E-Book, Deutsch, Band 2, 256 Seiten
Reihe: Sterne von Mithra
Roberts Der gefangene Stern
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-7457-5098-0
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Historischer Liebesroman
E-Book, Deutsch, Band 2, 256 Seiten
Reihe: Sterne von Mithra
ISBN: 978-3-7457-5098-0
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Seit M.J. O' Leary von ihrer besten Freundin einen wertvollen Diamanten bekommen hat, ist sie auf der Flucht - mit Handschellen an den aufregenden Mann gekettet, der ihr gerade das Leben gerettet hat! Aber die temperamentvolle Barbesitzerin denkt gar nicht daran, Jack Dakota dankbar zu sein. Und auch nicht, ihm zu verraten, was sie in ihrer Handtasche versteckt. Schließlich lässt sie sich nicht einfach so kidnappen! Doch Jack scheint nicht nur entschlossen, an ihrer Seite zu bleiben und herauszufinden, wer hinter ihnen her ist, sondern ist mit seinem Charme und seinem gestählten Körper auch eine einzige Provokation. Und einer Herausforderung konnte M.J. noch nie widerstehen.
Die preisgekrönte Schriftstellerin sitzt jeden Tag acht Stunden am Schreibtisch. Inzwischen sind fast 250 Romane geschrieben, die weltweit regelmäßig auf den Bestsellerlisten landen. Vom wurde sie zu »Amerikas Lieblingsautorin« ernannt. Auch in Deutschland erfreut sich Nora Roberts einer großen Fangemeinde. Sie lebt mit ihrem Ehemann in Maryland.
Weitere Infos & Material
1. KAPITEL
Er hätte sein Leben für ein Bier gegeben. Ein großes, eiskaltes Glas Bier würde jetzt besser schmecken als der erste Kuss einer Frau. Ein Bier in einem netten dunklen Pub, ein nettes Baseballspiel im Fernsehen und ein paar Gäste, die sich dafür interessierten.
Solchen Fantasien hing Jack Dakota nach, während er vor der Wohnung der Frau wartete. Er stellte sich die Schaumkrone vor, den Hefegeruch, den ersten herrlich tiefen Schluck und danach den bedächtigen, langsamen Genuss. Es gäbe deutlich weniger Probleme auf der Welt, dachte er, wenn Politiker ihre Konflikte bei einem kühlen Bier in einem Pub regeln würden.
Noch war es etwas früh für ein Bier, gerade mal ein Uhr mittags. Aber die Hitze draußen war fast unerträglich, und Mineralwasser hatte kaum denselben erfrischenden Effekt. Sein uralter Straßenkreuzer, ein Oldsmobile, besaß keine Klimaanlage. Im Grunde besaß der Wagen überhaupt keine Annehmlichkeiten außer der teuren Stereoanlage, die er selbst eingebaut hatte und die doppelt so viel wert war wie das ganze Auto. Aber ein Mann brauchte einfach seine Musik. Wenn Jack durch die Straßen fuhr, liebte er es, die Stones oder die Beatles bis zur Schmerzgrenze aufzudrehen.
Doch da er gerade in einer ruhigen Wohngegend im nordwestlichen Washington D. C. parkte, ließ er die Anlage nur leise laufen. Er summte einen Titel von Bonnie Riatt mit, die einzige Musik nach 1975, die er mochte.
Jack war der Ansicht, in der falschen Zeit zu leben. Er hätte einen prächtigen Ritter abgegeben. Einen schwarzen Ritter. Ihm gefiel die gradlinige Einstellung, die da lautete: Der Stärkere hat recht. Er hätte dem guten alten Arthur sicherlich die Treue gehalten. Auch wenn er Camelot auf seine eigene Weise geführt hätte. Regeln machten das Leben viel zu kompliziert.
Im Wilden Westen wäre er auch gut zurechtgekommen. Er hätte Schurken jagen können, ohne vorher blöden Papierkram auszufüllen, und sie dann tot oder lebendig in den Knast gebracht.
Heutzutage nahmen die sich einfach einen Anwalt – oder bekamen sogar einen vom Staat gestellt! Und am Ende entschuldigte sich der Richter noch bei ihnen. Tut mir furchtbar leid, Sir, Sie haben zwar vergewaltigt, geraubt und gemordet, aber das ist noch lange kein Grund, Ihnen Ihre kostbare Zeit zu stehlen und gegen Ihre Bürgerrechte zu verstoßen.
Dieses Land war wirklich in einem traurigen Zustand.
Das war einer der Gründe, warum Jack kein Polizist geworden war – obwohl er mit Anfang zwanzig durchaus mit dieser Idee gespielt hatte. Gerechtigkeit war ihm wichtig, war es immer gewesen. Doch die Gesetze und Vorschriften der heutigen Zeit erschienen ihm nicht besonders gerecht.
Darum war er ein moderner Kopfgeldjäger geworden.
So konnte er ebenfalls die bösen Jungs jagen, aber auf eigene Faust und Rechnung und ohne sich mit lästiger Bürokratie herumzuschlagen. Natürlich gab es nach wie vor Gesetze, aber ein kluger Mann wusste sie geschickt zu umgehen. Und Jack war ein kluger Mann.
Die Unterlagen über seinen aktuellen Fall steckten in seiner Tasche. Ralph Finkleman hatte ihn um acht Uhr morgens angerufen. Ralph gehörte zu den Menschen, die sich ständig Sorgen machten und zugleich optimistisch waren – diese merkwürdige Mischung war vermutlich Voraussetzung für jemanden, dessen Job es war, Kautionsgelder an Wildfremde zu verleihen. Ralph stellte für Kleinkriminelle, die bis zur Verhandlung auf freien Fuß gesetzt wurden, die Kaution. Gegen eine anständige Gebühr natürlich. Jack hatte nie verstanden, wie man auf die Idee kam, vollkommen fremden Menschen Geld zu leihen, noch dazu Kriminellen.
Aber so ließ sich natürlich jede Menge Kohle verdienen, und das reichte wohl als Motivation.
Jack war gerade erst aus North Carolina zurückgekommen, wo er für Ralph einen hirnlosen Ladendieb aufgestöbert und zurück ins Gefängnis gebracht hatte. Ralph hatte die Kaution hinterlegt und ernsthaft geglaubt, dass der Kerl zu dumm wäre, um abzuhauen.
Jack hätte ihm sagen können, dass der Kerl zu dumm war, um nicht abzuhauen. Aber er wurde schließlich nicht dafür bezahlt, kluge Ratschläge zu geben.
Eigentlich hatte er sich nach dem letzten Auftrag ein wenig erholen wollen. Er hatte überlegt, sich ein paar Baseballspiele anzuschauen oder eine seiner weiblichen Bekanntschaften anzurufen, damit sie ihm dabei half, sein Honorar unter die Leute zu bringen. Doch Ralph hatte ihn dermaßen angefleht, den Fall zu übernehmen, dass er ein Nein einfach nicht übers Herz brachte.
Also war er zu First Stop Bail Bonds gefahren und hatte die Unterlagen über eine gewisse M.J. O’Leary abgeholt. Besagte Lady war offenbar nicht zum vereinbarten Termin vor Gericht erschienen, um zu erklären, warum sie ihren verheirateten Liebhaber angeschossen hatte.
Jack ging davon aus, dass die Frau dumm wie Bohnenstroh war. Eine attraktive Frau – und das war sie dem Foto nach zu urteilen – brauchte doch nur ein Minimum an Grips, um den Richter und die Geschworenen davon zu überzeugen, dass es nicht weiter schlimm war, einem ehebrecherischen Buchhalter ein bisschen Angst einzujagen.
Schließlich hatte sie den armseligen Bastard ja nicht getötet.
Der Job war ein Kinderspiel, und Jack konnte nicht begreifen, warum Ralph so nervös geklungen hatte. Jedenfalls wollte er die Sache nun so schnell wie möglich hinter sich bringen, um endlich sein kühles Bierchen zischen und das Honorar verprassen zu können.
Mit dem Extrageld dieses Jobs könnte er die Erstausgabe von Don Quixote kaufen, auf die er schon so lange scharf war. Dafür war er durchaus bereit, noch ein paar Stunden länger im Auto zu schwitzen.
Er sah nicht gerade aus wie ein Mann, der seltene Bücher sammelte oder mit Vergnügen philosophische Debatten über die Natur des Menschen führte. Jack trug sein sonnengesträhntes braunes Haar zu einem dicken Pferdeschwanz gebunden – kein modisches Statement, sondern eher Ausdruck einer angeborenen Skepsis gegenüber Friseuren. Allerdings unterstrich die Frisur sein schmales Gesicht mit den hohen Wangenknochen, den vollen, festen Lippen und der tiefen Kerbe am Kinn. Seine Augen waren grau wie blitzender Stahl, der dahinschmelzen konnte beim Anblick der vergilbten Seiten einer Dante-Erstausgabe oder aber rauchdunkel wurde, wenn eine hübsche Frau im Sommerkleid des Weges kam.
Gelangweilt streckte Jack die langen Beine aus, rollte die verspannten Schultern und überlegte, ob er sich noch ein Mineralwasser genehmigen sollte, solange er wartete.
Als der MG an ihm vorbeifuhr, mit geöffnetem Dach und dröhnend lauter Musik, schüttelte er nur den Kopf. Dumm wie Bohnenstroh, tatsächlich – obwohl sie zumindest einen guten Musikgeschmack hatte. Das Auto passte zu der Beschreibung in seinen Unterlagen, und der flüchtige Blick, den er auf die Fahrerin hatte werfen können, bestätigte seine Vermutung. Das kurze, vom Wind zerzauste rote Haar war ein untrügliches Signal.
Erschreckend, dass eine so attraktive Frau so furchtbar dumm sein kann, dachte er, während er beobachtete, wie sie einparkte und aus dem Wagen stieg.
Man konnte sie nicht im klassischen Sinne als schön bezeichnen. Sie war groß – und Jack hatte eine Schwäche für langbeinige, gefährlich große Frauen. Ihre schmalen, knabenhaften Hüften steckten in einem Paar ausgewaschener und an den Knien zerrissener Jeans. Dazu trug sie ein schlichtes weißes T-Shirt, unter dessen Stoff sich ihre kleinen Brüste abzeichneten.
Als sie eine Tasche vom Rücksitz hievte, gewährte sie ihm einen aufschlussreichen Blick auf ihren festen Hintern. Kein Wunder, dass irgendein Schwachkopf mit ihr seine Frau betrogen hatte.
Ihr Gesicht war so kantig wie ihr Körper, und obwohl es mädchenhaft blass war – perfekt zu dem flammend roten Haar –, hatte sie überhaupt nichts Mädchenhaftes an sich. Aufregend ausgeprägte Wangenknochen und ein üppiger, sinnlicher Mund rundeten das Bild ab.
Sie trug eine dunkle Sonnenbrille, doch er wusste aus seinen Unterlagen, dass sie grüne Augen hatte. Blieb die Frage, ob es sich eher um Moosgrün oder um Smaragdgrün handelte.
Mit einer riesigen Tasche über der Schulter und einer Einkaufstüte unter dem Arm steuerte sie auf ihn und das Apartmenthaus zu. Er gestattete sich einen letzten Seufzer angesichts des lässigen und zugleich aufreizenden Gangs – lange Frauenbeine waren wirklich sein Ding – und stieg dann ebenfalls aus, um ihr zu folgen. Vermutlich würde sie ihm keine großen Schwierigkeiten machen. Vielleicht würde sie ein bisschen beißen und kratzen, aber zumindest sah sie nicht so aus, als würde sie in Tränen ausbrechen.
Das konnte er wirklich nicht leiden.
Sein Plan war einfach. Natürlich hätte er sie sich hier draußen schnappen können, aber er hasste Szenen in der Öffentlichkeit, wenn sie sich vermeiden ließen. Also wollte er die Sache lieber in ihrer Wohnung klären und sie dann mitnehmen.
Als Jack hinter ihr das Gebäude betrat, ging ihm durch den Kopf, dass sie wirkte, als ob sie sich über nichts auf der Welt Sorgen machte. Dachte sie denn nicht daran, dass die Cops die Wohnung ihrer Freunde observieren würden? Und dann fuhr sie auch noch mit dem eigenen Wagen zum Einkaufen! Erstaunlich, dass sie nicht schon längst geschnappt worden war.
Andererseits hatte die Polizei Besseres zu tun, als einer Frau hinterherzujagen, die sich ein bisschen mit ihrem Liebhaber gestritten hatte.
Hoffentlich war der Freund, dem die Wohnung gehörte, nicht zu Hause. Doch Jack hatte fast eine Stunde lang die Fenster beobachtet und keine einzige Bewegung dahinter ausmachen...




