E-Book, Deutsch, Band 4, 304 Seiten
Reihe: Die MacKades
Roberts Hochzeit im Herbst
1. Auflage 2019
ISBN: 978-3-95576-977-2
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
E-Book, Deutsch, Band 4, 304 Seiten
Reihe: Die MacKades
ISBN: 978-3-95576-977-2
Verlag: MIRA Taschenbuch
Format: EPUB
Kopierschutz: 0 - No protection
Drei Traummänner aus dem MacKade-Clan haben bereits die Liebe gefunden! Nur der attraktive Shane MacKade, jüngster der vier Brüder, hält beharrlich an seinem Single-Leben fest. Die Frauen machen es ihm leicht - wozu also heiraten? Bis die junge Wissenschaftlerin Rebecca Knight in sein Leben tritt. Mit ihr wird jeder Tag zu einer neuen Herausforderung. Denn Shane findet sie ausgesprochen reizvoll, aber wenn er ihr das zu verstehen gibt oder sogar mit ihr flirten will, nimmt sie ihn nicht ernst. Stattdessen sagt Rebecca ihm auf den Kopf zu, dass sie nicht die Absicht hat, eine seiner vielen Exfreundinnen zu werden. Selbst ein erster leidenschaftlicher Kuss kann sie nicht umstimmen ...
'Was bekommt man, wenn man einen Frauenschwarm mit einer jungen Wissenschaftlerin zusammenbringt, die leider keine Zeit für die Liebe hat? Eine hinreißende Romanze mit herrlich schnippischen Dialogen und sinnlichen Szenen.'
romantictimes
Die preisgekrönte Schriftstellerin sitzt jeden Tag acht Stunden am Schreibtisch. Inzwischen sind fast 250 Romane geschrieben, die weltweit regelmäßig auf den Bestsellerlisten landen. Vom wurde sie zu »Amerikas Lieblingsautorin« ernannt. Auch in Deutschland erfreut sich Nora Roberts einer großen Fangemeinde. Sie lebt mit ihrem Ehemann in Maryland.
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PROLOG
Eine dicke Eisschicht hatte sich über den von Schnee frei geschaufelten Pfad gelegt und machte das Laufen zu einem gefährlichen Balance-Akt. Ganz weit hinten am östlichen Horizont ließ sich das erste Morgengrauen erahnen, doch noch war der Himmel dieses eiskalten Wintermorgens schwarz wie Tinte, nur vereinzelt blitzten silberne Sterne auf. Jeder Atemzug, den man einsog, schnitt scharf wie Rasierklingen in Kehle und Lungen, bevor man ihn in einer weißen Dampfwolke wieder ausstieß.
Eingepackt in mehrere Lagen dicker Pullover sowie zwei Hosen zuzüglich langer Unterhosen, mit dicken Fäustlingen, Schal und Mütze, stapfte Shane MacKade in Richtung Melkschober, auf dem Weg zu den ersten Pflichten des Tages. Im Gegensatz zu seinen drei älteren Brüdern pfiff er leise vor sich hin.
Er liebte diese frühe Stunde vor dem winterlichen Sonnenaufgang, wenn der Frost noch knackte und der unberührte Schnee unter den Stiefeln knirschte.
Jared, der älteste der vier MacKades, war jetzt fast siebzehn, und als Ältester führte er die Farm. Allerdings führte er sie, wie ein Buchhalter sich wohl an seine Abrechnungen machen würde. Für ihn waren das alles nur Zahlenkolonnen auf einem Blatt Papier. Nun, vielleicht war das sogar ganz gut so. Vor zwei Monaten hatten sie ihren Vater verloren, und die Zeiten sahen im Moment alles andere als rosig aus.
Und was Rafe anbelangte … Die Zukunftsvisionen des Fünfzehnjährigen gingen bereits weit über die Hügel und Felder des MacKade-Landes hinaus. Das Melken, Füttern und Versorgen der Tiere waren für ihn eine leidige Pflicht, die es einfach zu erledigen galt. Und obwohl sie nie wirklich darüber gesprochen hatten, so wusste Shane doch, dass der Tod des Vaters Rafe am härtesten getroffen hatte.
Sie alle hatten ihren Vater geliebt. Wie hätte man Buck MacKade auch nicht lieben können? Einen Mann mit einer Stimme wie Donnerhall, mit Händen wie Schaufeln und einem Herzen, genauso weit wie das MacKade-Land. Alles, was Shane über das Land und die Farm wusste, über die Tiere, über all das, was er so liebte, wusste er von Buck MacKade. Der Vater hatte die Liebe für das Land an seinen jüngsten Sohn weitergegeben.
Vielleicht war das der Grund, warum Shane nicht vor Kummer umkam. Das Land war immer noch da, also war sein Vater auch irgendwie da. Und würde immer da sein.
Mit Devin hätte er vielleicht darüber reden können. Mit vierzehn war Devin bereits ein ausgezeichneter Zuhörer, außerdem standen sie sich altersmäßig am nächsten. Immerhin wurde Shane am Dienstag dreizehn. Das war ein Riesenschritt in Richtung Erwachsenwerden.
Trotzdem behielt er den Gedanken lieber für sich.
Im Kuhstall regten sich die ersten Tiere, vereinzeltes Muhen ertönte, Quasten schweiften durch die Luft, als alles für das morgendliche Melken vorbereitet wurde. Es war eine ziemlich einfache Aufgabe, eigentlich sogar ein wenig monoton. Aber Shane machte diese Arbeit Spaß, er genoss die Gerüche, die Laute und Geräusche, die immer wiederkehrende Routine. Während er und Devin sich daranmachten, die zweite Gruppe Kühe anzuschließen, führten Rafe und Jared die von ihrer Milch erleichterten Tiere bereits nach draußen.
Sie waren ein gut eingespieltes Team, schnell und effizient, trotz der unchristlich frühen Stunde und der ebenso ungnädigen Temperaturen. Im Grunde genommen hätte einer von ihnen gereicht, um diese Arbeit zu übernehmen, im Höchstfalle vielleicht zwei, aber die MacKade-Brüder hatten schon immer alles zusammen gemacht. Und besonders in diesen Tagen.
Aber da waren auch noch die Hühner und die Schweine, die es zu versorgen galt. Eier mussten eingesammelt, Ställe ausgemistet, neues Stroh verteilt werden. Und das alles noch, bevor sie endlich ihr Frühstück hinunterschlingen und sich dann zu viert in Jareds altes Auto quetschen konnten, um zur Schule zu fahren.
Wenn es nach ihm ginge, hätte Shane gut auf diesen Teil mit der Schule verzichten können. In der Schule lernte man nicht, wie gepflügt und wann gepflanzt wurde. Diese Bücher in der Schule verrieten einem nichts darüber, wann man am besten mit der Saat begann oder wann die Zeit günstig war, um zu ernten. Und schon gar nicht darüber, wie man am Geruch der Luft das Wetter voraussagen konnte oder wie man an den Augen einer Kuh erkannte, ob sie krank war oder gesund.
Aber seine Mutter hielt sehr viel von diesen Büchern, und in der Beziehung ließ sie absolut nicht mit sich reden.
„Was zum Teufel macht dich eigentlich so widerlich glücklich?“ brummte Rafe und schlug zwei leere Stahleimer aneinander. „Dieses Gepfeife treibt mich noch irgendwann in den Wahnsinn.“
Shane grinste nur und pfiff weiter. Er unterbrach sich nur, um den Kühen ein paar aufmunternde Worte zukommen zu lassen. „So ist es richtig, Mädels, macht nur alle Container schön voll.“ Shane ging an der Reihe der Tiere entlang, tätschelte den Kühen den Hals und kontrollierte noch einmal alle Saugdüsen.
Rafe folgte seinem Bruder mit den Augen, ohne ihn richtig zu sehen. „Irgendwann schlage ich ihm noch mal alle Zähne ein“, murmelte er vor sich hin.
„Lass ihn doch“, feixte Devin. „Bei ihm ist der Hirntod doch schon längst eingetreten.“
Rafe grinste breit. „Du hast Recht. Und außerdem – es ist so verdammt kalt, dass meine Finger wahrscheinlich wie Glas zerbersten würden, wenn ich ihm meine Faust ins Gesicht pflanze.“
„Heute wird’s aber noch warm.“ Shane stützte sich auf einen breiten Kuhrücken. „Na ja, mindestens so um den Gefrierpunkt, wahrscheinlich sogar über null.“
Rafe machte sich gar nicht erst die Mühe zu fragen, woher Shane dieses Wissen hatte. Shane wusste es einfach. Er wusste es immer. „Na und?“ Mit lässigen Schritten verließ er den Kuhstall und ging zur Scheune hinüber.
„Was ist denn mit dem los?“ murmelte Shane verdutzt. „Hat er sich vielleicht einen Korb von irgendeinem Mädchen geholt?“
„Nein, er hasst nur einfach Kühe.“ Jared kam zurück, er roch nach Getreide und Mais.
„So was Blödes. Dabei sind Kühe doch so nette Tiere. Nicht wahr, Mädel, du bist eine ganz Süße, was?“ Er schlug der Kuh liebevoll mit der flachen Hand auf das Hinterteil.
„Shane liebt Kühe.“ Devin grinste das typische MacKade-Grinsen, bei dem sich Grübchen an jeder Seite der Mundwinkel bildeten. „Da hat er auch mehr Glück beim Küssen, als wenn er es bei einem Mädchen versuchen würde.“
Shanes Kopf schoss hoch, und seine Augen verengten sich. „Ich kann jedes Mädchen küssen, das ich küssen will – wenn ich es denn küssen wollte.“ Sein Körper unter den Lagen Winterkleidung spannte sich an. Er war zum Sprung bereit.
Jared erkannte die typischen Vorzeichen und schüttelte den Kopf. Er hatte jetzt wirklich keine Lust auf eine Rangelei. Es gab noch viel Arbeit zu erledigen, und außerdem stand ihm eine Klassenarbeit in englischer Literatur bevor. Devin und Shane waren ungefähr gleich stark und gleich wendig, eine Rauferei zwischen ihnen konnte ewig dauern.
„Sicher, du bist ein wahrer Don Juan.“ Er sagte das nur, damit Shane seine Wut auf ihn lenken würde. „All die kleinen Mädchen ziehen sich ihre Sonntagskleidchen an und warten geduldig in der Schlange, um sich bei dir einen Kuss abzuholen.“
Devin spitzte die Lippen und machte schmatzende Laute in die Luft, die wohl Küsse nachahmen sollten. Jared hätte ihm am liebsten den Hals umgedreht. Als Shane herumschwang, um genau das zu tun, ging er allerdings dazwischen. „Aber bevor du sie reihenweise in Ohnmacht fallen lässt, du Herzensbrecher … Das Wasser in den Trögen ist eingefroren. Und diese Kühe hier haben Durst.“
Shane stampfte wütend nach draußen, nicht ohne Devin vorher noch einen Blick zugeworfen zu haben, der diesem sagte, dass die Angelegenheit noch lange nicht ausgestanden war.
Natürlich konnte er ein Mädchen küssen. Jedes Mädchen. Shane hackte wütend auf die dicke Eisschicht im Trog ein. Wenn er wollte. Aber er wollte eben nicht.
Nun, vielleicht regte sich da doch ein wenig Interesse, gestand er sich eher unwillig ein und hauchte sich wärmend auf die steifen Finger. Einige der Mädchen, die er kannte, begannen langsam ziemlich interessante Formen zu entwickeln. Und als Sharilyn, Jareds Freundin, letztens neben ihm in Jareds Auto gesessen hatte, eng an ihn gepresst, aus dem einfachen Grund, weil vorn im Wagen nicht so viel Platz war, da hatte er dieses seltsame Kribbeln gespürt …
Wahrscheinlich konnte er sogar Sharilyn küssen. Wenn er wollte.
Er legte das schwere Stemmeisen beiseite und sah über das Dach des Milchschobers, über dem die Sterne auffunkelten. Da würde Jared mit Sicherheit ziemlich dumm aus der Wäsche gucken. Sie alle glaubten ja, er hätte keine Ahnung, nur weil er der Jüngste war. Aber er wusste ganz genau, wie das ablief. Zumindest konnte er sich sehr genau vorstellen, wie so was ablief.
Er warf sich das Stemmeisen über die Schulter und machte sich vorsichtig rutschend und schlingernd auf den Weg zum Schweinestall.
Natürlich wusste er, was Sex war und wie es funktionierte. Schließlich war er auf einer Farm aufgewachsen. Er hatte oft genug gesehen, wie verrückt ein Bulle wurde und wie ihm die Augen aus dem mächtigen Schädel zu fallen drohten, wenn man ihn zur Kuh führte. Allerdings hatte ihm das nie nach sehr viel Spaß ausgesehen. Bisher. Doch jetzt bemerkte er langsam, mit welch interessanten Dingen die Mädchen ihre Blusen auszufüllen begannen …
Er wünschte, er wäre endlich erwachsen. Er wünschte, er könnte es irgendwie beweisen, dass er erwachsen...




