E-Book, Deutsch, 428 Seiten
Robards My Bad Boy - Verstecktes Verlangen
1. Auflage 2025
ISBN: 978-3-96898-332-5
Verlag: venusbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Roman: Ein aufregender Liebesroman, der unter die Haut geht
E-Book, Deutsch, 428 Seiten
ISBN: 978-3-96898-332-5
Verlag: venusbooks
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark
Karen Robards ist die New York Times-, USA Today- und Publishers Weekly-Bestsellerautorin von mehr als fünfzig Büchern. Sie veröffentlichte ihren ersten Roman im Alter von 24 Jahren und wurde im Laufe ihrer Karriere mit zahlreichen Preisen bedacht, unter anderem mit sechs Silver Pens, die sie als beliebteste Autorin auszeichnen. Sie brilliert in der Spannung ebenso sehr wie im Liebesroman. Die Website der Autorin: karenrobards.com/ Die Autorin bei Facebook: facebook.com/AuthorKarenRobards/ Bei venusbooks veröffentlichte die Autorin die historischen Liebesromane »Die Gefangene des Piraten« und »Die Geliebte des Piraten« sowie die Hot-Romance-Romane »My FBI Agent - Geheime Sehnsucht«, »My Hot Ranger - Sehnsucht in der Wildnis«, »My Bad Boy - Verstecktes Verlangen«.
Autoren/Hrsg.
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Kapitel 1
Seit jenem alptraumhaften Morgen konnte Rachel Grant den süßen Duft von Clethrablüten nicht mehr ertragen. Sie empfand es als Ironie, dass ausgerechnet dieser Geruch sie jetzt zu ersticken drohte.
Rachel stand auf dem glühendheißen Asphalt an der Greyhound Busstation und wartete auf Johnny Harris. Johnny Harris, der böse Bube, dem sie jahrelang versuchte, ein einigermaßen gutes High-School Englisch beizubringen. Johnny Harris, der großmäulige Sohn eines Tunichtguts, dem alle prophezeiten, er würde keinen Deut besser als sein Vater werden und der diese Erwartungen schließlich noch übertraf.
Johnny Harris wurde vor elf Jahren wegen Mordes und Vergewaltigung einer siebzehnjährigen Schülerin verurteilt. Heute kehrte Johnny Harris, mit ihrer Hilfe, nach Hause zurück.
Rachel hörte bereits das Motorengeräusch, bevor der Bus in Sichtweite kam. Sie fühlte sich unbehaglich. Nervös um sich blickend, hielt sie nach einem möglichen Beobachter Ausschau – Bob Gibson von der Fahrkartenausgabe war nur verschwommen hinter der Glasscheibe seines Schalters zu erkennen, der in einer ehemaligen Tankstelle untergebracht war. Jeff Skaggs, der im vergangenen Mai die High-School absolviert hatte, arbeitete jetzt im ›Seven- Eleven‹ und steckte ein paar Münzen in einen Coke-Automaten. Genau hinter seinem geparkten Pritschenwagen entdeckte sie einen Clethrastrauch mit lederartigen, sattgrünen Blättern und kleinen weißen Blütentrauben.
Rachel fühlte sich sofort etwas wohler, als sie erkannte, dass dieser Duft einer äußerst realen Quelle entstammte. Trotzdem hatte der Zufall etwas Unheimliches für sie.
Marybeth Edwards blutüberströmte Leiche wurde neben einem Clethrastrauch gefunden, fast auf den Tag genau vor elf Jahren, während einer Hitzewelle, wie sie im Augenblick wieder in Tylerville herrschte. Ein weißer Blütenregen, von ihr ausgelöst im Kampf gegen den Angreifer, bedeckte ihren Körper. Der süße Duft der Blüten milderte den scharfen Geruch des Blutes. Es war August – wie heute – und so heiß wie in einem Pizzabackofen.
Rachel, die damals auf dem Weg zur Tylerville High-School gewesen war, um ihr Klassenzimmer für das neue Schuljahr in Ordnung zu bringen, hatte als eine der ersten die grässliche Entdeckung gemacht. Der Schrecken dieses Anblicks hatte sie niemals verlassen. Auch nicht die Gewissheit, dass Johnny Harris, der sich in das blonde Mädchen verliebt hatte, nicht der Mörder war. Er hatte sich heimlich, gegen den Willen der Eltern, mit Marybeth getroffen, und als sie tot aufgefunden wurde, mit seinem Sperma in ihrem Leib, schien der Fall klar zu sein. Innerhalb von einer Woche wurde er verhaftet, verhört, und anschließend wegen Mordes verurteilt. Allein auf Grund der Theorie, dass Marybeth ihm in jener Nacht erklärt hätte, es sei aus zwischen ihnen, sie würde sich nicht mehr mit ihm verabreden. Die Anklage wegen Vergewaltigung wurde fallen gelassen. Es gab zu viele Leute, die wie Rachel bezeugen konnten, welcher Art die Beziehung zwischen Marybeth und Johnny gewesen war. Für Rachel stand fest, dass der Junge, den sie kannte, eine so abscheuliche Tat nicht begangen haben konnte. Sie war immer der Überzeugung gewesen, dass das einzige ihn entlastende Verbrechen war, Johnny Harris zu sein.
Jetzt betete sie, dass sie sich nicht getäuscht hatte.
Mit quietschenden Bremsen fuhr der Bus in die Haltestelle ein und kam mit einem Ruck zum Stehen. Die Tür ging auf. Rachel blickte in die leere Türöffnung. Ihre Finger umklammerten den Griff ihrer Sommerhandtasche. Ihr Körper verkrampfte sich. Die hohen Absätze ihrer weißen Pumps versanken im weichen Asphalt.
Da stand er in der Tür. Johnny Harris. Er trug abgewetzte braune Cowboystiefel, zerschlissene Jeans und ein weißes Baumwoll-T-Shirt. Das Hemd spannte sich über breite Schultern und muskulöse Oberarme. Seine Haut war erstaunlich frisch und braungebrannt. Er war dünn. Nein, das war nicht das richtige Wort – schlank war treffender. Schlank und fest und zäh wie Leder. Sein Haar war unverändert, kohlrabenschwarz, nur länger als früher. Es reichte ihm fast bis auf die Schultern. Sein Gesicht war das gleiche –, sie hätte ihn überall auf der Welt wieder erkannt. Allerdings ein paar harte Linien um Mund und Kinn waren dazugekommen.
Der etwas abweisend, aber gutaussehende Junge, den sie in Erinnerung hatte, sah zwar immer noch abweisend und gut aus – hatte sich aber zu einem gefährlich wirkenden Mann gemausert.
Plötzlich wurde ihr bewusst, dass Johnny Harris fast dreißig Jahre alt sein musste. Wenn sie jemals etwas über ihn gewusst hatte, dann konnte sie es jetzt vergessen.
Johnny Harris hatte die letzten zehn Jahre seines Lebens im Bundesgefängnis verbracht.
Er stieg auf den Asphalt hinunter, blickte sich um. Rachel, die etwas abseits stand, gab sich innerlich einen Ruck, sie musste auf ihn zugehen. Ihre Absätze steckten in den kleinen selbst geschaffenen Kratern im Asphalt. Sie schwankte. Als sie ihr Gleichgewicht wieder gefunden hatte, waren seine Augen auf sie gerichtet.
»Miss Grant.« Er lächelte nicht, als er ihre Gestalt prüfend von oben bis unten musterte. Sein Blick, der ihre weiblichen Formen unverhohlen abschätzte, wirkte beinahe unverschämt, so dass sie für einen Augenblick ihre Fassung verlor. Das war nicht der Blick, den sie als Lehrerin von einem männlichen, ehemaligen Schüler erwartet hatte. Von Respekt keine Spur.
»J-Johnny. Willkommen zu Hause.« Eigentlich absurd, diesen hart wirkenden Mann wie einen Schüler zu begrüßen, aber der Vorname kam ihr automatisch über die Lippen.
»Zu Hause.« Seine Lippen verformten sich zu einem dünnen Strich als er sich umblicke. »Ja, richtig.«
Sie folgte seinem Blick und sah, dass Jeff Skaggs sie jetzt mit aufgerissenen Augen anstarrte. Die Nachricht von Johnny Harris’ Rückkehr würde sich bis zum Abendessen wie ein Lauffeuer in ganz Tylerville verbreitet haben, das wusste Rachel. Ideell Skaggs, Jeffs Mutter, war die größte Klatschbase der Stadt.
Nicht, dass Rachel aus Johnnys Rückkehr ein Geheimnis machen wollte ... in Tylerville, Kentucky, konnte man nichts geheim halten, jedenfalls nicht für lange. Jeder wusste über jeden Bescheid. Trotzdem hatte sie insgeheim gehofft, dass er die Chance haben würde, unbemerkt anzukommen. Er sollte sich mit der neuen Situation vertraut machen können, bevor der unvermeidliche Proteststurm losbrechen würde. Wäre ein gewisser Teil der Einwohner im Voraus über Johnny Harris’ Rückkehr informiert gewesen, hätte sie Himmel und Hölle in Bewegung gesetzt, um das zu verhindern.
Jetzt wusste man es, oder würde es sehr bald wissen. Es würde ein Mordsgeschrei geben, großteils ihretwegen. Sie hatte damit gerechnet, seitdem sie seinen Brief erhalten hatte. Er bat sie darin, ihr einen Job zu beschaffen, damit er auf Bewährung freikäme. Sie hatte zurückgeschrieben und seine Bitte erfüllt.
Sie hasste Auseinandersetzungen, besonders wenn es dabei um ihre Person ging. Damals hatte sie den Standpunkt vertreten, dass der Junge, so wie sie ihn kannte, ein besseres Schicksal verdient hatte. Und dieser Überzeugung war sie bis heute treu geblieben.
Nur, der große, verdrossen aussehende Fremde, der jetzt neben ihr stand, war nicht mehr der Junge, den sie in Erinnerung hatte. Sein fast unverschämter, abschätzender Blick war der beste Beweis dafür.
Der Fahrer stieg aus, um den Gepäckraum des Busses zu öffnen. Rachel riss sich zusammen und meinte obenhin: »Besser, wir holen jetzt dein Gepäck.«
Er lachte. Es klang eher spöttisch als belustigt.
»Miss Grant, das habe ich bei mir.«
Ein schmutziger Matchbeutel, der über der einen Schulter hing, wurde als Beweis hervorgezogen.
»Oh. Also, dann ... dann können wir ja gehen.«
Er sagte nichts. Sie wandte sich um und ging zu ihrem Wagen – auf merkwürdige Weise verwirrt. Natürlich hatte sie nicht erwartet, dass ein achtzehnjähriger Schüler aus dem Bus steigen würde, aber auf einen erwachsenen Mann war sie auch nicht vorbereitet.
›Närrin!‹ schalt sie sich.
Sie versuchte ruhig zu bleiben, als sie die Tür ihres blauen Maxima öffnete. Sie blickte über die Schulter zurück und konnte gerade noch erkennen, wie Johnny Harris sich zu Jeff Skaggs drehte und ihm ein Zeichen machte. Der Anblick des langen, obszön himmelwärts gestreckten Mittelfingers zeigte ihr deutlich, dass sie sich bei Johnny Harris verrechnet hatte. Und das hatte sie sich selbst eingebrockt!
»War das wirklich notwendig?«, fragte sie leise, als er zum Wagen kam.
»Yes.«
Er ging um den Wagen herum, öffnete die hintere Tür, warf seinen Matchbeutel auf die Rückbank und nahm dann auf dem Beifahrersitz Platz. Rachel blieb nichts anderes übrig, als einzusteigen.
Und das tat sie. Erstaunlich, wie klein ihr der normalerweise geräumige Maxima jetzt vorkam, mit Johnny Harris auf dem Schalensitz neben ihr. Seine Schultern waren breiter als das graue Polster der Rückenlehne, so breit, dass sie fast bis zu ihr hinüberreichten. Seine Beine – zu lang, um sie auszustrecken – waren auseinander gespreizt. Ein Jeansknie lehnte an der Gangschaltungskonsole zwischen den Sitzen. Seine Nähe beengte sie. Er wendete seinen Kopf in ihre Richtung, und seine Augen (sie waren von einem tiefen, rauchigen Blau – komisch, dass ihr das entgangen war) musterten sie wieder. Der Ausdruck war unmissverständlich.
»Schnall dich bitte an. Das ist Vorschrift.«
Rachel verspürte plötzlich das Bedürfnis, ihre Schultern einzuziehen, ihren Busen vor seinen Blicken zu verbergen. Normalerweise war sie Männern gegenüber völlig unbefangen.
Ehrlich gesagt, in den letzten Jahren hatte sie kaum Notiz von ihnen genommen. Vor...




