jedes gute Märchen besteht daraus, dass es viele Hindernisse gibt. Ob es die kranke Großmutter oder die böse Stiefmutter ist – auf dem Weg zum glücklichen Ende müssen zunächst einige Stolpersteine überwunden werden.
1.1 Erster Stolperstein: »Das haben wir schon immer so gemacht!«
Ich übernahm 2013 den Sozialen Dienst in einer älteren Einrichtung. Das Personal und insbesondere die Leitungskräfte waren bereits seit vielen Jahren in der Einrichtung beschäftigt. Neue Ideen waren schwer umzusetzen. Meine Aufgabe – diesen Eindruck hatte ich – war es, alte Strukturen möglichst zu erhalten. oder Mit diesen Sätzen sollte ich leben und arbeiten. Selbst wenn es um die jahreszeitliche Dekoration, z. B. zum Erntedankfest, ging, zeigte man mir Fotografien aus den Vorjahren und riet mir, mich daran zu »orientieren«.
Neue Ideen, etwa die Einführung der Puppentherapie – lange bevor der Expertenstandard »Beziehungsgestaltung mit Menschen mit Demenz« dies befürwortete – wurden mit großer Skepsis betrachtet, als »kindisch« und für die Einrichtung »untragbar « abgetan.
Das Festhalten an alten Strukturen verhindert Anpassung und Wachstum. Da sich auch die Gesellschaft weiterentwickelt, neue Gesetze in Kraft treten und dies letztendlich auch immer Auswirkungen auf die Strukturen in der Altenpflegeeinrichtung hat (sowohl auf Personal als auch auf die Bewohnerstruktur), ist es notwendig, eingefahrene Konzepte – welche zu einer bestimmten Zeit bestimmt gut funktioniert haben – permanent zu evaluieren und anzupassen.
Doch ich hatte Glück. Die Einrichtungsleitung wechselte und ich erhielt nun mehr Möglichkeiten, den Sozialen Dienst zu gestalten. Das zeigt auch, wie wichtig es ist, dass auch die Einrichtungsleitung vom neuen Kurs überzeugt ist.
Tipp
Nehmen Sie sich die Zeit. Veränderungen können nicht von heute auf morgen Wunder bewirken. In der Regel dauert es mindestens ein Jahr, bis diese spürbar werden.
Mit diesen Argumenten können Sie Überzeugungsarbeit leisten:
• Die Bewohnerstruktur verändert sich: Der medizinische Fortschritt, eine gesunde und ausgewogene Ernährung und weniger körperliche Arbeit bewirken, dass die Bewohner*innen immer älter werden.
• Die derzeit geltenden Gesetze führen dazu, dass Pflegebedürftige so lange wie möglich zuhause gepflegt werden – der Weg in eine Langzeitpflegeeinrichtung ist meist die letzte Option. Die Bewohnerklientel besteht daher aus Menschen, die sich überwiegend nicht mehr selbst beschäftigen können. Gleichzeitig haben wir einen Pflegenotstand – wenn der Soziale Dienst also nicht ausreichend Zeit erhält, qualitativ zu betreuen, machen die sogenannten »herausfordernden Verhaltensweisen « den Pflegealltag noch stressiger.
• Neue Methoden, ein gut funktionierender Betreuungsdienst, Feste und Feierlichkeiten, sind Aushängeschilder einer Einrichtung und die Faktoren, an denen Laien eine Einrichtung als gut oder weniger gut bewerten. Mit gut funktionierender, kreativer Betreuungsarbeit lässt sich Werbung machen – ob über Instagram, Printmedien oder über Mund-zu-Mund-Propaganda.
• So wie den Angehörigen, Ehrenamtlichen oder sonstigen Außenstehenden ist es auch den Mitarbeiter*innen in einer Langzeitpflegeeinrichtung wichtig, dass die Bewohner*innen gut beschäftigt werden. Menschen, die im sozialen Beruf tätig sind, denken auch sozial und freuen sich, wenn es den Betreuten gut geht und sie sich an der Betreuung erfreuen.1
Später, nachdem ich in einer Einrichtung erfolgreich war, konnte ich auch in einer anderen Einrichtung, welche ebenfalls seit Jahrzehnten besteht, mein Konzept umsetzen. Auch hier war es sehr schwierig, den Stolperstein zu überwinden und es bedarf großer Überzeugungsarbeit und einiger motivierter Mitarbeiter*innen, damit die Dinge sich ändern.
Gute Betreuung – gute Atmosphäre
Eine Optimierung des Sozialen Dienstes kann also in allen Bereichen zu einer höheren Mitarbeiterzufriedenheit führen, weniger Personalfluktuation und weniger Krankheitsausfälle bewirken.
1.2 Zweiter Stolperstein: mangelnde Schnittstellenarbeit
Eine Langzeitpflegeeinrichtung besteht nicht nur aus dem Sozialen Dienst. Ob nun die PDL, BWL oder die Hauswirtschaftsleitung – jede Fachbereichsleitung ist primär mit ihren eigenen Bereich beschäftigt.
Wir müssen verstehen, dass alle Bereiche gleichwertig und für den reibungslosen Ablauf in einer Langzeitpflegeeinrichtung von gleicher Wichtigkeit sind. Nur gemeinsam sind gute Pflege und Betreuung möglich.
In erster Linie ist hier Verständnis und Empathie auf allen Seiten vonnöten, eine Einrichtungsleitung, die allen Bereichen gleichermaßen gerecht wird sowie regelmäßige Teamsitzungen und Besprechungen.
Insbesondere bei der Betreuung und Pflege von Menschen mit demenziellen Veränderungen ist es unerlässlich, gemeinsame Maßnahmen zu entwickeln.2
Pflege und Betreuung – gemeinsam geht’s leichter
Frau Hahn (Name geändert) ist mit ihrem Ehemann in die Einrichtung gezogen. Beide Ehepartner sind demenziell verändert – die Demenz von Frau Hahn ist weiter fortgeschritten. Während Herr Hahn im Rollstuhl sitzt, gibt er Frau Hahn Anleitungen, wohin sie ihn schieben soll.
Frau Hahn ist sehr auf ihren Ehemann fixiert. Wenn er nicht in der Nähe ist, sucht sie ihn. Außerdem lässt sie sich pflegerisch kaum versorgen. In den ersten Wochen nach dem Einzug lässt sie sich nicht waschen – an Duschen ist gar nicht zu denken. Frau Hahn schreit, schlägt und lässt die Versorgung auch mit gutem...




