Ritter | Die Welt der Hedwig Courths-Mahler 609 | E-Book | www.sack.de
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E-Book, Deutsch, Band 609, 64 Seiten

Reihe: Die Welt der Hedwig Courths-Mahler

Ritter Die Welt der Hedwig Courths-Mahler 609

Die Adoptivprinzessin
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-7517-3744-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Die Adoptivprinzessin

E-Book, Deutsch, Band 609, 64 Seiten

Reihe: Die Welt der Hedwig Courths-Mahler

ISBN: 978-3-7517-3744-9
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Sie ist jung, schön und reich. Neureich. Und deshalb ist Christina Hahn in der feinen Gesellschaft nicht willkommen. Da lernt sie eines Tages die völlig verarmte Fürstin Pettkow kennen, die für die Rettung ihres schwer lungenkranken Sohnes Geld auftreiben muss. Stirbt Malte, stirbt auch der Name Pettkow aus.
Die Fürstin weiß, dass sie nicht mehr zu bieten hat als ihren guten alten Namen. Und den bietet sie jetzt schweren Herzens Christina an. Für Geld, viel Geld ...

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Die Adoptivprinzessin

Erfolgsroman um ein ungewöhnliches Mädchenschicksal

Sie ist jung, schön und reich. Neureich. Und deshalb ist Christina Hahn in der feinen Gesellschaft nicht willkommen. Da lernt sie eines Tages die völlig verarmte Fürstin Pettkow kennen, die für die Rettung ihres schwer lungenkranken Sohnes Geld auftreiben muss. Stirbt Malte, stirbt auch der Name Pettkow aus.

Die Fürstin weiß, dass sie nicht mehr zu bieten hat als ihren guten alten Namen. Und den bietet sie jetzt schweren Herzens Christina an. Für Geld, viel Geld ...

Fürstin Pettkow seufzte, als sie sich im sogenannten Festsaal umschaute. Sie erwartete Gäste, aber wie anders würde das Fest verlaufen als sonst.

Es war keine Zeit, um Feste zu feiern, man musste sich einschränken, Lebensmittel fehlten an allen Ecken und Enden, und von den Gästen würde der größte Teil schon alt sein.

»Ist doch alles hübsch!« Ihr Sohn Malte hatte den Sinn des Seufzers richtig verstanden. »Einmal werden wir wieder das Schloss im ganzen Lichterschmuck sehen, sei nicht traurig, dass es heute noch nicht geht.«

»Wenn du wenigstens nicht hinaus müsstest, Malte.« Alexandra von Pettkow legte ihm die Rechte auf die Schulter, zog sie aber rasch wieder zurück, weil ihr Gefühlsäußerungen nicht lagen.

»Wir alle müssen unsere Pflicht tun.«

»Ich weiß. Aber du bist der letzte männliche Träger des Namens Pettkow. Wenn du nun ...«

»Ich komme wieder, Mutter.« Malte richtete sich auf und schaute seine Mutter mit seinen tiefblauen Augen an. »Mir passiert nichts. Lange kann der Krieg nicht mehr dauern. Und im Frieden werden wir ein großes Fest feiern.«

»Wäre es doch erst so weit!« Wieder seufzte die Fürstin. »Ich habe Angst, Malte.«

»Du, Mutter?« Ehrlich erstaunt schüttelte der blutjunge Mann den Kopf.

»Ja. Du verstehst noch nicht, worum es geht. Dieser Krieg ist anders als der erste Weltkrieg, viel erbarmungsloser. Aber ich will dir das Herz nicht schwermachen.«

»Das wird dir auch nicht gelingen.« Malte von Pettkow wölbte die Brust vor. Die Uniform war ihm etwas zu groß, aus schlechtem Stoff gemacht, er musste erst noch hineinwachsen.

»Wärest du wenigstens ein paar Jahre älter und hättest schon Nachkommen! Dass dein Vater auch so früh sterben musste. Vielleicht wäre es ihm gelungen, dich freistellen zu lassen.«

»Er hätte es nicht versucht. Ich will es auch nicht, Mutter. Kein Pettkow hat sich jemals vor seiner Pflicht gedrückt. Nun mach doch ein fröhliches Gesicht! Es ist schließlich mein letzter Abend zu Hause.«

»Ja, morgen früh schicken sie dich fort, und wer weiß, wohin du kommst. Ich kann nur für dich beten, Malte.«

»Mutter, du tust gerade so, als wäre ich ein Todeskandidat. Sei gewiss, mir passiert nichts.«

Das denken alle jungen Leute, dachte die Fürstin. Sie kennen den Wert des Lebens nicht, sie setzen es viel zu leichtsinnig ein. Und ich habe doch nur Malte! Wozu lebe ich, wenn ich ihn verlieren müsste? Sie schluckte, weil ihr Tränen in die Augen steigen wollten, die sie auf keinen Fall zeigen durfte. Eine Fürstin Pettkow weint nicht.

Sie hatte nicht geweint, als sie als junge Frau hinter dem Sarg ihres Mannes hergegangen war. Sie würde es auch jetzt nicht tun.

Die Zeitungen waren voll von Todesnachrichten. An allen Fronten wurde erbarmungslos gekämpft; es fielen junge Menschen, die noch nichts vom Leben gehabt hatten, die gar nicht wussten, was Leben heißt. Und auch ihr Malte war einer von ihnen, jung, begeistert, ehrgeizig.

»Ich glaube, unsere ersten Gäste kommen schon.« Sie riss sich zusammen und ging durch den Festsaal zur Tür, die direkt in die Halle führte. Ihr Lächeln war freundlich und gelassen. Niemand ahnte, wie es wirklich in ihrem Herzen aussah.

Sie trug ein dunkles, schlicht geschnittenes Kleid und Schmuck. Mit ihrem blonden Haar, das sie im Nacken in einem Knoten trug, war sie eine hoheitsvolle Erscheinung.

Nach dem Tod des Gatten hatte sie die Geschäfte des fürstlichen Hauses geführt, und man respektierte sie wie einen Mann.

Dass sie im Herzen eine Frau war mit allen Sehnsüchten und Sorgen einer Frau, kaum jemand ahnte es, nicht einmal ihr eigener Sohn.

Für ihn war die Mutter ein bewundertes Vorbild, fast unfehlbar in allem, was sie tat und sagte. Er wusste, wenn er einmal heiratete, dann musste das Mädchen ihr gleichen.

Der junge Mann folgte seiner Mutter und spielte den Gastgeber. Man nahm ihn ernst, denn seine Mutter hatte ihm in der Ausbildung nichts geschenkt. Neben der Schule hatte er sich intensiv um die Landwirtschaft kümmern müssen und hatte so manches Mal neben einfachen Knechten auf den Feldern gearbeitet.

Fürstin Alexandra war der Meinung, wer befehlen will, muss die Arbeiten kennen, deren Ausführung er von anderen verlangt.

Manchmal hatte sie befürchtet, ihn zu überfordern, aber Malte hatte sich niemals anmerken lassen, ob die Aufgaben, die sie ihm übertrug, zu schwer waren. Stets hatte er die Zähne zusammengebissen und seine Pflicht getan. Fürstin Alexandra hatte alle Ursache, stolz auf ihn zu sein.

»Wie gut, dass unser Weinkeller noch reichlich gefüllt ist«, sagte Fürstin Pettkow zum alten Hausarzt, der zu jeder Festlichkeit eingeladen wurde. Seine rote Nase und die geplatzten Äderchen auf seinen Wangen verrieten, dass er ein Freund eines guten Tropfens war.

»Was haben Sie denn heute aus dem Keller holen lassen?«, fragte der Arzt. »Auch von dem roten?«

»Ich kenne Ihren Geschmack. Morgen früh schicke ich Ihnen eine Kiste zu. Ich trinke kaum, und Gäste werde ich in nächster Zeit nicht mehr haben. Was meinen Sie, wie lange wird es noch so weitergehen?«

Der alte Landarzt senkte den Blick vor der bangen Frage in den Mutteraugen. Wie viele Frauen hatten ihn schon danach gefragt, als wisse er mehr als andere.

»Natürlich können Sie mir nicht antworten.« Fürstin Pettkow zuckte die Achseln. »Aber man hofft doch, dass bald Schluss ist. Nun geht es schon fast vier Jahre so, und noch immer ist kein Ende abzusehen. Wer hätte gedacht, dass Malte noch Uniform anziehen müsste. Ich war froh, dass er noch so jung war. Zu jung, glaubte ich damals. Und jetzt, schauen Sie ihn sich doch an. Ist er eigentlich nicht noch ein Kind? Ein Kind in einer Uniform!«

»Es ist unrecht, sie in diesem Alter einzuziehen«, bestätigte der alte Doktor. »Aber man braucht Soldaten. Man holt jetzt Männer, die eigentlich viel zu alt sind, um noch eine Waffe zu tragen. Es muss bald Schluss sein, sonst ...«

Erschreckt beugte Fürstin Alexandra sich vor. »Sie glauben doch nicht etwa, es bestünde die Möglichkeit ...?«

»Ich habe nichts gesagt, Durchlaucht.« Der alte Mann warf einen scheuen Blick in die Runde. Es war gefährlich, etwas zu sagen, wenn man nicht ganz unter sich war.

Aber er konnte beruhigt sein, die Gäste hatten sich gruppenweise zusammengefunden und diskutierten. Ihr Gespräch war ohne Lauscher geblieben.

»Haben Sie schon mal daran gedacht, Wertgegenstände in den Westen zu bringen?«, fragte er flüsternd. »Ich habe gehört, dass von verschiedenen Gütern der Umgebung große Kisten abgeschickt worden sind.«

»Nein. Das – das ist nicht möglich! Niemals wird der Feind unsere Grenzen überschreiten! Und wenn er es täte, wohin sollten wir? Wir gehören doch hierher. Ich würde Pettkow niemals aufgeben. Ich halte es für feige, an Flucht zu denken.«

»Vielleicht ist es aber vernünftig«, gab der Arzt zu bedenken. Er zündete sich eine Zigarre an, nachdem er sie vorher genussvoll beschnuppert hatte. Solch ein gutes Kraut hatte er schon lange nicht mehr geraucht. Aber hier auf Pettkow herrschte keine Not. Hier gab es alles, was man sich nur wünschen konnte.

Aber frei von Sorgen sind sie hier auch nicht, dachte der alte Mann und fühlte eine Art Befriedigung, dass das Schicksal auch die vom Glück Bevorzugten nicht verschonte.

Er schämte sich dieser kleinlichen Regung allerdings sofort wieder, denn Neid oder Missgunst lagen ihm fern.

»Man sollte an alles denken, auch an das Schlimmste.« Noch immer sprach er im Flüsterton und blickte sich immer wieder vorsichtig um. Sein Rat war fast ein Verbrechen, und wenn er an falsche Ohren kam ...

Aber er war ein Mann, der nicht an Wunder glaubte.

»Ich habe schon einiges zu Verwandten geschickt«, gestand er. »Den größten Teil meiner Bücher. Sie sind unersetzlich. Und dann ein bisschen Wäsche. Die Sachen sind alle gut angekommen. Das ist heutzutage ja auch schon ein Glück, denn beim Transport geht immer viel verloren. Sie sollten wirklich einmal erwägen, Durchlaucht, sich eine Art Notgroschen im Westen anzulegen.«

»Ich verlasse Pettkow nicht. Sie sind ein alter Schwarzseher, Doktor. Kommen Sie, trinken Sie ein Gläschen, damit Sie etwas optimistischer in die Zukunft sehen. Wie spät ist es eigentlich?«

Der Arzt zog seine altmodische Taschenuhr....



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