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Ihr Team von Sack Fachmedien
E-Book, Deutsch, 212 Seiten
Ripper Der Tod nimmt keine Wetten an
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-9820486-2-8
Verlag: Verlag Vogelfrei
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Karlo Kölners zwölfter Fall
E-Book, Deutsch, 212 Seiten
ISBN: 978-3-9820486-2-8
Verlag: Verlag Vogelfrei
Format: EPUB
Kopierschutz: Adobe DRM (»Systemvoraussetzungen)
Peter Ripper, Jahrgang 1954, selbstständiger Werbefachmann, Gitarrist bei einer Frankfurter Rockband und begeisterter Motorradfahrer, widmet sich seit einigen Jahren vorwiegend der Schriftstellerei und der Fotografie. Er lebt in Langenbieber in der Rhön.
Autoren/Hrsg.
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„Wie heißt sie eigentlich?“
Jeannette Müller stand mit dem Rücken zum Küchentisch, an dem ihr Lebensgefährte Karlo Kölner saß und gerade im Begriff war, mit der Kuchengabel ein Stück Sachertorte aufzuspießen.
Das kaum wahrnehmbare Vibrieren in Jeannettes Stimme ließ Karlos Alarmglocken schrillen. Was mochte nur in ihr vorgehen?
Als sie sich mit der Kaffeekanne in der Hand zu Karlo umwandte, erschienen ihre Lippen ein wenig dünner als gewöhnlich. Ein Hauch von Besorgnis befiel Karlo, als er sah, dass ihre rechte Hand beim Befüllen seiner Tasse leicht zitterte.
„Wie heißt ?“ Karlo schaute seine Freundin verständnislos an.
„Na, deine Polizistin, wer denn sonst?“
Karlo zuckte unmerklich zusammen. Er wollte etwas erwidern, doch ein leichter Frosch im Hals ließ ihn innehalten. Würde er jetzt einfach drauflosreden, liefe er Gefahr, ein schuldbewusstes Krächzen zu produzieren. Allerdings, so dachte er, ließe ihn ein verstohlenes Räuspern ebenfalls unsicher erscheinen.
Karlo entschied sich deshalb, erst einmal die Kehle freizuspülen. Er nahm einen kräftigen Schluck des verführerisch duftenden Kaffees. Und bereute es sofort.
Heiß! Heiß! Heiß!
Karlos Augen wurden groß wie Untertassen, sein Mund klappte unwillkürlich auf, er verschluckte sich und fing an zu husten und zu prusten.
Der Kaffee verteilte sich in einem feinen Sprühnebel über den Küchentisch.
Toll!
„Aha!“, ließ der Kommentar auch nicht lange auf sich warten. „Der Herr hat ein schlechtes Gewissen?!“ Es war weniger eine Frage als vielmehr eine Feststellung.
Und dieses verstörende Vibrato in Jeannettes Stimme war stärker geworden.
Karlos Laune sank, und er wurde ärgerlich. Er kämpfte mit sich, um nicht aufzubrausen. „Du und deine verdammte Eifersucht“, entfuhr es ihm dennoch.
„Was heißt hier Eifersucht? Nur weil ich Anlass habe, an dir zu zweifeln, bin ich noch lange nicht eifersüchtig.“
„Eine eifersüchtige Frau zweifelt immer nur an sich selbst“, schnappte er und machte eine kleine Pause. „Sag mal, was meinst du überhaupt?“, fragte er dann. „Wieso Polizistin?“
Conny Katzenbachs Bild erschien vor seinem inneren Auge. Sie war eine attraktive Frau – keine Frage.
Sehr attraktiv.
Und ja, während des letzten Falls, den er mit Privatdetektiv Gehring bearbeitet hatte, war ihm die Katzenbach des Öfteren begegnet. Sie hatte ihn sogar bei einem Treffen mit seinen Freunden vom Motorradclub in Frankfurt-Oberrad besucht. Die hübsche Polizistin fuhr selbst ein Zweirad, eine Triumph Thruxton mit fast hundert PS. Das war etwas anderes als sein altes MZ-Gespann aus vergangenen DDR-Tagen. Er erkannte das neidlos an. Karlo musste zugeben, dass ihn diese junge Kommissarin durchaus beeindruckt hatte.
Sehr beeindruckt.
Wenn er ehrlich war, musste er sogar eingestehen, dass er sich ein wenig in die taffe Beamtin verguckt hatte. Mit ihren raspelkurzen schwarzen Haaren und ihrer nahezu perfekten Figur hatte sie ihn durchaus emotional ins Schlingern gebracht. Er hatte überdies den Eindruck gewonnen, dass auch sie nicht uninteressiert an seiner Person gewesen war.
Aber es war nichts passiert, und Karlo hatte sich diesbezüglich nichts vorzuwerfen.
Seine Entrüstung war deshalb nicht gespielt, als er aufgebracht hinzufügte: „Ich habe kein schlechtes Gewissen!“
„Nein? Hast du nicht? Da sieh mal an! Dann macht es dir gar nichts aus?“
Karlo verschränkte die Arme vor der Brust und lehnte sich zurück. „ macht mir nichts aus?“
„Dass du kein schlechtes Gewissen hast. Es macht dir nichts aus, mich mit dieser Bullenschlampe zu betrügen.“
Nun war es auf dem Tisch.
„Bullenschlampe? Sag mal, spinnst du jetzt komplett? Was ist das für ein Umgangston? Und warum in aller Welt sollte ich dich betrügen?“
„Das weißt wohl selbst am besten.“
„Gar nichts weiß ich. Weil ich nichts gemacht habe. Frau Katzenbach ist eine nette Frau, Frau Katzenbach ist eine noch bessere Polizistin, und ja, Frau Katzenbach sieht ziemlich gut aus. Aber damit hat es sich auch schon.“
Jeannettes Gesicht bekam eine tiefrote Farbe, als sie Karlo anzischte: „Frau Katzenbach hier, Frau Katzenbach da. Ist ja ein toller Name. Und sie fährt auch noch Motorrad? Weißt du was? Geh doch einfach zu ihr, tu dir keinen Zwang an. Und weißt du noch etwas? Ich lasse mich scheiden!“
Karlo runzelte die Stirn. ?
„Äh, also, Jeannette, weißt du“, stammelte er verständnislos, „wir sind gar nicht verheiratet.“
„Könnten wir aber schon lange sein, wenn du mich bloß mal gefragt hättest“, schäumte Jeannette. „Aber so ist es ja besser für dich und deine Eskapaden. Und außerdem: stell dich nicht so dumm. Du weißt ganz genau, was ich meine!“
Bevor Karlo eine passende Antwort in den Sinn kam, stürmte die kleine blonde Frau aus der Küche. Karlo hörte, wie sie wütend an der Garderobe hantierte. Nur Sekunden später fiel die Wohnungstür krachend ins Schloss.
Einen Augenblick saß er wie gelähmt am Küchentisch. Dann hastete er zur Wohnungstür und riss sie auf.
„Heiraten ist die erste Dummheit, die man macht, wenn man glaubt, vernünftig geworden zu sein“, brüllte Karlo ins leere Treppenhaus. Seine Erwiderung kam einige Sekunden zu spät. Von der Straße hörte er den Wagen seiner Lebensgefährtin mit quietschenden Reifen aus der Parklücke fahren.
Eine halbe Stunde nach der unersprießlichen Diskussion saß Karlo in der an der Theke und hielt sich am Henkel eines Guinness-Glases fest. Der Wirt, Harry Weber, stellte ihm einen kleinen Jameson daneben.
„Geht aufs Haus“, erklärte er gönnerhaft, bevor er die fleischigen Hände vor seinem ausladenden Bauch faltete und Karlo mit einer Mischung aus Neugierde, Mitgefühl und Geschäftssinn in die Augen blickte.
„Hunger?“
Kopfschütteln.
„Ärger?“
„Hm!“
„Weiber?“
„Hm!“
„Drüber reden?“
Kopfschütteln.
Der dicke Wirt nickte unmerklich und wandte sich diskret ab.
Karlo kippte den Whisky, goß verdrossen einen Schluck des dunklen irischen Gebräus nach. Es wollte ihm nicht recht schmecken. Zum Glück. Sich vollzusaufen war keine Alternative.
Doch irgendwie war er nervös, fühlte sich fiebrig, ruhelos, aufgewühlt. Aber nein! Kein Grund, sich die Lampen auszuschießen.
Trotz dieser Erkenntnis war Karlo verstimmt.
Er stand auf, legte einen Zehner auf die Theke und verließ die Kneipe.
Fünf Minuten später stand er vor der Haustür von Jeannettes Wohnung, in der er nun schon wieder längere Zeit mit seiner Freundin zusammen wohnte.
Direkt vor der Tür, zwei Parkplätze vor seinem geliebten alten MZ-Motorradgespann, stand der Wagen, den er sich vor einigen Wochen geleistet hatte: Ein völlig neu aufgebauter Ford Granada. Als Cabrio umgebaut. Amethystfarben, elfenbeinfarbene Ledersitze, Klimaanlage …
Karlos Laune besserte sich merklich, als er sich hinters Steuer fallen ließ, den Motor startete und dem brabbelnden Sound des Sechszylinders lauschte. Die Auspuffanlage von Martinelli, reines Edelstahl, tat, was sie am besten konnte. Karlo trat kräftig auf das Gaspedal und genoss das wütende Fauchen der Maschine.
–
Fast zwei Stunden war Karlo durch Frankfurt kutschiert, noch immer verfinsterten dunkle Wolken seine Gedanken. Vielleicht sollte er doch ein wenig unter Leute gehen. Aber in der kannten ihn alle, und Jeannettes Sprunghaftigkeit war allgemein bekannt. Er wollte sich nicht zum Gespött machen, indem er zum hundertsten Mal die gleiche Geschichte erzählte. Außerdem war er nicht sicher, ob Jeannette irgendwann dort auftauchte. Und vor versammelter Mannschaft wollte er sich nicht noch eine Szene von ihr machen lassen. Vor allem nicht, wenn sie dermaßen unberechtigt war.
Also neutrales Terrain.
Er war einfach losgefahren und hatte seinen Orientierungssinn auf Autopilot geschaltet. Daher hätte er...




