E-Book, Deutsch, Band 3, 464 Seiten
Reihe: Die Kane-Chroniken
Riordan Die Kane-Chroniken 3: Der Schatten der Schlange
1. Auflage 2013
ISBN: 978-3-646-92188-5
Verlag: Carlsen
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ägyptische Mythen, göttliche Mächte und ein auserwähltes Geschwisterpaar - spannendes Fantasy-Abenteuer ab 12 Jahren
E-Book, Deutsch, Band 3, 464 Seiten
Reihe: Die Kane-Chroniken
ISBN: 978-3-646-92188-5
Verlag: Carlsen
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Ägyptische Götter, verlorene Zauber und ein Schatten, der das Schicksal entscheidet
Irgendwie wird alles immer schwieriger! Chaos-Gott Apophis bereitet seinen Gefängnisausbruch vor. Den Geschwistern Carter und Sadie bleiben nur wenige Tage Zeit, das zu verhindern. Und leider können sie nicht sicher sein, dass die Magier auf ihrer Seite stehen. Wenn sie doch nur Apophis’ Schatten beeinflussen könnten! Dann hätten sie eine Chance, die Welt nicht dem Chaos zu überlassen. Doch wer ist Freund und wer Feind?
Packende Fantasy-Trilogie mit mächtigen Magiern, wild gewordenen Göttern und mythologischen Monstern
Die Geschwister Carter und Sadie Kane entdecken, dass sie die Nachkommen von Pharaonen sind und eine besondere Verbindung zu den ägyptischen Göttern haben. Nach einer missglückten Götterbeschwörung durch ihren Vater begibt sich das ungleiche Geschwisterpaar auf eine abenteuerliche Reise. Nur wenn sie ihre Kräfte bündeln und zusammenarbeiten, können sie die Welt retten. In der Fantasy-Buchreihe "Die Kane-Chroniken" vermischt Rick Riordan die antike ägyptische Kultur und Mythologie mit der modernen Welt und entführt seine Leser*innen in ein rasantes Abenteuer mit spannenden Wendungen bis zur letzten Seite.
***Die Götter Ägyptens erwachen in der modernen Welt – rasant, actionreich und witzig: für Leser*innen ab 12 Jahren und für alle Fans der ägyptischen Mythologie***
Autoren/Hrsg.
Weitere Infos & Material
Sadie
1.
Wir sprengen eine Party
Hier Sadie Kane.
Wenn ihr euch das anhört, Glückwunsch! Ihr habt den Weltuntergang überlebt.
Als Erstes möchte ich mich für sämtliche Unannehmlichkeiten entschuldigen, die euch das Ende der Welt vielleicht bereitet hat. Die Erdbeben, Aufstände, Krawalle, Tornados, Überschwemmungen, Tsunamis und natürlich die Riesenschlange, die die Sonne verschluckt hat – ich fürchte, das meiste davon war unsere Schuld. Carter und ich sind deshalb übereingekommen, dass wir euch wenigstens erklären sollten, wie es dazu kam.
Das hier ist vermutlich unsere letzte Aufnahme. Wenn ihr unsere Geschichte gehört habt, wisst ihr auch, warum.
Unsere Probleme begannen in Dallas, als die feuerspuckenden Schafe die König-Tut-Ausstellung in Schutt und Asche legten.
In jener Nacht gaben die texanischen Magier eine Party im Skulpturengarten gegenüber dem Dallas Museum of Art. Die Männer trugen Smoking und Cowboystiefel, die Frauen Abendkleider und Frisuren, die an explodierte Zuckerwatte erinnerten.
Auf dem Podium spielte eine Band angestaubte Countrymusik. In den Bäumen schimmerten Lichterketten. Von Zeit zu Zeit kamen Magier aus geheimen Türen der Skulpturen oder zauberten Feuerfunken herbei, um lästige Moskitos abzufackeln, ansonsten machte jedoch alles den Eindruck einer ganz normalen Party.
Als wir ihn zu einer Krisenbesprechung wegzogen, plauderte JD Grissom, Oberhaupt des Einundfünfzigsten Nomos, gerade mit seinen Gästen und ließ sich einen Teller Rindfleisch-Tacos schmecken. Ich hatte ein schlechtes Gewissen, aber in Anbetracht der Gefahr, in der er sich befand, blieb uns nichts anderes übrig.
»Ein Angriff?« Er runzelte die Stirn. »Die Tut-Ausstellung läuft schon einen Monat. Wenn Apophis zuschlagen wollte, hätte er das doch längst getan, oder?«
JD war groß und stämmig, hatte ein markantes wettergegerbtes Gesicht und federartige rote Haare und seine Hände fühlten sich so rau wie Baumrinde an. Ich schätzte ihn auf etwa vierzig, aber bei Magiern lässt sich das schwer sagen. Er hätte ebenso gut vierhundert sein können. Er trug einen schwarzen Anzug und eine Cowboykrawatte (ihr wisst schon, dieses Schnurdings, das von einer Brosche zusammengehalten wird) und eine große silberne Gürtelschnalle mit dem Lone Star von Texas, die ihn wie ein Wildwest-Sheriff aussehen ließ.
»Wir reden gleich«, sagte Carter. Er führte uns auf die andere Seite des Gartens.
Ich muss einräumen, mein Bruder trat erstaunlich selbstsicher auf.
Er ist natürlich immer noch ein absoluter Vollpfosten. Auf der linken Seite, wo ihm der Greif einen »Knutschfleck« verpasst hatte, fehlte in seinen braunen Kraushaaren ein Büschel, und den ganzen Kerben auf seinem Gesicht nach zu urteilen, hatte er es mit dem Rasieren auch noch nicht wirklich drauf. Seit seinem fünfzehnten Geburtstag war er jedoch in die Höhe geschossen und vom ausgiebigen Kampftraining muskulöser geworden. In seinen schwarzen Leinenklamotten sah er souverän und erwachsen aus, vor allem mit diesem Chepesch-Schwert um die Hüften. Allmählich konnte ich ihn mir als Oberhaupt vorstellen, ohne einen Lachanfall zu kriegen.
[Warum starrst du mich so böse an, Carter? Das war doch eine ziemlich schmeichelhafte Beschreibung.]
Carter nahm sich eine Handvoll Tortilla-Chips vom Buffet. »Apophis verfolgt ein Muster«, erklärte er JD. »Die anderen Attacken ereigneten sich alle in Neumondnächten, immer dann, wenn es am dunkelsten war. Glaub mir, er wird dein Museum heute Nacht angreifen. Und zwar mit allem, was ihm zur Verfügung steht.«
JD Grissom drückte sich an einer Gruppe Champagner trinkender Magier vorbei. »Diese anderen Angriffe …«, sagte er. »Damit meinst du Chicago und Mexiko-Stadt?«
»Und Toronto«, sagte Carter. »Und … noch einige andere.«
Ich wusste, dass er nicht deutlicher werden wollte. Die Angriffe, deren Zeuge wir im Laufe des Sommers geworden waren, hatten uns beiden Albträume beschert.
Der richtige, endgültige Weltuntergang hatte noch nicht stattgefunden. Die Chaosschlange Apophis war vor einem halben Jahr aus ihrem Gefängnis in der Unterwelt ausgebrochen, doch sie hatte noch immer nicht mit der erwarteten großflächigen Invasion der Menschenwelt begonnen. Aus irgendeinem Grund schien die Schlange noch immer abzuwarten und verlegte sich solange auf kleinere Angriffe auf Nomoi, in denen es bislang sicher und ruhig gewesen war.
So wie hier, dachte ich.
Als wir an der Bühne vorbeikamen, beendete die Band gerade einen Song. Eine hübsche blonde Frau mit einer Fiedel winkte JD mit dem Bogen zu.
»Komm schon, Schatz!«, rief sie. »Du wirst an der Hawaiigitarre gebraucht!«
JD zwang sich zu einem Lächeln. »Moment noch, Süße. Bin gleich wieder da.«
Wir liefen weiter. JD drehte sich zu uns. »Meine Frau, Anne.«
»Ist sie auch Magierin?«, fragte ich.
Er nickte, seine Miene verdüsterte sich. »Diese Angriffe. Warum seid ihr so sicher, dass Apophis gerade hier zuschlagen wird?«
Da Carter den Mund voller Tortilla-Chips hatte, kam nur »Mhm-hmm« als Antwort.
»Apophis ist hinter einem bestimmten Artefakt her«, übersetzte ich. »Fünf Kopien davon hat er bereits zerstört. Das letzte Exemplar befindet sich in deiner Tut-Ausstellung.«
»Welches Artefakt denn?«, fragte JD.
Ich zögerte. Auch wenn wir vor unserer Abreise nach Dallas alle möglichen Abschirmzauber gesprochen und uns mit schützenden Amuletten eingedeckt hatten, um magische Lauschangriffe abzuwehren, machte es mich noch immer nervös, unsere Pläne laut auszusprechen.
»Wir zeigen es dir lieber.« Ich lief um einen Springbrunnen herum, wo zwei junge Magier mit ihren Zaubermessern leuchtende Ich liebe dich-Botschaften auf den Pflastersteinen verfolgten. »Wir haben unsere besten Leute zur Unterstützung mitgebracht. Sie warten im Museum. Wenn du uns das Artefakt untersuchen lässt, können wir es vielleicht mitnehmen und sicher aufbewahren –«
»Mitnehmen?« JD runzelte die Stirn. »Die Ausstellung steht unter strengster Bewachung. Meine besten Magier schützen sie Tag und Nacht. Glaubt ihr, im Brooklyn House könntet ihr das besser?«
Wir blieben am Rande des Gartens stehen. Auf der anderen Straßenseite hing ein zwei Stockwerke langes König-Tut-Banner an der Museumsfassade.
Carter zog sein Telefon heraus und zeigte JD Grissom ein Foto – eine ausgebrannte Villa, die früher einmal die Zentrale des Einhundertsten Nomos in Toronto gewesen war.
»Ich bin sicher, dass du tolle Wächter hast«, sagte Carter. »Aber es wäre uns lieber, wenn dein Nomos nicht zu Apophis’ Zielscheibe würde. Bei den anderen Angriffen dieser Art … haben die Schergen der Schlange niemanden verschont.«
JD starrte auf das Foto, dann blickte er zu seiner Frau Anne, die sich durch eine Tanznummer fiedelte.
»Gut«, sagte JD. »Ich hoffe, euer Team taugt wirklich was.«
»Sie sind absolut super«, versprach ich. »Komm, wir machen euch bekannt.«
Unsere Spitzenmagier waren damit beschäftigt, den Museumsshop auseinanderzunehmen.
Felix hatte drei Pinguine herbeigezaubert, die mit König-Tut-Masken aus Papier herumwatschelten. Unser Pavianfreund, Cheops, thronte auf einem Bücherregal und las Die Geschichte der Pharaonen, was eigentlich – hätte er das Buch nicht verkehrt herum gehalten – beeindruckend gewesen wäre. Walt – ach, Walt-Schätzchen, warum? – hatte die Schmuckvitrine geöffnet und untersuchte Bettelarmbänder und Halsketten, als wohnten ihnen magische Eigenschaften inne. Alyssa ließ mit Hilfe ihrer Erdelementarmagie Tongefäße schweben und jonglierte mit zwanzig oder dreißig davon in einem Achter.
Carter räusperte sich.
Walt erstarrte, die Hände voller Goldschmuck. Cheops kletterte vom Bücherregal, wobei er den Großteil der Bücher gleich mit runterfegte. Alyssas Tongefäße krachten auf den Boden. Felix versuchte seine Pinguine hinter die Kasse zu scheuchen. (Er ist von der Nützlichkeit von Pinguinen ziemlich überzeugt. Ich weiß auch nicht, warum.)
JD Grissom trommelte mit den Fingern gegen seine Lone-Star-Gürtelschnalle. »Das ist also euer Spitzenteam?«
»Ja!« Ich bemühte mich, ein gewinnendes Lächeln aufzusetzen. »Tut mir leid wegen des Durcheinanders. Ich werde einfach, ähm …«
Ich zog mein Zaubermesser aus dem Gürtel und sprach einen mächtigen Zauberspruch: »Hi-nehm!«
Mittlerweile klappte es besser mit diesen Zaubern. Meistens konnte ich die Kraft meiner Schutzgöttin Isis anzapfen, ohne in Ohnmacht zu fallen. Und ich war noch kein einziges Mal explodiert.
Die Hieroglyphe für Füg zusammen leuchtete kurz in der Luft auf:
Die Tonscherben flogen wieder zusammen. Die Bücher wanderten ins Regal zurück. Die König-Tut-Masken lösten sich von den Pinguinen und darunter kamen – Überraschung! – Pinguine zum Vorschein.
Unsere Freunde wirkten ziemlich verlegen.
»’tschuldigung«, murmelte Walt und legte den Schmuck in die Vitrine zurück. »Uns war langweilig.«
Ich konnte nicht lange auf Walt sauer sein. Er war groß und athletisch und hatte die Figur eines Basketballspielers, die Jogginghosen und ein Muskelshirt brachten seinen durchtrainierten Körper gut zur Geltung. Seine Haut hatte die Farbe von heißem Kakao, sein Gesicht war ebenso majestätisch und schön wie die Statuen seiner Pharaonenvorfahren.
Ob ich in ihn verknallt war? Na ja, das ist kompliziert. Später mehr davon.
JD besah sich unser Team.
»Schön, euch alle kennenzulernen.« Irgendwie...




