E-Book, Deutsch, 64 Seiten
Reihe: Bastei Lübbe
Ritter Die Welt der Hedwig Courths-Mahler 676
1. Auflage 2023
ISBN: 978-3-7517-5421-7
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Tränen in zweiter Ehe
E-Book, Deutsch, 64 Seiten
Reihe: Bastei Lübbe
ISBN: 978-3-7517-5421-7
Verlag: Bastei Lübbe
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Während seines Urlaubs am Meer lernt der schwerreiche Unternehmer Arnold Langenkamp die reizende Birte von Hellwangen kennen. Die bildhübsche junge Dame schließt sein kleines Töchterchen sofort ins Herz.
Arnold selbst hat genug von den Frauen. Sie haben ihn oft genug zutiefst enttäuscht. An die Liebe glaubt der kühle Geschäftsmann schon längst nicht mehr. Dennoch bittet er Birte um ihre Hand. Die kleine Anke braucht eine Mutter, einen Menschen, der ihr Liebe und Vertrauen entgegenbringt. Ihm fehlt die Zeit dazu, sich intensiv mit dem Kind zu befassen.
Birte kämpft einen harten Kampf mit sich, doch schließlich stimmt sie dieser reinen Zweckgemeinschaft zu, die zudem noch mit einer faustdicken Lüge beginnt ...
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Tränen in zweiter Ehe
Birte wusste nicht alles über ihren Mann
Während seines Urlaubs am Meer lernt der schwerreiche Unternehmer Arnold Langenkamp die reizende Birte von Hellwangen kennen. Die bildhübsche junge Dame schließt sein kleines Töchterchen sofort ins Herz.
Arnold selbst hat genug von den Frauen. Sie haben ihn oft genug zutiefst enttäuscht. An die Liebe glaubt der kühle Geschäftsmann schon längst nicht mehr. Dennoch bittet er Birte um ihre Hand. Die kleine Anke braucht eine Mutter, einen Menschen, der ihr Liebe und Vertrauen entgegenbringt. Ihm fehlt die Zeit dazu, sich intensiv mit dem Kind zu befassen.
Birte kämpft einen harten Kampf mit sich, doch schließlich stimmt sie dieser reinen Zweckgemeinschaft zu, die zudem noch mit einer faustdicken Lüge beginnt ...
»Sie sind entlassen!«, schrie der Mann und schlug mit der Faust auf den Tisch. »Fristlos! Scheren Sie sich fort, Sie unverschämte Person, ich will Sie hier nicht mehr sehen, Sie ...«
Birtes Chef griff an sein Oberhemd und zerrte an seinem Kragen. Seine leicht hervorquellenden Augen starrten voller Hass auf die mit dezenter Eleganz gekleidete junge Dame, die gelassen auf der anderen Seite des Schreibtisches stand und ihn, so schien es ihm jedenfalls, mit kühler Ironie betrachtete.
»Ich fürchte, so einfach ist das nicht, Herr Hampe«, stellte Birte von Hellwangen fest. Nur ihre Finger, die sich um den Stenogrammblock verkrampften, verrieten etwas von der Erregung, die in ihr tobte. »Wir haben eine vierteljährliche Kündigung vereinbart. Und ich habe Ihnen keinen Anlass gegeben, der eine fristlose Entlassung rechtfertigt.«
Otto Hampes Gesicht bekam einen Stich ins Bläuliche, und einen Moment fürchtete Birte tatsächlich, er würde einen Herzschlag bekommen. Der füllige Mann mit dem fleischigen Gesicht rang nach Atem, unfähig, seine Empörung in Worten auszudrücken.
»Sie wollten mir diktieren, Herr Hampe«, erinnerte Birte ihn und nahm Platz, als sei gar nichts geschehen. Sie durfte diese Stellung nicht so schnell verlieren, hatte sie doch viel Mühe gehabt, den Posten bei Hampe überhaupt zu bekommen.
Der Mann schloss gequält die Augen und schüttelte heftig ablehnend den Kopf.
»Weg!«, knurrte er und wies mit dem ausgestreckten Zeigefinger zur Tür. »Verschwinden Sie, Ihr Geld können Sie kriegen, aber ich will Sie hier nicht mehr sehen. Sie tun gerade so, als wären Sie eine Gräfin oder sonst etwas Besseres.«
Birte wurde eine Schattierung bleicher und senkte ihren goldblonden Kopf über ihren Stenogrammblock. Es war schwer für sie, das Schluchzen zu unterdrücken, das bei der ungerechten Behandlung des Mannes in ihr emporsteigen wollte.
»Sie sind eine unverschämte, eingebildete Person!«, fauchte Otto Hampe. Die unvergleichliche Schönheit seiner Sekretärin ließ wieder die Wünsche in ihm emporsteigen, die bei Birte auf Ablehnung gestoßen waren, was zu ihrer Entlassung geführt hatte. »Ich wäre bereit«, fuhr er mit heiserer Stimme fort, »diesen Zwischenfall zu vergessen, wenn Sie heute Abend in meine Villa kommen. Zum Diktat«, fügte er noch hinzu – eine offensichtliche Lüge.
»Ich kann nicht kommen«, flüsterte Birte erstickt. Sie hob flehend die gefalteten Hände empor. »Verstehen Sie mich, bitte, Herr Hampe, ich ...«
»Sie wollen etwas Besseres sein, ich bin Ihnen nicht gut genug«, knirschte der untersetzte Mann gereizt. »Aber es soll Ihr Schaden nicht sein, wenn Sie meine Einladung annehmen. Niemand kann mir nachsagen, dass ich entzückenden Damen gegenüber kleinlich bin.«
Es hat keinen Zweck, diesen Mann um Verständnis zu bitten, dachte Birte verzagt. Ich muss seine Kündigung annehmen. Und dann stehe ich wieder auf der Straße. Wer weiß, was für ein Zeugnis er mir geben wird ... Und wenn man sich bei ihm erkundigt, wird er mich schlechtmachen.
Otto Hampe kannte seine Macht, und er war bereit, sie skrupellos auszunutzen. Er hatte sich aus kleinsten Anfängen emporgearbeitet und war heute Herr über sechzig Angestellte. Sein Vermögen ging in die Hunderttausende.
Seine Frau, eine Person aus kleinen Verhältnissen wie er selbst, hatte mit seiner gesellschaftlichen Entwicklung nicht Schritt halten können. Und deshalb glaubte Otto das Recht zu haben, seine Sekretärinnen und Stenotypistinnen ab und zu in seine feudale Villa einzuladen, wenn Alwine in irgendein Bad fuhr.
Heute Morgen hatte seine Frau das Haus erst verlassen, und Otto zögerte nicht, die bildschöne Birte von Hellwangen sofort zu sich einzuladen.
»Nun, haben Sie sich mein Angebot überlegt?«, fragte Otto Hampe geschäftsmäßig. »Sie werden es nicht zu bereuen haben, Birte«, versprach er und lachte, ein fettes, widerliches Lachen.
»Würden Sie meine Papiere fertig machen?« Birte stand auf, den Kopf gesenkt, die Hände noch immer um ihren Stenogrammblock verkrampft.
Otto Hampe warf mit unbeherrschter Bewegung einen Stapel Akten von seinem Schreibtisch auf den dicken, protzigen Teppich seines Büros.
»Das wird Ihnen noch einmal leidtun, meine Liebe«, drohte er. »An diese Stunde werden Sie noch denken. Glauben Sie nicht, dass Sie mit Otto Hampe machen können, was Sie wollen.«
»Wann kann ich meine Papiere bekommen?« Seine hinterhältigen Angriffe gaben Birte die Kraft wieder, die sie beim Gedanken an die ungewisse Zukunft vorübergehend verlassen hatte.
»Sie können sie sofort mitnehmen. Ein Zeugnis werden Sie ja wohl nicht haben wollen, nicht wahr?« Der hinterhältig lauernde Ausdruck seiner Augen ließ Birte ahnen, wie das Zeugnis ausfallen würde, wenn sie darauf bestand.
»Ich bestehe darauf, ein Zeugnis zu bekommen«, erklärte sie dennoch deutlich. »Und ich möchte Sie daran erinnern, dass es ein Arbeitsgericht gibt, Herr Hampe. Die Richter dort haben für private Vorschläge, wie Sie sie mir gemacht haben, nur wenig Verständnis. Seien Sie vernünftig!«
Über den eigenen Mut erschreckt, verstummte die junge Dame. Und dann drehte sie sich um und lief hinaus, bevor ihr Chef noch Gelegenheit hatte, ihr eine Antwort zu geben. Sie vergaß immer wieder, dass sie nur eine Sekretärin war.
Aber immerhin konnte man das verstehen, denn vor zwei Jahren war Birte von Hellwangen noch eine Komtess gewesen, und niemand wäre auf den Gedanken gekommen, sie so zu behandeln, wie die Männer es sich herausnahmen, mit denen sie nach ihrer Verarmung zusammentraf.
Es waren keine Herren, keine Gentlemen, sondern Männer. Und sie war keine Dame, sondern ein Fräulein, und weil sie arm war, glaubten die Männer, sie müsse sich über Geschenke freuen. Und dankbar sein. Und entgegenkommend ...
»Was hat's mit dem Alten gegeben?«, fragte Ilse Oertel, eine Kollegin, mit der zusammen sie Hampes Büro im Vorzimmer bewachte. Ilse war auch hübsch – darauf legte der Chef außerordentlichen Wert –, aber in einer ganz anderen Art als Birte.
Der Gegensatz der beiden lag nicht allein in der Haarfarbe – Ilse war schwarz –, sondern stärker noch in den ganz verschiedenen Temperamenten. Ilse war schlagfertig, übermütig, ein kleiner Sprühteufel. Sie blieb niemandem eine Antwort schuldig und verstand es vorzüglich, die Männer in Schach zu halten.
»Er hat mich entlassen, einfach hinausgeworfen«, sagte Birte leise. Sie begann, ihren Schreibtisch aufzuräumen und ihre wenigen Privatsachen in ihre Aktentasche zu legen.
»Ach, hat er es bei dir auch versucht?« Ilse ahnte genau, was im Allerheiligsten der Firma vorgefallen war. »Und was hast du ihm gesagt?«
Birte zuckte die Schultern, eine schweigende Antwort, die Ilse vollkommen genügte. Die Augen des Mädchens flammten auf, und sie ballte die Hände zu Fäusten.
»Das hätte er nur mal mit mir versuchen sollen!«, äußerte sie kampfbereit.
Die Gegensprechanlage auf ihrem Schreibtisch knackte.
»Fräulein Oertel zum Diktat«, klang Hampes Stimme verzerrt durch die Anlage.
»Ja, Dicker, ich komme schon«, murmelte Ilse respektlos. »Ich sehe dich noch gleich, Birte, nicht wahr?«
Birte von Hellwangen, die das Recht hatte, sich Komtess von Hellwangen zu nennen, nickte ihr zu.
Eine Dreiviertelstunde später kam Ilse zurück. Ihr Gesicht war gerötet, ihre Augen sprühten förmlich, und ihre Hände flatterten erregt.
»Wir können zusammen gehen«, sagte sie wütend. »Der Alte muss sich zwei neue Sekretärinnen suchen.«
Sie schaute auf ihre Hände, und ganz plötzlich fing sie an zu lachen, setzte sich auf einen Stuhl und streckte die schlanken Beine weit von sich.
»Du hättest nur sein Gesicht sehen sollen, als ich ihm ein paar heruntergehauen habe«, brachte Ilse zwischen immer neuen Lachanfällen mühsam hervor.
Birte konnte sich die Szene im Büro ihres Chefs gut vorstellen, kannte sie doch Ilses Temperament und ihre »schlagfertige« Art.
»Er kühlt sich jetzt bestimmt seine...




