Rimpach | Schatten der Freiheit | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 2

Reihe: Die große München-Saga

Rimpach Schatten der Freiheit

Die große historische Familiensaga über Liebe, Verrat und den Mut zum Neubeginn
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-98778-609-9
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection

Die große historische Familiensaga über Liebe, Verrat und den Mut zum Neubeginn

E-Book, Deutsch, Band 2

Reihe: Die große München-Saga

ISBN: 978-3-98778-609-9
Verlag: dp DIGITAL PUBLISHERS GmbH
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection



Zwei Schwestern zwischen Verlust und Neuanfang
Die bewegende Familiensaga im München des 19. Jahrhunderts geht fesselnd weiter

München, 1899: Nach dem Tod ihres Vaters und dem Verlust des gewohnten Umfelds versuchen die beiden Schwestern Elsa und Isolde alles, um sich in ihrem neuen Leben zurechtzufinden. Allerdings ist Elsa  gefangen in einer lieblosen Ehe und nur ihr dreijähriger Sohn sorgt für etwas Glück in ihrem tristen Alltag. Als sie auf einer Gesellschaft einen früheren Bekannten wieder trifft, erwachen vergangen geglaubte Gefühle, die ihr endlich wieder Mut geben. Währenddessen fu?hrt Isolde ein glu?ckliches Leben an der Seite von Emily. Die beiden genießen die Kunst und die ausschweifenden Feste des Fin de Siècle. Doch das Schicksal hat grausame Pläne für die Schwestern, denn die Schatten der Vergangenheit greifen nach ihnen und ein weiterer Verlust könnte ihr Leben erneut ins Chaos stürzen.

Erste Leser:innenstimmen
„Ein mitreißender Roman, der das Schicksal zweier starker Frauen in München einfühlsam erzählt. Ihre Leidenschaft und Durchhaltevermögen berühren das Herz!'
„Fesselnde Familiensaga über Liebe, Verlust und Selbstverwirklichung – sehr bewegend.“
„Ein historischer Roman voller Emotionen und Wendungen, die das E-Book zu einem echten Pageturner machen. Man fühlt und leidet komplett mit Isolde und Elsa mit!“



Elisa Rimpach ist das Pseudonym des Autors Matthias Ernst, der 1980 in Ulm geboren wurde. Er arbeitet tagsüber als Psychologe mit Vorschulkindern und schreibt abends Krimis, Thriller und historische Romane. Im dp Verlag erschienen zuletzt die Thriller 'Der Therapeut' und 'Die Professorin'. Matthias Ernst lebt mit seiner Familie, einer betagten Schildkröte und einer neurotischen Hundedame in Oberschwaben.
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Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


Kapitel 1


München, Sedantag 1899

„Ich weiß nicht, was soll es bedeuten, dass ich so traurig bin …“

Die Stimme erhob sich rein und klar über die Gitarrenakkorde. Die Geräusche, die eben noch das Café Noris erfüllt hatten, das allgegenwärtige Klirren der Gläser, das Lachen, das Husten und das Brummen der Gespräche, traten in den Hintergrund und verstummten schließlich.

„Ein Märchen aus uralten Zeiten, das kommt mir nicht aus dem Sinn.“

Isolde spürte, wie sich Emilys kalte Finger um ihre schlossen und fest zudrückten.

„Die Luft ist kühl und es dunkelt und ruhig fließt der Rhein.“

Die Sängerin, eine schlanke Brünette mit funkelnden, braunen Augen, erhob sich und nahm die Pose einer Operndiva ein.

„Der Gipfel des Berges furu-unkelt im Abendsonnenschein.“

Es dauerte einen Augenblick, bis das erste Kichern die andächtige Stille durchbrach. Isolde schreckte hoch, als sich der neben ihr sitzende Maler Wengenroth, ein stattlicher Mann mit einem eindrucksvollen Schnurrbart, auf den feisten Schenkel klopfte und in ein brüllendes Lachen ausbrach. Gleich darauf stimmte der ganze Saal ein. Die Sängerin lächelte verschmitzt und verbeugte sich tief, während die Menge klatschte und johlte.

„Das nenne ich einen Auftritt!“, sagte Emily, die zwei Finger in ihren Mund steckte und einen lauten Pfiff ertönen ließ, der Isolde in den Ohren wehtat. Emilys Wangen waren gerötet und ihre Augen glänzten.

„Kennst du die Frau?“, fragte Isolde.

„Ja, das ist Franziska zu Reventlow. Die haben wir doch schon ein paar Mal getroffen.“

Isolde kniff die Augenbrauen zusammen. Sie konnte sich vage an das Gesicht der Sängerin erinnern, aber sie war sich sicher, dass sie noch nie mit ihr gesprochen hatte. „Ist sie eine Soubrette?“, fragte sie.

„Sie ist viel mehr als das“, mischte sich Wengenroth mit seinem Brummbass in das Gespräch ein. „Sie ist eine wahre Künstlerin. Ihr Leben ist Kunst. In ihr sind die Musen wieder geboren.“

„Alle auf einmal?“ Die Frage kam von der anderen Seite des Tisches und gestellt hatte sie ein spindeldürrer Mann, der damit beschäftigt war, eine Meerschaumpfeife zu stopfen, die beinahe halb so groß war wie sein Kopf.

„Nun, ganz sicher Euterpe, Melpomene, Erato, Thalia, Polyhymnia und Kalliope. Vielleicht auch Terpsichore, eher nicht Klio und Urania“, sagte Wengenroth.

Isolde spürte, wie Emily ihr den Ellbogen in die Seite drückte. „Urania, das wäre deine Muse, oder? Die Schirmherrin der Astronomie.“

„Ja, wenn mich eine Muse küssen würde, dann wohl am ehesten die. Oder Kalliope, die deckt die Wissenschaften ab“, sagte Isolde und lachte.

Emily zog sie zu sich heran und Isolde spürte, wie sich die weichen Lippen ihrer Freundin für einen Wimpernschlag auf die ihren legten. Aus den Augenwinkeln sah sie, wie das schmunzelnde Gesicht ihres Gegenübers hinter der Meerschaumpfeife verschwand.

„Dass das klar ist: Die einzige Muse, die dich küssen darf, bin ich“, sagte Emily.

„Wohl gesprochen“, erwiderte Wengenroth und nahm einen gewaltigen Zug aus seinem Maßkrug.

Isolde sah auf ihre Uhr. Es war kurz vor elf. „Ich muss bald aufbrechen“, sagte sie zu Emily. „Morgen muss ich früh raus.“

Ihre Freundin seufzte. „Ach, Isibella, das Leben ist zu kurz und zu süß, um es zu verschlafen.“

Isolde biss sich auf die Zunge, um die Antwort für sich zu behalten, die ihr über die Lippen kommen wollte. Natürlich hatte Emily leicht reden. Sie musste nicht in aller Frühe aufstehen und zur Arbeit ins Atelier eilen.

„Ich werde trotzdem gehen“, sagte Isolde und winkte der Kellnerin.

„Sei doch keine Spaßbremse“, entgegnete Emily naserümpfend.

„Hören Sie auf Fräulein Winter“, sagte das Männchen mit der Meerschaumpfeife. Seine Stimme drang durch einen dichten Schleier aus Tabakqualm. „Carpe noctem.“

„Müssen Sie morgen Früh arbeiten?“, fragte Isolde.

Er kicherte. „Ich arbeite hier und jetzt. Ich bin Dichter und wo, wenn nicht hier, sollte ich die Eindrücke für meine Werke finden.“

Die Kellnerin kam und Isolde bezahlte ihre und Emilys Getränke. Dann stand sie auf.

„Na gut“, knurrte ihre Freundin und erhob sich ebenfalls. Sie knickste vor den anwesenden Herren und ließ zu, dass Wengenroth ihr in den Mantel half. Trotzdem dauerte es noch eine gute Viertelstunde, bis sie sich von allen Freunden und Bekannten verabschiedet hatten. Als sie endlich auf der Leopoldstraße standen, atmete Isolde tief ein. Die frische, nach Spätsommer duftende Luft tat ihr wohl.

„Und nun?“, fragte Emily.

„Soll ich dich nach Hause begleiten?“

Ihre Freundin zuckte mit den Achseln. „Der Umweg wird dich mindestens zwanzig Minuten deines wertvollen Schlafes kosten“, sagte sie.

Isolde seufzte. „Das ist es mir wert.“

„So so“, erwiderte Emily. Sie hakte sich unter und gemeinsam schlenderten sie die Straße entlang. Die Sterne funkelten von einem wolkenlosen Himmel und die Stadt leuchtete.

„Hast du viel zu tun morgen?“, fragte Emily.

Isolde nickte. „Sophia ist auf einer Frauenkonferenz in Nürnberg und deshalb werde ich die nächsten Tage alleine fotografieren.“

„Es ist ein Jammer, dass sie und Anita sich getrennt haben“, sagte Emily.

„Ja, die beiden hatten so gut zusammengepasst.“

„Meinst du, wir passen besser zusammen?“

Isolde hielt inne und sah ihre Freundin an. Ihre Kehle wurde eng und sie spürte, wie ihr Mund auszutrocknen begann. „Ich denke … ich denke … natürlich.“

Emily lächelte. Sie löste ihre Hand aus Isoldes Griff und legte sie auf ihre Brust. „Du sollst nicht denken, Isibella“, flüsterte sie und Isolde lief ein wohliger Schauer den Rücken hinab, wie jedes Mal, wenn Emily sie bei dem Kosenamen nannte, den sie ihr zu Beginn ihrer Beziehung gegeben hatte. „Wie oft habe ich dir das schon gesagt? Du sollst es fühlen.“

Sie beugte sich vor und küsste Isolde kurz und flüchtig auf die Lippen. Die beiden sahen sich um, aber keiner der Passanten schien Notiz von ihnen nehmen zu wollen. Emily lächelte. Dann verzog sich ihr Gesicht zu einer Grimasse und sie wurde von einem jähen Hustenanfall geschüttelt.

„Ist alles in Ordnung?“, fragte Isolde besorgt.

Emily winkte ab. „Alles gut. Aber vielleicht war es doch keine schlechte Idee, nach Hause zu gehen. Bringst du mich ins Bett?“

Isolde grinste. „Aber gerne doch.“

***

Elsa beugte sich über das Bett und drückte ihre Lippen auf die Stirn des Jungen.

„Liest du mir eine Gute-Nacht-Geschichte vor?“, fragte Hermann.

Sie küsste ihn noch einmal.

„Ich fürchte, dafür bleibt keine Zeit mehr. Das muss wohl Eulalie übernehmen.“

Der Vierjährige verzog das Gesicht und seine blauen Augen füllten sich mit Tränen. Elsa schluckte.

„Was hältst du davon, wenn wir morgen in den Englischen Garten gehen? Nur du und ich?“, schlug sie vor.

Sofort änderte sich der Gesichtsausdruck ihres Sohnes. Seine Mundwinkel zuckten nach oben und entblößten ein noch unvollständiges Gebiss.

„Au, gerne, das wird fein.“

Sie küsste ihn erneut auf die Stirn, dann ging sie zur Tür. Ehe sie den Raum verließ, blickte sie zurück. Ihr Sohn hatte sich auf die Seite gedreht und die Augen geschlossen. Er sah aus wie ein Engel mit seinen blonden Haaren und der feinen, weißen Haut. Elsa lächelte und spürte, wie ein warmes Gefühl sie durchströmte. Sie ging in ihr Ankleidezimmer und drückte auf den Klingelknopf, der vor Kurzem als Ersatz für die schon etwas abgewetzte Schnur installiert worden war.

Sie nahm vor dem Schminktisch Platz und gleich darauf hörte sie, wie die Tür geöffnet wurde und sich rasche Schritte näherten. Im Spiegel sah sie, dass Edith, ihre Zofe, an das Frisierzeug gedacht hatte. Sie trug es in einem Korb mit sich, aus dem sie Bürsten, Spangen und den Ondulierstab hervor holte und auf den Tisch legte.

„Wie hätten es die gnädige Frau gerne?“, fragte das Mädchen.

„Simpel. Der Empfang des Grafen von Mexenstein ist kein allzu prächtiger Anlass. Kämmen Sie mich und stecken Sie mir das Haar hoch. Eine weiße Rose oder etwas in der Art könnten Sie noch hineinflechten.“

Die Zofe machte sich an die Arbeit. Elsa schloss die Augen und atmete tief durch. Der heutige Abend war eine Pflichtveranstaltung, keine Kür. Sie musste nicht glänzen und mit ein wenig Glück würde sie sich sogar amüsieren.

Als Edith die Frisur fertiggestellt hatte, begann Elsa damit, sich zu schminken. Sie trug Lippenstift auf, applizierte Rouge und einen Schönheitsfleck auf ihre linke Wange. Die Augen hob sie mit einem Kajal ein wenig hervor. Dann befahl sie der Zofe, ihr in das Kleid zu helfen, das sie am Nachmittag herausgesucht hatte. Es war pfirsichfarben und würde einen reizvollen Kontrast zu ihren dunklen Haaren bilden.

Als sie fertig angezogen war, betrachtete sie sich im Spiegel. Was sie sah, stellte sie mehr als zufrieden. Sie hatte sich gut gehalten. Nach Hermanns Geburt hatte sie ein wenig mit ihrem Gewicht zu kämpfen gehabt, aber inzwischen war sie so schlank wie zuvor. Ihr Teint war gesund und ihre Augen glänzten vor Unternehmungslust.

Es klopfte an der Tür und ohne eine Aufforderung abzuwarten, trat ihr Ehemann ein. Eugen nickte ihr knapp zu. Edith knickste und eilte aus dem Raum.

„Guten Abend“, sagte Elsa.

Er antwortete nicht.

„Ich bin fertig, wollen wir dann los?“, fragte sie.

Eugen nickte. „Denk bitte daran, dass das heute ein wichtiger Abend für mich...



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