Richter | Das Saladin Fragment | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 684 Seiten

Richter Das Saladin Fragment

Der Schwarze Stein von Süpplingenburg
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7568-2447-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Der Schwarze Stein von Süpplingenburg

E-Book, Deutsch, 684 Seiten

ISBN: 978-3-7568-2447-2
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wer durch die verschlafenen Straßen und die angrenzende ländliche Idylle der niedersächsischen Gemeinde Süpplingenburg fährt, würde niemals die erstaunliche Geschichte des kleinen Dorfes erahnen, das nicht nur Geburtsort von Lothar dem III., deutschem König und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, sondern auch jahrelanger Hauptsitz der deutschen Ordensprovinz der Templer in der örtlichen Basilika St. Johannis war. Als in der Nacht des 27. Februar 2027 aus dem Nichts eine kilometergroße schwarze Kugel an der Stelle des unscheinbaren Dorfes erscheint und die Menschen weltweit in Angst, jedoch auch in unstillbarer Neugier über das undurchdringbare Mysterium vereint, lässt sich langsam erahnen, wie tief reichend und bedeutsam die örtliche Geschichte für die Welt gewesen ist und noch sein wird. Durch einen eigenen Schicksalsschlag an die Auflösung des Geheimnisses der schwarzen Kugel gefesselt, findet der junge Reporter und Hobby-Petrologe Arne Brenner bald heraus, dass ein Fragment des Schwarzen Steins in Mekka aus dem Besitz des arabischen Feldherren Saladin von zentraler Bedeutung für die Geschehnisse ist ...

Michael Richter, geb. 1952 in Berlin, wuchs in Ilfeld im Südharz auf. Der Historiker studierte in Berlin, Hannover und Bonn und promovierte dort 1990 zum Dr. phil. Er hat mehrere Bücher zur deutschen Zeitgeschichte geschrieben. Im letzten Jahr erschienen von ihm u. a. das Buch "Der zufällige Mensch. Wundersame Wege vom Urknall zum Ich" und der Aphorismen-Band "Weltanstaunung"(www.wortburg.de).
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Süpplingen 27. Februar 2027


Kurz nach acht bog er endlich an der Süpplinger Kirche links ab. Die Strecke über die Föhrstraße und den Driftweg zwar etwas länger als über die Süpplingenburger Straße, aber er fuhr deswegen aus Gewohnheit hier lang, weil sie auch nach Groß Steinum führte. Da wohnten seine Eltern, und da war er groß geworden. Im Radio lief gerade ein Oldie von den Scorpions, als plötzlich das Navi verrückt spielte und die Straße nicht mehr anzeigte. Vor ihm fuhr jetzt auch noch ein alter Ford Fiesta mit einer JL-Nummer in Schneckentempo.

Jerichower Land, Sachsen-Anhalt, mit ein paar romanischen Backsteinkirchen, wie die im Kloster Jerichow aus der Zeit der Slawenmissionierung im frühen 12. Jahrhundert. In solchen Dingen kannte er sich ganz gut aus, das war seine Welt. Natürlich hatte der Ford keine Nebelscheinwerfer an und Arne sah die Rücklichter erst im letzten Moment. Er war genervt, ärgerte sich aber vor allem über sich selbst. Josi hatte schon Recht, manchmal benahm er sich wirklich wie ein Idiot! Kalle hatte ihm mehrfach geraten, sich mehr um Josi zu bemühen, wenn er sie nicht wieder verlieren wollte. Er wusste, dass sein bester Freund Gewehr bei Fuß stand, sozusagen!

Viertel nach acht war er kurz vor dem Ortsausgang von Süpplingen.

Gerade überlegte er, ob er den alten Ford nicht doch überholen sollte, da tauchte hinter ihm wie aus dem Nichts ein BMW auf und fuhr ihm fast bis auf die Stoßstange. Arne wurde wütend. Da fuhr er nun, eingekeilt zwischen dem Schleichi und einem Drängler. Er überlegte gerade, ob er kurz anhalten sollte, um den BMW vorbeizulassen, da setzte der trotz dichten Nebels zum Überholen an.

Als er gleich noch am Ford vorbeifahren wollte, krachte und quietschte es plötzlich laut. Beide Autos vor ihm knallten gleichzeitig auf irgend etwas. Arne trat voll auf die Bremse. Sein Golf schlitterte ein Stück über die regennasse glatte Fahrbahn und prallte mit der rechten Seite gegen den Ford. Ihm blieb fast das Herz stehen.

Ein paar Schrecksekunden saß er da wie gelähmt. Dann schlug er wütend auf das Lenkrad, schrie laut vor Wut und stieg aus. Die Beifahrertür war demoliert, die hintere zerbeult.

Was war passiert? Er sah, dass der Motorraum des Ford zerquetscht war wie eine zerknüllte Papiertüte. Im Auto saß ein älteres Paar.

Beide waren blutüberströmt. Das Lenkrad hatte sich trotz Airbag regelrecht in den Fahrer gebohrt. Dabei war der Alte höchstens fünfzig gefahren, das hatte Arne ja gerade noch genervt! Nun schien es, als würde er auf dem Airbag schlafen. Er trug einen Anzug, ein weißes Hemd und eine buntgemusterte Krawatte, seine Begleiterin einen dunklen Rock und eine hellrosa Bluse mit bestickter Borte.

Offensichtlich hatten sich beide für eine Feier schickgemacht. Doch nun war alles blutverschmiert. Das zerdrückte Gesicht der älteren Dame wurde grotesk umrahmt von ihrer perfekt sitzenden grauweißen Dauerwelle.

Er hatte so etwas noch nie aus nächster Nähe gesehen und er musste sich übergeben. Für einen Moment wollte er einfach nur wegrennen, wohin aber? Er versuchte, sich zusammenzureißen und sah nach dem anderen Auto. Hier war vom Motorraum ebenfalls nicht viel übriggeblieben. Aus dem schrottreifen BMW tönte Hartrockmusik.

Ausgerechnet die Boxen hatten den Aufprall überlebt! Er versuchte die Musik auszuschalten, fand aber in der Aufregung nicht den richtigen Schalter. So untermalten Bassklänge die grausige Szenerie.

Der Fahrer war durch die Wucht des Aufpralls über den Airbag hinweg durch die Frontscheibe geschleudert worden. Offenbar hatte er sich nicht angeschnallt. Nun lag sein Oberkörper auf den Resten der Kühlerhaube, seine Beine hingen noch im Innenraum. Das Gesicht war vor Blut kaum zu erkennen, dafür gab der kahlrasierte Kopf mehr von der Verletzung preis als Arne es ertragen konnte.

Trotzdem nahm er allen Mut zusammen und fühlte den Puls. Null.

Der jugendliche Fahrer war tot wie die beiden Alten. Arne atmete tief durch. Das konnte doch alles nicht wahr sein! Was war hier geschehen? Wogegen waren die beiden Autos gekracht? Und warum beide gleichzeitig?

Im Scheinwerferlicht erkannte er im Nebel so etwas wie eine Wand, die quer über die Straße verlief. Aber was um alles in der Welt hatte hier mitten auf der Straße eine Wand oder Mauer, oder was das war, zu suchen? Er ging näher und berührte sie vorsichtig mit den Fingerspitzen. Die Oberfläche war schwarz, glatt und warm. Sie schien aus einem Stück zu sein. Aber wieso war sie warm? Warum waren keine Fugen zu erkennen? Und warum, um alles in der Welt, gab es nicht die geringsten Schrammspuren durch den Aufprall?

Zur Panik gesellte sich nun das dubiose Gefühl, dass hier irgendetwas ganz und gar nicht stimmte! Wer baute am nördlichen Stadtrand von Süpplingen am Rosenmontag eine Mauer mitten über die Straße? Definitiv niemand! Ein Faschingsgag konnte das ja wohl nicht sein.

Gerade noch hatte er im warmen Golf gesessen und sich auf Josi gefreut, jetzt stand er plötzlich mutterseelenallein im dunklen Nebel.

Wäre er doch bloß am Sportplatz lang gefahren! Seine Gedanken sprangen hin und her. Was war zu tun? Er musste die Polizei alarmieren und einen Rettungswagen rufen! Zunächst rief er Josi an, bekam aber keine Verbindung. Nach drei Minuten freundlich nervender Computerstimme hatte er endlich eine Polizeibeamtin am Apparat und meldete den Unfall. Seine Hände flatterten so, dass ihm fast das Smartphon aus der Hand gefallen wäre.

Er holte seine Nikon aus dem Kofferraum. Sie war sein ständiger Begleiter und zum Glück unbeschädigt geblieben. Fotografieren beruhigte ihn. Es schuf Distanz und gab ihm das Gefühl, mit der Angelegenheit wenig oder nichts zu tun zu haben. Jetzt aber suchte er vergeblich Deckung hinter der Linse. Es gab drei Tote. Wäre der Ford nicht vor ihm gefahren, und zwar ziemlich langsam, hätte es auch ihn erwischt. Und wenn der BMW ihn nicht überholt hätte, wäre er ihm garantiert hinten draufgekracht, bei dem kurzen Abstand. Lauter wäre und hätte! Plötzlich erwies es sich als Glücksfall, dass der Motor in Wolfenbüttel nicht gleich angesprungen war, der Ford langsam fuhr und der BMW ihn überholen wollte.

Wie war das mit dem Schicksal? Was musste man tun und was in welchem Moment lassen, um zu überleben? Er wollte nicht darüber nachdenken, aber die Frage setzte sich in seinem Kopf fest. Vor allem machte es ihn nervös, dass er nicht die Spur einer Ahnung hatte, was hier eigentlich los war! Wenn jemand am Nachmittag oder frühen Abend eine Mauer errichtet hätte, wäre die Polizei doch sofort dagewesen! So etwas konnte niemand in ein paar Minuten einfach so hinklotzen! Ein Anruf hätte genügt. Wer lässt sich schon gern die Straße zumauern! Aber sie war ja gar nicht gemauert, sondern schien wie aus einem Stück zu sein. So etwas hatte er überhaupt noch nicht gesehen!

Inzwischen waren weitere Autos gekommen. Ein Peugeot mit Wolfsburger Nummer wäre beinahe auf seinen Golf geknallt. Nun leuchteten die Warnblinker im Nebel wie im Takt eines unsichtbaren Dirigenten. Ein etwa fünfzigjähriger Mann mit braunem Jackett, seidenem Halstuch und schwarzgerahmter Brille kam zu ihm und fragte irritiert und mit vorwurfsvollem Unterton:

„Was ist denn hier passiert? Ein Unfall? Waren Sie beteiligt?“

„Erzählen Sie doch nicht so einen Mist! Die beiden Autos vor mir sind gegen die Wand da auf der Straße geknallt. Ich konnte gerade noch bremsen. Alle sind tot.“

„Wie meinen Sie das, gegen die Wand?“

„Na da vorn das Ding. Weiß der Teufel, was das ist. Sehen Sie doch selbst nach!“

Der Mann ging zur Mauer und kam verunsichert zurück.

„Mein Gott, Sie haben ja Recht. Aber so was gibt’s doch gar nicht!

Ich bin vorhin aus der anderen Richtung hier langgefahren, da stand hier nichts. Wieso ist da jetzt eine Mauer?“

Arne war viel zu fertig mit den Nerven, um dem Mann Rede und Antwort zu stehen, also schwieg er einfach, bis sein Gegenüber sich irritiert von ihm abwandte. Nach und nach kamen Bewohner aus den Häusern. Einige waren angetrunken, schließlich war Rosenmontag.

Sie begutachteten misstrauisch die Wand an der Unfallstelle, einige machten mit ihren Smartphones Fotos. Eine korpulente Frau im langen schwarzen Wintermantel schlug laut vor, das ältere Paar und den jungen Mann aus den Autos zu holen und zu beatmen. Scheinbar war sie es gewöhnt, dümmliche Anweisungen zu geben. Arne reagierte sarkastisch.

„Tun sie sich keinen Zwang an! Ich weiß nur nicht, wie Sie das machen wollen. Bei der alten Dame sind der Schädel und das halbe Gesicht zusammengedrückt. Und der Mund ist voller Blut. Das wäre ihrer dann wohl auch. Wie wollen Sie die beatmen? Um sie aus dem Auto zu holen, brauchen Sie außerdem erst einmal einen Schneidbrenner. Ich habe Polizei und Rettungsdienst alarmiert, vielleicht ist das ja die bessere Lösung.“

Die Frau sah ihn wütend an, schwieg aber. Sie merkte wohl, wie unsinnig ihr Vorschlag gewesen war. Eine junge,...



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