E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
Rimmer / Butler / Ferrarella Der andere Bräutigam
1. Auflage 2018
ISBN: 978-3-7337-5540-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
E-Book, Deutsch, 130 Seiten
Reihe: Digital Edition
ISBN: 978-3-7337-5540-9
Verlag: CORA Verlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ihr Lachen bezaubert ihn, und ihre Augen versprechen das Paradies - Rafe kann dieser Frau nicht widerstehen! Obwohl er weiß, dass er von verbotenen Früchten nascht, denn Genevra wollte seinen verstorbenen Bruder heiraten. Jetzt umarmt sie Rafe und schwört ihm die ewige Liebe ...
Christine Rimmers Romances sind für ihre liebenswerten, manchmal recht unkonventionellen Hauptfiguren und die spannungsgeladene Atmosphäre bekannt, die dafür sorgen, dass man ihre Bücher nicht aus der Hand legen kann. Ihr erster Liebesroman wurde 1987 veröffentlicht, und seitdem sind 35 weitere zeitgenössische Romances erschienen, die regelmäßig auf den amerikanischen Bestsellerlisten landen. Diese vielfach ausgezeichnete Autorin stammt ursprünglich aus Kalifornien und wollte unbedingt Schauspielerin werden, weshalb sie nach New York ging. Doch nicht als Schauspielerin, sondern als Autorin machte sie sich einen Namen, als sie wieder zurück nach Südkalifornien kam und Kurzgeschichten, Gedichte und Theaterstücke verfasste. 1984 begann sie, ihre erste Romance zu schreiben, und stellte fest, dass es ihr fast so viel Spaß machte wie einen Liebesroman zu lesen. Sie ist fest entschlossen, die nächsten Jahrzehnte dabei zu bleiben! Christine Rimmer lebt mit ihrem Mann und ihrem jüngsten Sohn im amerikanischen Bundesstaat Oklahoma.
Autoren/Hrsg.
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1. KAPITEL
Genevra Bravo-Calabretti, Prinzessin von Montedoro, hievte die Leiter aus leichtem Metall in die Höhe und brachte sie in eine aufrechte Position.
Mit größter Vorsicht lehnte sie die Leiter gegen die hohe Steinmauer, doch schon im nächsten Augenblick drohte sie wieder abzurutschen. Das Metall machte ein hässliches Geräusch auf den verwitterten alten Steinen. Genny zuckte zusammen. Unruhig sah sie sich um. Sie rechnete damit, dass der Lärm die Dienstboten aufscheuchen würde. Doch zu ihrer Erleichterung blieb alles still.
Es war eine milde Mainacht, und der Mond stand einer silbernen Sichel gleich am Himmel und warf ein blasses Licht auf die Szenerie. Das tröstete Genny allerdings kaum. Mit einem wenig prinzessinnenhaften Uff stemmte sie die Füße der Leiter ins Gras und stellte sicher, dass diese sich nicht mehr bewegte.
Ihr Atem ging schwer. Die Leiter den Hügel heraufzutragen war anstrengender gewesen, als sie gedacht hatte. Aber jetzt durfte sie keinen Rückzieher mehr machen.
Seufzend lehnte sie sich mit dem Rücken gegen die Mauer und ließ sich auf die Fersen nieder. Nur einen Moment ausruhen.
Von hier oben hatte man einen fantastischen Blick auf den Hafen. Die Lichter der Schiffe funkelten heimelig im Halbdunkel. All das war ihr so vertraut: das Meer, die sanften Geräusche der Wellen und der schwere Duft nach Rosen.
Ihr Magen zog sich schmerzhaft zusammen. Sie sollte gar nicht hier sein. Sie sollte mit ihren Freunden in einem der unzähligen Cafés sitzen oder einen nächtlichen Strandspaziergang machen – und nicht hier herumschleichen, gänzlich in Schwarz gekleidet, wie ein Einbrecher, der sich unerlaubt Zutritt zu der Villa Santorno verschaffte.
Für einen Augenblick kämpfte sie mit den Tränen. Hatte sie denn eine Wahl? Nein. Und sie hatte weiß Gott schon genug Schmerz ertragen. Wut und Enttäuschung hatten sie in den vergangenen Wochen mürbe gemacht. Ganz zu schweigen von ihrem Körper. Ihre Hormone schienen verrückt zu spielen.
Sie wollte das nicht tun. Sie kam sich absolut lächerlich dabei vor. Lächerlich, aufdringlich und in höchstem Maße ungewollt. Bemitleidenswert.
Unwirsch rieb sie sich die Augen trocken. Genug jetzt. Sie war so weit gekommen, jetzt konnte sie es ebenso gut durchziehen.
Genny erhob sich, klopfte Schmutz und Staub vom Hosenboden und sah nach oben. Dummerweise reichte die Leiter nicht bis zur oberen Kante der Mauer. Voll Unbehagen fasste Genny die freie Stelle ins Auge. Es blieb ihr nichts anderes übrig, als von dort aus zu klettern.
Schritt für Schritt erklomm sie die Leiter. Doch als sie oben angekommen war, bekam sie es mit der Angst. „Dämliche Idee“, flüsterte sie in die Dunkelheit. Die obere Kante war viel weiter von der Leiter entfernt, als es von unten den Anschein hatte.
Sie nahm all ihren Mut zusammen, streckte die Arme aus und zog sich hoch. In dem Augenblick, in dem sie sich abstieß, geriet die Leiter ins Wanken und landete mit lautem Krachen auf dem Boden.
Gennys Herz hämmerte in ihrer Brust. Hatte man in der Villa den Lärm gehört? Würde man kommen und sie holen, bevor ihre Kraft sie verließ – oder würde sie fallen und sich den Hals brechen?
Eine Sekunde lang gab sie sich der Vorstellung hin, wie Rafe kommen und ihren leblosen Körper auf dem Boden liegen sah. Geschähe ihm bloß recht.
Aber ihr Überlebensinstinkt sah das völlig anders. Mit ungeahnter Kraft klammerte sie sich fest, fand mit den Füßen Halt in der Mauer und zog sich hoch.
Schließlich gelang es ihr, das rechte Bein über die Mauer zu schwingen.
Schwer atmend blieb sie auf der Mauer liegen.
Das wäre geschafft. Vorerst.
Durch die Zweige der Palmen und Olivenbäume hindurch sah sie die Villa. Hinter den Fenstern brannte Licht, doch offensichtlich hatte noch niemand ihr Kommen bemerkt.
Sie warf einen Blick in den dunklen Garten. Das Gras war hier höher und weicher. Doch das würde ihr wenig nutzen, denn ohne die Leiter musste sie eine schwindelerregende Höhe überwinden.
Lieber Himmel, was mach ich nur, was mach ich nur …
Aber ihr Stolz verbat ihr, nach Hilfe zu rufen. Was für eine armselige Figur sie abgegeben hätte, wenn man sie hilfeschreiend auf der Mauer finden würde!
Nein. Dann lieber auf direktem Wege nach unten. Genny hielt sich mit beiden Händen fest und ließ sich hängen. Ihre Füße baumelten im Nichts.
Lass los, Genevra. Du musst loslassen …
Ihr blieb keine Wahl. Auch wenn ihr Verstand sich wehrte, ihre Kräfte waren langsam erschöpft.
Sie ließ sich fallen und schlug hart auf dem Boden auf. Ein stechender Schmerz fuhr in ihre linke Ferse, schnitt durch ihren Knöchel und brannte sich einen Weg in ihre Wade. Ihr entfuhr ein erstickter Schrei, gefolgt von einer Reihe hässlicher Kraftausdrücke.
„Oh!“ Sie rollte sich zur Seite und griff nach ihrem Knöchel. „Au au au!“ Der Knöchel pochte im gleichen Rhythmus wie ihr Herz. „Autsch!“ Blindlings rieb sie über die schmerzende Stelle und rollte sich von einer Seite zur anderen.
„Gen.“ Die vertraute, tiefe Stimme erklang direkt hinter der Hecke, vor die sie gefallen war. „Ich hätte es wissen müssen.“
Sie wandte den Kopf. „Rafe?“
Rafael Michael DeValery, Graf von Hartmore, trat durch eine Öffnung in der Hecke. In voller Größe stand er vor ihr, und das Licht aus der Villa hinter ihm erhellte seine beeindruckende Silhouette.
Und bei seinem Anblick überschlug sich ihr albernes Herz beinahe vor Freude.
„Hast du dir wehgetan?“
Sie warf ihm einen finsteren Blick zu und rieb energisch ihren Knöchel. „Ich werd’s überleben. Aber du hättest ja einfach das Tor öffnen können, als ich angeklopft habe. Oder … lass mich nachdenken … einen meiner unzähligen Anrufe entgegennehmen.“
Es herrschte ein angespanntes Schweigen. Genny konnte den Blick seiner schwarzen Augen förmlich auf ihrem Körper spüren. Als er antwortete, war seine Stimme schwer vor Bedauern. „Ich hielt es für sinnvoll, mich an unser Abkommen vom März zu halten.“
Erneut stiegen heiße Tränen in ihre Augen. Ihre Kehle war wie zugeschnürt. „Und wenn ich deine Hilfe gebraucht hätte?“
Er zögerte. „Brauchst du meine Hilfe?“
Kein Wort kam über ihre Lippen.
Seine Stimme wurde sanfter. „In keiner deiner Nachrichten hast du erwähnt, dass du Hilfe brauchst.“
Ihre Wangen brannten wie Feuer. Es war, als würden vor ihr in der klaren Nachtluft die Erinnerungen wiederauferstehen. Die Erinnerungen an ihre heiße, vier Tage andauernde Liebesaffäre. Eine himmlische Zeit.
Und gleichzeitig ein schmerzvolles Andenken daran, wie hoffnungslos ihr seither alles vorkam.
„Hör zu: Auch wenn es gerade nicht so aussieht, habe ich auch meinen Stolz. Und ich erzähle deinem Dienstmädchen bestimmt nicht, dass ich dich brauche.“
„Gen …“ Er trat näher. Was hörte sie in seiner Stimme? Verlangen? Schmerz? Oder entsprang das bloß ihrer Wunschvorstellung?
Was auch immer sich in seiner Stimme verbarg, überspielte er gekonnt, indem er die Hand ausstreckte und Gen aufhalf. „Komm ins Haus“, sagte er ruhig.
Seine Berührung sandte einen leisen Schauer über ihren Rücken. Doch im nächsten Augenblick durchfuhr der stechende Schmerz ihren Knöchel, als sie versuchte zu gehen. „Au! Verdammt.“
Behutsam führte er ihren Arm um seinen Nacken. Seine anmutige Art, sich zu bewegen, hatte sie schon immer fasziniert. Er war groß und kräftig gebaut – doch er konnte sich so leicht und geschmeidig bewegen wie ein Tänzer.
Auch jetzt, obwohl er sich bei dem folgenschweren Unfall vor sechs Monaten das Bein gebrochen hatte. Ihre Affäre lag zwei Monate zurück, und zu diesem Zeitpunkt hatte er noch leicht das Bein nachgezogen.
Als sie aus dem Schatten der Hecke traten, fiel das Mondlicht auf sein Gesicht. Dort hatte der Unfall eine deutliche Spur hinterlassen. Er hatte eine lange rote Narbe auf seiner rechten Wange hinterlassen, die seine ebenmäßigen Gesichtszüge in Unordnung brachten. Sie zog sich vom rechten Augenwinkel über seine Wange wie der Halbmond bis zum Mund und schien daran zu ziehen, so, als würde sie ein Lächeln erzwingen wollen – und scheitern.
Rafe lächelte nur noch selten. Vor zwei Monaten hatte sie ihn gefragt, ob er die Möglichkeiten der plastischen Chirurgie in Erwägung ziehen wollte. Nein, wollte er nicht. Und er gedachte, es dabei zu belassen.
„Geht es?“ Er legte den Arm um ihre Taille.
Ein warmer Schauer durchrieselte ihren Körper. Warum musste er sich bloß so gut anfühlen? Und warum in aller Welt musste er so köstlich duften?
Das war ihr schon früher aufgefallen. Selbst, als sie nichts weiter als gute Freunde waren, hatte sie seinen Duft gemocht. So rein und natürlich wie frisches Gras, Wind und satte, nahrhafte Erde.
Schluss damit. Wenn sie ihm sagen wollte, warum sie gekommen war, durfte sie sich nicht von seinem Duft ablenken lassen.
Behutsam führte er sie über den Rasen zu dem Steinplattenweg und von dort aus auf die weitläufige Terrasse. Dann betraten sie die Villa durch die große, doppelte Glastür und gelangten in das offene Wohn- und Esszimmer.
Dankbar sank Gen in einen Sessel und sah sich um. „Es hat sich so viel verändert“, stellte sie fest. Der Raum war renoviert worden, seit sie das letzte Mal hier gewesen war. Die Wände waren heller, das Mobiliar moderner und die...




