Roberts | Kings of Crypto | E-Book | www.sack.de
E-Book

E-Book, Deutsch, 288 Seiten

Roberts Kings of Crypto

Wie ein Start-up mit Bitcoin und Co die Wall Street erschüttert(e)
1. Auflage 2022
ISBN: 978-3-86470-820-6
Verlag: Börsenbuchverlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark

Wie ein Start-up mit Bitcoin und Co die Wall Street erschüttert(e)

E-Book, Deutsch, 288 Seiten

ISBN: 978-3-86470-820-6
Verlag: Börsenbuchverlag
Format: EPUB
Kopierschutz: 6 - ePub Watermark



Im Krypto-Universum spielen sich Dramen darüber ab, welche Kryptowährung sich gegenüber anderen durchsetzt. 'Kings of Crypto' taucht tief in diese Dramen ein: Star-Kryptojournalist Jeff John Roberts verfolgt den Aufstieg, den Fall und die Wiedergeburt von Kryptowährungen anhand der Erfahrungen der wichtigsten Akteure weltweit. Im Mittelpunkt seines Buchs stehen die Story des Silicon-Valley-Unternehmers Brian Armstrong und der turbulente Höhenflug seines Start-ups Coinbase, das heute die führende US-Kryptowährungsbörse ist. Scharfsinnig beobachtet und brillant recherchiert enthüllt Roberts diese Erfolgsgeschichte - von der einfachen Bude zum Milliardengeschäft. Dabei vermittelt er die ganze Faszination, aber auch die Abgründe der Kryptowelt.

Jeff John Roberts ist seit 2021 geschäftsführender Redakteur von Decrypt, einer beliebten Krypto-Website. Der renommierte Jurist und preisgekrönte Journalist war zuvor jahrelang Redakteur des Magazins Fortune, wo er über Themen wie Fintech, Blockchain und den Obersten Gerichtshof berichtete. Seine Artikel sind unter anderem in Businessweek, Fortune und der New York Times erschienen.
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Brian hat ein Geheimnis


Brian Armstrong stieg aus seinem Auto aus, spürte den sanften Sonnenschein Kaliforniens auf seinem kahlen Kopf und roch Eukalyptus. Er betrachtete die Fassade von Y Combinator: Das einstöckige Gebäude, nur fünf Meilen entfernt vom Google-Campus in Mountain View, sah eher nach verschlafenem Vorstadt-Büropark als nach einer berühmten Schule für Start-ups aus, in der die Gründer von Stripe, Dropbox und weiteren Milliardenunternehmen gelernt hatten. Armstrong interessierte sich nicht für das unspektakuläre Äußere dieses Ortes – er wusste, wer vor ihm schon alles dort gewesen war. Die Gründer von Airbnb, wo er bis vor Kurzem gearbeitet hatte, entstammten Y Combinator, ebenso wie die CEOs anderer Silicon-Valley-Stars wie Doordash, Twitch und Reddit. Armstrong, blass und auf den ersten Blick schüchtern aussehend, strahlte mit seiner trainierten Figur eine ruhige Zuversicht aus. Er störte sich nicht daran, dass er erst wenige Tage zuvor mit seinem vorgesehenen Mitgründer gebrochen hatte, sodass er das Programm als einer von nur wenigen Entrepreneuren allein durchlaufen würde. Es war der Sommer 2012, und Armstrong strotzte vor Gewissheit, dass er das nächste berühmte Start-up aus Y Combinator schaffen würde.

So war er nicht immer gewesen. In den 1990ern hatte Armstrong seine frühen Teenager-Jahre nur zwölf Meilen südlich in San José verbracht, ruhelos und vage unglücklich. San José ist die zehntgrößte Stadt der Vereinigten Staaten und das Zentrum des Silicon Valley. Aber es konnte – und kann immer noch – wirken wie ein lebloser Parkplatz, auf dem viele Menschen nichts zu tun haben. So fühlte sich Armstrong häufig. Bis das Internet kam.

Wie so vielen anderen intelligenten, aber introvertierten jungen Menschen brachte das World Wide Web Armstrong sowohl Freunde als auch einen Strom spannender Ideen. Im engen San José zu sitzen, machte ihm nichts mehr aus, als er über seine Tastatur mit einer globalen Gemeinschaft von Hackern und Philosophen verbunden war. Als er im Jahr 2001 an der Rice University anfing, wusste er, dass er das Internet nutzen wollte, um die Welt zu verändern, so wie es eine frühere Generation von Tech-Visionären mit Mikrochips und Desktop-Computern getan hatte.

Aber es gab ein Problem.

„Ich hatte immer den Gedanken, dass ich gern ein bisschen früher geboren worden wäre. Als ich mit dem College fertig war und zu arbeiten begann, hatte ich die Befürchtung, dass ich zu spät dran wäre“, erinnert sich Armstrong. „Die grundlegenden Internet-Unternehmen waren schon aufgebaut, und die Revolution war vorbei.“

Natürlich irrte er sich. Die Internet-Revolution tobt noch immer, und Entrepreneure nutzen sie, um unsere Häuser und unser Leben umzukrempeln – ob zum Guten oder zum Schlechten. Ende 2008 veröffentlichte eine mysteriöse Person unter dem Namen Satoshi Nakamoto im Internet zudem ein neunseitiges Forschungspaper, das die gleiche Revolution bei Geld in Gang bringen sollte. Armstrong wurde ein Jahr später auf diesen Aufsatz aufmerksam.

Es war Weihnachten, und er war in seinem alten Zimmer im Haus seiner Eltern in San José, wo er wie üblich im Internet Technologie-Nachrichten las. Jemand hatte das Nakamoto-Paper in einem Computer-Diskussionsforum veröffentlicht, und Armstrong war sofort fasziniert davon. Er las und las dann noch einmal, worum es ging: eine neue Art von digitaler Währung namens Bitcoin, die unabhängig von jeder Bank, jedem Unternehmen und jeder Regierung funktioniert. Bei Bitcoin wurde wie bei einer Bank protokolliert, wer an wen bezahlt, in diesem Fall aber von irgendwelchen Leuten mit Computern rund um die Welt. Es war echtes Geld ohne Banken oder Grenzen. Armstrong fing an, den Aufsatz von Nakamoto zum dritten Mal zu lesen. Rufe seiner Mutter, nach unten zum Abendessen mit der Familie zu kommen, ignorierte er.

Als er zweieinhalb Jahre später durch die Türen von Y Combinator schritt, war Armstrong stärker auf Bitcoin fixiert als je zuvor. Inzwischen hatte er selbst eine besondere Erkenntnis über die Währung entwickelt, und die wollte er bald Millionen Menschen vermitteln.

In seiner Start-up-Bibel „Zero to One“ schreibt der umtriebige Milliardär Peter Thiel über „offene Geheimnisse“ – Geschäftsideen, die jeder umsetzen kann, wenn er keine Angst davor hat, konventionelles Denken infrage zu stellen. Thiel nennt als Beispiele Airbnb, dessen Gründer einen nicht bedienten Markt für leere Zimmer sahen, und Uber, dessen Gründer erkannten, dass man mit einem GPS-Signal und einer Smartphone-App Taxis ersetzen kann.

In den Büchern des Wirtschaftsautors Michael Lewis sind weitere Beispiele für solche offenen Geheimnisse zu finden. In „Moneyball“ beschreibt er einen Sport-Manager, der ein erfolgreiches Baseball-Team mithilfe von Daten aufbaute statt mit den alten Weisheiten erfahrener Spieler-Scouts. Und in „Liar’s Poker“ erzählt er, wie ein Händler bei seiner Wall-Street-Firma ein Vermögen machte, indem er Hypothekenkredite zu Hypothekenanleihen bündelte. Die Idee war offensichtlich, aber damals ein Geheimnis, weil der allgemeine Konsens nichts von ihr wissen wollte.

Im Jahr 2012 stieß Armstrong auf sein eigenes offenes Geheimnis. Er wusste, dass Bitcoin als Technologie die Welt verändern würde, dass der Kauf der Währung aber für die meisten Menschen eine verwirrende und komplizierte Angelegenheit war. Was wäre, wenn er das einfacher machen könnte? Sam Altman, der Präsident von Y Combinator, verstand die Kraft einer solchen Einfachheit und dessen, was Armstrong sich vornahm. „Etwas leicht nutzbar zu machen ist für 99 Prozent der Menschen von Bedeutung, aber technisch denkende Menschen neigen dazu, das zu übersehen. Beim Start von Dropbox sagten Programmierer: ‚Warum sollte das irgendjemand benutzen? Man kann doch mit den Kommandozeilen-Befehlen Backups von allen Dateien erstellen’“, erklärt er mit Blick auf einen Computer-Prozess, der für Experten offensichtlich, aber für alle anderen rätselhaft ist.

Dieselbe Überlegung traf auf Bitcoin zu. Viele Menschen wollten sich darin versuchen, wenn nur jemand eine Webseite aufbauen würde, auf der man die Kryptowährung so kaufen kann wie sonst Aktien im Internet. Aber die Bitcoin-Anhänger, die dazu in der Lage gewesen wären, wollten davon nichts wissen. Sie verstanden die Idee nicht. Stattdessen versuchten viele, die technischen Grundsätze aus Nakamotos Aufsatz zu übernehmen und damit eigene Kryptowährungen aufzubauen, in der Hoffnung, reich zu werden. Dazu Altman: „Jeder in der Krypto-Community wollte eine neue Version von Bitcoin starten. Es gab diese Mentalität von ‚Ich werde schnell reich, indem ich eine neue Währung entwickle und 20 Prozent davon behalte’.“

Armstrong sah das anders. Er nutzte sein offenes Geheimnis der aufgestauten Nachfrage nach einfachem Bitcoin-Zugang und produzierte ein Modell für die Website, aus der Coinbase werden sollte. Am 21. August 2012 stand er bei Y Combinator Demo Day auf der Bühne, einer alle sechs Monate stattfindenden Veranstaltung, bei der Scharen von Start-ups versuchen, Risikokapitalgeber und Technologiemedien zu überzeugen. Für die meisten Gründer ist sie ein kleiner Moment des Ruhms, bevor sie in den Monaten darauf unweigerlich untergehen – das ist nun einmal das häufigste Schicksal von Start-ups. Allerdings ergeht es nicht allen so, und in Armstrongs Jahrgang gab es noch zwei weitere spätere Erfolge: Instacar, heute ein Lebensmitteldienst mit Milliarden-Bewertung, und Soylent, Hersteller eines Fleischersatz-Produkts, das im Silicon Valley und anderswo Kultstatus genießt.

Als er am Demo Day an der Reihe war, betrat Armstrong die Bühne mit ruhiger Zuversicht. Er wandte sich dem Publikum zu und verkündete seine Idee mit einem schlichten Slogan: „Coinbase: die einfachste Möglichkeit, um mit Bitcoin anzufangen.“

Es schien so offensichtlich – im Rückblick.

Armstrongs frühe Einsichten über Bitcoin sollten ihn zum Milliardär machen. Aber es kostete ihn auch einen Freund. In jenem Sommer 2012 hatte er nicht geplant, allein zu Y Combinator zu gehen, wo Ein-Mann-Bands nicht gern gesehen sind. Die Start-up-Schule wollte Mitgründer. Im Plural.

Trotz der Verehrung für Einzel-Entrepreneure im Silicon Valley sind Technologie-Start-ups, wie so viele kreative Vorhaben, in der Realität viel eher ein Teamsport – häufig in einer 2-Personen-Partnerschaft. In Arbeiten wie „Collaborative Circle“ oder „Powers of Two“ haben Forscher gezeigt, dass Genialität selten allein auftritt: John Lennon und Paul McCartney brauchten einander, um zeitlose Beatles-Hits zu schreiben, Pablo Picasso und Georges Braque schwangen Seite an Seite die Pinsel, um den Kubismus zu erfinden, und auch die Biologen James Watson und Francis Crick arbeiteten bei ihrer Entdeckung von Doppelhelix und DNA intensiv zusammen.

Bei der...


Jeff John Roberts ist seit 2021 geschäftsführender Redakteur von Decrypt, einer beliebten Krypto-Website. Der renommierte Jurist und preisgekrönte Journalist war zuvor jahrelang Redakteur des Magazins Fortune, wo er über Themen wie Fintech, Blockchain und den Obersten Gerichtshof berichtete. Seine Artikel sind unter anderem in Businessweek, Fortune und der New York Times erschienen.



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