Rider | Kiss me in Palm Springs | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 5, 320 Seiten

Reihe: Kiss Me-Reihe

Rider Kiss me in Palm Springs

A Summer Romance
1. Auflage 2020
ISBN: 978-3-641-25572-5
Verlag: cbj
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

A Summer Romance

E-Book, Deutsch, Band 5, 320 Seiten

Reihe: Kiss Me-Reihe

ISBN: 978-3-641-25572-5
Verlag: cbj
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wenn du plötzlich dein Handtuch mit einem Fremden teilen musst …

Die 18-jährige Sasha (alias Quinn Jackson) ist auf der Flucht vor einem viralen Video. Da kommt der Urlaub in Palm Springs gerade recht. Sommer, Sonne und Entspannung, soweit der Plan. Der 19-jährige Jay (Jackson Quinn) plant, einen Knüller für seine Zeitung zu landen und seiner Familie damit endgültig zu beweisen, dass er das Zeug zum Journalisten hat. Doch schon im Flieger nach Palm Springs landet er auf einem Economy-Platz, Sasha dagegen in der Business-Class. Offenbar eine Namensverwechslung – und Antipathie auf den ersten Blick. Ein paar Fehlbuchungen später finden sich Sasha und Jay allerdings gar nicht mehr so unausstehlich …
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1

Jay


Boston, Logan Airport
Freitag, 10. Mai
07:02 Uhr


»You gotta jump in the saddle,

grab hold of the reins,

hang on real tight,

don’t have to stay in one lane.

The open road is yours,

and you can set your own course.

Can ride fast, can ride slow, just as long as

you ride your own horse.«

Hoffentlich fallen Nervensägen bald von ihrem Scheißpferd und brechen sich dabei die Ohren.« Die Kassiererin bei Dunkin’ Donuts ist auf hundertachtzig. Missmutig äugt sie hinüber zu den vier Mädchen in Jeans-Shorts und kurzärmeligen Karohemden an Gate 17. Ihre Outfits wären eigentlich nicht besonders auffällig, wenn sie dazu nicht auch noch mit Strass verzierte Cowboyhüte in den verschiedensten Farben auf den Köpfen hätten – und obendrein nicht ununterbrochen singen und tanzen würden.

Obwohl ich unsicher bin, ob man ihre Performance ernsthaft als Tanz bezeichnen kann. Sie besteht aus dem angedeuteten Sprung in einen unsichtbaren Sattel, von dem sie beinahe wieder herunterfallen, sich jedoch gerade noch an imaginären Zügeln festhalten können, um anschließend die Augen gegen die nicht vorhandene Sonne abzuschirmen und den Blick durch die Abflughalle mit lauter genervten, leicht reizbaren Bostonern schweifen zu lassen.

Normalerweise würde mich diese Bemerkung einer erwachsenen Frau, die ein paar harmlosen Teenagern schwere Verletzungen wünscht, sehr irritieren. Aber im Moment löst sie bei mir vor allem Begeisterung darüber aus, wie gut sich dieser O-Ton als Einstieg für meinen Beitrag eignen würde, den ich gerade für das Magazin schreibe.

»Flamingo Rose ist wohl nicht so ganz Ihr Ding, oder?«, frage ich daher, obwohl kein Zweifel daran besteht, dass die Dame solche Countrypop-Hymnen verabscheut.

nicht.« Sie reicht mir mein Wechselgeld und hantiert dann an der Kaffeemaschine herum. Normalerweise trinke ich gar keinen Kaffee, aber so früh am Morgen, nach nur knapp vier Stunden Schlaf, halte ich ein bisschen Koffein für eine ziemlich gute Idee.

Während sie meinen Kaffee zubereitet, werfe ich erneut einen Blick in Richtung Gate, wo die »Flamingoheads« (so nennen sich die Hardcore-Fans tatsächlich) gerade ihre imaginären Rösser synchron zu einem Kreis formieren. Also zumindest drei von ihnen: Die vierte, ein auffallend großes Mädchen mit welligen dunklen Haaren und einer riesigen Katzenaugen-Brille, die ihr blasses Gesicht mehr als zur Hälfte bedeckt, merkt erst dieser Drehung ihrer Freundinnen, dass es der nächste Move ist. Wahrscheinlich leidet sie von allen in der Gruppe am meisten unter Müdigkeit oder Jetlag.

»Nicht zu fassen, dass dieser Schrott ernsthaft Headliner beim Scorchella-Festival in Palm Springs ist«, merkt die Kassiererin an und stellt meinen Kaffee auf den Tresen.

»Dort will ich übrigens auch hin«, antworte ich.

Sie sieht mich mitfühlend an. »Im gleichen Flieger? Na dann viel Spaß.«

Ich erwidere ihr Lächeln. Eigentlich könnte ich ihr jetzt erzählen, dass ich mich sogar darauf freue, fünf geschlagene Stunden inmitten von Flamingoheads zu verbringen, obwohl sie permanent viel zu laut sind und furchtbar falsch singen. Das ergibt einen großartigen ersten Akt für meinen Artikel, der zudem einen vernichtenden dritten Akt enthalten wird, wenn sich die Band nach einem garantiert grauenhaften Starauftritt am Sonntag auflösen wird (laut einer gut informierten Quelle). Aber im Moment zieht es mich zu sehr hinüber zum Gate, um sie ein wenig zu belauschen …

Unvermittelt hört das Singen auf.

Ich gehe auf einen Tisch am Donut-Stand zu – den letzten, der noch frei ist, denn anscheinend sucht gerade mindestens die Hälfte der Passagiere unseres Fluges bei Dunkin’ Donuts Zuflucht vor dem nervigen Geträller. Dort platziere ich Kaffee, Notizblock und Bordkarte auf dem Tisch, ehe ich mich hinsetze. In diesem Moment vibriert mein Handy in der Hosentasche dreifach. Schlagartig bin ich noch vor dem ersten Schluck Kaffee hellwach. Hoffentlich ist es Sarah, meine Redakteurin, die mir mitteilt, dass sie sich nach reiflicher Überlegung auf meinen Artikel freut, den ich über Scorchella schreiben will … dass es ihr leidtut wegen ihrer verärgerten Nachricht von gestern, weshalb ich nicht im Büro sei. Offenbar hatte sie völlig vergessen, dass ich ein paar Tage frei genommen habe, um nach Palm Springs zu fliegen, wo ich die (hoffentlich dramatische) Trennung des meistverspotteten Musik-Acts in ganz Amerika dokumentieren will. Leider war ihr meine Abwesenheit wohl nur deshalb aufgefallen, weil Amber – die andere Ferienpraktikantin – die morgendliche Kaffeebestellung vermasselt hatte.

Doch das wird sich nach diesem Wochenende ändern. Sobald ich meinen Beitrag bei ihr abgegeben habe, wird Sarah bei meinem Namen nicht mehr nur an Latte macchiato denken, sondern mich in die Riege der freien Mitarbeiter von aufnehmen. Und dann bin ich endlich ein richtiger Musikjournalist.

Doch als ich mein Handy hervorhole und den Namen auf dem Display sehe, bekomme ich ein flaues Gefühl im Magen und mir wird leicht schwindlig. Die Nachricht kommt nicht von Sarah, sondern von meiner Mutter …

Und die hat nicht die leiseste Ahnung, dass ich gerade unterwegs an die Westküste bin, sondern vermutet mich für ein paar Tage bei einem Freund. So hatte ich es meinen Eltern mitgeteilt – angeblich, weil wir lernen müssen. Außerdem weiß sie nicht (und wird es hoffentlich auch nie erfahren), dass ich für diesen Spontantrip einen nicht ganz unbeträchtlichen Betrag aus meinem für das Studium bestimmten Sparguthaben entnommen habe – eigentlich ist das vollkommen tabu. Das lag vor allem daran, dass so kurz vor Beginn des Festivals nur noch VIP-Tickets erhältlich waren, die derart teuer sind, dass ich mindestens fünf Artikel bei unterbringen müsste – obwohl bislang nicht mal klar ist, ob auch nur ein einziger veröffentlicht wird. Ängstlich öffne ich die Nachricht, doch es ist nur ein weitergeleitetes Bild vom neugeborenen Baby meiner Cousine. Vorsichtshalber antworte ich nicht darauf, um nicht versehentlich irgendetwas preiszugeben, das mich hinsichtlich meiner Wochenendpläne der Lüge überführen könnte.

Ich versuche, mein schlechtes Gewissen abzuschütteln. Wenn ich erst einen publizierten und vergüteten Beitrag vorweisen kann, wird sich schon alles finden. Dann müssen meine Eltern zugeben, dass sie zwar nicht ganz nachvollziehen können, was mich am Thema Musik so begeistert, dass ich unbedingt Musikjournalist werden will, statt in unser Hotelunternehmen einzusteigen, wie meine ältere Schwester Natalie. Aber es ist halt mein Ding. Und meine Eltern müssen eingestehen, dass sie stolz auf mich sind. Nun gut, so weit werden sie vermutlich nicht gehen (in unserer Familie geht es nicht so wahnsinnig herzlich, liebevoll und kommunikativ zu), aber vielleicht schaffen sie es zumindest, mich dafür zu respektieren, dass ich meine Interessen konsequent verfolge.

Und das kann ich eben nur machen, wenn ich Jobs auf diesem Gebiet habe. Von daher muss ich dringend mit den Flamingoheads reden, die alle anderen Passagiere am Gate gerade sehr froh machen, indem sie eine kleine Pause von ihrem schrägen Konzert eingelegt haben.

Jetzt steuern sie den Stand von Dunkin’ Donuts an. Die Kassiererin mustert sie skeptisch und fragt sich vermutlich, was sie in einem früheren Leben wohl Schlimmes getan haben mag, dass sie nun von ihnen heimgesucht wird. Als sie am Tresen ankommen, bestellen sie schwarzen Kaffee. Ihre Aussprache hört sich britisch an, was mich dann doch irgendwie beeindruckt. Wenn jemand extra eine so lange Anreise in Kauf nimmt, ist das schon bemerkenswert.

»Wir sind nämlich seit ungefähr sechsundzwanzig Stunden wach, wissen Sie?« Die große Rothaarige, die offenbar als eine Art Sprecherin der Vierergruppe fungiert, verzieht das Gesicht, als ob sie es selbst nicht ganz fassen könnte. »Zu Hause in Manchester ist jetzt gerade Mittag.«

»Ach so?« Die Kassiererin gibt sich große Mühe, gelangweilt zu wirken. Sie kümmert sich um die Bestellung, während die Mädchen Ausschau nach Sitzplätzen halten. Die Rothaarige entdeckt meinen Tisch – es ist der einzige, an dem noch Stühle frei sind. Fragend sieht sie mich an:

Ich beiße mir von innen in die Wange, um nicht in breites Grinsen zu verfallen, und nicke:

Die vier setzen sich und türmen auf dem Tisch einen kleinen Wall aus Taschen auf. Dabei rutschen mehrere Pässe und Bordkarten heraus, die teilweise auf meinen Reiseunterlagen landen oder beinahe vom Tisch fallen, während die Mädchen sich aufgeregt versichern, wie unendlich sie sich auf Scorchella freuen.

Wenn ich ganz ehrlich sein soll, fällt es mir normalerweise nicht so leicht, mit Mädchen ins Gespräch zu kommen. Da bei mir immer Schule und Karriere im Vordergrund standen, sind meine Skills in Sachen Smalltalk und Dating leicht unterentwickelt, und ich muss mich zwingen, nicht verlegen den Blick abzuwenden, als die vier so unmittelbar neben mir sitzen. Doch wie soll ich jemals ein unerschrockener Reporter werden, wenn ich nicht lerne, mit fremden Leuten zu reden, ihr Vertrauen zu gewinnen und mir coole O-Töne von ihnen zu holen? Kontakte knüpfen und einen zu Fremden finden ist so ziemlich der Kern dieses Berufs.

Also kann ich auch gleich damit...


Reinhart, Franka
Franka Reinhart, Jahrgang 1972, hat Übersetzung mit fachlichem Schwerpunkt Psychologie studiert und überträgt seit knapp 20 Jahren Sachbücher, Belletristik und Jugendliteratur aus dem Englischen ins Deutsche, darunter Jane Casey, Morgan Matson, Colleen McCullough, Catherine Rider, Paul Theroux und Ella Woodward/Mills. Außerdem organisiert sie Lesungen und Veranstaltungen rund um das Thema Literaturübersetzung, u.a. im Rahmen des Übersetzerzentrums der Leipziger Buchmesse. Nebenbei singt sie Sopran, liebt ihren Garten und lebt mit ihrer Familie in Leipzig.

Rider, Catherine
Stephanie Elliot und James Noble sind die beiden Autoren hinter dem Pseudonym Catherine Rider. Stephanie Elliot arbeitet als Lektorin in New York und lebt mit ihrem Mann und ihrer fünfjährigen Tochter in Brooklyn. Sie ist fest davon überzeugt, dass Bialys besser schmecken als Bagels, normale Taxis den Uber-Taxis vorzuziehen sind und man Pizza niemals mit Besteck essen sollte. Sie reist unheimlich gern nach London, wo die Leute so höflich sind. James Noble ist Lektor und hat bereits mehrere Romane unter verschiedenen Pseudonymen verfasst. Als waschechter Londoner arbeitet er heute in einem Londoner Verlag. James liebt Pie & Mash und achtet beim Aussteigen in der U-Bahn immer auf die Ansage: »Mind the gap!«. Trotzdem verschwendet er viel zu viel Zeit auf den Gedanken, wie es wohl wäre, in New York zu leben.



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