Riedel | Mindful Coaching | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 240 Seiten

Riedel Mindful Coaching

Veränderungsprozesse systemisch, achtsam und kreativ gestalten
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-17-044396-9
Verlag: Kohlhammer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Veränderungsprozesse systemisch, achtsam und kreativ gestalten

E-Book, Deutsch, 240 Seiten

ISBN: 978-3-17-044396-9
Verlag: Kohlhammer
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Wie möchte ich als einzelne Person meine individuelle und wie wollen wir als Gesellschaft unsere gemeinsame Zukunft gestalten? Wie können wir unsere innere Widerstandsfähigkeit nachhaltig schützen und stärken? Auf der Suche nach Antworten befinden sich Menschen häufig in einem Spannungsfeld zwischen empfundenem Veränderungswunsch und verschiedenen Gestaltungsmöglichkeiten, die in ihrer Vielfalt überfordern können. Die größte Kraft und der Kern für Veränderungen liegen in der Gestaltung der 'kleinen' Schritte. Das im Buch vorgestellte Konzept des Mindful Coaching bietet hierfür in seiner Kombination aus systemischem, achtsamem und kreativem Ansatz einen hilfreichen Weg, um zu persönlichen Antworten zu gelangen und nachhaltig bei Veränderungsvorhaben zu unterstützen. Das Buch ist eine Schatzkiste voller Geschichten, Mythen und Erzählungen sowie anschaulicher Fallbeispiele aus der Coachingpraxis und gibt wertvolle Impulse für die eigene Entwicklung. Darüber hinaus laden Übungen und Meditationen, die als Audiodateien verfügbar sind, dazu ein, die eigene Achtsamkeitspraxis zu vertiefen. Zudem bietet es einen Ausblick auf den Wandel des Coaching-Formats an sich.

Mathias Riedel ist Inhaber des Instituts für Coaching und Achtsamkeit (ICA) in Berlin. Er ist Dipl.-Wirtschaftspsychologe und staatlich ausgebildeter Schauspieler. In eigener Praxis ist er als Unternehmensberater, Achtsamkeitstrainer, MBSR-Lehrer, Senior- und Lehrcoach, Supervisor und Mediator tätig.
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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


1 Systemisches Coaching – eine erfahrbare Haltung


Ein System versteht man erst dann, wenn man versucht, es zu verändern.
– Kurt Lewin

1.1 Der Erfolg einer Beratungsform


Coaching ist beliebt und stark nachgefragt – Tendenz steigend. Das liegt auch daran, dass dieses Format nicht mehr nur Führungskräften vorbehalten, sondern inzwischen in der breiten Gesellschaft angekommen ist. Coaching boomt, was allerdings auch zu unzähligen Stilblüten führt. Schaut man genauer hin, bekommt man den Eindruck, dass überall gecoacht wird. Angefangen beim Sport-Coaching (eines der ursprünglichsten und etabliertesten sogenannten Bindestrich-Coachings) über Life-Coaching, Wellness-Coaching, Shopping-Coaching etc. Wahrscheinlich kennen Sie selbst zahlreiche Beispiele, die mit dem eigentlichen Format des Systemischen Coachings wenig bis gar nichts zu tun haben. Es gibt inzwischen wohl kaum einen Begriff, der sich nicht vor das Wort Coach spannen ließe. Coach-Sein ist populär und vermarktet sich offenbar gut. Dem klassischen Coaching zuordnen lassen sich allenfalls das Business-Coaching, das sich an die Zielgruppe der leitenden Menschen aus der Wirtschaft richtet und nicht selten von den Arbeitgebenden bezahlt wird sowie das Personal-Coaching, welches sich in erster Linie über den Zusammenhang von Beruf und Rolle definiert. Auch wenn es in diesen Formaten meist um ein rein kognitives Schärfen und Ordnen von Vorgehensweisen geht, kann auch hier das private Leben der Coachees, wie im Life-Coaching, reflektiert werden. Spätestens seit New Work und Homeoffice werden die Grenzen der Balance zwischen Privat- und Arbeitsleben immer fließender. Doch was ist eigentlich mit dem Format Coaching im klassischen Sinn gemeint und was bedeutet die Zusatzbezeichnung »systemisch«?

1.2 Begriffsklärung: Coaching


Wenden wir uns zuerst dem Begriff Coaching zu, denn bereits hier wird es schwierig: Die Berufsbezeichnung der*die Coach*in ist gesetzlich nicht geschützt, was dazu führt, dass man sich auch ohne entsprechende Qualifikation so nennen darf.

In einem Positionspapier, welches im Zeitraum von Juli 2012 bis Dezember 2013 im Roundtable der Coachingverbände verfasst und 2014 veröffentlicht wurde, haben sich die führenden deutschen Coachingverbände auf folgende Definition geeinigt:

»Coaching richtet sich an einzelne Personen (bzw. Personengruppen) und fördert deren Fähigkeit zur Selbstorganisation im Berufs- und Arbeitsleben. Coaching unterstützt die Person bei der Gestaltung ihrer persönlichen Entwicklung, ihrer sozialen Rollen und ihrer Kooperationsbeziehungen sowie bei der Bewältigung ihrer Entscheidungs- und Handlungsanforderungen im Arbeitsleben.

Coaching wird durch einen Coach ausgeübt, dessen Qualifizierung von einem Berufs- oder Fachverband anerkannt ist.

Im Dialog zwischen Coach und Klient werden Reflexions- und (Selbst-)Erfahrungsräume eröffnet und Klärungsprozesse initiiert. Durch die Erschließung neuer Perspektiven werden Entwicklungspotenziale und Handlungsspielräume erschlossen, Lern- und Veränderungsprozesse angeregt und begleitet sowie die Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit gestärkt« (Salamon, 2014).

Für mich ist Coaching immer eine vertrauliche und auf der Bereitschaft der Coachees beruhende, individuelle Form der Prozessbegleitung auf Augenhöhe und richtet sich an psychisch gesunde Menschen und nicht an Patient*innen. Coachende kennen und achten die Grenzen des Coaching-Formats und verweisen gegebenenfalls weiter.

Coaching kann im Einzel- oder auch im Gruppenformat stattfinden. Wobei bei Letzterem die Allparteilichkeit und Vertraulichkeit gewährleistet werden muss, sowie es Kenntnisse zu gruppendynamischen Prozessen erfordert.

Coaching unterstützt Menschen in Krisensituationen auf der Suche nach passgenauen Lösungen bezüglich spezifischer Probleme oder der generellen Verbesserung des Wohlbefindens sowie bei der Wiederentdeckung und Entwicklung von Ressourcen, Potentialen und Widerstandsfähigkeit. Dabei geht es vor allem darum, neue Sichtweisen und Handlungsmöglichkeiten in Situationen zu entwickeln, welche die Coachees als belastend empfinden. Die Themen im Coaching sind sehr individuell und komplex. Kein Thema ist wie das andere, auch wenn das manchmal so scheinen mag. Je genauer wir die Sichtweise der Coachees erkunden, desto mehr erkennen wir die Einzigartigkeit und Vielschichtigkeit der Themen und die Komplexität der inneren und äußeren Systemwelten. Für komplexe Themen kann es keine schnellen Lösungen geben. Coaching ist vor allem Prozessbegleitung und keine Einmalnummer. Natürlich können wir im Coaching auch in kurzer Zeit zu Teillösungen kommen. Jedoch ist es meiner Erfahrung nach ein Irrtum zu glauben, mit der richtigen Methode direkt zum Ziel kommen zu können. Wenn Menschen wirklich nachhaltige und neue Lösungen suchen, braucht es überraschende Lösungen, die nicht von der Stange kommen und nur durch einen kreativen Prozess möglich werden. Um solche Möglichkeitsräume zu eröffnen, ist zunächst eine gute Verbindung und Vertrauen zwischen der*die Coach*in und der*die Coachee erforderlich. Aus dieser Verbindung heraus lässt sich ein ko-kreatives Dialogfeld erzeugen. Und nicht selten finden die wirkungsvollsten Entwicklungsschritte zwischen den Sitzungen statt. Gezielt gefördert werden im Coaching die Selbstwahrnehmungssteuerung und -reflexion sowie die Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit. Die Sparringspartnerschaft im Prozess hilft, neue Verhaltens- und Sichtweisen zu identifizieren, unterstützt aber auch dabei, zu sortieren, selbst die kleinsten Schritte der Veränderung wahrzunehmen, zu würdigen und dranzubleiben. Damit ist Coaching nicht nur eine sehr persönliche Dienstleistung, sondern auch eine individuelle Prozessbegleitung. Diese Individualität muss auf dem Markt sichtbar sein. Das gilt nicht nur bezüglich der Zielgruppen und Themenschwerpunkte, auf die man sich als Coach*in vielleicht spezialisiert hat, sondern auch für die Haltung und einzigartige Coach*inpersönlichkeit. Menschen suchen sich ihren*ihre Coach*in sehr gezielt. Eine stimmige Wellenlänge ist hierbei die Basis für vertrauliche und tiefe Gespräche.

Coach-Sein ist nicht bloß »ein Job«, sondern auch eine Berufung mit einer spezifischen Haltung, einem erlernten Handwerk und einem authentischen, einzigartigen Stil. Ein*e Coach*in ist man mit seiner ganzen Persönlichkeit.

Zu mir in die Praxis kommen potentielle Coachees mit den unterschiedlichsten Themen, Schwierigkeiten und Fragen. Oft geht es um Konflikte am Arbeitsplatz, um zeitgemäße Führungsstrategien, persönliche Entwicklungsanliegen, Veränderungen und Neuorientierungen. Außerdem stelle ich seit einiger Zeit fest, dass immer mehr Menschen nach Achtsamkeitsübungen fragen. Sie hoffen, Wege aus ihren Grübelschleifen zu finden, besser (ein-)schlafen zu können und hilfreiche Strategien im Umgang mit Überlastungen kennenzulernen. Manchmal geht es auch darum, mit Ängsten oder anderen herausfordernden Emotionen besser umgehen zu können oder das Lampenfieber vor einer Präsentation oder einer Rede in den Griff zu bekommen. Rezepte oder Standardmethoden, wie ich als Coach mit diesen verschiedenen Coaching-Anliegen praktisch vorgehe, habe ich nicht. Ich arbeite systemisch, achtsamkeitsbasiert und kreativ, indem ich Raum schaffe für Überraschendes. In meinen Coachings lade ich dazu ein, sich Themen auch spielerisch zu nähern. Methodisch gibt es da unzählige Möglichkeiten. Mir ist es dann wichtig, neue Perspektiven und in Folge »Aha«-Momente zu ermöglichen. Dabei frage ich oft nach Empfindungen und versuche auch körperliche Erfahrungen in Worte fassen zu lassen. Dadurch werden Veränderungen spürbar und wirken nicht selten nach. Mir wird häufig bestätigt, dass es bezüglich der Themen zwar schon Lösungsideen gab, sich nun aber ein Gefühl für diese Ideen und ihre Umsetzbarkeit entwickelt hat. Diese auf emotionaler und körperlicher Ebene erlebten Erfahrungen sind nachhaltiger als geplante Strategien. Meistens kommen die Coachees zirka acht- bis zwölfmal, verteilt über ein Jahr zu mir ins Coaching. Am Ende dieser Zeit sind dann die grundlegenden Anliegen soweit geklärt und mit neuen Handlungsoptionen nachhaltig verbunden.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Professionell ausgebildete Coachende vollbringen keine Wunder und sollten nichts versprechen, das sie nicht einhalten können. Sie sind in der Lage, Menschen in ihren vielfältigen Lebensbereichen und ihren Sichtweisen auf die Welt abzuholen und in einen professionellen und prozessbegleitenden Dialog einzuladen. Sie schaffen einen vertrauensvollen Rahmen, der Überraschungen und Veränderungen ermöglicht, und bieten einen ganzheitlichen, interdisziplinären Coaching-Ansatz. Im besten Fall verfügen sie über eine entsprechende Coach*in-Ausbildung, die möglichst den Richtlinien eines Berufsverbandes entspricht und sich damit bestimmten Qualitätsstandards verbürgt.

1.3 Was Coaching nicht ist


Die Grenzen zur...


Mathias Riedel ist Inhaber des Instituts für Coaching und Achtsamkeit (ICA) in Berlin. Er ist Dipl.-Wirtschaftspsychologe und staatlich ausgebildeter Schauspieler. In eigener Praxis ist er als Unternehmensberater, Achtsamkeitstrainer, MBSR-Lehrer, Senior- und Lehrcoach, Supervisor und Mediator tätig.



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