E-Book, Deutsch, 384 Seiten
Riedel Das Vergessene Volk
2. Auflage 2016
ISBN: 978-3-7392-5733-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Die Chroniken von Akranos - Drachenkrieg 1
E-Book, Deutsch, 384 Seiten
ISBN: 978-3-7392-5733-4
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Philipp Riedel, Jahrgang 1982, lebt in Verl, Nordrhein Westfalen. Erste literarische Versuche startete er bereits im Alter von vierzehn Jahren, als Spielleiter einer Rollenspielgruppe. Einige Jahre später kamen erste Gedichte und Songtexte für die Band eines Freundes hinzu, danach folgten einige Kurzgeschichten zum privaten Vergnügen. Er studiert Germanistik und Geschichte an der Universität Bielefeld und arbeitet bei einer lokalen Tageszeitung.
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Kapitel 2: Von Zauberern gehetzt
Kylaria, Hauptstadt von Cathuria,
Monat Alathyia, Frühling im Jahre 1104 nach Ashibans Fall
„Bist du dir ganz sicher?“ Die Stimme des Zauberers klang sehr aufgeregt und Lares war überzeugt, dass es nicht nur am Wein lag, dem sie schon recht ausgiebig zugesprochen hatten.
„Ja, Nayin, bei allen Göttern, wie oft soll ich es noch sagen! Es waren Männer mit blauen Roben und silbernen Brustpanzern. Was ist daran so wichtig?“
Der Zauberer gestikulierte wild mit den Armen. „Wenn ich Recht habe mit meiner Vermutung, waren es Mitglieder der Sternengarde“, sagte er geheimnisvoll. „Und das bedeutet nichts Gutes.“
Lares verdrehte die Augen. Nayin sprach gerne in Rätseln oder vergaß regelmäßig, die notwendigen Informationen hinzu zu fügen.
„Und was ist daran so schrecklich? Wer ist die Sternengarde?“ Kaum hatte er die Frage gestellt, bereute er es sofort wieder, als er sah, wie Nayin mit weit ausgebreiteten Armen ausholte, um einen seiner berüchtigten Vorträge zu halten.
„Die Kurzfassung, bitte!“ sagte Lares rasch.
Nayin spießte ihn für einen Augenblick regelrecht mit Blicken auf, dann schüttelte er resignierend den Kopf und murmelte etwas von Ungeduld und Unwissenheit, was Lares aber nicht genau verstand. Vielleicht war das auch besser so. Der Zauberer griff noch einmal nach dem Weinglas, nahm einen Schluck und blickte eine halbe Sekunde andächtig auf den Rand des Glases. Dann stellte er es wieder auf den Tisch und begann zu erzählen.
„Die Sternengarde ist die Armee des Magierreichs Amras im hohen Norden, am Rande der Welt. Ihre Mitglieder werden rekrutiert aus all Jenen, die es nicht geschafft haben, einen Abschluss an einer Zauberschule zu erlangen, wohl aber über gute Kenntnisse im Umgang mit der Magie verfügen. Sie werden noch einige Zeit in den Kasernen der Magiermetropole ausgebildet und dann ihren Einheiten zugeteilt. Ihre Rekrutierungsoffiziere halten an jeder Akademie der Zauberkünste Ausschau nach potentiellen Kandidaten. Und fast jeder angehende Magier, der einen gewissen Grad des Studiums erreicht hat, wird von den Sternengardisten angesprochen. Teilweise werben sie sogar direkt Schüler der Akademie ab, um ihre Reihen zu erweitern. Gerne auch solche, die gute Chancen hätten, die Prüfungen leicht zu schaffen. Sie locken mit Macht und Geld, Dinge die jedem Magier nach acht Jahren des harten Studiums natürlich gefallen würden.“
„Dann waren es also Zauberer, die mir den Bruch beinahe verdorben hätten?“, fragte Lares.
Nayin nickte. Dann beugte sich der Magier leicht vor und sah dem Einbrecher tief in die Augen.
„Und du solltest hoffen, dass sie gefunden haben, was sie gesucht haben. Denn ansonsten befindet es sich wahrscheinlich bei deiner Beute. Und früher oder später findet die Sternengarde immer, was sie sucht.“
Lares dachte an den zornigen Aufschrei, den er aus dem Zimmer gehört hatte. Wahrscheinlich war die Sternengarde nicht fündig geworden und leider konnte er auch nicht sagen, welches seiner Beutestücke für die Magier nun von Interesse war.
Sie hatten etwas von einer Maske gebrüllt und er hatte insgesamt vier Masken erbeutet. Die Chance, dass das Objekt ihrer Begierde dabei war, war also recht hoch. Und zu allem Überfluss ließen sich die Dinger verdammt schlecht verkaufen. Außerdem musste er höllisch aufpassen, dass er nicht mit dem Einbruch in Verbindung gebracht wurde, denn die Sternengarde war nicht zimperlich gewesen. Die Hausherren hatte man später erschlagen im Foyer der Villa gefunden, eine Bedienstete, sowie die Enkelin waren nur noch verkohlte Überreste gewesen. Bei dem Gedanken daran, wie knapp er selbst wahrscheinlich einem solchen Schicksal entkommen war, lief ihm ein kalter Schauer über den Rücken.
„Nein, ich fürchte, sie haben es nicht gefunden. Sie klangen nicht sehr angetan, als sie den offenen Tresor gesehen haben.“ sagte Lares nachdenklich.
„Dann solltest du alles, was kein Bargeld war, schnell wieder loswerden. Notfalls versenke es im Meer der Dämmerung. Das hat noch nie wieder etwas frei gegeben.“
„Versenken?“, fragte Lares ungläubig. Schließlich war das Zeug ein Vermögen wert.
„Besser es landet im Meer der Dämmerung als in den Händen der Sternengarde.“ antwortete Nayin. „Die Magier von Amras haben seit einem Jahr einen neuen Herrscher, den Schattenmagier Menac Jadek. Es heißt, er habe einen Pakt mit dem Erstgeborenen geschlossen, um das Magierreich zum größten Machtfaktor des Nordens zu machen. Und er hasst die Feuermagier.“
„Was hat das Ganze mit mir zu tun?“ fragte Lares. Nayin funkelte ihn zornig an.
„Verstehst du denn gar nichts, du Tölpel?“ polterte der Zauberer. „Wenn die Sternengarde bereit ist, ein derartiges Aufsehen zu erregen, nur um an dieses Artefakt zu kommen – was immer es auch sein mag – dann solltest du auf gar keinen Fall auf ihre Abschussliste kommen. Und wenn Jadek seine Leute bis nach Kylaria schickt, um ein Artefakt zu stehlen, dann muss es etwas ganz Besonderes sein.“
Lares verstand, was der Zauberer meinte und musste ihm widerwillig Recht geben. Auf keinen Fall durften die Sternengardisten ihn mit dieser Sache in Verbindung bringen und erst Recht nicht die Maske bei ihm finden.
Doch wegwerfen konnte er die Sachen auch nicht. Er würde sie verstecken, bis Gras über die Sache gewachsen war. In einigen Monaten würde sich weder der Magistrat noch die Sternengarde um den Vorfall der vorletzten Nacht scheren. Dann konnte er die Sachen wieder hervorholen und an den Mann bringen. Bis dahin konnte er von dem erbeuteten Bargeld ja auch ganz gut leben.
„Du hast recht, Nayin“, sagte er. „Ich werde die Sachen verschwinden lassen. Ich kann ja nicht zulassen, dass diese Verrückten mir und der kleinen Nervensäge das Leben zur Hölle machen.“
„Endlich siehst du es ein“, sagte der Zauberer erleichtert. „Wurde ja auch Zeit. Apropos Nervensäge, wie geht es dem kleinen Ausreißer denn so?“
Lares winkte genervt ab und lehnte sich in seinem Stuhl zurück, nicht ohne vorher sein Glas vom Tisch zu nehmen. „Du müsstest mal hören, was er in der letzten Zeit für einen Schwachsinn zusammen spinnt. Er will unbedingt zu den Freien Inseln segeln...“
Nayin begann schallend zu lachen. Die bisher recht angespannte Stimmung löste sich nun sehr schnell von den Beiden.
„Tja“, meinte der Magier, „du hättest ihn halt nicht in die Arme einer hübschen und fantasievollen Hure entkommen lassen dürfen... Aber sei froh, dass er zu den Freien Inseln will und nicht wieder zurück zu der guten Fee vom Hinterhof.“
„Bei allen Göttern, das hätte mir noch gefehlt. Ich hoffe, es dauert noch einige Jahre, bis Matayas Kuss ihn trifft und er anfängt hinter den Weiberröcken herzulaufen.“
„Wie alt ist er eigentlich?“ fragte Nayin.
„Zehn“ antwortete Lares. „Mit ein bisschen Glück bleiben mir solche Querelen also noch drei, vier Jahre erspart.“
„Wenn er nach dir kommt, wirst du weniger Zeit haben.“ grinste Nayin.
Lares griff blitzschnell nach dem ungenutzten Kerzenleuchter, der auf dem Tisch stand und schleuderte ihn zielsicher an Nayins Schulter vorbei gegen die Wand.
„Hey, du Barbar!“, lachte der Zauberer. „Lass das gute Mobiliar heile. Kannst doch nur die Wahrheit nicht ertragen!“ Lares fiel in das Lachen mit ein und stand auf, um den Kerzenleuchter wieder aufzuheben. Als er an Nayin vorbei ging, duckte dieser sich instinktiv weg, so dass Lares’ halbherziger Klaps in den Nacken sein Ziel verfehlte. Lares grummelte etwas Unverständliches vor sich hin, hob den Kerzenleuchter auf und machte sich auf zum Schrank, um eine neue Flasche Wein zu holen.
„So, nun aber genug über finstere Zauberer und frühreife Bengel geredet.“, sagte er. „Jetzt wird erst einmal meine erfolgreiche Arbeit gefeiert.“
Dem konnte dann auch Nayin nicht widersprechen.
Der nächste Morgen begann mit der Feststellung, dass die dritte Flasche Wein eine ziemlich dämliche Idee gewesen war. Sein Schädel dröhnte, als stampfe eine ganze Herde Hornbestien hindurch und sein Magen protestierte schon bei dem Gedanken an Nahrung aufs Allerschärfste.
Eigentlich, dachte Lares verstimmt, hatte es gar nicht an der letzten Flasche Wein gelegen. Vielmehr hätten sie zwischendurch einfach die Finger von dem Branntwein lassen sollen, den Nayin mitgebracht hatte. Ein ziemlich fürchterlicher Fusel, an dessen Geschmack und Geruch man sich jedoch nach ein paar Gläsern durchaus gewöhnt hatte. Und wenn erst einmal ein Drittel der Flasche gelehrt war, glaubt man sogar, das einem das Zeug wirklich schmecken würde.
Tückisch, dachte Lares und quälte sich vorsichtig aus dem Bett. Als er sich auf die Bettkante setzte, durchfuhr ihn ein Schwindelgefühl, das ihn sofort wieder auf sein Bett niedersinken ließ.
Erst als nach ein paar Minuten die Welt wieder aufgehört hatte sich...




