Ripper | Liebe, Tod und Apfelsekt | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, Band 7, 212 Seiten

Reihe: Karlo Kölners Fälle

Ripper Liebe, Tod und Apfelsekt

Karlo Kölners siebter Fall
1. Auflage 2014
ISBN: 978-3-9815155-7-2
Verlag: Verlag Vogelfrei
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Karlo Kölners siebter Fall

E-Book, Deutsch, Band 7, 212 Seiten

Reihe: Karlo Kölners Fälle

ISBN: 978-3-9815155-7-2
Verlag: Verlag Vogelfrei
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Eine liebestolle ältere Dame macht Starfriseur Belmondo den Hof. Kurz darauf findet Karlo Kölner ihre Leiche im Salon des Haarkünstlers in Frankfurt-Höchst und begeht eine große Dummheit. Mysteriöse Äpfel, ein silbernes Medaillon und eine Flasche Apfelsekt geben Kommissar Reichard und seinem hypochondrischen neuen Chef Schönhals Rätsel auf. Doch auch Georg Gehring, Ex-Hauptkommissar und frischgebackener Privatdetektiv, beginnt zu ermitteln. Da geht Karlos Freundin Jeannette einem Autoschwindler auf den Leim. Empört wird auch Karlo Kölner aktiv. Bald glaubt er, auf Zusammenhänge zwischen den Ereignissen gestoßen zu sein, und es wird brandgefährlich.

Peter Ripper, Jahrgang 1954, ist selbstständiger Werbefachmann, Fotograf und Gitarrist bei einer Frankfurter Rockband. Außerdem ist er begeisterter Motorradfahrer. Er lebt in Langenbieber in der Rhön und in Frankfurt am Main.
Ripper Liebe, Tod und Apfelsekt jetzt bestellen!

Autoren/Hrsg.


Weitere Infos & Material


1


Dass Georg Gehring ein zufriedener Mann war, hatte in erster Linie mit seiner Frau Martina zu tun. Dass Georg Gehring manchmal auch ein unzufriedener Mann war, stand ebenfalls im direkten Zusammenhang mit seiner Frau.

Nein, seine Frau hatte sich nichts zuschulden kommen lassen. Keineswegs. Und auch über den Zustand der handelsüblichen ehelichen Disziplinen konnte sich der ehemalige Hauptkommissar der Frankfurter Kriminalpolizei nicht beklagen.

Allerdings hatte seine Frau vor einiger Zeit eine Erbschaft gemacht. Eine ansehnliche Erbschaft. Sie bestand aus ihrem Elternhaus, schuldenfrei, und einer stattlichen Summe Bargeld, die den Gehrings nun ein sorgenfreies und in Maßen komfortables Privatisieren erlaubte.

Doch genau das war der Punkt. Martina hatte ihren Mann vor einiger Zeit überzeugen können, seinen Job an den Nagel zu hängen. Nicht aus Eigennutz, nein, ganz im Gegenteil. Sie hatte schon länger bemerkt, dass ihr Mann die nötige Distanz zu krimineller Gewalt, sinnentleertem Töten aus reiner Habgier oder falsch verstandener Liebe immer schlechter halten konnte. Er war bestimmt nicht zimperlich, und er hatte seinen Beruf auch gerne ausgeübt, weil er einen wirklichen Sinn darin fand, Verbrechen aufzuklären. Je länger er allerdings bei der Polizei arbeitete, desto gravierender beschädigten die oftmals brutalen Begleitumstände seinen Seelenfrieden.

Doch Georg Gehring liebte Rätsel. Und zwar vor allem Rätsel, die das Leben schrieb. Der lockere Kontakt, den er mit seinem langjährigen Mitarbeiter Harald Reichard unterhielt, machte es nicht besser. Und so schob Gehring, je nachdem was der Tag für ihn bereithielt, immer mal wieder eine gewisse Unzufriedenheit vor sich her, die er selbst nicht genau erklären konnte. Die aus dem eigentlich schönen und beschaulichen, aber eben unspektakulären Leben erwuchs. Da halfen keine Flugreisen in exotische Länder. Da half auch weder das unorthodoxe Kreuzworträtsel des Magazins der noch das große Neujahrsrätsel der . Bei dem er im Übrigen noch nie etwas gewonnen hatte.

Und genau hier kam wieder Martina Gehring ins Spiel. Sie hatte die traurigen Phasen ihres Mannes schon länger mit Sorge beobachtet. Martina Gehring war eine kluge Frau, deshalb verzichtete sie auf eheübliches Geplänkel wie: und so weiter und so fort, aus dem sich der angestaute Frust irgendwann zu einem handfesten Streit entwickelte. Sie liebte ihren Mann sehr.

Deshalb kam der Vorschlag von ihr. Gehring war völlig unvorbereitet gewesen. Als sie ihm ihre Idee unterbreitete, hatte er sie überrascht angeschaut. Er hatte ihr danach lange und liebevoll in die Augen geschaut und sie dann in den Arm genommen. Dabei waren ihm tatsächlich die Augen feucht geworden. Gehring hatte gar nicht erst versucht, die Idee infrage zu stellen, hatte nur „Danke. Danke, Martina“ gemurmelt und sie geküsst. Ein angemessen langer Kuss war es geworden.

Deshalb stand er nun um halb zehn am Vormittag vor der niedrigen Tür zum Vorgarten und betrachtete versonnen das Messingschildchen, das neben der Klingel befestigt war:

„Du brauchst ja nicht irgendwelchen untreuen Ehemännern hinterherzulaufen“, hatte sie noch scherzhaft und ein klein wenig spöttisch hinzugefügt, als sie nach dem ausgedehnten Kuss wieder bei Atem war.

„Und was ist mit den untreuen Frauen?“, hatte er spitzbübisch nachgefragt, was ihm einen schmerzhaften Kniff in den Oberarm eingebracht hatte.

Vor zwei Wochen hatte Gehring daher in mehreren regionalen Zeitungen ein kleines Inserat abdrucken lassen, in dem er in sachlichem Jargon seine Dienste offerierte. Auch im Telefonbuch war ein entsprechender Eintrag veranlasst worden. Bislang war allerdings nicht eine einzige Anfrage eingegangen.

Er war an diesem Morgen eigentlich nur der Tageszeitung wegen zum Briefkasten gegangen, hatte dann aber doch noch einmal nachdenklich sein Firmenschild betrachtet. Leise Zweifel kamen ihm, ob denn tatsächlich jemand seine Dienste benötigen würde. Aber zwei Wochen waren keine Zeit, sagte er sich. Er würde einfach abwarten.

Gehring wollte schon zurück ins Haus gehen, als er den Wagen sah. Ein weißer Mercedes-Sportwagen kam langsam aus Richtung des Heinrich-Kraft-Parks herangefahren. Das Verdeck des Cabrios war geschlossen, klar, es war nicht mehr besonders warm zu dieser Jahreszeit. Als der Wagen direkt vor seinem Haus hielt, erkannte er das Modell. Ein Mercedes-Benz 230 SL , Baujahr Mitte der Sechzigerjahre, letztes Jahrhundert. Er lächelte. Letztes Jahrhundert – wie seltsam das klang. Alle wichtigen Sachen kamen aus dem letzen Jahrhundert. Auch seine Frau, fiel ihm ein, und wieder musste er lächeln.

Der Motor wurde ausgeschaltet, und Gehring sah die roten Lederpolster, aus denen sich eine Frau löste.

Ein durchaus bemerkenswertes Auto.

Eine durchaus merkwürdige Frau.

Sie wirkte etwas, nun ja, überschminkt. Auch ihre Kleidung entsprach nicht dem altersgemäßen Dresscode. Gehring bemerkte den etwas zu kurzen Rock des pinkfarbenen Kostüms, die etwas zu hohen Schuhe und die sorgfältig frisierten, aber etwas zu strohigen Haare. Gehring schätzte, die Dame habe eine gute Handvoll Jahre mehr auf dem Buckel als ihr wesentlich besser restauriertes Gefährt.

„Sie müssen Herr Gehring sein.“

Die Frau kam zielstrebig auf ihn zu.

„In der Tat. Der bin ich. Kann ich Ihnen helfen?“

Die Frau schaute sich prüfend um.

„Können Sie. Aber vielleicht sollten wir besser reingehen. Ich möchte Sie in einer etwas delikaten Angelegenheit konsultieren.“

Die erste Kundin!

Stolz führte Gehring die Frau ins Haus. Er war gespannt, wie die Dame auf das Ambiente seiner neu gestalteten Wirkungsstätte reagieren würde. Immerhin hatte ihn eine gehörige Portion Selbstironie beim Einrichten seines Büros beflügelt. Mit einer diebischen Freude hatte der ehemalige Kommissar sein Büro hergerichtet. Ein Fan von Raymond Chandler wäre hellauf begeistert gewesen. Es stimmte fast alles – von der Metall-Jalousie über den verschrammten Schreibtisch bis hin zum riesigen Ventilator unter der Decke. Nur die alte Schreibmaschine war durch einen zeitgemäßen Verwandten ersetzt worden. Ein Laptop mit Internetanschluss stand stattdessen vor dem frischgebackenen Privatdetektiv.

Während er seine Klientin zum Büro ins Obergeschoss geleitete, erinnerte er sich grinsend an die erste Amtshandlung in seinem frisch eingerichteten Büro. Sie hatte darin bestanden, dass er sich – obwohl er nicht rauchte – eine Zigarette angezündet hatte. Dann hatte er sich einen Whisky eingeschenkt, sich auf seinen hölzernen Drehsessel gesetzt und lässig die Füße auf den Schreibtisch gelegt.

Seine Frau hatte plötzlich wie angewurzelt vor dem Schreibtisch gestanden und ein ungläubiges Gesicht gemacht. Doch schnell hatte sie verstanden und das Spiel mitgespielt. Seitlings auf dem Tisch sitzend, hatte sie sich die Zigaretten gegriffen und sich ebenfalls eine angezündet. Ihre Stimme war eine Spur tiefer geworden, ihr raues Timbre und der laszive Blick seiner Frau hatten Gehring eine wohlige Gänsehaut beschert: „Mir wurde gesagt, Sie seien der Beste. Schätze, Sie sind der Einzige, der mir helfen kann.“

Dann waren die beiden in schallendes Gelächter ausgebrochen.

Was Gehring nun hörte, fand er nicht zum Lachen. Keinesfalls wollte er in irgendwelchen Beziehungskisten kramen. Genau das hatte er sich fest vorgenommen. Er hob abwehrend die Hände.

„Wissen Sie, Frau ...“

„Von der Schupflohe. Marie-Eleonore von der Schupflohe. Nicht leicht zu merken, ich weiß. Aber wenn man es einmal drin hat, vergisst man es kaum wieder, nicht wahr?“

„Ja. Natürlich“, begann Gehring von Neuem. „Wissen Sie, ich bearbeite grundsätzlich keine Beziehungsprobleme. Verzeihen Sie, wenn ich das so sage, aber ich möchte den Menschen helfen, nicht ihre schmutzige Wäsche waschen.“

„Aber nein. Sie haben das missverstanden. Wo denken Sie hin? Sie sollen nicht herauskriegen, ob Walter Frauengeschichten pflegt.“ Sie lachte ein kleines, bösartiges Lachen. „Das ist mir egal. Nein. Ich habe manchmal das Gefühl, dass etwas nicht stimmt mit ihm.“ Sie ließ eine Pause und beobachtete Gehring.

„Etwas nicht stimmt?“

„Ja. Wissen Sie, manchmal habe ich den Eindruck, er ist in irgendwelche“, sie machte eine Pause und kniff die Lippen zusammen, „in irgendwelche kriminellen oder wenigstens...


Peter Ripper, Jahrgang 1954, ist selbstständiger Werbefachmann, Fotograf und Gitarrist bei einer Frankfurter Rockband. Außerdem ist er begeisterter Motorradfahrer. Er lebt in Langenbieber in der Rhön und in Frankfurt am Main.



Ihre Fragen, Wünsche oder Anmerkungen
Vorname*
Nachname*
Ihre E-Mail-Adresse*
Kundennr.
Ihre Nachricht*
Lediglich mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.
Wenn Sie die im Kontaktformular eingegebenen Daten durch Klick auf den nachfolgenden Button übersenden, erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Ihr Angaben für die Beantwortung Ihrer Anfrage verwenden. Selbstverständlich werden Ihre Daten vertraulich behandelt und nicht an Dritte weitergegeben. Sie können der Verwendung Ihrer Daten jederzeit widersprechen. Das Datenhandling bei Sack Fachmedien erklären wir Ihnen in unserer Datenschutzerklärung.