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Riescher | Drachen, Katzen und Tentakel | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 204 Seiten

Riescher Drachen, Katzen und Tentakel

39 skurrile Kurzgeschichten von Science Fiction bis Fantasy
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-7693-6176-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

39 skurrile Kurzgeschichten von Science Fiction bis Fantasy

E-Book, Deutsch, 204 Seiten

ISBN: 978-3-7693-6176-6
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Entdeckt 39 schräge Kurzgeschichten, die phantastische Lese-Häppchen für zwischendurch bieten. Begegnet gerissenen Raumfahrern, bürokratischen Außerirdischen und invasiven Einhörnern, begleitet süße Drachen, gefährliche Katzen oder untote Teppiche, die in absonderlichen Zwischenwelten ihr Unwesen treiben. Inklusive sechs Abenteuern von Mara und Krios, dem legendären Weltraum-Diebes-Pärchen.

Bianca M. Riescher, Jahrgang 1969, Autorin abenteuerlicher Fantasy-Geschichten, lebt mit ihrer Familie in der Schweiz. Ihr Debütroman Mitternachtsrot erreichte im Jahr 2016 die Finalrunde für den von der Phantastischen Akademie vergebenen Literaturpreis SERAPH. Die studierte Geographin interessiert sich für Ur- und Frühgeschichte und ist leidenschaftliche Bogenschützin. Aus diesen Bereichen schöpft sie Inspiration für die von ihr geschaffenen fantastischen Welten. Mehr Informationen über die Autorin: www.biancamriescher.ch
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Under Cover Job


Mara saß in ihrem Kommandosessel der TITANIA und tippte ungeduldig mit den Fingern auf die Armlehne. »Hast du alles?« Mara linste an ihrem Kollegen Krios vorbei auf den Bildschirm, der ihr den Parkbereich der KEPLER-Station zeigte, die den Hauptplaneten der Orionis-Hegemonie umkreiste.

»Klar doch, Käptin.« Krios salutierte übertrieben affektiert, hob seinen kybernetischen linken Arm und zählte nacheinander an seinen metallenen Fingern ab: »Tarnbarer Stasis-Sack, Kristallschneider, Tarnfeldarmbänder … zwei Stück und eine gefälschte Einladung für die Museumseröffnung.«

Sie seufzte und wünschte, sie hegte die gleiche unerschütterliche Zuversicht wie ihr kybernetisch aufgemotzter Kollege. Der Auftrag musste einfach klappen, denn sie brauchten dringend Geld, nachdem die letzte Mission auf der LEIBNIZ-Station schief gelaufen war. Mara straffte ihre Schultern. »Also, auf geht’s. TITANIA, Parkposition einnehmen. Aber schön unauffällig.«

»Ja, Käptin. Andocken eingeleitet«, schnurrte TITANIAS beruhigende Computerstimme.

Mara beobachtete, wie Krios in seine alte speckige schwarze Lederjacke schlüpfte, die so gar nicht in die Raumschiffumgebung passte, aber von der er sich einfach nicht trennen wollte. Den leichten Stasis-Sack knüllte er zusammen und stopfte ihn in eine der Innentaschen. Eines der Tarnfeldarmbänder, das, selbst auch kaschiert, wie eine altmodische Armbanduhr aussah, legte er sich um das rechte Handgelenk. »Sieht sogar ganz schick aus.«

Mara überwachte das Andockmanöver, vollführte ein angespanntes Tippetitapp auf der Armlehne und murmelte bestimmt schon zum hundertsten Mal, seit sie von Terra Proxima aufgebrochen waren: »Verdammter Auftrag.« Museen machten sie einfach nervös. Sie erinnerte sich zu gut daran, wie sie als fünfjähriges Kind in der ägyptischen Abteilung verloren gegangen war und die Nacht im Museum allein verbringen musste, zwischen unheimlichen Mumien und Götterstatuen.

»Wird schon gutgehen.« Entgegen seiner sonstigen Nonchalance legte Krios diesmal seine Metallhand beruhigend auf ihre Schulter und nickte ihr ernst zu. »Keine Sorge. Wir gehen unauffällig rein, schnappen uns das Teil, und bevor irgendeiner von den Orionis mitbekommt, was passiert, sind wir wieder auch schon wieder auf der TITANIA.« Er schenkte ihr ein halbes Lächeln. »Hier, dein Zeugs.« Er legte Mara behutsam das Tarnfeldarmband um. »Den Kristallschneider und die Einladung nimmst besser du.«

»Ich fühle mich nackt ohne meinen Strahler.« Mara tastete nervös ihr rechtes Bein ab, an dem normalerweise ihre Waffe in einem Oberschenkelholster steckte. Aber man ging einfach nicht bewaffnet zu einer Museumseröffnung.

»Meinst du, mir geht’s besser ohne meine alte Lizzy?«

»Hab’ ich dir eigentlich schon mal gesagt, wie kindisch ich es finde, dass du deiner Partikelwaffe einen Namen gibst?«

»Nö. Nur ungefähr tausend Mal.« Krios grinste über das ganze Gesicht.

Seltsamerweise dämpfte das kleine Geplänkel Maras Nervosität ein wenig.

TITANIA beendete das Andockmanöver. Mara hängte sich bei Krios rechtem Arm ein. »Na, dann los.« Getarnt als kunstsinniges Ehepaar betraten sie zusammen die KEPLER-Station, um die Eröffnung des Museums für Terranische Ethnologie, Geschichte und Geografie mit ihrer Anwesenheit zu beehren. »Schnappen wir uns das Schafdingens.«

»Goldenes Vlies. Es heißt Goldenes Vlies.« Krios tippte sich auf seinen Schädel. »Nicht vergessen: kybernetisch aufgemotzt.«

Unbehelligt, denn die gefälschten Einladungen waren erstklassige Anfertigungen, betraten sie das neu eröffnete Museum, schnappten sich im Eingangsbereich einen Apéro, ließen die Eröffnungsrede geduldig über sich ergehen und schlenderten anschließend durch die einzelnen Abteilungen. Zuerst die jüngere terranische Geschichte mit Australien und Ozeanien als geografischen Mittelpunkt, dann vorbei an europäischen Ausstellungsstücken aus dem Mittelalter, gelangten sie immer weiter in die Vergangenheit, bis sie endlich in der archaischen Zeit und im Kaukasus anlangten. Überall funkelten ihnen goldene Artefakte entgegen.

»Hier ist es.« Krios schlenderte an einer Vitrine vorbei. Ein Hologramm ploppte auf und zeigte in einer aufwendigen Animation, wie damals in Kolchis wohl Gold mit Hilfe von Schaffellen aus den Flüssen gewaschen worden sein könnte. Ihr Kollege blieb vor einem anderen Ausstellungsstück stehen, einem alten zerrupften Teppich, und gab vor, ihn ausgiebig zu mustern. Er verschwand fast hinter der holografischen Simulation eines antiken Webrahmens, an dem die Technik des Knüpfens erläutert wurde.

Mara stellte sich neben ihn und ließ ihren Blick unauffällig durch den Raum schweifen. »Weiter hinten sind ein paar Hygienestationen. Dort können wir kurz den Überwachungssensoren entgehen.«

»Prima. Keine anderen Besucher in Sichtweite.« Krios zog sie in die Hygienestation. »Denk dran, das Tarnfeld hält nur für zwei Minuten. Bis dahin müssen wir das Ding haben.«

Mara tippte auf das Display, und die Welt um sie herum waberte kurz. Sie sah in den Spiegel und sah nichts. Das Tarnfeld funktionierte, hoffentlich maskierte es auch ihre Körperwärme, und die Überwachungssensoren würden sie nicht bemerken. Die automatische Tür öffnete sich auf Knopfdruck, und flink schlüpften sie in den Ausstellungsraum zurück. Geschickt schnitt Mara mit dem Kristallschneider ein kreisrundes Loch in den altmodischen Schaukasten. Hervorragend. Die Museumssicherheit hatte anscheinend an der falschen Stelle gespart und keine Erschütterungssensoren oder Ähnliches an der Vitrine direkt angebracht.

Ihr Zielobjekt, ein aus Gold nachgebildetes Schaffell, verschwand, als der unsichtbare Cyborg es in den getarnten Stasis-Sack stopfte. Sie wartete nicht länger, sondern lief zurück zur Hygienestation, um wieder ungesehen ihre Tarnung abzustreifen, bevor sie noch im Einzugsbereich der Überwachungssensoren versagte.

»Mist.« Mara hörte Krios fluchen. Sie rumpelte gegen ihren getarnten Kollegen, der die Tür zur Hygienestation blockierte.

»Was ist?«

»Die Tür öffnet sich nicht.«

»Mist«, bekräftigte Mara. »Mistmuseum. Kaum eröffnet und schon alles kaputt. Schnell zur nächsten Hygienestation. Bei den Römern war noch eine. Vielleicht schaffen wir es ungesehen.«

»Du bist und bleibst eine Optimistin.« Eine unsichtbare Hand tatschte ihren Arm entlang. Ihre Hände fanden sich, und sie liefen los, um in den Kaukasus zu gelangen und von dort aus ins Römische Reich. Sie hasteten um die nächste Ecke, stießen mit einem Hindernis zusammen. Eine ältliche Frau mit rosa Haaren plumpste auf ihr Gesäß und schrie wie am Spieß. Ein kurzes Déjà-vu des letzten Auftrags auf der LEIBNIZ-Station flackerte auf, bevor die Tarnfelder versagten und der Stasis-Sack zerriss. Das goldene Vlies polterte auf den Boden. Geistesgegenwärtig schlug Krios die Vitrine neben ihm ein und riss den alten zerrupften Teppich aus seiner Halterung. Mara hob das Artefakt auf, sie wickelten es in den Teppich, und sie flohen in die entgegengesetzte Richtung nach Sibirien. Der akustische Alarm dröhnte durch die Ausstellungshallen. Überall blinkten Warnleuchten, und eine Durchsage befahl ironischerweise, Ruhe zu bewahren.

»Komm, hier entlang.« Krios deutete auf eine unscheinbare Tür. »Ich hab die Stationspläne auswendig gelernt. Das ist ein Serviceraum.« Mit seinem kybernetisch verbesserten Arm drückte er die Türhälften auseinander und schob Mara in den dahinterliegenden Raum.

Altmodische Putzroboter schliefen und warteten auf ihren nächtlichen Einsatz. »Halt mal.« Er drückte ihr den Teppich in die Arme. »Hier oben.« Krios rückte einen Wischroboter näher heran, stellte sich darauf und langte an die Decke, um eine Luke zu öffnen. »Ein Wartungsschacht. Eng, aber wir werden schon durchpassen.«

Mara seufzte. »Warum muss es immer mit einer überstürzten Flucht enden? Ich hasse enge Räume. Und jetzt soll ich durch diese Röhre kriechen?«

Ihr Kollege hangelte sich durch die knappe Öffnung, und sie reichte ihm zuerst das Paket, bevor er sie zu sich hinaufzog und die Klappe schloss.

Dunkelheit umgab Mara. Sie hörte leises elektrisches Fiepen und Knistern. Aber auch das dumpfe Trampeln von Stiefeln, in denen Füße steckten, die erzürnter Stationssecurity gehörten. »Pst. Sie suchen schon nach uns.«

Die Tür zum Serviceraum unter ihnen glitt mit einem Zischen auf. Mara lag ganz still und hielt den Atem an. Eine gedämpfte Stimme drang durch die Decke. »Hier ist niemand. Weitersuchen!« Noch einmal zischte die Tür, und das Trampeln entfernte sich. Sie warteten. Mara atmete bewusst ein und aus und versuchte, ihr Unbehagen zu verdrängen, was ihr nur halbherzig gelang.

Krios zupfte an ihrem Ärmel, und sie krochen los. Schlängelten sich...



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