Riescher | Gazelle und Schakal | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 278 Seiten

Riescher Gazelle und Schakal

Der Smaragd der Kriegsgöttin
1. Auflage 2024
ISBN: 978-3-7562-8567-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Der Smaragd der Kriegsgöttin

E-Book, Deutsch, 278 Seiten

ISBN: 978-3-7562-8567-9
Verlag: BoD - Books on Demand
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Neugierig auf ein romantisches Sword & Sorcery Abenteuer? Dann folge einer jungen Nomadin, die sich in der Wüste von Dschanor gegen Dämonen, Wüstenräuber und Sklavenjäger behaupten muss. Das Leben ist wunderbar, denkt die 17-jährige Thiyya. Heiraten und die Herrin im eigenen Zelt werden sind verlockende Aussichten für die Zukunft, vor allem als der junge, elegante Amenai um ihre Hand anhält. Doch kurz nach seiner Ankunft überfallen die berüchtigten Schakale der Wüste das Lager ihrer Familie. Unversehens finden sich Thiyya und Amenai auf einer gefahrvollen Reise durch die Wüste von Dschanor wieder, die sie auf die Spur des magischen Smaragds der Kriegsgöttin führt. Wird es ihnen gemeinsam gelingen, allen Gefahren der Wüste zu trotzen und mit Hilfe des Smaragds das Rätsel um Amenais verschwundene Eltern zu lösen?

Bianca M. Riescher, Jahrgang 1969, Autorin abenteuerlicher Fantasy-Geschichten, lebt mit ihrer Familie in der Schweiz. Ihr Debütroman Mitternachtsrot erreichte im Jahr 2016 die Finalrunde für den von der Phantastischen Akademie vergebenen Literaturpreis SERAPH. Die studierte Geographin interessiert sich für Ur- und Frühgeschichte und ist leidenschaftliche Bogenschützin. Aus diesen Bereichen schöpft sie Inspiration für die von ihr geschaffenen fantastischen Welten. Mehr Informationen über die Autorin: www.biancamriescher.ch
Riescher Gazelle und Schakal jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Am Brunnen von Sham'Sa


Wind fegte über die Wüsteund wirbelte feinen Staub auf, der sich am Horizont mit dem Blaudes Himmels vermischte. Die Große Ebene von Dschanor verschwamm in konturlosem Flimmern, durch das ein verschleierter Reiter auf einem hochbeinigen Dromedar ritt.

Amenai hielt sein Mehari an, beschattete die Augen und suchte den Horizont ab, bis er fand, was er suchte. Sein Blick blieb an einer winzigen Störung in der Gleichförmigkeit der Ebene hängen. Wie die Gipfel einer bergigen Insel reckten sich die Felsen von Sham'Sa aus der wabernden Hitze.

Er stieß ein zufriedenes Brummen aus, kniff die Augen zusammen und zog den Gesichtsschleier, der nachlässig heruntergerutscht war, über Mund und Nase, um sich vor dem staubbeladenen Wind zu schützen. Mit einem aufmunternden Zungenschnalzen trieb er sein Reittier wieder an. Nicht mehr lange und er hatte die Zelte der Isaan erreicht, die am Brunnen von Sham'Sa lagerten.

Die gleißende Mittagsglut verwischte die Umrisse der Felsen, denen er sich näherte. So kurz vor seinem Ziel verzichtete er auf eine Rast, obwohl er jetzt, während der heißesten Tageszeit, durch jede zusätzliche Bewegung zu viel kostbares Wasser verbrauchte.

Die Mittagshitze, in der selbst die wilden Gazellen ruhten, war kaum vorüber, als er zu dem schmalen Zugang gelangte, der zum Brunnen von Sham'Sa führte. Wohltuender Schatten empfing ihn in der Schlucht zwischen den hoch aufragenden Felstürmen. Amenai sog die kühle Luft in seine Lunge und genoss es, der Hitze und dem Staub der Ebene für kurze Zeit entkommen zu sein. Selbst sein Mehari schritt nun schneller aus.

Der Weg führte ihn allmählich immer höher und bald müsste er das Plateau erreicht haben.

Amenai stutzte. Dort, hinter der nächsten Biegung, hörte er ein Knirschen. Von einem Tier oder einem Menschen? Das kaum wahrnehmbare Geräusch erinnerte ihn an das Zermalmen eines Steins unter einer Ledersohle.

Jetzt noch einmal. Nein, kein Tier. Diesmal meinte er, das Klacken aneinanderstoßender Kiesel gehört zu haben. Das musste der Wächter gewesen sein, der den Weg zum Brunnen bewachte und sich gerade zurückzog, um das Erscheinen eines Besuchers anzukündigen.

Ohne sein Dromedar niederknien zu lassen, sprang Amenai aus dem Sattel.Rasch legte er den Schwertgurt ab und zog sein verstaubtes Übergewand und den Takesht aus. Aus einer Satteltasche kramte er frische Kleidung. Nachdem er in angemessen sauberes Dunkelblau gekleidet war, suchte er nach der handtellergroßen, polierten Bronzescheibe, um den Sitz des neuen, noch strahlend weißen Gesichtsschleiers zu kontrollieren. Nervös zupfte Amenai den Takesht zurecht. Ein lose herabhängendes Ende steckte er unter einer Stoff-falte fest und betrachtete sich noch einmal gründlich im Spiegel. Perfekt. Von seinem Gesicht waren nur noch die Augen zu sehen. Sein Äußeres würde der strengen Überprüfung, die ihn unweigerlich im Zeltlager erwartete, standhalten.

Er stopfte die Bronzeplatte, den alten Gesichtsschleier und sein abgelegtes Gewand zurück in die Satteltasche, tätschelte seinem Dromedar den langen Hals und rückte die Muschel des Brautwerbers, die am Halfter befestigt war, nach vorn, damit sie sofort erkannt werden konnte.

Sorgfältig legte er den Schwertgurt wieder um. Ein rascher Griff an das Heft des Schwertes beruhigte ihn. Es mussgelingen. Alles hing davon ab, ob er den Clan der Isaan trotz seiner Jugend überzeugen konnte, ein angemessener Heiratskandidat zu sein.

Zum Glück sah niemand sein angespanntes Grinsen, das der Gesichtsschleier verbarg.

Was hat Udad gesagt? Sei einfach du selbst. Der hat leicht reden; Udad muss ja auch keine traditionsverkrusteten Isaan überzeugen.

Das Bellen eines Schakals – oder vielmehr das, wofür es ein unerwarteter Besucher halten sollte – warf ein mehrstimmiges Echo durch die Schlucht.

»Ah, meine Begrüßung«, murmelte er. »Dann los.« Er schnalzte mit der Zunge und zog sein Mehari am Führstrick den gewundenen Pfad entlang hinter sich her, bis das Felslabyrinth Amenai aus dem tröstlichen Halbdunkel, hinaus unter die gnadenlose Sonne der Großen Ebene, entließ. Das Plateau mit dem Brunnen von Sham'Sa lag vor ihm. Er zählte ein halbes Dutzend Zelte, vor denen sich bereits sechs misstrauische Männer versammelt hatten, um den fremden Besucher zu empfangen.

In der gebotenen Entfernung von zwanzig Doppelschritten vor dem ersten Zelt hielt Amenai an, ließ sein Dromedar niederknien und wartete.

Thiyya schob den Stoff, der den Zugang zu dem Zelt ihrer Mutter verschloss, ein wenig zur Seite und blickte hinaus.

Hinter ihr drängelten ihre Schwester Maryama und ihre Cousine Hadda, um auch einen Blick auf den Reiter zu werfen, der vor dem Lager wartete.

»Lass mich auch sehen, Thiyya.« Maryama knuffte den Ellbogen in Thiyyas Rücken. »Wie sieht er aus?« Geschickt schlängelte sich ihre Schwester vorbei und streckte die vorwitzige Nase aus dem Zelt.

»Sei nicht so neugierig«, schimpfte Hadda.

Der Tadel klang nicht sehr überzeugend. Wie auch? Thiyya kam ja ebenfalls fast um vor Neugierde auf den Besucher, was sie Hadda und Maryama gegenüber aber niemals zugegeben hätte. Vor allem, wenn es sich um einen Wüstenkrieger handelte, der dem Anschein nach jung und kräftig war und die Muschel eines Brautwerbers am Halfter seines Meharis befestigt hatte.

»Ob der wegen mir gekommen ist?«Hadda gluckste und drückte jetzt auch noch gegen Thiyyas Rücken. »Was macht er? Lassen ihn die Männer ins Lager? Jetzt sag schon: Wie sieht er aus?«

»Macht, dass ihr da wegkommt!«

Erschrocken fuhr Thiyya herum. Ihre Mutter Jimani stand mit in den Hüftengestemmten Händen hinter ihnen. »Ihr dummen Ziegen werdet es noch früh genug erfahren, um wessen Gunst er wirbt.« Ihre Armreifen klimperten anklagend als sie beide Hände resigniert zum Himmel hob. »Ikash'Kasan steh mir bei. Drei heiratswütige Mädchen, die es nicht erwarten können, dem erstbesten Kamelreiter hinterherzulaufen.« Kopfschüttelnd scheuchte sie die Mädchen zur Kochstelle im Frauenbereich des Zeltes. »Maryama, du putzt das Gemüse! Thiyya, du bereitest den Tee! Hadda! Steh nicht so faul herum und schüttel die Sitzkissen auf.«

Maryama streckte Thiyya die Zunge heraus. »Bestimmt will er mich heiraten. Ich sehe viel besser aus als du.«

Gerade noch hinderte Thiyya sich selbst daran, ihrer kleinen Schwester ebenfalls die Zunge zu zeigen. »Dumme Zippe. Wegen dir kommt er bestimmt nicht. Du bist viel zu jung. Ich bin immerhin drei Sommer älter als du.« Würdevoll, wie sie meinte, straffte Thiyya ihre Schultern und schritt mit hoch erhobenem Kopf hinter ihrer Mutter her, um zu beweisen, dass sie viel vernünftiger und verantwortungsbewusster als Maryama war.

»Bis jetzt sind sie aber alle wegen dir gekommen, Thiyya. Nur weil du älter bist als ich. Aber ich bin auch schon alt genug, um zu heiraten. Immerhin schon vierzehn Sommer. Mutter war auch nicht viel älter, als sie geheiratet hat«, sagte Maryama und verzog ihren hübschen Mund zu einem Schmollen.

Mit einem schrillen Lachen warf Hadda ihren Kopf zurück. »Bestimmt ist er alt und hässlich. Dann gönne ich ihn euch gerne.«

Aber Thiyya glaubte nicht, dass er alt war, denn er bewegte sich kraftvoll und geschmeidig. Er musste einfach genauso jung und hübsch sein wie sein schlankes Dromedar. Etwas anderes wollte sie sie sich erst gar nicht vorstellen. Wenn die Brautgabe so wertvoll war wie sein weißes Reittier, dann würde er sicherlich Vaters Forderungen für eine seiner Töchter erfüllen können.

Sie setzte sich neben ihre Mutter und schürte das Feuer. Die Flammen loderten auf und sie träumte davon, endlich Herrin in einem eigenen Zelt zu sein, die vielleicht sogar über kreedanische Sklaven gebot; umworben von einem jungen, mutigen Krieger, der ihre Schönheit in Liedern besang. Sie meinte, schon den schweren Silberschmuck einer verheirateten, freien Tarqit um ihren Hals zu spüren.

Das ungeduldige Fingerschnipsen ihrer Mutter riss Thiyya aus ihrem Tagtraum. Hastig setzte sie die Kanne mit Wasser auf das Feuer und nahm eine reichliche Handvoll Pfefferminzblätter aus dem Vorratssack.

Keinen Augenblick zu früh, denn ihr Vater schlug den Stoff am Zelteingang zurück und führte den fremden Besucher in das Zelt, gefolgt von sämtlichen erwachsenen Männern des Lagers.

Thiyya starrte unverhohlen den Besucher an. Der fremde Wüstenkrieger war schlank und mindestens sechs Fuß und eine Handbreit hoch, so groß wie ihr Vater. An seinem dunkelblauen, weiten Gewand konnte sie weder Staub noch Schmutz entdecken. Der weiße Takesht verbarg sein Gesicht bis auf die wundervollen Augen, die in dem hellen honigbraun einer reifen Königsdattel leuchteten. Und er schien wirklich jung zu sein, denn seine fließenden Bewegungen ließen auf Kraft und Ausdauer schließen. Sie hoffte es...



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.