Rimpach | Glanz der Zukunft | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 1

Reihe: Die große München-Saga

Rimpach Glanz der Zukunft

Die große historische Familiensaga über Liebe, Verrat und den Mut zum Neubeginn
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-98778-619-8
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Die große historische Familiensaga über Liebe, Verrat und den Mut zum Neubeginn

E-Book, Deutsch, Band 1

Reihe: Die große München-Saga

ISBN: 978-3-98778-619-8
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Zwei Schwestern auf dem Weg in eine selbstbestimmte Zukunft
Der Auftakt einer bewegenden Familiensaga im München des 19. Jahrhunderts

München, 1895: Isolde und Elsa führen ein behütetes Leben in der Oberschicht Münchens. Als ihr Vater unerwartet stirbt und die Hofsattlerei vor dem Ruin steht, müssen die Schwestern einen Weg finden, um das Familienunternehmen zu retten. Dabei stehen ihnen nicht nur ihre eigenen Erwartungen ans Leben im Weg, sondern auch gesellschaftliche Vorurteile gegen die sie mit allen Mitteln ankämpfen. Während Isolde versucht ihren Wunsch nach Unabhängigkeit und beruflicher Selbstständigkeit über das familiäre Pflichtgefühl zu stellen, strebt Elsa nach einem glanzvollen Leben in der Münchner High Society und sozialem Aufstieg. Doch ihr Herz hat eigene Pläne und auf einmal muss sie eine Entscheidung treffen, die ihr ganzes Leben verändern wird …

Erste Leser:innenstimmen
„Eine packende Geschichte über Mut, Liebe und das Streben nach Unabhängigkeit. Klare Leseempfehlung!“
„mitreißende Familiensaga, die mich von der ersten Seite an in ihren Bann gezogen hat! Die vielschichtigen Charaktere und ihre individuellen Träume haben mich tief berührt.“
„Fesselndes Zusammenspiel aus historischen Ereignissen und persönlichen Schicksalen.“
„Ich habe mit Isolde und Elsa mitgelitten, gelacht und ihre Erfolge gefeiert. Wundervolle Familiensaga!“



Elisa Rimpach ist das Pseudonym des Autors Matthias Ernst, der 1980 in Ulm geboren wurde. Er arbeitet tagsüber als Psychologe mit Vorschulkindern und schreibt abends Krimis, Thriller und historische Romane. Im dp Verlag erschienen zuletzt die Thriller 'Der Therapeut' und 'Die Professorin'. Matthias Ernst lebt mit seiner Familie, einer betagten Schildkröte und einer neurotischen Hundedame in Oberschwaben.
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Kapitel 1


Sonntag, 6. Mai 1895

Ein Sturm tobte in den Bergen. Die Föhnlage, die seit Tagen für herrliches Frühsommerwetter gesorgt hatte, brach blitzend und donnernd in sich zusammen. In der Stadt war nichts davon zu spüren. Die Münchener genossen den lauen Abend. Späte Spaziergänger flanierten durch den Englischen Garten. In den Bierkellern wurde getrunken und Karten gespielt, in den Kaffeehäusern diskutiert und philosophiert. Die Daheimgebliebenen auf ihren Terrassen, Balkonen oder an ihren weit geöffneten Fenstern bestaunten das Schauspiel, das ihnen das ferne Wetterleuchten über der Zugspitze bot.

In der Bogenhausener Villa des Sattlermeisters und Leder-Fabrikanten Maximilian Hartmann war das Personal mit den letzten Vorbereitungen für den abendlichen Empfang beschäftigt. Die Dienstmädchen rückten das im Schein der Glühbirnen funkelnde Silbergeschirr auf der langen Tafel zurecht. Angus, der Butler, begutachtete derweil die Weinflaschen, die eine nicht abreißende Prozession von Küchenjungen aus dem Keller herauf schafften, mit einem, von einem Monokel riesenhaft vergrößerten Auge. Würzige Bratendüfte waberten von der Küche her in den großen Saal, in dem das Festbankett stattfinden sollte. Dessen Glastüren öffneten sich zum Garten hin und gaben den Blick frei auf die blau-weiß geflieste Terrasse, wo zwei Diener die Kerzenleuchter auf den in einem Halbrund angeordneten Stehtischchen entzündeten.

Das grelle Licht der elektrischen Beleuchtung des Saals reichte bis zum ersten der beiden, durch einen Rosenbogen und vier hohe Tannen getrennten Rondelle aus englischem Rasen, die den größten Teil des Gartens der Villa einnahmen. Es wurde von pfirsichfarbenen Rosen eingerahmt, deren noch halb geschlossene Blüten das Nahen des Sommers ankündigten. Die zweite Rasenfläche lag im abendlichen Schatten. Das Klirren der Gläser und die Gespräche der Dienstboten drangen nur gedämpft durch die Nadeln der Bäume und die dichten Rosenbüsche. Ganz am Ende des Gartens stand ein von einem Zwiebeltürmchen gekrönter persischer Pavillon. Auf einer Bank saß dort eine junge Frau und las im Schein einer Petroleumlampe in einem Buch. Ihre Stirn war gefurcht und ihre Augen glitten unentwegt über die Zeilen. Sie war so in ihre Lektüre vertieft, dass sie das Mädchen nicht hörte, das sich ihr mit raschen Schritten näherte.

„Wusste ich doch, dass ich dich hier finden würde“, sagte die neu Angekommene.

Die Angesprochene las den Absatz fertig, ehe sie aufblickte.

„Was gibt es, Elsa?“, fragte sie.

„Du sollst zu Papa kommen. Die Gäste werden jeden Augenblick eintreffen.“

Die Leserin seufzte. „Manchmal wünschte ich, Papa würde wieder heiraten. Am besten eine Frau, die in der Rolle der Gastgeberin aufgeht. So wie du“, sagte sie.

Elsa lachte hell auf. „Ach, Isolde, eine Stiefmutter wünschst du dir ebenso wenig wie ich. Und jetzt komm! Du solltest dich frisch machen. Deine Haare sehen aus, als ob ein Vogelschwarm darin leben würde. Und was trägst du denn da für ein Kleid? Herrje, du hast dich ja gar nicht umgezogen!“

Isolde seufzte noch einmal und sah auf ihr weißes Leinenkleid hinab. „Geh schon vor, ich komme gleich nach.“

„Gut, aber beeil dich! Die ersten Gäste treffen bereits ein.“

Von der Straße her war das Rumpeln schwerer Räder zu hören. Isolde nickte, doch ihr Blick fand den Absatz wieder, bei dem sie zu lesen aufgehört hatte, und als ihre Schwester durch den Rosenbogen eilte, waren ihre Gedanken längst an einem weit entfernten Ort.

***

Als Elsa in den Saal zurückkehrte, waren die ersten Gäste bereits eingetroffen. Der Vater stand bei einer Gruppe von Herren seines Alters. Er trug einen schwarzen Frack, den ein Dienstmädchen am Nachmittag stundenlang von Fusseln befreit hatte, sowie ein blütenweißes Hemd, von Angus gebügelt und gestärkt. Das Gesicht ihres Vaters war gerötet und die Spitzen seines Schnurrbartes hüpften auf und ab, während er sich unterhielt.

Der Butler führte vom kleinen Salon her drei Männer in blauen Galauniformen mit scharlachroten Krägen und Aufschlägen in den Saal. Ihr Anblick ließ Elsas Herz ein wenig rascher schlagen. Es waren Offiziere, Unterlieutenants zwar nur, wie sie an der einzelnen goldenen Metalltresse an den Kragenenden erkannte. Aber in einem Alter, in dem sie auf glänzende Laufbahnen hoffen konnten.

Sie eilte auf die Soldaten zu, die ihre mit Hahnenfedern geschmückten Zweispitze absetzten, Haltung annahmen und salutierten.

Elsa schenkte ihnen ihr schönstes Lächeln. „Im Namen meines Vaters darf ich Sie von Herzen zu unserem kleinen Empfang begrüßen. Es freut mich ganz besonders, dass Sie als Angehörige des Offizierskorps uns mit Ihrer Anwesenheit beehren.“

„Mademoiselle“, sagten die drei Unterlieutenants im Chor und schlugen dabei ihre Hacken so knallend zusammen, dass die ältere Frau, die eben im Arm ihres Gatten vorbei flanierte, zusammenzuckte.

„Gestatten Sie mir, dass ich Ihnen meine Kameraden vorstelle?“, fragte einer der drei, ein Hüne mit flachsblondem, kurz geschorenem Haar, einem sorgfältig gestutzten Schnurrbart und einer wulstigen Narbe auf der rechten Wange. Elsa neigte den Kopf zur Seite und hob auffordernd die Augenbrauen. Das war ganz nach ihrem Geschmack. Für Offiziere mit einem Schmiss hatte sie eine Schwäche.

„Zu meiner Linken Unterlieutenant von Waldsee, zu meiner Rechten Unterlieutenant von Heilmann. Und meine Wenigkeit, Bruno, Graf von Scharfenberg, ebenfalls Unterlieutenant. Vom 1. Schweren Reiterregiment.“

Die Vorgestellten verneigten sich.

„Es ist mir eine Ehre“, sagte Elsa. „Ich hoffe, die Herren haben einen bequemen Sitz auf unseren Sätteln?“

Die breite Mensurnarbe auf der linken Wange von Waldsee glänzte fleischig im Schein der Glühbirnen. „Zu bequem darf ein echter Kavalleriesattel nicht sein. Wenn wir im Felde dem Feinde mit gezogenem Säbel entgegen jagen, zählt allein die Festigkeit. Ein sicherer Sitz, das ist es, was wir Kavalleristen brauchen, und das zeichnet die Hartmannschen Sättel vor allen anderen aus.“

Seine Begleiter nickten beifällig. Elsa lächelte.

„Es freut mich, das zu hören. Ich hoffe, die Herren amüsieren sich auch gut auf unserem bescheidenen kleinen Empfang?“

„Ausgezeichnet, Fräulein Hartmann“, sagte der Graf. „Wobei ich hervorheben muss, dass es insbesondere Ihre angenehme Gesellschaft ist, die verspricht, dass aus diesem schönen Abend ein glänzender werden könnte.“

Das Kompliment ließ einen behaglichen Schauer durch ihren Körper laufen.

„Wohl gesprochen, Scharfenberg“, sagte von Heilmann und nickte ihr lächelnd zu.

„Nun, dann sollten wir auf diesen glänzenden Abend anstoßen, meinen Sie nicht?“

Sie winkte den Dienstboten herbei, der ein Tablett voller Champagnerkelche durch die Grüppchen der Gäste balancierte. Von Scharfenberg reichte Elsa ein Glas, dann bedienten er und seine Kameraden sich.

Sie hob den Kelch. „Auf das Schwere Reiterregiment Nummer 1.“

Die Offiziere schlugen die Hacken zusammen und wiederholten den Toast wie aus einem Munde. Elsa verkniff sich ein zufriedenes Lächeln, als sie den Kelch an ihre Lippen führte. Sie spürte das Kribbeln des Champagners auf ihrer Zunge, schmeckte die herbe Fruchtigkeit des Getränks und genoss die bewundernden Blicke der Herren. Das versprach tatsächlich ein großartiger Abend zu werden.

***

Isoldes Körper saß noch immer auf der Bank im Pavillon. Doch in ihrer Fantasie war sie inmitten des indischen Neujahrsfests. Staunend beobachtete sie die mit roter und gelber Farbe besprengten Menschen, die zu einer fremdartigen Musik sangen und tanzten. Der Duft von Zimt, Kardamom und tausend anderen Gewürzen, deren Namen sie nicht kannte, erfüllte ihre Nase. Ein feiner Schweißfilm bildete sich auf ihrer Haut.

„Entschuldigen Sie“, sagte eine Stimme und die Fantasie brach in sich zusammen.

Sie blinzelte. Vor ihr stand ein Mann. Er war noch jung, in ihrem Alter. Das dunkelblonde Haar war mit einer gehörigen Menge Wichse zu einer glänzenden Tolle gebändigt worden. Seine grauen Augen musterten sie aufmerksam. Isolde spürte, wie eine Woge der Wut in ihr anbrandete. Was wollte der Kerl hier? Konnte er sie nicht einfach in Ruhe lassen? Er musste doch gesehen haben, dass sie las. Sie war schon im Begriff, ihn darauf hinzuweisen, als ihr einfiel, dass es sich wohl um einen Gast ihres Vaters handeln musste. Da würde sie sich zusammenreißen müssen. Sie atmete tief durch und versuchte, ihr Bestes zu geben.

„Ja, bitte?“, erwiderte sie.

„Verzeihen Sie mir meine Unverfrorenheit. Ich habe auf Einladung des Hausherrn ein wenig den Garten erkundet und als ich Sie hier sitzen sah, ein Buch in Händen, wollte ich Sie nicht in Ihrer Lektüre unterbrechen.“

„Nun, warum haben Sie mich dann angesprochen?“ Isolde biss sich auf die Zunge. Das war unverschämt gewesen. Ihr Gegenüber schien sich daran jedoch nicht zu stören. Die Grübchen vertieften sich in dem Maße, in dem sein Lächeln sich verbreiterte.

„Der Einwand ist berechtigt, ich hoffe aber, mich hinreichend verteidigen zu können. Ich habe mich der Sünde Neugier schuldig gemacht. Das Lesen ist eine meiner größten Leidenschaften. Als ich Sie hier sitzen sah, musste ich erfahren, welches Buch die Macht besitzt, Sie derart in seinen Bann zu ziehen, dass Sie es der glänzenden Soirée dort drüben vorziehen.“

„Ich würde auch einem deutlich langweiligeren Werk den Vorzug gegenüber dem Empfang geben“, erwiderte Isolde. „Aber dieses hier ist tatsächlich eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe. Es ist...



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